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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart



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ham a Sancta Clara
Johann Wolfgang von Goethe behielt recht, als er Friedrich Schiller einen Band mit Schriften von A. zusandte und dazu bemerkte, sie würden ihn »gewiß gleich zu der Kapuzinerpredigt begeistern« (5. 10. 1798). Denn Schiller fand hier das Material, das er brauchte, um den Auftritt des Kapuziners in Wal [ ... ]
Aichinger, Ilse
Ein »zartes, vielgeliebtes Wunderkind« war - so erinnert sich der Kritiker Joachim Kaiser noch 1980 - A. für die Mitglieder der legendären Gruppe 47, als sie (ab 1951) an deren Tagungen teilzunehmen begann und 1952 für die Spiegelgeschichte ihren Preis erhielt. Einer aus der Gruppe, der Lyriker und [ ... ]
Anders, Günther (d. i. Günther Stern)
Geb. 12. 7. in Breslau »Kraft aus dem Ursprung ziehen?... Aus der Fremde habe ich meine Kräfte gezogen« (Besuch im Hades, 1967) — jener Fremde, die nicht nur einen wechselnden geographischen, sondern auch den gesellschaftlichen Ort des während des Nationalsozialismus politisch und rassisch V [ ... ]
Andersch, Alfred
Geb. 4. 2. in München; gest. 21. 2. ig8o in Berzona A. entstammt einer Generation, die zu ihrem Selbstbewußtsein gelangte, als die Weimarer Republik bereits deutliche Auflösungserscheinungen zeigte und die Nationalsozialisten ihren Herrschaftsanspruch anzumelden begannen. Sie wuchs inmitten eines [ ... ]
Andreae, Johann Valentin
Geb. 17. 8. 1586 in Herrenberg (Württemberg); gest. 27. 6. 1654 in Stuttgart »Neun Jahre habe ich nun zu Stuttgart in der Sklaverei zugebracht und nirgends die Regierung weniger regierend, den Rat weniger ratsam, die Gesellschaft weniger gesellschaftlich, die Religion weniger religiös, die Regeln w [ ... ]
Angelus Silesius (d.i. Johannes Scheffler)
Datum der Taufe 23. 12. 1624 in Breslau; gest. 9. 7. 167J in Breslau Johannes A.S., so nannte sich Johannes Scheffler, der Sohn eines nach Breslau übergesiedelten polnischen Adeligen und einer Schlesierin, nach seiner Konversion zum Katholizismus am 12. Juni 1653. Der öffentlich vollzogene Konfessi [ ... ]
Anton Ulrich, Herzog von Braunschweig-Wolfenbüttel
»Wann nun«, schreibt Sigmund von Birken, der Nürnberger Poet und Redakteur von A.U.s Aramena (1669—1673). über den höfischen Roman, »dergleichen Bücher /' der Adel mit nutzen liset / warum solte er sie nit auch mit rühm schreiben können: Und wer soll sie auch bässer für den Adel schreiben / als ei [ ... ]
Arendt, Erich
Als A. als schon alter Mann einmal darüber nachdachte, wie eine Sammlung seiner Lieblingsgedichte aussehen könne, da war er sich dessen sicher, daß in ihr ein Schlachtgedicht von August Stramm und Johann Wolfgang von Goethes Willkommen und Abschied stehen müßten. Damit sind Energien bezeichnet, die [ ... ]
Arndt, Ernst Moritz
Gleich zu Beginn seiner langen schriftstellerischen Laufbahn bringt A. das seltene Kunststück zuwege, mit einem Buch verändernd in die politische Wirklichkeit einzugreifen. Zum Abschluß seiner diskontinuierlich verlaufenen Ausbildung ist er, nach dem Studium der Theologie in Greifswald und Jena als [ ... ]
Arnim, Achim von (eigentl. Karl Joachim Friedrich Ludwig von A.)
Geb. 26. 1. 1781 in Berlin; gest. 21. 1. 1831 in Wiepersdorf »Von Rechts wegen sollte dieses Büchlein in jedem Hause... am Fenster, unterm Spiegel, oder wo sonst Gesang- und Kochbücher zu hegen pflegen, zu finden sein, um aufgeschlagen zu werden in jedem Augenblick der Stimmung oder Unstimmung.« Jo [ ... ]
Arnim, Bettine von
Den Zeitgenossen gibt ihre (wie die einen sagen) »wunderbare Natur«, ihr (so die anderen) »wunderliches Wesen« Rätsel auf; in jedem Falle aber übt sie eine ungewöhnliche Faszination aus. Als Verkörperung »ganz ewig gärender Poesie«, ein »herumirrlichtelierender Kobold«, dabei ausgestattet mit »blend [ ... ]
Arp, Hans
Geb. 16. g. 1887 in Straßburg; gest. 7. 6. 1966 in Basel Während ringsum in Europa der Krieg tobte, drängelten sich am 5. Februar 1916 in einer Züricher Kneipe die Gäste, um der Eröffnung des »Cabaret Voltaire« beizuwohnen. Eine Bewegung nahm hier ihren Anfang, die in den nächsten Jahren unter dem [ ... ]
Artmann, Hans Carl
»Ich kam auf einem bäum (oder in einem bäum) der gemar-kung Kurthal nahe dem weiler St. Achaz im Walde zur weit... Ich bin das kind aus der Verbindung einer wildente und eines kuckucks und verbrachte meine Jugend in den lichten laubwildemissen der buche und der linde.« Wo er nun geboren ist, bereite [ ... ]
Auerbach, Berthold
Zwei Monate auf dem Hohenasperg - dem württembergischen Staatsgefängnis — zwangen 1837 sein Leben in eine neue Richtung. Bis dahin hatte er, in einem schwäbischen Dorf aufgewachsen, das erst durch Napoleon an Württemberg gekommen war, immer eine öffentliche Anstellung erstrebt. Der Enkel eines Rab [ ... ]
Bachmann, Ingeborg
Geb. 25. 6. 1926 in Klagenfurt; gest. 17. 10. in Rom Vom schrillen Mißklang einer politischen Katastrophe wurde sie als Elfjährige geweckt. Adolf Hitler ließ Mitte März 1938 deutsche Truppen in Österreich einmarschieren und voUzog damit den Anschluß an das Deutsche Reich: »Es hat einen bestimmten [ ... ]
Bälde, Jacob
»Jetzt erwacht unser Landsmann aus seinem lateinischen Grabe«, so charakterisiert Johann Gottfried Herder nicht unzutreffend seine Ãœbertragungen von Gedichten B.s in seiner Terpsichore (1795-96). Was jedoch in den folgenden Jahrhunderten die Rezeption erschwerte, die lateinische Sprache, war im 17. [ ... ]
Barlach, Ernst
B. war keine jener Begabungen, die neben dem Schreiben auch malen oder zeichnen; er hat als Bildhauer und Graphiker wie als Dramatiker Werke geschaffen, die zum Bestand der gültigen Kunst und Literatur ihrer Zeit gehören. Er fing früh zu schreiben und zu gestalten an, doch erst nach einer Rußlandrei [ ... ]
Becher, Johannes R(obert)
In der DDR galt er lange als »der größte deutsche Dichter der neuesten Zeit«. Walter Ulbricht meinte 1958, »daß die Hauptstraße der neueren deutschen Dichtung von Goethe und Hölderlin zu B. und durch ihn durch weiterführt«; westliche Kritiker sahen in ihm meist nur den »literarischen Apparat-schik«. [ ... ]
Becker, Jurek
Geb. 30. g. in Lodz Bis zum achten Lebensjahr mußte B. seine Kindheit im Ghetto von Lodz und in deutschen Konzentrationslagern verbringen. Nach der Befreiung fand er seinen Vater wieder, der in Auschwitz überlebt hatte und nun mit seinem Sohn in Deutschland blieb, unter anderem, weil er den deutsc [ ... ]
Beer, Johann
Geb. 28. 2. (oder 28.3.) 1655 in St. Georgen (Oberösterreich);gest. 6. 8. 1700 in Weißenfels »Anno 1655 den 28sten Martii styli novi bin Ich zu St: Georgen in Oberösterreich, unweit vom Attersee gelegen, auf die Welt gebohren. Mein Vater«, so fährt B. in seinen autobiographischen Aufzeichnungen f [ ... ]
Bender, Hans
»In meiner Generation gab es keine Emigranten; die Deserteure waren Ausnahmen. Befehle und Kommandos bestimm- ten unsere Marschrouten... Wir hatten auf Draht zu sein, >geistig und körperliche Wir hatten zu gehorchen und zu sterben. (Wem es zu pathetisch klingt, der möge die Gefallenenliste meiner Ge [ ... ]
Benjamin, Walter
»benjamin ist hier, er schreibt an einem essay über baudelaire. ...das ist nützlich zu lesen, merkwürdigerweise ermöglicht ein spieen benjamin, das zu schreiben, er geht von etwas aus, was er aura nennt.. .diese soll in der letzten zeit im zerfall sein, zusammen mit dem kultischen... alles mystik, b [ ... ]
Bergengruen, Werner
Mitte Oktober 1937 erhält B. die offizielle Bestätigung seiner Entfernung aus der Reichsschrifttumskammer des Hitler-Staates zugestellt. »Anlaß, ihn als politisch unzuverlässig anzusehen«, hatte er davor schon genug geboten. In einem »dringlich« angeforderten Gutachten des »Gaupersonalamtes« Mün-che [ ... ]
Bernhard, Thomas
Preisgekrönt und verleumdet, verehrt und geschmäht - die anhaltend widersprüchlichen, z.T. heftigen Reaktionen auf Werk und Person B.s mag er selbst als eines jener Mißverständnisse ansehen, die er unter Menschen einzig für möglich hält: »Ich spreche die Sprache, die nur ich allein verstehe, sonst n [ ... ]
Bichsel, Peter
»Ich hatte«, erinnert sich B., »einen 5./6. Klasslehrer, der meine Aufsätze hebte und schätzte, trotz meiner Handschrift und meiner Kleckse - er hat mein Talent unter dem Schutt meiner Legasthenie, unter dem Schutt meiner Linkshändigkeit für mich ein für allemal entdeckt«. Als ein Medium »befreiende [ ... ]
Bidermann, Jacob
Geb. 1578 in Ehingen b. Ulm; gest. 20. 8. 163g in Rom Die Zeitgenossen, wenn sie nicht gerade Zeugen von Aufführungen semer Stücke an einem Jesuitengymnasium waren, kannten ihn wohl vor allem als neulateinischen lyrischen und epischen Dichter: Epigramme (1620), ein Herodes-Epos (1622), Heldenbrief [ ... ]
Biermann, Wolf
Seine frühen Gegner in der DDR, die »Bonzen«, »Monopolbürokraten«, und »Büroelephanten« mit ihren »Schwammfressen« bekamen schnell zu spüren, daß er die Trommel sehr gut zu schlagen versteht. Sie fürchteten sich vor der Propagierung seines »sexuellen Freistils«, seiner plebejischen »Hetze« und »rück [ ... ]
Bobrowski, Johannes
»Zu schreiben habe ich begonnen am Ilmensee 1941, über russische Landschaft, aber als Fremder, als Deutscher. Daraus ist ein Thema geworden, ungefähr: die Deutschen und der europäische Osten. Weil ich um die Memel herum aufgewachsen bin, wo Polen, Litauer, Russen, Deutsche miteinander lebten, unter [ ... ]
Breitinger, Johann Jakob
Geb. 1. 3. 1701 in Zürich; gest. 13. 12. 1776 in Zürich Wie Castor und Pollux, die Zwillinge der antiken Mythologie, werden die beiden Schweizer Schriftsteller stets in einem Atemzug genannt. Anders aber als das Diosku-renpaar, das sich abwechselnd im Olymp und im Hades aufhalten durfte, um nicht g [ ... ]
Böll, Heinrich
Auf dem Schriftstellerkongreß 1974 in Jerusalem hat B., damals Präsident des internationalen PEN, das 20. Jahrhundert ein »Jahrhundert der Vertriebenen und der Gefangenen« genannt. Vertriebenheit ist für B. die Grunderfahrung unserer Zeit, ihr vor allem sei die Universalität von Leiden und Elend zu [ ... ]
Borchardt, Rudolf
»Ich bin 25 Jahre alt, evangelisch reformierter Konfession. Doktor der Philosophie. Ich habe an den Universitäten Berlin, Oxford, Bonn und Göttingen klassische Philologie und Archäologie studiert und bereite mich auf die Habilitation für diese Disziplin vor. Mein freies selbständiges und disponibles [ ... ]
Borchert, Wolfgang
