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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Johnson, Uwe



Schon Mitte der 50er Jahre erkannte der damals in Leipzig ansässige Literaturhistoriker Hans Mayer das große erzählerische Talent des damals zwanzigjährigen Germanistikstudenten J. und empfahl seinen Schüler, der eine hervorragende Diplomarbeit über Ernst Barlach angefertigt hatte, dem westdeutschen Verleger Peter Suhrkamp, nachdem vier namhafte Verlage der DDR dessen erstes Romantyposkript Ingrid Babendererde abgelehnt hatten. Zu einer ersten Romanveröffentlichung kam es erst im Herbst des Jahres 1959 .

      ]., Sohn eines aus Mecklenburg stammenden Gutsverwalters und späteren Angestellten des Greifswaldcr Tierzuchtamtes, war in den letzten Kriegsjahren Schüler eines nationalsozialistischen Internats; zwischen 1946 und 1952 besuchte er die Oberschule in der Barlach-Stadt Güstrow. Der plötzliche Wechsel der politischen Systeme, den der Schüler J. anhand des Bildertauschs im Klassenzimmer genau registrierte, fand autobiographisch Niederschlag in der ersten seiner Frankfurter Poetik-Vorlesungen im Sommersemester 1979.
      Konflikte mit der »Freien Deutschen Jugend«, deren Mitglied J. lange Jahre war, vereitelten eine Anstellung des begabten Germanisten im Staatsdienst und zwangen zu wissenschaftlicher Arbeit am heimischen Schreibtisch. In dieser Zeit entstanden eine neuhochdeutsche Prosabearbeitung des Nibelungenliedes und die Ãœbersetzung von Herman Melvilles Israel Potter aus dem Amerikanischen; beide Bücher sind in der DDR, jedoch zunächst ohne Angabe ihres Ãœbersetzers, erschienen.
      Nachdem auch der Suhrkamp Verlag, besonders auf Betreiben des damaligen Mitarbeiters und Lektors Siegfried Unseld, das erste Manuskript, genauer, dessen vierte Fassung, abgelehnt hatte, legte J. seine zweite Arbeit vor, den noch umfangreicheren Roman Mutmaßungen über Jakob. Daraus wurde sein erstes Buch, das in einer Erstauflage von 5000 Exemplaren erschien. J. hatte wegen dieser Publikationsmöglichkeit im Westen die DDR verlassen; er sei, wie er immer wieder in Interviews versicherte, nicht geflohen, sondern »übergesiedelt«.
      Während die Existenz eines J. in der DDR über Jahre hinweg totgeschwiegen wurde, abgesehen von zwei polemischen Attacken in der kulturpolitischen Wochenzeitung Sonntag und im Neuen Deutschland 1962, erkannten die Literaturkritiker des übrigen deutschsprachigen Raums sehr rasch die außerordentliche Belesenheit dieses jungen Autors, sahen in seiner komplexen Erzähltechnik und stilistischen Virtuosität Ähnlichkeiten zu den angloamerikanischen Vorbildern William Faulkner, Erncst Hemingway und James Joyce, konstatierten aber auch Kompositionsmerkmale des nouveau rornan eines Alain Robbe-Grillet und anderer zeitgenössischer Autoren. Die Reihe der Schriftsteller, mit denen J. in der Folgezeit verglichen wurde, ist endlos lang und reicht von Franz Kafka über Thomas Mann bis zu Robert Musil und Christa Wolf, Franz Turnier und Fritz Rudolf Fries. Der entscheidende Impuls, der diesem Erstling eines völlig unbekannten Literaten in derwestdeutschen Literaturszene zu so großer Popularität