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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Jünger, Ernst



Ende 1913 hielt es ein verträumter, musisch hochbegabter Apothekersohn in der vom Wilhelminismus geprägten provinziellen Enge seines Heimatortes nicht mehr aus. Berauscht von Fernweh und Abenteuerlust unterzeichnete der Achtzehnjährige einen Vertrag mit der Französischen Fremdenlegion und brannte nach Afrika durch, kehrte jedoch auf Intervention des Vaters bereits fünf Wochen später zurück. Die Erzählung Afrikanische Spiele machte im Rückblick deutlich, daß sich bei dieser romantischen Jugendepisode inj. früh der Drang geregt hatte, den »Tod als Partner, als Zeugen der Wirklichkeit« zu erfahren. Diese makabere Partnerschaft hatj., ob als jugendlicher Legionär, als hochdekorierter Westfront-Grabenkämpfer des Ersten Weltkriegs oder auch als kühner Experimentator in der geistigen Abenteuerlandschaft der Drogen , sein Leben lang provoziert. Sie markiert einen zentralen Fluchtpunkt seines Werks. Diese Disposition zielt auf eine entschlossene Geistesgegenwart, auf einen erfüllten Zustand des Hier und Jetzt, der noch einmal versucht, bedrohte Traditionen in sich einzubeziehen, bevor diese in der fortschreitenden Geschichtslosigkeit, im Kampf zwischen musischem und technischem Potential versinken. Es handelt sich um ein, keineswegs dekadent-todessüchtiges, Bewußtsein, das lebt und schreibt im Wissen darum, daß jeder Atem- und jeder Schriftzug stets der letzte sein könnten. Dies Bewußtsein spielt in verschiedenen Schattierungen vom Weltkriegs-Tagebuch In Stahlgewittern bis hin zu den Spätwerken Aladins Problem oder Eine gefährliche Begegnung eine Rolle, und es hat entscheidend J.s vielgerühmten, aber auch vielgeschmähten Stil geprägt. Denn dieser Stil strahlt noch im feinsten Detail zwingende Exaktheit und apodiktische Strenge aus; eine Kaltnadeltechnik, die selbst scheinbare Nebensächlichkeiten mit Bedeutung aufzuladen weiß: Im Angesicht des Todes ist kein Ding zu gering, um nicht der Betrachtung und Darstellung wert zu werden. Mit dem als kriegsverherrlichend bezeichneten, bei näherer Betrachtung freilich seltsam distanzierten In Stahlgewittern und mit den während der 20er Jahre entstandenen Arbeiten wie Der Arbeiter erwies sichj. als militanter Konservativer mit Beziehungen zu Ernst Niekisch, Arnolt Bronnen und Carl Schmitt. Doch deuteten Bücher wie das vom Surrealismus beeinflußte Das abenteuerliche Herz bereits an, daß eine bloß ideologiekritische Betrachtung entscheidende Dimensionen des Werks verfehlt. Selbst Bertolt Brecht wehrte Angriffe auf den schillernden Autor und Reichswehroffizier ab: »Laßt mir den Jünger in Ruhe!« Die Mixtur aus Verwandtschaft und Feindschaft, die die kulturelle Linke J. gegenüber von Anfang an empfand, kommt in Theodor W. Adornos Bemerkung: »ekelhafter Kerl, der meine Träume träumt«, zum Ausdruck. Ãœberhaupt gehört die analytische Aufmerksamkeit, die J. besonders in seinen zahlreichen, publizierten Tagebüchern der Verschränkung von Traum und Wirklichkeit zollt, zu den Hauptcharakteristika seiner Produktion. Auch in diesem Punkt ist die Nähe zum französischen Surrealismus überaus deutlich; insofern ist es nicht zufällig,daß J. in Frankreich erhebliche Wirkung erzielt. Man liest dort J. auch mehr als den bohemistisch-dandyhaften Künstler denn als den politischen Aktivisten, der eine Zeit lang auf der falschen Hochzeit tanzte. Allerdings hatte er aus seiner wesentlich ästhetisch motivierten Verachtung des Nationalsozialismus von Anfang an keinen Hehl gemacht und 1933 den Eintritt in die gleichgeschaltete Deutsche Akademie der Dichtung abgelehnt. Er schrieb den symbolistisch verschlüsselten, rhythmisch hochstilisierten Prosatext Auf den Marmorklippen, der 1939 durchaus als Form der inneren Emigration, aber auch des geistigen Widerstands begriffen wurde. Als Hauptmann gehörte er bis 1944 zur deutschen Besatzung von Paris, wurdejedoch wegen seiner Verbindungen zu den Verschwörern nach dem Attentat vom 20. Juli aus der Wehrmacht entlassen. Bis Kriegsende schwebte er in ständiger Gefahr, vom »Volksgerichtshof« abgeurteilt zu werden. Nach 1945 wurde es still um J., obwohl er regelmäßig publizierte: Utopischphantastische Romane wie Heliopolis oder Gläserne Bienen , von Martin Heideggers Existentialismus beeinflußte Essays wie Ãœber die Linie , zudem weiter Tagebücher, in deren Kombination von subjektiver Beobachtung und verallgemeinernder Abstraktion er die ihm wohl gemäßeste Kunstform fand. Im Gebiet der Naturwissenschaft gilt der weitgereiste Insektenforscher übrigens als eine internationale Kapazität . Als ihm 1982 der Goethe-Preis verliehen wurde, kulminierte die wieder aufgelebte Diskussion um J. erneut. Doch inzwischen war »der Fall« des politikverachtenden »Anarchcn« mit dem platten Etikett »faschistischer Ästhetik« nicht mehr zu erledigen. Mitte der 70er Jahre hatte Alfred Andersch bereits eine Lanze für J. gebrochen, indem er dessen einzigartige Kunst, naturwissenschaftliche Erkenntnis mit literarischer Darstellung zu verschränken, herausstrich: »Die Gegensätze sollen aufgehoben werden. Versöhnung, nicht durch flaues Friedenstiften, sondern durch subtiles Konstatieren von allem, was beweist, daß jedes Ding viele Seiten hat.« Was Karl-Heinz Bohrer Die Ästhetik des Schreckens nannte, bekam 1985 noch eine besondere Pointe, als J. zu seinem 90. Geburtstag mit dem Kriminalroman Eine gefährliche Begegnung eine Art Poetik des Verbrechens vorlegte. Die Faszination der Gefahr, des Abenteuers und des Todes, in der sich wie in einem Brennglas das voluminöse Gesamtwerk bündeln ließe, mag dazu beigetragen haben, daß J. in seinem inzwischen wahrhaft biblischen Alter immer noch produktiv ist. Andersch porträtierte ihn 1975 so: »Das Gesicht eines Modells von Picasso, einen mediterranen Bronze-Kopf unter einem Helm aus weißen Haaren... Er sieht nicht wie ein deutscher, sondern wie ein lateinischer Dichter aus... das Picassohafte, Moderne an ihm, die Brechungen. «