B.s Hörspiel- und Dramenfassung von Draußen vor der Tür, in ganzen acht Tagen im Herbst 1946 als ein Vermächtnis der unbequemen Fragen an die deutschnationale Vätergeneration auf dem Totenbett geschrieben, führte zu einer langanhaltenden B.-Mode. Es war geradezu eine akustische Signatur der frühen N [ ... ]
Börne, Ludwig
Niemand habe ihm die Erfüllung seiner Pflicht so erschwert »als dieser einzige Mann in fünf Monaten«, schrieb der entnervte Zensor der Freien Stadt Frankfurt a.M. 1819 über den jungen und noch unbekannten Publizisten B. und dessen Zeitschrift Die Wage (1818). Eine derartige - wenn auch zwangsläufig [ ... ]
Brant, Sebastian
Er beargwöhnte das Buch als solches, bezweifelte den Nutzen seiner Verbreitung durch den Druck, verspottete die Art des Umgangs mit Büchern und erlebte, wie sein Hauptwerk, Das Sarrenschiff (1494), durch den Druck zum Erfolgsbuch in seiner Zeit wurde, zum ersten »Bestseller« deutscher Sprache. Sein [ ... ]
Braun, Volker
»Ich bin an einem Sonntag geboren und verfolgt vom Glück: / Nicht zerborsten unter den Bomben, nicht ausgezehrt / Von den verschiedenen Hungern.« So beginnt das Gedicht Der Lebenswandel Volker Brauns. Sein Autor, Dresdner wie andere Poeten der »Sächsischen Dichterschule« (Karl Mickel, Heinz Czechows [ ... ]
Brecht, Bertolt
Als B. einmal gefragt wurde, was er tun würde, wenn er einen Menschen liebte, antwortete er: »Ich mache einen Ent-wurt von ihm und sorge dafür, daß er ihm ähnlich wird.« Aut die erstaunte Rückfrage: »Wer? Der Entwurf?« sagte B. ruhig: »Nein, der Mensch.« Diese überraschende Antwort korrespondiert mi [ ... ]
Brentano, Clemens
»Seit fünfzehn Jahren lebt Herr Brentano entfernt von der Welt, eingeschlossen, ja eingemauert in seinen Katholizismus.. . Gegen sich selbst und sein poetisches Talent hat er am __________meisten seine Zerstörungssucht geübt... Sein Name ist in der etzten Zeit fast verschollen, und nur wenn die Re [ ... ]
Brinkmann, Rolf Dieter
»Wenn dieses Buch ein Maschinengewehr wäre, würde ich Sie über den Haufen schießen.« Diese Aggressivität, mit der B. 1968 auf einer Tagung den Literaturkritikern entgegentrat, verdeutlicht den Haß, mit dem er allgemein den Literaturbetrieb in der Bundesrepbulik verfolgte, sowie die Verachtung und de [ ... ]
Britting, Georg
»Ich habe mich immer gehütet, und hüte mich, mir während des Schreibens >klar< zu machen, was >gemeint< sei«, notierte B. einmal, als er zu seinem einzigen Roman Lebenslauf eines dicken Mannes, der Hamlet hieß (1932) befragt wurde. Diese Abwehr von Deutung bezeichnet auch ein Stilprinzip des als Nat [ ... ]
Broch, Hermann
Was verbindet die poetae docti des frühen 20. Jahrhunderts miteinander, jene Gruppe wissenschaftlich und philosophisch geschulter Autoren, zu der B. gezählt wird? Nicht allein spezifische Generationserfahrungen, wie die Entstehung der künstlerischen Avantgardebewegungen oder das Auseinanderbrechen d [ ... ]
Brockes, Barthold Hinrich
In seiner Autobiographie schildert der Kaufmannssohn, wie er sich sein Leben nach dem erfolgreichen Abschluß seiner Ausbildung vorstellte. Er hatte in Halle von 1700 bis 1702 ein juristisches Studium absolviert, ein halbes Jahr am Kammergericht in Wetzlar verbracht (1702) und am Ende seiner Bildungs [ ... ]
Bruyn, Günter de
»Nicht nur durch Leben, auch durch Lektüre wird man zu dem, was man ist« - dieser Satz B.s gilt gewissermaßen von Anfang an für ihn selbst. Eingeschränkt durch Krankheit und eine wenig robuste physische Konstitution, entwickelt er als Kind und Jugendlicher eine sehr »ichbezogene Art zu lesen«. Er wä [ ... ]
Büchner, Georg
»Büchners Briefe lesend, muß man sich mitunter mit Gewalt erinnern, daß es nicht die eines Zeitgenossen sind« — so 1978 Volker Braun. Oder 1967, nach der Erschießung des Studenten Benno Ohnesorg, Heinrich Böll in seiner Büchner-Preis-Rede: »Die Unruhe, die Büchner stiftet, ist von überraschender G [ ... ]
Bürger, Gottfried August
Es ist traurig anzusehen, wie ein außerordentlicher Mensch sich gar oft mit sich selbst, seinen Umständen, seiner Zeit herumwürgt, ohne auf einen grünen Zweig zu kommen. Trauriges Beispiel Bürger.«Diese bedauernden Worte Johann Wolfgang von Goethes in seinen Maximen und Reflexionen galten einem Mann [ ... ]
Busch, Wilhelm
»In Dankbarkeit für fröhliche Stunden« - so endet ein Telegramm von Wilhelm II. zu B.s 70. Geburtstag. Ahnliche Reaktionen aus Bürgerhausem und Arbeiterfamilien belegen B.s klassenübergreifende Stellung als populärster Autor und Zeichner seiner Zeit: eine Popularität zu verstehen aus der Spezifik de [ ... ]
Campe, Joachim Heinrich
Am 26. 8. 1792 ernannte die französische Nationalversammlung C. zusammen mit Friedrich Gottlieb Klopstock, Friedrich Schiller, Johann Heinrich Pestalozzi, George Washington und dreizehn weiteren Ausländern zum Ehrenbürger Frankreichs, weil er sich durch »Gesinnung und Werke als Freund der Freiheit. [ ... ]
Canetti, Elias
»Mein ganzes Leben ist nichts als ein verzweifelter Versuch, die Arbeitsteilung aufzuheben und alles selbst zu bedenken, damit es sich in einem Kopf zusammenfindet und darüber wieder Eines wird.« Wenn auf einen zeitgenössischen Autor der Begriff des Dichters im emphatischen Sinn noch paßt, dann auf [ ... ]
Carossa, Hans
»Raube das Licht aus dem Rachen der Schlange« - das über dem Rumänischen Tagebuch (1924) stehende Motto könnte durchaus über das Gesamtwerk gestellt werden. Es signalisiert in der Chronik aus dem Ersten Weltkrieg die Ãœberzeugung, daß hinter Leiden und Tod ein Sinn verbürgt bleibt, und gilt für den [ ... ]
Celan, Paul (d.i. Paul Antschel)
»Vielleicht darf man sagen, daß jedem Gedicht sein >20. Jänner« eingeschrieben bleibt? Vielleicht ist das Neue an den Gedichten, die heute geschrieben werden, gerade dies: daß hier am deutlichsten versucht wird, solcher Daten eingedenk zu bleiben? - Aber schreiben wir uns nicht alle von solchen Date [ ... ]
Chamisso, Adelbert von, (d. i. Louis Charles Adelaide de C.)
»Es ist die alte, gute Geschichte. Werther erschoß sich, aber Goethe blieb am Leben. Schlemihl stiefelt ohne Schatten, ein >nur seinem Selbst lebender < Naturforscher, grotesk und stolz über Berg und Tal. Aber Chamisso, nachdem er aus seinem Leiden ein Buch gemacht, beeilt sich, dem problematischen [ ... ]
Claudius, Matthias
Mit seinem Werk wollte er den Lesern »kein Ambrosia, keine raffinierte blähige Konditorware« geben, wie er 1782 in einer Selbstanzeige seiner Sämtlichen Werke anmerkte, »sondern ehrlich hausbacken Brot mit etwas Koriander, das dem armen Tagelöhner besser gedeiht und besser gegen Wind und Wetter vorh [ ... ]
Courths-Mahler, Hedwig (d. i. Ernestine Friederike Elisabeth, Pseudonyme: Relham, Hedwig Brand)
Obschon als »Fourths-Malheur« und »Kotz-Mahler« verspottet und parodiert. Superlative ringsum: über zweihundert Romane hat sie geschrieben (bei deren Abschluß sie immer geweint haben soll), allein vierzehn Titel im Jahr 1920: ca. 30 Millionen Exemplare betrug die Gesamtauflage, als sie starb; über J [ ... ]
Dach, Simon
Daß Preußen die »Kunst der Deutschen Reime« von ihm gelernt habe, daran läßt D. keinen Zweifel: »Zwar man sang vor meinen Zeiten Aber ohn Geschick und Zier.« Er schätzte sich und seine Bedeutung gewiß nicht falsch ein. Seine Königsberger Mitbürger lohnten sein Talent und seinen Fleiß mit Autträgen u [ ... ]
Dahn, Felix
Im Alter von acht Jahren begann der Knabe Felix, mehrbändige Geschichtswerke gleichsam zu verschlingen; zunächst las er die achtbändige Weltgeschichte von Joseph Annegarn, dann die 14 Bände der Beckerschen Weltgeschichte. Die »geschieh tliche Begeisterung« - »ich war (ganz besonders gern) König Teja [ ... ]
Däubler, Theodor
Man sagt, D. habe »ein Epos von 30000 Versen geschrieben, das nun in München erscheinen soll«, er sei »groß geworden ohne Schule und Schulung« und »allerhöchst intelligent und ein Temperament wie von Shakespeare«, so berichtet 1909 Ernst Barlach über D., den er zu dieser Zeit in der Toscana kennenge [ ... ]
Doderer, Heimito von
»Schreiben ist die Entschleierung der Grammatik durch ein schlagartig eintreffendes Erinnern. Die Gegenwart des Schriftstellers ist so eine wiedergekehrte Vergangenheit. Was ich anstrebe, das ist der >stumme Roman < - französisch würde man sagen >roman muetingern (1962) treibt D. dieses Thema auf se [ ... ]
Döblin, Alfred
»Ich führe immer zwei Leben. Das eine schlägt sich mit den Dingen herum, will hier ändern und da ändern. Es phantasiert, quält sich, erreicht nichts. Es ist wie das Feuer am feuchten Holz, qualmig und gibt kein Licht. Das andere ist wenig sichtbar. Ich gebe mich ihm wenig hin, obwohl ich weiß, es is [ ... ]
Domin, Hilde
D. ist eine gut zugängliche Hermetikerin, denn den Großteil ihres Werkes, auch die überraschendsten Bilder, kann der Leser aus der Biographie erschließen: einer Kette immer entlegenerer Exilstationen von Italien (von 1932 bis 1939) über England (1939/40) bis Santo Domingo in den Antillen (von 1940 b [ ... ]
Dorst, Tankred
Dorothea Merz, die früh verwitwete Mutter, »ändert sich überhaupt nicht«. Noch am Ende ihrer Geschichte (Auf dem Chimborazo, 1974). dem Schlußteil des diskontinuierlichen »großen epischen Teppichs aus... Lebensläufen« und »Lebensfragmenten« um die Familie eines thüringischen Maschinenfabrikanten, »i [ ... ]
Drewitz, Ingeborg
»Damals in den trümmerübersäten Straßen, im Niemandsland der toten Häuser, der ersoffenen S-Bahn-Schächte, der Volkssturmkolonnen, die in die Lager getrieben wurden,... die entsetzliche Wahrheit der Ermordung der Juden und der Brutalität der nazistischen Kriegsführung... der Wunsch, nein, der Zwang [ ... ]
Droste-Hülshqff, Annette von
Als die 48er Revolution in das stille Meersburg am Bodensee dringt, ringt auf der Burg eine schriftstellernde Freifrau aus Westfalen mit dem Tode, die ihr Leben und Wirken ganz dem Konservativen und Christlichen verschrieben hatte und damit zugleich auch der Abwehr alles Aufrührerischen und »Demokra [ ... ]
Dürrenmatt, Friedrich
Er habe überhaupt »keine Biographie«, behauptet er hartnäk-kig: »ich schreibe nicht, damit Sie auf mich schließen, sondern damit Sie auf die Welt schließen«. In der Tat scheint D. den Standort seines Landes auch zu seinem persönlichen Platz gemacht zu haben: neutral, aus der Distanz beobachtend, und [ ... ]
Ebner-Eschenbach, Marie von
Die junge, attraktive Komteß Marie soll eme glänzende Reiterin und Tänzerin gewesen sein; standesgemäß. Als unstandesgemäß, »unglückliche Kuriosität« aber betrachtete ihre Familie (von Dubsky, mährischer Hochadel) das poetische Treiben der Tochter, ihr frühes dichterisches Schaffen. Neben Lyrik und [ ... ]