verhalf- gleichzeitig erschienen Die Blechtrommel von Günter Grass und Heinrich Bölls Billard um halb zehn — ging jedoch nicht so sehr vom stilistischen Gcstaltungswillen aus, sondern vielmehr von der spezitischen Thematik, die hier aufgegriffen wird: die Spaltung Deutschlands. Dieser thematische Aspekt der Mutmaßungen über Jakob, so zeigt es die Wirkungsgeschichte dieses Romans, wurde von der Literaturkritik einhellig überbewertet, zuweilen hypostasiert, was zu einer simplifizierenden Etikettierung J.s führte, welche die feuületonistische Publizistik des europäischen Auslands nach dem Erscheinen der Ãœbersetzungen unkritisch übernahm und weiter propagierte. J. wurde für diesen Roman, der nicht nur die sprachliche und menschliche Entfremdung der beiden Teile Deutschlands vielperspektivisch ausleuchtet, sondern auch das politische Klima der 50er Jahre vergegenwärtigt , mit dem Fontane-Preis des Berliner Senats ausgezeichnet.
      War das Thema der Mutmaßungen die detailgenaue Rekonstruktion einer entscheidenden Lebensphase des Reichsbahn-Dispatchers Jakob Abs bis zu dessen tragischem Tod bei einem Arbeitsunfall auf einem Rangiergleis, waren die Protagonisten noch DDR-Bürger, so ist im zwei Jahre später folgenden Roman die handlungstragende Figur ein Hamburger Journalist namens Karsch, der von einer früheren Freundin, einer Schauspielerin, zu Besuch in die DDR eingeladen wird und dort den politisch engagierten Radrennsportler Achim kennenlernt. Dieser Karsch wird von einem DDR-Verlag beauftragt, zu den zwei bereits geschriebenen Biographien über das Sport- und Jugendidol Achim eine dritte zu verfassen, stößt bei seinen Recherchen in der Vergangenheit des gefeierten Rennfahrers jedoch auf Fakten , die sich mit der ideologischen Konzeption eines staatlichen Verlags nicht in Einklang bringen lassen. Die engen Grenzen der Pressefreiheit erkennend, reist Karsch wieder ab. In diesem Roman, der vor dem Mauerbau geschrieben wurde, sind noch die Hoffnungen der Entstalinisierungsphase spürbar, die Möglichkeiten einer Kooperation zwischen einem westdeutschen Publizisten und einem ostdeutschen Verlag in Sachen Sport werden immerhin zur Diskussion gestellt. Dieser Roman über die Anfänge der Entstehungsgeschichte einer letztendlich gescheiterten deutsch-deutschen Sportlerbiographie liest sich einfacher als sein Vorgänger, wenngleich J. auch hier mit einer Frage-Antwort-Technik arbeitet, die nach einer ersten Textlektüre Fragen offen läßt. Die Kritik nahm das Werk euphorisch auf; namhafte europäische Literaturverlage erkannten dem erst 27jährigen J. den Internationalen Verlegerpreis zu; Ãœbersetzungen des Romans folgten daraufhin in sieben Sprachen und lösten ein breites Echo in der Presse aus. J. reiste ein erstes Mal in die USA, wo er nicht nur las und diskutierte, sondern auch seinen poetologischen Essay Berliner Stadtbahn vorstellte.