Jünger, ernst

Geb. 29.3.1895 in Heidelberg; gest. 17.2.1998 in Riedlingen Ende 1913 hielt es ein verträumter, musisch hochbegabter Apothekersohn in der vom Wilhelminismus geprägten provinziellen Enge seines Heimatortes nicht mehr aus. Berauscht von Fernweh und Abenteuerlust unterzeichnete der Achtzehnjährige ein .....
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Ernst jünger: »eumeswil« (i977) - utopischer roman als denkspiel

Der Anarch »Wir finden und vergessen uns im anderen; wir sind nicht mehr allein.« Mit diesem Satz schließt Ernst Jüngers Roman »Die Zwille« von 1973. Wem bis dahin die kristallinen Welten Jüngers fremd geblieben waren, der mochte in dem Roman - einer Jugendgeschichte - zum erstenmal etwas wie zwi .....
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Hall, ernst

Pseud. für: Ernst Hassler Biograhe: *20.9.1 in Komotau/ Sudetenland. E. Hall wurde mit 18 Soldat und war als Kriegsgefangener in Russland Wolgaflößer, Holzfäller, Eisenbahnarbeiter und Kolchosenarbeiter. Nach Rückkehr aus der Gefangenschaft absolvierte er ein Volontariat und wurde Journalist. Unter .....
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Sage vom ganzen - ernst meister