Edschmid, Kasimir
»Auf ekstatischer Suche« nach anderen Ausdrucksmöglichkeiten der Literatur beschritt E. als Vorläufer und späterer Wortführer des Expressionismus mit hämmernd-aggressiven Wortkaskaden in Prosa, Essays und Manifesten neue Wege. Zur Zeit des Ersten Weltkriegs erschienen in Buchform die zuvor in Rene S [ ... ]
Ehrenstein, Albert
Tubutsch ist der Titel des ersten Buches, mit dem der 24jährige Dr. phil. Albert Ehrenstein 1911 im talentsüchtigen Wiener Literaturbetrieb begeisterte Aufnahme findet. Es ist unbestritten auch das einzige Werk seiner im wesentlichen das expressionistische Jahrzehnt umfassenden Publikationszeit, das [ ... ]
Eich, Günter
»Günter Eich ist ein Meister der Tarnung« (Walter Jens), »ein Dichter, einer der wenigen, die das hohe Wort zu Recht tragen« (Karl Korn), »ein stiller Anarchist« (Peter Bichsel). E. gilt als einer der bedeutendsten deutschen Lyriker der Nachkriegszeit und als Schöpfer des poetischen Hörspiels. Sein [ ... ]
Eichendorff, Joseph Freiherr von
»Es ist ein wunderbares Lied in dem Waldesrauschen unserer heimatlichen Berge; wo du auch seist, es findet dich doch einmal wieder, und wärs durchs offene Fenster im Traume, keinen Dichter noch Heß seine Heimat los.« E. selbst sah in seiner Heimatverbundenheit den Schlüssel zu seinem Werk. Die Erfah [ ... ]
Einstein, Carl
Von den deutschen Truppen gehetzt, nahm er sich am 3. 7. 1940 in Südfrankreich das Leben. Die Flucht über die Pyrenäen war ihm nicht möglich, weil er sich 1936 in Spanien am Kampf gegen die Franco-Truppen beteiligt und damit die persönliche Konsequenz aus einem furiosen Pamphlet gegen den bindungslo [ ... ]
Enzensberger, Hans Magnus
»Endlich, endlich ist unter uns der zornige junge Mann erschienen«, rief Alfred Andersen nach der Lektüre des ersten Gedichtbandes von E. aus. Das Klischee vom »zornigen jungen Mann« sollte zu einem Markenzeichen eines Autors werden, der sich gegen jede literarische und politische Festlegung wehrt. [ ... ]
Fallada, Hans (d. i. Rudolf Ditzen)
Sein Leben würde Stoff für einige Romane bieten, wenn es darum ginge, die vielfältigen seelischen Brechungen zu zeichnen, denen ein im Schoß des Wilhelminismus aufgewachsener, für die Wahrheit empfindlicher Charakter unterworfen ist, der den Ersten Weltkrieg, die Weimarer Republik, das Dritte Reich [ ... ]
Fenchtwanger, Lion
»Der Schriftsteller L.F. konnte in der Stunde bis zu 7 Seiten Schreibmaschine schreiben, bis zu 30 Zeilen Schriftstellern und bis zu 4 Zeilen dichten. Während der Stunde Dichtens nahm er um 325 Gramm ab.« Dieser selbstironischc Blick auf die eigene Produktionsweise als Arbeit statt als »geniales Sch [ ... ]
Fichte, Hubert
Hat er je darüber gesprochen oder geschrieben, den Wörtern verfallen. Namen nachhorchend? Für den einen Fichte unserer Geistesgeschichte, den Philosophen Johann Gottheb Fichte, war das Ich absolut, nicht nur Bewußtsein von sich selbst, sondern auch Tat, denn es setzte erst sich und dann die Welt (da [ ... ]
Fischart, Johann, gen. Mentzer
F. lebte in der Epoche, die geprägt ist durch die Auseinandersetzung zwischen Reformation und Gegenreformation: er wurde während des Schmalkaldischen Kriegs geboren und starb, als sich die Fronten des Dreißigjährigen Kriegs bereits abzuzeichnen begannen. Sein literarisches Werk, die Hinterlassenscha [ ... ]
Fleißer, Marieluise
Ihr Leben und Schreiben war von der bayrischen Heimatstadt geprägt, ihren Ruhm in jungen Jahren errang sie in der Metropole der Weimarer Republik, in Berlin. Die Werke, die sie bekannt machten, die Dramen Fegefeuer in Ingolstadt (1926 uraufgeführt) und Pioniere in Ingolstadt (1928), tragen den Stemp [ ... ]
Fleming, Paul
In den Jahren von 1633 bis 1639 reiste eine holsteinische Gesandtschaft nach Rußland und Persien, um eine neue Handelsroute zu erschließen und Schleswig-Holstein in den profitablen Orienthandel einzuschalten. Berühmt wurde das im übrigen ergebnislose Unternehmen durch die Reisebeschreibung von Adam [ ... ]
Fontane, Theodor
Es gab ein geflügeltes Wort unter Theaterleuten, das F. immer wieder zitierte und das ihm zum Trostsatz wurde: »Um neun ist alles aus.« Um neun Uhr abends ging am 20. September 1898 das »künstlerisch abgerundete« Leben F.s zu Ende. -»Man fährt bei solch autobiographischer Arbeit entweder, wie Lübke [ ... ]
Forster, Johann Georg Adam
»Ich bin dreiunddreißig Jahre alt. ich bin gesund, und mein Äußeres hat, ohne mir zu schmeicheln, nichts Abstoßendes. Ich habe die zweite Reise Cooks um die Welt mitgemacht und sie beschrieben. Mit allen Zweigen der Naturgeschichte, einschließlich Physik und Chemie, habe ich mich beschäftigt. Ich z [ ... ]
Frauenlob (d. i. Heinrich von Meißen)
In der Fortsetzung der Martins-Chronik durch den bischöflichen Notar Matthias von Neuenburg (bezeugt in Straßburg und Basel in der 1. Hälfte des 14. Jahrhunderts) wird berichtet, der Dichter F., gestorben am 29. 11. 1318, sei von Frauen zu seiner Grabstätte im Kreuzgang des Mainzer Doms getragen wor [ ... ]
Freiligrath, Ferdinand
Wilde Exotik, revolutionäre Empörung, nationale Begeisterung - exemplarisch abzulesen an Gedichttiteln wie Löwenritt, Reveille, Hurrah, Germania! — sind die drei zentralen Stichworte zu F.s Lebenshaltung und zugleich charakteristisch für die drei wichtigsten Phasen seiner literarischen Produktivit [ ... ]
Freytag, Gustav
»Freier Schriftsteller« war wohl kaum das Berufsziel des schle-sischen Erfolgsautors. Obwohl der »Hausdichter des deutschen Bürgertums« rückblickend die Atmosphäre eines gebildeten Elternhauses für seine »faßliche Darstellung der Menschenwelt«, die deutsch-polnische Grenzgebietslage seines Heimatort [ ... ]
Fried, Erich
»Ich schreibe Gedichte, wie ein Karnickel Junge kriegt«, äußerte F. einmal über die fast unheimliche Produktivität seines lyrischen Schaffens, und man stelle sich ihn vor, den kleinen, humorigen Mann mit den vielen, hebenswert skurrilen, unbürgerlichen Zügen, wie er spitzbübisch durch seine schwarz [ ... ]
Friedrich von Hausen
Hanoniense, die Geschichte der Grafen von [ Hennegau (verfaßt Anfang des 13. Jahrhunderts von deren ! Kanzler, Gislebert von Mons), berichtet, F., ein »vir probus et i nobilis« (ein »tüchtiger und edler Mann«), sei am 6. Mai 1190 i bei der Verfolgung feindlicher Türken bei Philomelium ! (heute Aksch [ ... ]
Frisch, Max
An einer Stelle der Erzählung Montauk (1975), in der er ausschließlich biographische Fakten verarbeitet, äußert sich F. auf folgende Weise über sein Verhältnis zu Frauen: »ich erfinde für jede Partnerin eine andere Not mit mir. Zum Beispiel, daß sie die Stärkere ist oder daß ich der Stärkere bin. Si [ ... ]
Frischlin, Nicodemus
Daniel Friedrich Schubart hat, aus vergleichbarer Erfahrung, den streitbaren Humanisten und Poeten einen »Bruder meines Geistes« genannt und ihm nachgerühmt: »Die Wahrheit schien ein Schwert in deinem Mund, ein Wetterstrahl!« Die Zwänge der feudalen Kleinstaaterei und die Zustände an den Universität [ ... ]
Frischmuth, Barbara
Die Biographie F.s ist mit ihren Romanen und Erzählungen eng verflochten durch ihre polyglotte Begabung und die Versuche, sich mit Fiilfe fremder Sprachen Lebensformen zu erschließen, die aus anerzogenen Orientierungen herausführen. Sie studierte Türkisch und Ungarisch an der Universität Graz; nach [ ... ]
Fühmann, Franz
Insistierende Selbsterkundung kennzeichnet den Grund der Existenz des Ostberliner Schriftstellers. Journalisten und Kulturpolitikers; sein Schreiben beharrt auf dem Geltungsrecht einer Literatur, die ihr »mythisches Element« mcht preisgibt, historisch unabgcgoltenen Fragen in veränderter Gegenwart n [ ... ]
Gaiser, Gerd
»Was uns gestaltlos und unbewältigt umgibt«, wollte G. »in Bildern begreifen«. Als Sohn einer alten Pfarrersfamilie hatte er die ebenso traditionsreichen evangelisch-theologischen Seminare durchlaufen, studierte dann aber an Kunstakademien (Stuttgart, Königsberg), Universitäten (Dresden, Tübingen) u [ ... ]
Hrotsvit von Gandersheim
Weit über ein halbes Jahrtausend nach ihrer Entstehung erregen die mittellateinisch verfaßten, von ihr selbst in drei chronologisch aufeinanderfolgende »Bücher«, in Legenden, Dramen und historische Epen unterteilten Werke der Ganders-heimer Stiftsdame H. überraschend großes Aufsehen bei der zeitgenö [ ... ]
Ganghofer, Ludwig
»>Papa, die Berge! Die Berge! Die Berge! [ ... ]
Geibel, Emanuel
Nach seinem Tod, so Thomas Mann in seiner Rede Lübeck als geistige Lebensform, erzählte man sich, eine alte Frau auf der Straße habe gefragt: »Wer kriegt nu de Stell? Wer ward nu Dichter?« Im Todesjahr des Lübecker »Stadtheiligen« (Paul Heyse) hatten seine ersten Gedichte (1840) die hundertste Aufla [ ... ]
Geliert, Christian Fürchtegott
»An Geliert, die Tugend, und die Religion glauben, ist bey unserm Publico beynahe Eins« — so faßten die Frankfurter Gelehrten Anzeigen drei Jahre nach G.s Tod die besondere Bedeutung des Dichters zusammen. Tatsächlich gab es kaum einen Schriftsteller in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, der [ ... ]
George, Stefan
Zu Lebzeiten war G. wie weiland Richard Wagner eine umstrittene Größe: den Verehrern standen die Gegner unversöhnlich gegenüber. Neutralität schien es nicht zu geben. Den Jüngern galt er als eine der genialsten Figuren abendländischer Kultur, als eine »antike Natur«. »Nur George hat heute den lebend [ ... ]
Gerhardt, Paul
O Haupt voll Blut und Wunden: Befiehl du deine Wege; Geh aus mein Herz und suche Freud oder Sun ruhen alle Wälder: Die Lieder G.s gehören zu den wenigen dichterischen Leistungen des 17. Jahrhunderts, die bis heute lebendig geblieben sind. Sie setzen die Tradition des reformatorischen Kirchenlieds fo [ ... ]
Gerstäcker, Friedrich
»Du erhältst hierbei, meine teure Mutter, mein Tagebuch von meinen letzten Jagden in Arkansas; möge es Dir helfen, ein paar Stunden Dich zu zerstreuen.« Als der Schreiber der Zeilen eineinhalb Jahre darauf seinem Tagebuch nach Dresden hinterherreiste, bemerkte er zu seinem Erstaunen, daß nicht nur d [ ... ]
Gerstenberg, Heinrich Wilhelm von
Als G. im biblischen Alter von 86 Jahren starb, war er als Autor bereits völlig vergessen. Und doch hatte er in seiner Jugend zu den Schrittmachern der neuen Epoche des Sturm und Drang gehört, hatte als Dichter und Kritiker neue Akzente gesetzt. Johann Wolfgang von Goethe, der mit scharfen Urteilen [ ... ]