      Die Mailänder Kontroverse mit Hermann Kesten im Spätherbst 1961 hatte zu einer Diskussion im Deutschen Bundestag geführt; der orthodoxe Antikommunist H. Kesten hatte behauptet, J. habe die Berliner Mauer für >sittlich gut< befunden, sich also engagiert prokommunistisch verhalten. Daraufhin forderte die CDU eine Rücknahme des Villa-Massimo-Stipendiums ; dazu kam es jedoch nicht, da Tonbandmitschnitte der Mailänder Diskussion den Beweis erbrachten, daß Kesten den jungen Autor verleumdet hatte. Im Jahr 1964 betätigte sich J. journalistisch als Kritiker des DDR-Fernsehens für den Westberliner Tagesspiegel; 1965 erschien wieder ein größerer Prosatext , in dem J. auf Stilexperimente und komplizierte Erzählstrukturen verzichtet: er schildert eine Flucht von Ost nach West. Mit Recht ist daraufhingewiesen worden, daß dieser Text eine Zäsur und einen vorläufigen Schlußpunkt in seiner literarästhetischen Entwicklung setzt. Das fiktionale Handlungspotential, das sich aus den Konsequenzen der deutschen Teilung ergab, schien erschöpft.
      J. wählt für die Jahre 1967/68 New York als seinen neuen Wohnsitz, arbeitet bei Harcourt-Brace-Jovanovich als Schulbuch-Lektor , schließt Freundschaft mit der Verlegerin Helen Wolff, beobachtet die amerikanische Alltagswirklichkeit, liest und archiviert die New York Times und sammelt unermüdlich Stoff für seine Jahrestage, deren erster Band 1970 erscheint. Die ersten Impressionen des New Yorker Lebens verarbeitet J. in einem kleinen Drehbuch zu einem Film von Christian Schwarzwald . Detaillierte Milieustudien, der Vietnamkrieg und die Berichterstattung über ihn, Rassenprobleme und Alltäglichkeiten beschäftigen den Autor, der gleichzeitig Quellenstudien zur deutschen Geschichte der jüngsten Vergangenheit treibt, zu Vergleichen findet und langsam ein vielfädiges Erzählgerüst um seine Protagonistin Gesine Cresspahl spinnt, auf zwei Zeitebenen den Roman vorantreibt und sich als einer der bedeutendsten Erzähler der Nachkriegszeit erweist. Noch bevor die Tetralogie abgeschlossen ist, erst 1983 erscheint der vierte Band, erhält J. den Georg-Büchner-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung , den Wilhelm Raabe-Preis der Stadt Braunschweig und den Thomas-Mann-Preis der Hansestadt Lübeck, die höchsten literarischen Ehren, auf die 1983 der Kölner Literaturpreis folgt.
      1974 geht J. freiwillig ins Exil; er wohnt in Sheerness-on-Sea, auf einer Themse-Insel, zurückgezogen, gerät infolge einer Ehekrise in eine »Schreibhemmung«, die alle seine literarischen Projekte verzögert. 1974 erscheint ein schmales Bändchen, ein Nekrolog auf Ingeborg Bachmann ; 1979 wird J. Gastdozent für Poetik an der Frankfurter Goethe-Universität und resümiert über den Schriftstellerberuf, reflektiert eigene Erfahrungen, erzählt Anekdoten, gewährt Einblicke in das »Handwerk des Schreibens«, rechnet ab . In einem Beitrag zu einer Festschrift für Max Frisch verarbeitet J. seine Ehekrise. In sprachlich dichter, zumeist konjunktivischer, überaus steifer Prosa skizziert ein Dr. John Hinterhand sein Unglück. Diese autobiographischen Assoziationen erschienen 1982 unter dem Titel Skizze eines Verunglückten.), starb sehr einsam. Ein Jahr nach seinem Tod entschloß sich der Suhrkamp Verlag, das einst abgelehnte Typoskript Ingrid Babendererde zu publizieren, jene Schulgeschichte, die mit einer Flucht nach Westberlin endet und aus der J.s ungebrochene Verbundenheit zu seiner mecklenburgischen Heimat spricht.
     