SAGE VOM GANZEN den Satz, den Bruch, das geteilte Geschrei, den trägen Ton, der Tage Licht. s Mühsam im gestimmten Raum die Zeit in den Körpern, leidiges Geheimnis, langsam. Tod immer. 10 Sage .....
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Topitsch, ernst

In seinem Buch Stalins Krieg. Die sowjetische Langzeitstrategie gegen den Westen als rationale Machtpolitik spannt T. einen weiten lebensgeschichtlichen Bogen. Wie er in der Einleitung mitteilt, nahm er im Sommer 1941 als Soldat der deutschen Wehrmacht am Ãœberfall auf die Sowjetunion teil. »Die Di .....
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Schleiermacher, friedrich daniel ernst

»Alle Menschen sind Künstler.« Mancher mag vielleicht heute diesen Satz spontan mit einem Diktum Joseph Beuys identifizieren, dessen Auffassung: »Kunst kommt nicht von Können, sondern von Künden«, von der Ãœberzeugung lebt, daß in jedem einzelnen - wenn auch zumeist verschüttet — die Fähigkeit un .....
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Mach, ernst

Das Ich ist unrettbar.« Dies ist eine der Folgerungen, die M. in seinem populär gehaltenen Buch Die Analyse der Empfindungen und das Verhältnis des Physischen zum Psychischen aus seiner dort vor allem erkenntnistheoretisch fundierten »Elementen-Lehre« zieht. Dieses Werk, das die in der natürlichen .....
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Haeckel, ernst

Aus naturwissenschaftlicher Sicht kann das 19. Jahrhundert vor allem durch die Entdeckung der Evolution gekennzeichnet werden. Dabei ist es besonders H. zu verdanken, daß die Lehre von der Abstammung der Arten in Deutschland rasch verbreitet und in ihrer Bedeutung erkannt wurde. Sein Einfall war es .....
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Weber, wilhelm ernst

Hölderlin und Heinse Hock. Erich. In: Euphorion 76, 1982, S. 174 - 179. .....
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Waldinger, ernst

Die Sprachlosigkeit Kamla, Thomas A. In: Exilerlebnis, 1982, S. 444 - 446. .....
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Toller, ernst

Den Müttern Neis, Edgar. In: Krieg im Gedicht, 1980, S. 68 -69. Gemeinsame Haft Rietzschel, Thomas. In: Frankfurter Anthologie 17, 1994, S. 157 - 160. .....
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Steffen, ernst s.

Elsa Krechel, Ursula. In: Lesarten / Gedichte, 1982, S. 191 - 193. .....
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Stadler, ernst

Abendrot Martens, Wolfgang. In: ZDP 77, 1958, S. 423 - 425. Abendschluß Hubert, Gerda. In: Abend und Nacht in Gedichten, 1963, S. 143 - 154. Der Spruch Schürer, Ernst. In: Menschheitsdämmerung, 1971, S. 1 - 17. Fahrt über die Kölner Rheinbrücke bei Nacht Viering, Jürge .....
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Fischer, ernst

Als 20jähriger ließ er eine seiner ersten Veröffentlichungen in das emphatische Bekenntnis münden, daß »wir eines vor allem hassen: Erstarrung - eines vor allem lieben: Bewegung«. Ein halbesjahrhundert später sollte er noch immer das Lob der Bewegung vor der Erstarrung, der Utopie gegen die Entfremd .....
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Cassirer, ernst

C. ist als Denker mit eigenem systematischen Anspruch in dem Land, aus dem er 1933 vertrieben wurde, kaum noch in Erinnerung. Dies ist um so erstaunlicher, als er zu jenen gehört, die - so Karl Otto Apel - die Transzendentalphilosophie •transformiert« haben. C. vertrat eine Philosophie, welche die .....
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Meister, ernst