Geßner, Salomon
Die Verlockungen der schweizerischen Natur und die Idyllen G.s haben Johann Wolfgang von Goethe und seinen Freund Johann Kaspar Lavater auf der Schweizerreise (Mai bis Juli 1775?) motiviert, »ihre frische Jünghngsnatur zu idyllisieren« (Dichtung und Wahrheit IV, 19) - und nackt zu baden. Man machte [ ... ]
Glaeser, Ernst
G. gehörte nicht zu denjenigen, die im August 1914 auszogen, um das Fürchten zu lernen, dazu war er zu jung. Dennoch wurde ihm der Erste Weltkrieg zum Schlüsselerlebnis. Als 1927/28 die literarische »Wiederkehr des Krieges« mit den .._ Kriegsromanen von Ludwig Renn, Arnold Zweig und Erich Maria Rema [ ... ]
Gleim, Johann Wilhelm Ludwig
G. gehört zu jenen Dichtern, die im 18. Jahrhundert eine rein bürgerliche Literatur schufen. Er kam aus dem Bürgertum, sein Vater war Obersteuereinnehmer. Er besuchte das Lyzeum in Wernigerode, bevor er in Halle Jura und Philosophie studierte (von 1738 bis 1740). Schon auf der Universität schrieb er [ ... ]
Goethe, Johann Wolfgang
Ein Werk hat G. hinterlassen, das. obgleich mittlerweilen wohlbekannt, doch niemals als solches benannt worden ist: sein Leben. Wie keine andere bedeutende Figur der Weltgeschichte hat G. - von seinen mittleren Jahren an — jeden Augenblick seines Daseins in Briefen, Tagebüchern, Notizen, in Gesprä [ ... ]
Gomringer, Eugen
Der Name kaum eines anderen Autors ist so sehr durch nur einen Text und seine Assoziation mit »Konkreter Poesie« bekanntgeworden wie der Name G.s durch das Ideogramm das schweigen aus dem Band Konstellationen von 1953, das immer wieder als frühes Muster der »Konkreten Poesie« zitiert wird. Der Sohn [ ... ]
Görres, Johann Joseph von
»Er gleicht wirklich einem ungeheuren Turm, worin hunderttausend Gedanken sich abarbeiten und sich besprechen und zurufen und zanken, ohne daß der eine den andern versteht«, urteilte Heinrich Heine bissig über G., der zeit seines Lebens als ideenreicher, widerspruchsvoller und streitbarer Geist galt [ ... ]
Gottfried von Straßburg
Tristan und Isolde ist das einzige epische Werk G.s. Sein Name wird dort allerdings nicht genannt. Vielleicht soll der Buchstabe G am Beginn des strophischen Prologs auf den Verfasser hindeuten, vielleicht ist G aber auch als Abkürzung für die Standesbezeichnung »Graf« vor dem im Akrostichon gebilde [ ... ]
Gotthelf, Jeremias (d.i. Albert Bitzius)
Sein Pseudonym war ihm Programm. Er entlehnte es seinem literarischen Erstling Der Bauernspiegel (1837), der fiktiven Autobiographie des Jeremias Gotthelf. Wie der Prophet, warnte und mahnte der Prediger Bitzius vor den »Schweinsblasen des Zeitgeistes«, vor den »brüllhaften Naturen und neumodischen [ ... ]
Gottsched, Johann Christoph
Wäre es nach Friedrich Wilhelm I., dem »Soldatenkönig«, gegangen, sähe die Literaturgeschichte des 18. Jahrhunderts in Deutschland anders aus. Seine Soldatenwerber hatten ein Auge auf einen hünenhaften jungen Mann geworfen, der das Gardemaß der »Langen Kerls«, der Elitetruppe des preußischen Königs, [ ... ]
Grabbe, Christian Dietrich
»Wie Plato den Diogenes sehr treffend einen wahnsinnigen Sokrates nannte, so könnte man unsern Grabbe leider mit doppeltem Recht einen betrunkenen Shakespeare nennen.« Heinrich Heines Vergleich charaktensiert treffend die innere Zerrissenheit der Dichterbiographie. Das Leben des Dramatikers G. glich [ ... ]
Graf, Oskar Maria
Zwei Tage nach der Bücherverbrennung (10. Mai 1933) erschien in der Wiener Arbeiterzeitung ein Artikel G.s unter dem Titel »Verbrennt mich!«, der danach durch die Weltpresse lief. In die erste Liste verbotener Bücher hatten die Nazis von den 13 selbständigen Titeln G.s nur seine Autobiographie Wir s [ ... ]
Grass, Günter
»Als ich zweiunddreißig Jahre alt war, wurde ich berühmt. Seitdem beherbergen wir den Ruhm als Untermieter. Er steht überall rum, ist lästig und nur mit Mühe zu umgehen... Ein manchmal aufgeblasener, dann abgeschlaffter Flegel. Besucher, die glauben, mich zu meinen, blicken sich nach ihm um. - Nur w [ ... ]
Greiffenberg, Catharina Regina von
Ihre Welt war die des protestantischen österreichischen Landadels, eine durch Absolutismus und Gegenreformation bedrohte, aber auch eine humanistischer Bildung aufgeschlossene Welt. Der Verkehr mit benachbarten Literaten öffnete G. den Zugang zur zeitgenössischen deutschen Dichtung. In Johann Wilhel [ ... ]
Grillparzer, Franz
In G.s Erzählung Der arme Spielmann (1847) begegnet der Leser dem musikalischen Dilettanten Jakob, der sich selbst als Künstler überfordert, in der Praxis kläglich scheitert und mit seinem »Höllenkonzert« die Ohren der Zuhörer foltert. Dies ist kein Zufall, weitere Unzulänglichkeiten treten zutage: [ ... ]
Grimm, Wilhelm
Eigentlich möchten sie nichts weiter sein als »in stiller Zurückgezogenheit« lebende Gelehrte —jedenfalls behaupten sie dies verdächtig oft. Wenn es aber darauf ankommt, scheuen sie keineswegs den öffentlichen Konflikt. Dann zählen sie zu jenen »Männern, die auch der Gewalt gegenüber ein Gewissen [ ... ]
Grimmeishausen, Hans Jacob Christoph von
In der Vorrede zum Satyrischen Pilgram (1666/67), G.s erster Veröffentlichung, fragt Momus, der personifizierte literarische Neid, was denn »von einem solchen Kerl wie der Author ist / zu hoffen« sei. Man wisseja wohl, »daß Er selbst nichts studirt, gelernet noch erfahren: sondern so bald er kaum da [ ... ]
Grün, Anastasius (d.i. Anton Alexander Graf von Auersperg)
In Johann N. Nestroys Revolutionsposse Freiheit in Krähwinkel (1848) prallen der freiheitlich gesinnte Nachtwächter und der reaktionäre Ratsdiener Klaus zusammen. Jener hatte sich erkühnt zu bemerken: »Wir werd'n so frei sein«, was als »ruchloser Ausdruck« von dem bornierten Amtsbüttel scharf gerügt [ ... ]
Grün, Max von der
1960 kritisiert Walter Jens die gegenwärtige Litcraturszene: »Man beschreibt das Individuum, das es sich leisten kann, Gefühle zu haben, den Menschen im Zustand eines ewigen Feiertages, den Privatier für alle Zeiten. Arbeiten wir nicht?« Ganz anders G.. der zur gleichen Zeit gemeinsam mit Fritz Hüse [ ... ]
Gryphius, Andreas
»Der Autor über seinen Geburts-Tag den 29. Septembr. des MDCXVI Jahres«, so lautet die Ãœberschrift eines Sonetts von G. Das Datum ist falsch, der Autor entscheidet sich bewußc gegen die historische und für eine symbolische Wahrheit. Er wählt den Tag als Geburtstag, »An dehm der Engel-Printz den Teu [ ... ]
Günderode, Karoline von
Als »sanft und weich in allen Zügen«, als »schüchtern-freundlich und viel zu willenlos, als dass sie in der Gesellschaft sich bemerkbar gemacht hätte«, beschrieb Bettine von Arnim die einstige Freundin, doch das junge Stiftsfräulein, das zu zaghaft war, um das Tischgebet laut herzusagen, verlor und [ ... ]
Günther, Johann Christian
Mit dem im Himmel war es gut. Ach, wer versöhnt mir den auf Erden?« Dieser Seufzer, mit dem das Gedicht Sach der Beichte an seinen Vater (1720) beginnt, blieb wie seine anderen Rechtfertigungsgedichte ohne Gehör. »Fünimahl hab ich schon versucht, nur dein Antlitz zu gewinnen, Fünfmahl hastu mich ver [ ... ]
Gutzkow, Karl
»Sein Name wird bleiben, aber von seinen Werken nichts«, so urteilte Theodor Fontane; dagegen schrieb der im Lob sparsame Arno Schmidt: »Er saß, wie jeder gute Schriftsteller übrigens, zeitlebens zwischen sämtlichen Stühlen.« G. kommt in jeder deutschen Literaturgeschichte vor, aber selten gut weg. [ ... ]
Hadloub, Johannes
Die Bezeichnung der Großen Heidelberger Liederhandschrift als lanesse-Kodex geht auf ein Gedicht dieses Lyrikers zurück: Er berichtet darin, daß die beiden Züricher Patrizier, Rüdiger Manesse und sein Sohn Johannes (Kustos des Stiftsschatzes, gestorben 1297) Liederbücher gesammelt hätten. Die in Zür [ ... ]
Hagedorn, Friedrich von
Ein ehrlicher Mann müsse nur 45 Jahre lang leben wollen, sagte H. mehrfach; er selbst erreichte das Alter von 46 Jahren. H.s Leben verlief nach anfänglicher Unsicherheit in gemächlichen Bahnen: geboren 1708 als Sohn eines dänischen Konferenzrates und Residenten, verlor er bereits 1722 den Vater. Die [ ... ]
Hahn-Hahn, Ida
»Das Recht ist von Männern erfunden; man lehrt sie es deuten und anwenden; unwillkürlich kommt es ihrem Vortheil zu gut. Männer dürfen ja Alles thun, Alles wissen, Alles lernen. Sie sitzen zu Gericht und entscheiden, wie Gott selbst, über die Seelen und über Leben und Tod. Sie stehen auf der Kanzel [ ... ]
Hamann, Johann Georg
Georg Wilhelm Friedrich Hegel sieht den »gediegenen Inhalt« der Schriften H.s darin, »dieses Christentum mit ebenso tiefer Innigkeit als glänzender geistreicher Energie auszusprechen und gegen die Aufklärer zu behaupten«. H. wehrt sich gegen den Erkenntnisoptimismus der Aufklärung, die ihn gleichwoh [ ... ]
Handke, Peter
GWie kaum ein zweiter Autor der Gegenwart gibt H. seinen Kritikern Anlaß sowohl zu Bewunderung als auch zu Aggression: Man hat H.s Mut zu Poesie und Innerlichkeit ebenso gepriesen wie die sprachliche Genauigkeit in der Wiedergabe von Beobachtetem; auf der anderen Seite stehen Vorwürfe der Realitätsf [ ... ]
Harsdörffer, Georg Philipp
G1648, kurz vor dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, beschäftigte sich der Rat der Stadt Nürnberg auf drei Sitzungen mit einem Lobgesang H.s auf den schwedischen Feldmarschall Carl Gustaf Wrangel. Man verstand den Text als antikaiserliches und antibayerisches »Pasquill« und befürchtete daher, »daß [ ... ]
Härtling, Peter
Auf der Flucht mit der Familie aus Böhmen nach Zwettl (Niederösterreich) gerät H.s Vater 1945 in russische Kriegsgefangenschaft und stirbt bald darauf. Als ein Jahr später im schwäbischen Nürtingen die Mutter ihrem Leben ein Ende setzt und H. von Verwandten aufgenommen wird, ist ihm mit seinen 13 Ja [ ... ]
Hartmann von Aue
In der Verslegende Der Arme Heinrich stellt sich der Dichter vor als »ritter« (der »geleret was«) und als »dienstman ze Ouwe«. Als Ritter erscheint er auch auf den Miniaturen der Minnesanghandschriften. Sehr viel mehr als diese knappen Angaben ist über das Leben dieses Dichters nicht bekannt, das zw [ ... ]
Hauff, Wilhelm
Unter dem Pseudonym H. Clauren. dessen sich der preußische Hofrat Karl Heun als erfolgreicher Unterhaltungsschriftsteller bedient, erscheint in der zweiten Augusthälfte 1825 bei dem Stuttgarter Verlag Friedrich Franckh ein Roman mit dem reißerischen Titel Der Mann im Mond oder der Zug des Herzens is [ ... ]
Hauptmann, Gerhart
»Der Sozialismus dieser Zeit ehrt in Ihnen den mitleidigen Dichter der >Weber< und des >HanneleWeltkrieg-Deutschland-über-Alles [ ... ]