Johnson, uwe

Geb. 20.7.1934 in Kammin/Pommern; gest. 23.2.1984 in Sheerness Schon Mitte der 1950er Jahre erkannte der Leipziger Literaturhistoriker Hans Mayer das große erzählerische Talent des damals zwanzigjährigen Germanistikstudenten J. und empfahl seinen Schüler, der eine hervorragende Diplomarbeit über E .....
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Uwe johnson: »mutmassungen über jakob« (i959) - romanpoetik der unbestimmtheit

Im Netz der Ãœberwachung Wer Wegweiser für das Leseabenteuer in der Unübersichtlichkeit dieses Romans braucht, der lese zunächst die am Schluß angefügten »Angaben zur Geschichte Jakobs«. Sie sind ein Inhaltsabriß. Und so erinnert das Ganze an jene Text-Bild-Rätsel in Zeitungen und Magazinen, unte .....
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Uwe johnson (geb. i934)

siedelte 1959 nach West-Berlin über, als sein erstes Romanmanuskript von ostdeutschen Verlagen nicht angenommen wurde. Hier fand er sogleich einen Verlag für seinen Roman 'Mutmaßungen über Jakob", der das Thema der Teilung Deutschlands zum Gegenstand hat. Auch seine nächsten Werke behandeln menschli .....
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Johnson, uwe

Uwe Johnson ist einer der wichtigsten deutschen Erzähler der Nachkriegszeit. Er wurde geprägt vom Küstenhinterland Mecklenburg-vorpornmerns, aber auch von den Großstadtmilieus Berlins und New Yorks. Seine syntaktisch eigenwillige, regional gefärbte, bilderreich-sensible, aber zugleich karge Sprache .....
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Johnson, eyvind

Eyvind Johnson, den man auch »Schwedens schlechtes Gewissen« nannte, schrieb über die Lebensbedingungen von Unterdrückten. Inspiriert von Andre -^Gide, James -> Joyce und Marcel -» Proust führte Johnson den inneren Monolog in die schwedische Literatur ein und entwickelte aus verschiedenen perspektiv .....
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Friesel, uwe

Biografie: *10.2.1 in Braunschweig. U. Friesel erhielt von 1956 bis 1957 ein USA-Stipendium, anschließend studierte er von 1961 bis 1965 Germanistik, Anglistik und Philosophie und arbeitete 1965 als Lektor beim Ciaassen Verlag, von 1966 bis 1967 als Hörspieldramaturg beim NDR, anschließend von 1970 .....
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Erichsen, uwe

auch unter den Pseud.: Jerry Cotton, Andrew McKay, Jim Sheridan, Gil Ham-mon Biografie: *9.8.1 in Rheydt. U. Erichsen war bereits während seiner Schulzeit journalistisch tätig, später schrieb er als Ausgleich zu seinem kaufmännisch-technischen Beruf, den er erlernt hatte. Als sich die ersten Erfolg .....
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Reisen in unbekanntes-bekanntes land - uwe kant 'die reise von neukuckow nach nowosibirsk (i980)

Kants Jugendroman steht gleichsam am Ende der Entfaltung eines Figuren-Handlungs-Modells, das daraufgerichtet war, einen jungen Menschen auf der Reise und seine damit verbundenen Wandlungen zu zeigen. Die Reise entfernte den Protagonisten zwar aus seiner alltäglichen Umwelt, beließ ihn aber in der L .....
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Uwe kolbe (geb. i957): hineingeboren - stacheldrahtlandschaft

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Uwe greßmann (i933-i969)

Ãœber den 1969 im Alter von nur 36 Jahren gestorbenen Uwe Greßmann zu schreiben heißt über einen weithin unbekannten Dichter zu schreiben. Nicht deshalb, weil er vergessen wäre. Er ist unbekannt, weil der Editionsgeschichte skandalöse Züge eignen: Vier Lyrikbände, drei davon postum erschienen, und e .....
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Uwe kolbe (-i957)

I. Als im Herbst 1989 die Berliner Mauer fiel, hielt sich Uwe Kolbe ein Gastsemester lang als Visiting Writer in Austin, Texas auf. Gefragt, woher er komme, gab er zur Antwort: 'Aus Deutschland bin ich, aus Hamburg, aber eigentlich aus Berlin, aus Ostberlin, also aus der DDR" . Diese Auskunft über .....
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Herms, uwe

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Gressmann, uwe

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Brentano, brecht, horst wessel und johnson

Wenn das deutsche Volk in der Welt weniger als das Volk der Dichter und Denker, sondern eher als das »der Richter und Henker« gilt, so ist das nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß in diesem Land die Machthaber mit besonderer Vorliebe eben die Dichter und Denker bekämpft und ver- folgt haben .....
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Index » wer schreibt provoziert

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