Apres Apreslude Egyptien, Jürgen. In: Ernst Meister, 1987, S. 21 - 30. Bis der Marmorbruch blutet Soboth, Christian. In: Todes-Beschwörung, 1989, S. 3- 11. Der Grund kann nicht reden Soboth, Christian. In: Todes-Beschwörung, 1989, S. 114- 117. Der Knabe Soboth, Christ .....
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Lichtung - ernst jandl

manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern. werch ein illtum! Wenn Komiker einen deutsch sprechenden Chinesen nachahmen wollen, so greifen sie zu einem einfachen Trick: Immer dort, wo ein »R« hingehört, sprechen sie ein »L«. Nach diesem Muster funktioniert weitgehend auch das Gedich .....
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Ernst theodor amadeus hoffmann (i776-i822)

Der Ostpreuße E. T. A. Hoffmann war eine typisch romantische Doppelnatur: von Haus aus war er Jurist und verteidigte als Kammergerichtsrat in Berlin die Unabhängigkeit des Richterstandes gegen reaktionäre Ãœbergriffe, wobei er sich vor allem der freiheitlichen Studenten und des Turnvaters Jahn annah .....
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Index » DIE DEUTSCHE ROMANTIK

Daseinsernst und komik: familienbilder in der kinder-und jugendliteratur der 80er und 90er jahre

Veränderte Familienerfahrungen heute aufwachsender Kinder - Literatur als zeitdiagnostisches Medium Aktuelle Forschungsergebnisse der Gesellschaftswissenschaften - vor allem der Jugend- und Familiensoziologie - zeigen eine Reihe von Strukturveränderungen innerhalb der für Kinder zentralen Lebensw .....
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Index » Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur » HANNELORE DAUBERT

Auf der suche nach einer neuen intensität stimmenspiele und ernst der stimme in den texten von annie zade

Die Texte der 1948 geborenen Autorin, bisher drei seit 1979 veröffentliche "Stücke", sind Gratwanderungen, Grenzgänge zwischen Prosa, Lyrik und Theater. Es sind Sondierungen von Stimmen, die unsicheres Terrain betreten, Figuren, die ineinander aufgehen oder sich spalten. Einiges erinnert an eine Wie .....
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Ernst schnabel hundert stunden vor bangkok

Methodische Vorüberlegungen 1. Wegen der Länge der Erzählung ist ihre Behandlung im 8. bis 10. Schuljahr nur nach gründlicher häuslicher Lektüre anzuraten. 2. In der Erzählung finden sich eine Reihe von Wörtern, die der vorherigen Erklärung an Hand eines Lexikons bedürfen: Bangkok = Hauptstad .....
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Ernst schnabel im dunklen tal der bären

Analyse Der Stoff Die Erzählung 'Im dunklen Tal der Bären" ist ein charakteristisches Beispiel für Schnabels Kurzgeschichten, in denen er ungewöhnliche Vorfälle im Lebensstrom darstellen will. Acht Jungen zelten in einem Gebirgstal bei Javorina. Vom Lager aus steigen drei der Jungen, der Größere .....
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Michael albert - bauernstube

Draußen rieselt der Regen; Dem Dorf entgegen Schlägt aus dem Walde der Wind. November ist es, der Abend beginnt Zu dunkeln nach kurzer Tageszeit. Da werden die Dächer weiß â€” es schneit. Vom Lutherofen um Bank und Schrein Strahlt gaukelnd der Flamme rötlicher Schein. Die Katze, die glatt sich .....
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Ernst jandl - hÖrprobe

höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höhere hören und daumen höhere daumen und hören höhere hören und höhere daumen meine höheren daumen meine höheren hören kennen sie mich herren kennen sie mich herren kennen si .....
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Erzählprosa für jüngere kinder

Die nach wie vor geschätzte Umweltgeschichte prägt verschiedene Muster aus. Den sozialkritischen Typus repräsentiert Schnacks Erzählung Klick aus dem Spielzeugladen , die bedrückende Bilder proletarischer Großstadtkindheit zeichnet. Als Wunderwelt erscheinen die Insignien der Großstadt dagegen der k .....
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Index » Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur » OTTO BRUNKEN

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