Haushofer, Marien
»Ich schreibe nie über etwas anderes als über eigene Erfahrungen. Alle meine Personen sind Teile von mir, sozusagen abgespaltene Persönlichkeiten, die ich recht gut kenne. Kommt einmal eine mir wesensfremde Figur vor, versuche ich nie in sie einzudringen, sondern begnüge mich mit einer Beschreibung [ ... ]
Hebbel, Christian Friedrich
Bereits fünf Jahre vor seinem ersten Tragödienerfolg schrieb H. folgende Selbstbeurteilung nieder: »ich hege längst die Ãœberzeugung, daß die Poesie nur eine heilige Pflicht mehr ist, die der Himmel den Menschen auferlegt hat, und daß er also, statt in ihr ein Priv [ ... ]
Hebel, Johann Peter
Mit selbstironischer Verwunderung berichtet der knapp 62jährige einer guten Bekannten davon, daß aus ihm (wie es in seiner letzten Veröffentlichung, den für den Schulunterricht nacherzählten Biblischen Geschichten (1824) über Davids Aufstieg aus einfachen Verhältnissen heißt), offensichtlich »etwas [ ... ]
Heine, Heinrich
»Denk ich an Deutschland in der Nacht, / Dann bin ich um den Schlaf gebracht,« (Sachtgedanken. 1843) und: »Ein neues Lied, ein besseres Lied, / O Freunde, will ich Euch dichten! / Wir wollen hier auf Erden schon / Das Himmelreich errichten.« (Deutschland. Ein Wintermärchen, 1844) — zwei extreme Ha [ ... ]
Heinrich von Morungen
In der hauptsächlich oberdeutschen Minnesangüberlieferung steht H. im Vergleich mit seinen Zeitgenossen Reinmar und Walther von der Vogelweide etwas abseits. Auch in den Dichternennungen vor allem des 13. Jahrhunderts taucht er selten auf. Erwähnt wird er nur in den didaktischen Werken Seifrid Helbl [ ... ]
Heinrich von Veldeke
Dieser Dichter wurde das Opfer des ersten bekannten literarischen »Kriminalfalles« der deutschen Literaturgeschichte. Er berichtet selbst im Epilog seines höfischen Romans Eneide, er habe das Werk der Gräfin Margarete von Cleve zu lesen gegeben. Einer ihrer Damen sei es dann, wahrscheinlich 1174, [ ... ]
Heinse, Johann Jakob Wilhelm
Die äußeren Lebensumstände H.s waren durchaus typisch für die bedrückende Lage der deutschen Intellektuellen im 18. Jahrhundert. Seine Lebensauffassung wich jedoch erheblich von der Norm ab. Schon die frühesten Zeugnisse zeigen ihn in heftiger Opposition zur christlichen Moral und als Verfechter ein [ ... ]
Heißenbüttel, Helmut
»Die Ãœberlegungen, die ich mir gemacht habe, sind fast immer in Gang gebracht worden von der Irritation durch herkömmliche Urteile«, bekennt H. in den Frankfurter Vorlesungen (1963). In dem Satz schon deutet sich ein besonderes Autorenprofil an, das nicht so sehr durch einschneidende Indi-vidualerl [ ... ]
Herder, Johann Gottfried
»Ein rundes Gesicht, eine bedeutende Stirn, eine etwas stumpfe Nase, ein etwas aufgeworfener, aber höchst individuell angenehmer Mund. Unter schwarzen Augenbrauen ein paar kohlschwarze Augen, die ihre Wirkung nicht verfehlten.« So schildert Johann Wolfgang von Goethe H., der ihm 1770 in Straßburg be [ ... ]
Hermlin, Stephan
In H.s Leben und Werk scheint die Utopie realisiert, die hinter dem marxistischen Begriffszusammenhang des »Erbes« steht; wie keinem anderen deutschen Autor ist es ihm gelungen, in die Solidarität der Arbeiterbewegung einzutreten, ohne die Zivilisation des Großbürgertums, aus dem er stammte, verächt [ ... ]
Herwegh, Georg
Der als Sohn eines Gastwirts geborene H. gerät früh in Oppo- sition zu seiner bürgerlichen Umgebung: Auf die Zwangs-verschickung zu einem Verwandten aufs Land und die Einweisung in eine Lateinschule durch die Eltern, die sich 1834 scheiden lassen, reagiert der 12jährige mit psychischer Erkrankung. A [ ... ]
Hesse, Hermann
»Mit dem Camenzind. seinem ersten großen Roman, hatte Hermann Hesse zu Beginn des Jahrhunderts die damalige Jugend begeistert. Detnian erregte die Generation der Heimkehrer aus dem Ersten Weltkrieg, und ein Vierteljahrhundert später faszinierten die geistige Disziplin Kastaliens, die Kräfte der Medi [ ... ]
Heym, Georg
»Ich Hebe alle«, notiert H. 1909 in seinem Tagebuch, »die in sich ein zerrissenes Herz haben. Ich hebe Kleist, Grabbe, Hölderlin, Büchner, ich hebe Büchner und Marlowe. Ich liebe alle, die nicht von der großen Menge angebetet werden. Ich hebe alle, die oft so an sich verzweifeln, wie ich fast täglic [ ... ]
Heym, Stefan (d.i. Helmut Flieg)
H.s Leben und Werk ist geprägt von Sozialismus, Judentum und Exil in einer Zeit, in der die Ansichten eines Menschen von keiner Seite als seine Privatsache betrachtet wurden. Schon früh erkannte H. die Schwierigkeiten, die sich aus sozialem Interesse und einem entsprechenden Standpunkt ergaben. Wege [ ... ]
Heyse, Paul
Als erster deutscher Dichter erhielt H. im Jahre 1910 den Nobelpreis. Im Vorschlag hieß es: »unter den lebenden älteren Dichtern Deutschlands wird Paul Heyse allgemein fast unbestritten als der größte anerkannt«, und in der Verleihungsrede ist von H.s »Goetheähnlicher Künstlerschaft« die Rede. Die E [ ... ]
Hildesheimer, Wolfgang
Die biographische Form und das für ihre Geschlossenheit verantwortliche Kausalitätsprinzip hat H. zeit seines Schreibens zu parodieren versucht, um die »Einsicht der Unvorstell-barkeit« eines Lebensgeschehens zu fördern. Diese Einsicht gewinnt, wer den eigenen Lebenslauf als Diskontinuum erlebt. FL, [ ... ]
Hochhuth, Rolf
H. hatte seine Zeitgenossen mit dem ersten von ihm verfaßten Theaterstück offenkundig an einem wunden Punkt getroffen. Am 20. Februar 1963 unter der Leitung von Erwin Piscator uraufgeführt, erregte und schied Der Stellvertreter (1963, erw. 1967) die Geister wie kein anderes Stück zuvor: rüde Polemik [ ... ]
Hoddis, Jakob van (d.i. Hans Davidsohn)
Als Zangengeburt in die Welt gesetzt, der kräftigere Zwillingsbruder tot, der Vater kokainabhängig, Arzt und Materialist, die Mutter schöngeistige Idealistin. Ihr, die er zeitlebens um Geld anging, widmete der 15jährige zum 44. Geburtstag ein Heft mit 28 Gedichten, romantisierende und historisierend [ ... ]
Hoffmann, Ernst Theodor Amadeus
Der Zeitpunkt, an dem H. als Ausdruck seiner Bewunderung für Mozart semen dritten Vornamen Wilhelm durch Amadeus ersetzte (1809). fällt in die Jahre, in denen er sich den beiden Seiten seines Künstlertalents widmete, die heute mit seinem Namen erst in zweiter Linie verbunden, wenn nicht gar vergesse [ ... ]
Hoffmann von Fallet sieben, August Heinrich
»Glauben Sie, daß sich nach dem preußischen Landrecht dichten läßt? Ich erkläre nochmals: ich habe nur die Stimmung der Zeit und des Volkes wiedergegeben, denen ich nun einmal angehöre.« Mit diesen Worten verteidigte sich der Kaufmannssohn H. vor den preußischen Pachtern, die ihm im Jahre 1842 Beruf [ ... ]
Hqffmannswaldau, Christian Hoffmann von
»Der Herr von Hoffmannswaldau / welcher ein schüler des Opitzes« gewesen, habe gleichwohl einen anderen Weg eingeschlagen, »indem er sich sehr an die Italiäner gehalten / und die liebliche schreib-ahrt; welche nunmehr in Schlesien herrschet / am ersten eingeführet«, schreibt Benjamin Neukirch 1695 i [ ... ]
Hofmannsthal, Hugo von
»Allzugenau war es ihm sichtbar, daß er allüberall auf verlorenem Posten stand: aussichtslos war der Weiterbestand der österreichischen Monarchie, die er geliebt hatte und nie zu heben aufhörte; aussichtslos war die Hinneigung zu einem Adel, der nur noch ein karikaturhaftes Scheindasein führte; auss [ ... ]
Hölderlin, Friedrich
H. war der Sohn eines schwäbischen Patriziers und herzoglichen Beamten. Sein Vater starb früh, ebenso sein Stiefvater. Mit neun Jahren ist der älteste und einzig leibliche Sohn ohne väterliches Gegengewicht mit der Mutter allein, die wohl warmherzig und bemüht, aber auch engstirnig, wenig einfühlsam [ ... ]
Hölty, Ludwig Heinrich Christoph
»Man kann sich ihn aus dem Gebäude der deutschen Literaturgeschichte hinwegdenken, ohne daß dieses zusammenbräche, aber es fehlte ein hebgewordener Schmuck, den wir ungern vermissen würden« (August Sauer). Zum Schmuck für den bürgerlichen Salon ist H. vor allem als Textdichter für Wolfgang Amadeus M [ ... ]
Holz, Arno
»Vater der Moderne« nannte ihn 1963 Helmut Heißenbüttel. Gemeint war damit der Vertreter des »konsequenten Naturalismus«, aber mehr noch der Verfasser einer Revolution der Lyrik (1899) und der Phantasus-Gc&ichie (erstmals 1898). Theorie und Praxis waren bei H. immer eng verbunden. Nach Versuchen mit [ ... ]
Horvdth, Ödön von
»Ich wurde in Fiume geboren, bin in Belgrad, Budapest, Preßburg, Wien und München aufgewachsen und habe einen ungarischen Paß - aber >Heimat [ ... ]
Huchel, Peter
Der schweigsame Mann aus der Mark Brandenburg hat immer unwirsch seine wenigen Gedichte gegen einseitige biographische oder politische Interpretation zu bewahren gesucht, wolle doch jeder Text »für sich selber stehen und sich nach Möglichkeit behaupten gegen seine Interpreten, gegen etwaige Spekulat [ ... ]
Hugo von Trimberg
Dieser Autor mittelhochdeutscher und lateinischer didaktischer Werke war in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts am St. Gangolf-Stift in der Tcuerstädter Vorstadt Bambergs als weltlicher Vertreter des geistlichen Domscholasters tätig -42 Jahre lang, wie er am Schluß seines mittelhochdeutschen Hau [ ... ]
Humboldt, Wilhelm von
»Im Grunde ist alles, was ich treibe, Sprachstudium. Ich glaube die Kunst entdeckt zu haben, die Sprache als Vehikel zu gebrauchen, um das Höchste und Tiefste und die Mannigfaltigkeit der ganzen Welt zu durchfahren« (an den Philologen Friedrich August Wolf, 1805). Mit und durch die Sprache aber stie [ ... ]
Hütten, Ulrich von
»Er flamme als Haß in uns auf gegen alles Undeutsche, Unfreie, Unwahre; aber glühe auch als Begeisterung in unseren Herzen für die Ehre und Größe des Vaterlandes; er sei der Genius unseres Volkes, wenigstens so lange, als diesem ein zürnender, strafender, mahnender Schutzgeist Not tun wird.« Dieser [ ... ]
Ifßand, August Wilhelm
»Er sondert seine Rollen so voneinander ab, daß in der folgenden kein Zug von der vorhergehenden erscheint. Dieses Absondern ist der Grund von allem übrigen, eine jede Figur erhält durch diesen scharfen Umriß ihren Charakter, und eben so wie es dadurch dem Schauspieler gelingt bey der einen Rolle di [ ... ]
Immermann, Karl Leberecht
Es gibt kaum einen Antiquariatskatalog, in dem nicht der heute so gut wie vergessene I. mit einem Werk verzeichnet ist, das bis ins erste Drittel unseres Jahrhunderts mit über 80 Auflagen sehr erfolgreich gewesen war: Der Oberhof. Die Popularität dieser Erzählung, die eine abgeschlossene, heile [ ... ]
Jahnn, Hans Henny
1920 erhielt ein bis dahin völlig unbekannter junger Schriftsteller flir sein im Vorjahr als Buch erschienenes Drama Pastor Ephraim Magnus durch Oskar Loerke den renommierten Kleist-Preis zugesprochen: es war J. »Nur keine Literatur wie alle machen, nur das nicht, was man einem in der Schule als Dic [ ... ]
Jandl, Ernst
»ab 1952 erschienen meine gedichte in Zeitschriften, 56 in einem buch, andere äugen. 55 erfolgte, parallel zu privaten Umwälzungen, die Zuspitzung zu groteske und experiment. neue freunde, friederike mayröcker, artmann, rühm, regten an, stramm arp schwitters gertrude stein wurden angewandt, die mögl [ ... ]
Jean Paul (d.i. Johann Paul Friedrich Richter)
»Ich habe ihn ziemlich gefunden, •wie ich ihn erwartete: fremd wie einer, der aus dem Mond gefallen ist, voll guten Willens und herzlich geneigt, die Dinge außer sich zu sehen, nur nicht mit dem Organ, womit man sieht« (Friedrich Schiller an Johann Wolfgang von Goethe, 28. 6. 1796). Den Weimaraner [ ... ]
Johnson, Uwe
Schon Mitte der 50er Jahre erkannte der damals in Leipzig ansässige Literaturhistoriker Hans Mayer das große erzählerische Talent des damals zwanzigjährigen Germanistikstudenten J. und empfahl seinen Schüler, der eine hervorragende Diplomarbeit über Ernst Barlach angefertigt hatte, dem westdeutschen [ ... ]
Johst, Hanns
Er verbrachte seine Jugend in Leipzig, war als Pfleger in den Bodelschwinghschen Anstalten in Bethel tätig und studierte in München, Wien und Berlin Kunstgeschichte und Philosophie. 1914 meldete er sich freiwillig zu den Heerscharen des Kaisers — er fühlte sich zu Höherem berufen und schrieb neben [ ... ]
Jünger, Ernst
Ende 1913 hielt es ein verträumter, musisch hochbegabter Apothekersohn in der vom Wilhelminismus geprägten provinziellen Enge seines Heimatortes nicht mehr aus. Berauscht von Fernweh und Abenteuerlust unterzeichnete der Achtzehnjährige einen Vertrag mit der Französischen Fremdenlegion und brannte na [ ... ]
Jünger, Friedrich Georg
Wie es in der Urkunde des Immermann-Literatur-Preises heißt, der dem Dichter 1953 verliehen wurde, verbindetj. die Heiterkeit des Geistes mit klarer Humanität und bewahrt unbeirrbar in unserer schwankenden Zeit das Vertrauen zum Leben in seinem Schaffen. Der Sohn eines Apothekers und jüngere Bruder [ ... ]
Jung, Franz
»Was suchst du Ruhe, da du zur Unruhe geboren bist?« - alsJ. Ende 1915 mit diesem Motto des Thomas von Kempen die erste Nummer seiner Zeitschrift Die freie Straße aufmachte, formulierte der soeben desertierte kriegsfreiwillige 27jährige Uhrmachersohn, der einige Semester Jura und Kameralia gehört, a [ ... ]
Kafka, Franz
Das »Grenzland zwischen Einsamkeit und Gemeinschaft habe ich äußerst selten überschritten, ich habe mich darin sogar mehr angesiedelt als in der Einsamkeit selbst. Was für ein lebendiges schönes Land war im Vergleich hierzu Robinsons Insel.« Dies stellt K. wenige Jahre vor seinem Tod fest. Noch imme [ ... ]
Kaiser, Georg
Vom Tod des Dichters in seinem Hotelzimmer au


f dem Monte Veritä erfuhr Margarethe Kaiser, geb. Habenicht, Mutter zweier Söhne und einer Tochter, durch das Radio. Seit August 1938 lebte der prominente Dramen-Expressionist, in den 20er Jahren erfolgreich wie sonst nur noch Gerhart Hauptmann und Bertol [ ... ]
Kant, Hermann
DDR-Schriftsteller, in dessen Arbeit die DDR so drin ist wie Sauerstoff in der Luft.« Ohne die DDR wäre K. vermutlich gar nicht Schriftsteller geworden, zumindest hat ihm dieser Staat mit Bildung und finanziellen Mitteln auf den Weg geholfen. Aus einer proletarischen Familie stammend und stolz auf d [ ... ]
Kasack, Hermann
Das einzige Kind des Arztes Richard Kasack und seiner Frau Elsbeth besuchte das humanistische Viktoria-Gymnasium zu Potsdam und legte 1914 als Kriegsfreiwilliger das Notabitur ab, wurde aber wegen eines Herzfehlers rasch wieder aus dem Militärdienst entlassen. Von 1914 bis 1920, unterbrochen von Kri [ ... ]
Kaschnitz, Marie Luise
»Als eine ewige Autobiographin, eine im eigenen Umkreis befangene Schreiberin werde ich, wenn überhaupt, in die Literaturgeschichte eingehen, und mit Recht. Denn meine Erfindungsgabe ist gering. Ich sehe und höre, reiße die Augen auf und spitze die Ohren, versuche, was ich sehe und höre, zu deuten, [ ... ]
Kästner, Erich
Zu K.s 50. Geburtstag schrieb Wolfgang Harich folgende Zeilen über die K.-Lektüre seiner Jugendzeit: »Mit seinen Kinderbüchern hatte K. mir, als ich sieben oder acht Jahre alt war, in vorsichtiger, unaufdringlicher, aber äußerst wirksamer Dosierung jene moralisch-humanistischen Gegengifte verabreich [ ... ]
Keller, Gottfried
Am Lebensende ist der Schweizer Autor ein berühmter deutscher Dichter. Als er den siebzigsten Geburtstag feiert, erreicht ihn aus Berlin eine Glückwunschadresse mit mehreren hundert Namen, darunter Helmuth Graf von Moltke, Heinrich von Treitschke, Herman Grimm und Theodor Fontane. Dazu K. nicht ohne [ ... ]
Kempowski, Walter
Unter seinem Schreibtisch ist im Boden ein Stein eingelassen, der aus dem Steinbruch des Zuchthauses Bautzen stammt. 1948 war K., Sohn eines Rostocker Reeders, wegen angeblicher Spionage gemeinsam mit seinem Bruder Robert zu 25 Jahren Zuchthaus verurteilt worden. Auch die Mutter mußte wegen Mitwisse [ ... ]
Kerner, Johann Georg
Der »Revolutionsmann« K., der nach Georg Forsters begeisterten Worten »Freiheit wie ein Vulkan sprühte«, stammte aus einer streng monarchisch gesonnenen württembergischen Beamtenfamilie. Sein Vater stand im Dienst des Herzogs Karl Eugen, dessen despotische Regierungsmethoden bereits den jungen Fried [ ... ]
Kerner, Justinus
David Friedrich Strauß' Nachruf auf seinen ihm geistig so ungleichen Landsmann und Freund befaßt sich eingehend mit der ungewöhnlichen Art von dessen Prominenz: »Der Reisende glaubte nicht in Schwaben gewesen zu sein«, schreibt der linkshegelianische Theologe und Bibelkritiker in Ãœbereinstimmung mi [ ... ]
Kipphardt, Heinar
K. wuchs in dem Industriedorf Gnadenfrei am Eulengebirge auf. Sein Vater wurde wegen seiner sozialdemokratischen Haltung 1933 verhaltet und erst 1938 aus dem Konzentrationslager Buchenwald entlassen. Als i8jähriger entschloß sich K., Medizin zu studieren, »um das nationalsozialistische Deutschland m [ ... ]
Kirsch, Sarah
»Ich habe einfach so, aus freiem Impetus, zu schreiben angefangen, ich hatte bis dahin sehr wenig Gedichte gelesen, ...meine Naivität war eigentlich mein Glück, denn ich meinte, das muß ja ganz leicht sein, das könnte ich viel besser!« Aus völlig »heiterm Himmel« kommt K.s Schreibimpuls aber doch ni [ ... ]
Kisch, Egon Erwin
Er war ein deutschsprachiger Schriftsteller jüdischer Abstammung und tschechischer Nationalität: K., ein ehrgeiziger Bonvivant, ein fröhlicher Klassenkämpfer, ein engagierter und raffinierter Journalist. Er entstammte einer angesehenen und wohlhabenden Prager Tuchhändlerfamilie. Ähnlich wie Erich K [ ... ]
Klabund (d. i. Alfred Henschke)
Als Gottfried Benn 1928 in der Totenrede für Klabund seinen früh verstorbenen Dichterfreund als den Inbegriff des sich selbst verzehrenden, genialischen Künstlers feierte, wußte er sich mit einer breiten literarischen Öffentlichkeit einig. K., wie sich der Apothekersohn genannt hatte, war 1912 mit [ ... ]
Kleist, Ewald Christian von
Am Sonntag, dem 12. August 1759 wurde Preußens Friedrich II. von den Russen und Östreichern in der Schlacht von Kunersdorf vernichtend geschlagen. Mitgefochten hatte als Major der deutsche Dichter Ewald Christian von K., ein enger Freund Gotthold Ephraim Lessings. Dieser schreibt am 25. August an J [ ... ]
Kleist, Heinrich von
Zwei Dichter markieren die in ihrer Zeit unverstandene, weil unvermittelte Wende vom Weltbild des deutschen Idealismus zur Gegenwart, ms 20. Jahrhundert. Beide sind nicht alt geworden: der eine schied durch Freitod mit 34 Jahren aus dem Leben, der andere wurde durch Typhus mit 24 Jahren weggerafft. [ ... ]
Klinger, Friedrich Maximilian
»Ich habe, was und wie ich bin, aus mir gemacht, meinen Charakter und mein Inneres nach Kräften und Anlagen entwickelt, und da ich dieses so ernstlich tat, so kam das, was man Glück und Autkommen in der Welt nennt, von selbst.« Seine Karriere als »Weltmann und Dichter« ist K. jedoch nicht in die Wie [ ... ]
Klopstock, Friedrich Gottlieb
Als K. am 22. März 1803 in Hamburg beigesetzt wurde, war ein Repräsentant deutscher Dichtung, ja deutscher Kultur gestorben, dem Zehntausende hanseatischer Bürger die letzte Ehre gaben. Und doch, der Sänger des großen religiösen Epos Der Messias, seit 1770 in der Hansestadt ansässig und eines ihrer [ ... ]
Kluge, Alexander
»Die Form des Einschlags einer Sprengbombe ist einprägsam. Sie enthält eine Verkürzung. Ich war dabei, als am 8. April 1945 in 10 Meter Entfernung so etwas einschlug.« Man kann mit Sicherheit annehmen, daß dieses Erlebnis den 13jährigen — wie viele seiner Altersgenossen — nachhaltig geprägt hat, [ ... ]
Knigge, Adolph Franz Friedrich Freiherr von
Als Verfasser des Buches Ãœber den Umgang mit Menschen (1788) ist K. zu fragwürdigem Ruhm gekommen. Das, was als Beitrag zum bürgerlichen Emanzipationskampf gemeint war, geriet in seiner Wirkung zum banalen Etikette-Buch. Die zahlreichen Neuauflagen des Buches drängten die politischen und sozialen A [ ... ]
Koeppen, Wolfgang
Ein im Alter immer noch schüchterner Prometheus, im Nes- sus-Hemd der Schuldgefühle (vor allem weil er im Dritten Reich verstummen mußte, um zu überleben), in Angst davor, zu versteinern, im Nichts dennoch nicht sterben zu können: so sieht sich der achtzigjährige K. Er verspricht uns immer noch die [ ... ]
Konrad von Würzburg
Er war der erste nichtadlige Dichter der deutschen Literatur- geschichte, dessen Leben sich auf Grund von Zeugnissen etwas genauer abzeichnet. In seinen Werken nennt er sich »von Wirzeburc Cuonrät« oder »Cuonze von Wirzeburc«. Im Hausbuch des Würzburger Protonotars Michael de Leone (Mitte 14. Jah [ ... ]
Koppen, Edlef
Das Ende des Ersten Weltkrieges erlebte K. in einer Irrenanstalt, in die er wegen Befehlsverweigerung eingehefert worden war. Der 1893 Geborene hatte einen für seine Generation typischen Weg als kriegsfreiwilliger Student — mit Eisernem Kreuz und Leutnantspatent - zurückgelegt, bevor er sich zu ei [ ... ]
Körner, Theodor
»Deutschland steht auf;... - Ja, liebster Vater, ich will Soldat werden, will das hier gewonnene glückliche und sorgenfreie Leben mit Freuden hinwerfen, um, sei's auch mit meinem Blute, mir ein Vaterland zu erkämpfen.« In der Tat setzt der Sohn des mit hervorragenden Vertretern des kulturellen Leben [ ... ]
Kotzebue, August von
Selten in der Literaturgeschichte hat ein Autor so viel Anerkennung und Abneigung zugleich auf sich gezogen wie K. Er war mit Abstand der populärste deutsche Bühnenschriftsteller seiner Zeit. In den letzten Direktionsjahren August Wilhelm Ifflands am Berliner Nationaltheater, von 1809 bis 1813, wurd [ ... ]
Kracauer, Siegfried
Biographen begegnete K. mit Mißtrauen. »Meine Art der Existenz«, schrieb er in einem späten Brief an Theodor W. Adorno, »würde buchstäblich aufs Spiel gesetzt, wenn die Daten aufgeschreckt würden und mich von außen her überfielen.« Festlegungen wehrte er als heteronom ab, um das Eigenste zu bewahren [ ... ]
Kramer, Theodor
Seine Widersprüchlichkeit war es, die seine Mitmenschen an ihm faszinierte: Volksdichter und Kaffeehausliterat, Kriegsinvalide und Hypochonder, raunzerischer Eigenbrödler und geselliger Zecher, engagierter Sozialist und träger Lebemensch, dessen einziges Charakteristikum für Elias Canetti in maßlose [ ... ]
Kraus, Karl
Als ihm 1933 »zu Hitler nichts einfiel«, hörten die zahlreichen Kritiker in diesem Wort nicht die bittere satirische Abfertigung, erkannten nicht den Sinn dieses Verdikts vor seinem ganzen Werk: daß nämlich die Sprache nicht mehr imstande sei, den nationalsozialistischen Ungeist und seine Folgen für [ ... ]
Krolow, Karl
1944 wollte K. den kurz zuvor erschienenen Gedichtband Der grüne Gott von Wilhelm Lehmann rezensieren. Es wäre eine der wenigen öffentlichen Reaktionen auf diese bald richtungsweisenden Verse gewesen, die nicht ins Konzept einer Blut-und-Boden-Literatur paßten. Die Zeitschrift Das Innere Reich konnt [ ... ]
Kroetz, Franz Xaver
»Vater: Beamter / Mutter: Hausfrau / geb. 25. Februar 1946 in München / 1946-1951 Simbach am Inn / ab 1951 München: / 4 Klassen Volksschule / 5 Klassen Oberschule (durchgefallen) / 2 Jahre Schauspielschule München (Abschluß durchgefallen) / 1 Jahr Max-Reinhardt-Seminar Wien (3., 4. Semester [ ... ]
Krüss, James (Pseudonyme Markus Polder, Felix Ritter)
»Auf kleinen Inseln mit wenig Auslauf bildet sich selbst das magerste Talent zur Phantasie bis an seine äußersten Grenzen aus.« Damit erklärt K., der Kindheit und Jugend bis zu seinem 16. Lebensjahr auf der Insel Helgoland verbrachte, warum er zum international erfolgreichsten deutschen Kinderbuchau [ ... ]
Kubin, Alfred
»Lieber Freund,-------fertig!-------gottseidank! -... Schreiben tue ich nichts mehr in meinem Leben hoffe ich! —«, schrieb der knapp 32jährige K. an seinen lebenslangen Freund Fritz von Herzmanovsky-Orlando (10. 1. 1909) nach Fertigstellung seines in nur zwölf Wochen niedergeschriebenen phantastis [ ... ]
Kuhlmann, Quirinus
»Man hat ihn aber zuvorher im gefängniß auff das allergrau-samste gepeiniget.. .Worauff sie ihn in etwas wieder genesen lassen / und hernach auffeinen grossen platz der Stadt geführet, da sie ihn in einem dazu gemachten häußlein.. .lebendig verbräm«, so faßt Gottfried Arnold in seiner Kirchen- und K [ ... ]
Kühn, Dieter
»Im bisherigen Buchentwurf herrscht die Ich-Perspektive eines Autors vor, der den Leser am Auswählen und Auswerten von Material teilnehmen läßt; auch kann ihm der Leser beim Schreiben zuschauen, sozusagen über die Schulter.« Was der Erzähler in Die Präsidentin (1973) als Ziel seines Schreibens chara [ ... ]
Kunert, Günter
K. zählt zweifellos zu den literarisch vielseitigsten, schöpferisch produktivsten, aber trotzdem sprachlich virtuosen, inhaltlich einfallsreichen und intellektuell anspruchsvollen Autoren der Nachkriegszeit, die sowohl im Osten wie im Westen gelesen und gewürdigt werden. Sein schriftstellerisches un [ ... ]
Kunze, Reiner
»schriftsteiler K.« weigert sich, »an(zu)treten / Kopf bei fuß«. Sein vorläufig letzter, größtenteils in der Bundesrepublik entstandener Gedichtband auf eigene Hoffnung (1981) führt im neuen gesellschaftlichen Umfeld konsequent das Thema fort, mit dem er seit Ende der 50er Jahre bei den Kulturfunkti [ ... ]
Kurz, Hermann
Die Tradition der selbstbewußten ehemaligen Freien Reichsstadt Reutlingen prägte ihn. Sein Leben verbrachte er fast ausschließlich in Württemberg. Seine äußersten Reiseziele waren Straßburg, München oder Frankfurt a. M. Seine Sozia-j lisation schien eine typisch schwäbisch-theologische zu werden: La [ ... ]
Langgässer, Elisabeth
Sie wurde als Tochter eines Architekten geboren, besuchte die höhere Schule in Darmstadt und war etwa zehn Jahre lang Lehrerin an verschiedenen Schulen in Hessen. 1929 zog sie nach Berlin, wo sie bis 1930 als Dozentin an der sozialen Frauenschule tätig war. Ab 1930 hatte sie als freie Schriftsteller [ ... ]
Lasker-Schüler, Else
»Else Lasker-Schüler ist die jüdische Dichterin. Von großem Wurf... Ihr Dichtgeist ist schwarzer Diamant, der in ihrer Stirn schneidet und wehe tut. Sehr wehe. Der schwarze Schwan Israels, eine Sappho, der die Welt entzwei gegangen ist. Strahlt kindlich, ist urfinster. In ihres Haares Nacht wandert [ ... ]
Le Fort, Gertrud von
»In Hildesheim kam ich... mit 14 Jahren endlich in eine rich- tige Schule.« Bis zu diesem Zeitpunkt war die einer alten Familie protestantischer Emigranten aus Norditalien und Sa- voyen entstammende preußische Offizierstochter, auch aufgrund einiger Ortswechsel, »privatim unterrichtet« worden. Ihr [ ... ]
Lehmann, Wilhelm
Sie seien »am Weichenstellwerk ihrer Zeit tätig«, so begründete Alfred Döblin die Verleihung des Kleist-Preises 1923 an Robert Musil und L. Dieser hatte damals noch keine Gedichte veröffentlicht und erhielt den Preis für sein erzählendes Werk, vor allem die Romane Der Bilderstürmer (1917), Die Schme [ ... ]
Lenau, Nikolaus (d.i. Niembsch, Edler von Strehlenau)
Als der 30 jährige im Mai 1832 euphorisch in die »Neue Welt« aufbricht, versteht er dies als Flucht vor einer »Tyrannei«, die nicht nur den politischen Freiheitswillen, sondern auch das schöpferische Geistesleben im ersten Aufkeimen erstickt. In Amerika aber findet er in den 14 Monaten seines Aufent [ ... ]
Lenz, Hermann
Ein Foto von einer Straße aus der Zeit vor den Weltkriegen — und sei eine noch so finstere oder belanglose Gegend abgebildet — löst ein »realistisches Märchengefühl« aus: Trauer, Heimeligkeit, zugleich das konkrete Wissen, das die Zirkel der »oral history« und der Alltagsgeschichtsschreibung fül [ ... ]
Lenz, Jakob Michael Reinhold
Wir werden geboren — unsere Eltern geben uns Brot und Kleid — unsere Lehrer drücken in unser Hirn Worte, Sprachen, Wissenschaften —... es entsteht eine Lücke in der Republik wo wir hineinpassen — unsere Freunde, Verwandte, Gönner... stoßen uns glücklich hinein — wir drehen uns eine Zeitlan [ ... ]
Lenz, Siegfried
Nicht erst seit seinem unerwarteten Bestseller Deutschstunde (1968) wird L. vorgeworfen, seine Vermarktung in den Medien und die Breitenwirkung seiner Werke beweise, daß sein Schreiben im Grunde auf das rückhaltlose Einverständnis, auf eine »Komplizenschaft mit dem Leser« hin angelegt sei. Seine Auf [ ... ]
Leonhard, Rudolf
Im französischen Exil, zur Zeit der Naziherrschaft, hat L. unter vier verschiedenen Pseudonymen publiziert und politisch gearbeitet: Als Robert Lanzer (= Landser) veröffentlichte er 1944 ein an die deutschen Soldaten gerichtetes Bänd-chen Deutschland muß leben...! Raoul Lombat war sein »nom de guerr [ ... ]
Lessing, Gotthold Ephraim
Eine von dem Dramatiker Heiner Müller geschaffene Thea-terfigur stellt sich mit der folgenden Sentenz dem Publikum vor: »Mein Name ist Gotthold Ephraim Lessing. Ich bin 47 Jahre alt. Ich habe ein/zwei Dutzend Puppen mit Sägemehl gestopft das mein Blut war, einen Traum vom Theater in Deutschland getr [ ... ]
Lichtenberg, Georg Christoph
Der Sohn des nachmaligen Landessuperintendenten seiner Heimat und Enkel eines erweckten Pietisten sollte eigentlich nach dem Willen seines hessischen Landesherren Ludwig IX. von Darmstadt an der Universität Gießen unterrichten — und wurde in Göttingen Professor. Er wollte nach zwei zusammen fast z [ ... ]
Liliencron, Detlev von
»Damals war Liliencron mein Gott, / ich schrieb ihm eine Ansichtskarte«, erzählt Gottfried Benn in einem seiner letzten Gedichte über eine Reise zu Anfang des Jahrhunderts. L. war der lyrische >Gott< auch schon der »Modernen«, der »Jüngstdeutschen« um 1890 gewesen. Im We [ ... ]
Loerke, Oskar
Der Sohn eines Ziegelei- und Hofbesitzers aus der Weichselniederung reiste und wanderte gern, es waren L.s extensivste Erfahrungen, mit der Welt, vor allem mit der Natur in Kontakt und Dialog zu kommen. Seine weiteste Reise führte ihn nach Nordafrika, dank eines Reisestipendiums des »Norddeutschen L [ ... ]
Loest, Erich
Mit dem Helden seines letzten, noch in der DDR aufgelegten Buchs verbindet den Autor eine Reihe von Gemeinsamkeiten, die wichtige Stationen seines eigenen Werdegangs markieren: »Wir sind Landsleute«, begründet L. seine besondere Nähe zu Karl May, in dessen Lebensgeschichte der Roman Swallow, mein wa [ ... ]
Logau, Friedrich von
»Bald werden wir einen von unscrn besten alten Dichtern wieder unter uns aufleben sehen«; mit diesen Worten kündigte Gotthold Ephraim Lessing im 36. Literaturbrief (Briefe, die neueste Literatur betreffend, 26. 4. 1759) die gemeinsam mit Karl Wilhelm Ramler herausgegebene Auswahl aus L.s Sinngedicht [ ... ]
Lohenstein, Daniel Casper von
Die Kunst des »Schlesischen Marin«, schrieb Johann Jacob Bodmer 1734 über Christian Hoffmann von Hoffmannswal-dau, »steckte Teutschland an«, »der hochgefärbte Schein Nahm bald das junge Volck von leichten Sinnen ein«. Zu den Angesteckten gehörte nicht zuletzt L., bei dem die entschiedenste Steigerun [ ... ]
Ludwig, Otto
Dichter zu sein, hieß zu L.s Lebzeiten, als Dramatiker etwas zu gelten: »Nach der Seite hin einen guten Wurf, und man ist durch. Alles andre wird doch nur wie Larifari betrachtet« (Theodor Fontane, 16. 2. 1853 an F. Witte). Mehr als zwei Jahrzehnte literaturkritischer und schriftstellerischer Arbeit [ ... ]
Luther, Martin
Im Jahre 1521 trat L., ein 38jähriger Mönch, in Worms vor den Kaiser und die Reichsstände. Als Wortführer in eigener Sache verteidigte er seine Wirksamkeit und seine Schriften, dazu die Gewissensfreiheit, ohne zu widerrufen. Ein Akt öffentlichen Widerstands, der in der deutschen Geschichte seinesgle [ ... ]
Mann, Heinrich
»Heinrich Mann ist wie sein Bruder Thomas deutscher Abstammung. Es wäre verfehlt, ihn und seine Werke in die Rubrik jüdischer Zersetzungsliteratur < zu stecken. Es ist auch nicht angebracht, ihn mit moralischer Entrüstung einfach ab-zutun. Heinrich Mann ist nicht Geschmeiß wie so und so viele der ve [ ... ]
Mann, Klaus
»Immer schweifend, immer ruhelos, beunruhigt, umgetrieben, immer auf der Suche«, so hat M. sich selbst in seiner Autobiographic charakterisiert und hinzugefügt, sein Leben sei »die Geschichte eines Schriftstellers, dessen primäre Interessen in der ästhetisch-religiös-erotischen Sphäre liegen, der ab [ ... ]
Mann, Thomas
»Stehkragen« und »reptil« nannte ihn Bertolt Brecht 1943 im kalifornischen Exil; und dies ist nicht nur Ausdruck der Verachtung für den Josephsroman, den Brecht als »die enzyklopä-die des bildungsspießers« bezeichnete. Jenseits mnerliterari-scher Divergenzen zielte der Vorwurf auf die repräsentative [ ... ]
May, Karl
Seine Bücher haben einer groben Schätzung von 1975 nach eine deutschsprachige Gesamtauflage von über 50 Millionen Exemplaren erreicht und sind in mehr als 25 Sprachen übersetzt worden. M. ist damit der auflagenstärkste und zugleich populärste Autor der deutschen Literaturgeschichte. Sämtliche Medien [ ... ]
Mehring, Walter (Pseudonym Walt Merin)
»Meringues«, der Name jenes luftigen Schaumgebäcks, war sein Spitzname, weil er so phantastisch übertreiben konnte, was seine Lebensgeschichte anging. Schriftsteller zu sein bedeutete für M.: »Anschauungen unbestechlich analysieren zu können«, mit dem Ziel der »geistigen Entlarvung der Herrschenden, [ ... ]
Meyer, Conrad Ferdinand
»Wie erbärmlich •war ich nicht in Zürich daran! Was mich niederwarf und aufrieb, war die Mißachtung, das Fürkrank-gelten, in der ich lebte, sowie mich am tiefsten jene Hinweisung auf meine in den letzten Jahren unverschuldete Berufslo-sigkeit kränkte«. Dies schreibt einer, der seine Gymnasialausbi [ ... ]
Meyrink, Gustav
Der Prager Bankier Gustav Meyer, der als Mittelpunkt okkulter Zirkel und spiritistischer Sitzungen ein stadtbekannter Bürgerschreck war, geriet 1902 unschuldig unter Betrugsverdacht in Haft und mußte daraufhin seinen Beruf wechseln. Er übersiedelte nach München, änderte seinen Namen (mit der Erlaubn [ ... ]
Mon, Franz (d.i. Franz Löffelholz)
»solange geschrieben wird, konkurrieren zwei tendenzen, das geschriebene darzubieten, die zur leichtesten lesbarkeit mit der, dem lesen widerstand zu bieten«, stimmt M. einmal seinen Leser in das ein, was ihn im folgenden erwartet (textla-byrinthe). M. - promovierter Lektor eines Frankfurter Schulbu [ ... ]
Morgenstern, Christian
Als der Einundzwanzigjährige die Zeitschrift Deutscher Geist herausgab, stellte er ihr Oliver Cromwells: »Der kommt oft am weitesten, der nicht weiß, wohin er geht«, als Motto voran. Der Sohn des Landschaftsmalers Carl E. Morgenstern und Enkel der Landschaftsmaler Christian E. Morgenstern und Josef [ ... ]
Morgner, Irmtraud
»Mein Vater ist Lokführer. Jeder Junge, dessen Vater Lokführer ist, wünscht sich.. .erst mal den (Beruf) des Vaters. Ich war offensichtlich ein Mädchen und wünschte trotzdem so. ...Vielleicht zeigte dieser Wunsch das Körnchen natürliche Widerspenstigkeit an, das ein konventionell erzogener weibliche [ ... ]
Mörike, Eduard
Die Familie hatte aut ihn gesetzt. Die Onkel und Tanten sorgten nach dem Tod seines Vaters, eines Amtsarzts, für die gehörige theologische Ausbildung am Tübinger Stift. Er scheint die Situation damals intuitiv so erfaßt zu haben: die Großfamilic als Zwang, die Bildung als Macht. M. beugte sich, konn [ ... ]
Moritz, Karl Philipp
M., der erste psychologische Schriftsteller der deutschen Literatur und Mitbegründer der idealistischen Kunsttheorie, hat in seinem Anton Reiser (1785-1790) eine Kindheit und Jugend geschildert, für deren Scheußlichkeit es in der Weltliteratur wenige Parallelen gibt; der Roman beruht auf nichts ande [ ... ]
Moscherosch, Johann Michael
»So sehet zu...daß ihr in grossen Reichs-Freyen Stätten euch häußlichen niderlasset, da die Evangelische Religion Rein und klar seye«, schreibt M. in seiner Vermächtnisschrift Insom-nis Cum Parentum (1643) an seine Kinder: Als Amtmann im lothringischen Finstingen (Fenetrange) hatte er die Gefahren d [ ... ]
Mühsam, Erich
Das bekannteste Foto, ein eher schäbiges Brustbild, zeigt ihn in seinen unverkennbaren Zügen und doch deutlich entstellt: der gemütliche Vollbart und das wilde dichte Haupthaar wirken dressiert und gestutzt, die sonst so gütig und listig blinzelnden Augen hinter dem unvermeidlichen Kneifer starren g [ ... ]
Müller, Heiner
»Das erste Bild, das ich von meiner Kindheit habe, stammt aus dem Jahre 1933. Ich schlief. Dann hörte ich Lärm aus dem nächsten Zimmer und sah durch das Schlüsselloch, daß Männer meinen Vater schlugen. Sie verhafteten ihn. Die SA, die Nazis haben ihn verhaftet. Ich ging wieder ins Bett und stellte m [ ... ]
Müntzer, Thomas
Die »Schlacht« von Frankenhausen am 15. Mai 1525, gegen Mittag, war in Wirklichkeit ein Ãœberfall der Fürstenheere auf das Lager der Bauern und ihrer Verbündeten, die Abschlach-tung von fünf- bis sechstausend Aufständischen. M., der bedeutendste ihrer Führer, hätte vielleicht entkommen können, um se [ ... ]
Murner, Thomas
»Wer die Sitten der damaligen Zeit kennen will, wer die deutsche Sprache in all ihrem Umfange studieren will, dem rate ich, die Murnerschen Gedichte fleißig zu lesen.« Der gute Rat Gotthold Ephraim Lessings ist seither wenig befolgt, darum aber nicht weniger richtig. Der Franziskaner und Humanist, D [ ... ]
Musil, Robert
»Die Kurve meiner Geltung hat merkwürdige Spitzen und Senkungen. Mein Erfolg als Schriftsteller hat merkwürdige Begräbnisse und Auferstehungen enthalten«, resümiert der fast 60jährige M. eine nach außen hin gescheiterte Schriftstellerkarriere, die selbst in den kurzen Phasen öffentlicher Aufmerksamk [ ... ]
Neidhart
Einer der radikalsten und originellsten Neuerer der deutschen Literaturgeschichte: Neu war (Anfang des 13. Jahrhunderts) die Verkehrung der höfischen Minneszenerie in ein antihöfi- sches Liebes- und Rauftheater mit bäuerlicher Staffage, neu war die Aufteilung der Lieder in jahreszeitlich gepr [ ... ]
Nestroy, Johann Nepomuk
»Nestroy, Johann, sehr lang, etwas ungeschlacht, Embon-point, blatternarbig, rundes Gesicht, lockiges, etwas graues Haar, greller Schauspieler, desto glücklicherer Coupletsänger, fruchtbarer und beliebter Possenspieler, trefflicher Zeichner gemeiner Charaktere in Callot's Manier; schreit entsetzlich [ ... ]
Neumann, Robert
Daß man ihn wegen seiner Stilvielfalt mit Georg Büchners Valerio verglich - »bin ich das? oder das?«-, akzeptierte er. »Grellster Naturalismus... in manchmal archaisch gestelzter, manchmal gehetzter und keuchender Prosa« sei Sintflut (1929), sein erster Roman, gewesen, »exuberant, disziplinlos, sati [ ... ]
Nicolai, Christoph Friedrich
»Das Genie ist der wahre Probierstein eines schönen Geistes, nicht Regeln und eine übel angebrachte Gelehrsamkeit«. Der dies in jungen Jahren (1755) äußerte, sollte gleichwohl als einer der größten Philister und Poesiefeinde in die deutsche Geistesgeschichte eingehen. Nicht streitsüchtig, aber doch [ ... ]
Niebergall, Ernst Elias
»Jener bekannte Niebergall ist zweifellos ein Kerl gewesen«, schrieb Alfred Kerr 1915 in seiner Kritik der ersten Berliner Datterich-Aufführung, die an den einhundert Jahre zuvor geborenen Dichter erinnerte. Vor den Jubiläumsaktivitäten in Berlin und anderswo war er nur in seiner Heimatstadt bekannt [ ... ]
Nossack, Hans Erich
N. wurde erst nach 1945 als Schriftsteller bekannt. Er teilt damit ein Generationenschicksal, aber er paßte sich keiner der nach 1945 aufkeimenden Literaturtendenzen an. Er war als Autor — dann Alfred Andersch, Wolfgang Koeppen, Arno Schmidt ähnlich - längst ausgereift und nahm bewuik die Rolle de [ ... ]
Novalis (d. i. Georg Philipp Friedrich Freiherr v. Hardenberg)
»Was war jene Blume, welche / Weiland mit dem blauen Kelche / So romantisch süß geblüht / In des Ofterdingen Lied? / Wars vielleicht die blaue Nase / Seiner mitschwind-süchtgen Base, / Die im Adelsstifte starb? / Mag vielleicht von blauer Färb / Ein Strumpfband gewesen sein, / Das beim Hofball fiel [ ... ]
Opitz, Martin
Er müsse sich »hefftig verwundern«, schreibt O. in der Vorrede zu seinen Teutschen Poemata (1624), »daß / da sonst wir Teutschen keiner Nation an Kunst und Geschickligkeit bevor geben/doch biß jetzund niemandt under uns gefunden worden/so der Poesie in unserer Muttersprach sich mit einem rechten fle [ ... ]
Oswald von Wolkenstein
Am Dom zu Brixen findet sich ein Gedenkstein, der einen bärtigen Mann mit Kreuzesfahne und Schwert zeigt. Vor einer Pilgerfahrt ins Heilige Land ließ ihn der Dichter selbst errichten: Es ist die älteste lebensgetreue Darstellung eines deutschen Dichters. Später folgen das ebenfalls porträthafte erst [ ... ]
Otfried von Weißenburg
Der Mönch Ãœ. aus dem lothringischen Kloster Weißenburg nimmt in mehrfacher Hinsicht in der deutschen Literaturge- schichte eine Sonderstellung ein: Er ist der erste namentlich bekannte Dichter und Poetologe deutscher Zunge. Sein Werk, eine Evangelienharmonie, ist überdies so genau datierbar, wie e [ ... ]
Piontek, Heinz
Anläßlich der Verleihung des Büchner-Preises an P. 1976 sprach der Dichter von der »Befreiung des Schönen«, gegen dessen Tabuisierung er sich immer wieder gewandt hat, und von der Wiedergewinnung der Lyrik in unserer Zeit. In seinem weitgefächerten Werk, das Gedichte, Erzählungen, Essays, Romane, Re [ ... ]
Platen, August von
»Graf Platen ist ein kleiner, verschrumpfter, goldbebrillter Greis von fünfunddreißig Jahren; er hat mir Furcht gemacht. Die Griechen sahen anders aus! Er schimpft auf die Deutschen gräßlich, vergißt aber, daß er es auf deutsch tut.« So berichtete der Komponist Felix Mendelss [ ... ]
Raabe, Wilhelm
Gegen Ende des Jahres 1854 entschließt sich der 23jährige R. plötzlich, einen Roman zu schreiben. Er hatte sowohl die Schule als auch eine Buchhändlerlehre vorzeitig abgebrochen, bevor er aus der Braunschweiger Provinz an die Berliner Universität gekommen war, um sich als Gasthörer philosophisch-his [ ... ]
Raimund, Ferdinand Jakob
Einerseits gibt es da die polizeiamtlich bekannte »heftige Gemütsart des Ferdinand Raimund«, der sich vom Süßigkeitenverkäufer im Burgtheater zum Schauspieler, zur Volkstheater-Lokalgröße, emporgearbeitet hat. Dieser traktiert mit seinen Ausbrüchen bei Generalproben, mit seinem unerlaubten Extempori [ ... ]
Reinmar
»Mich riuwet diu wol redender munt und din vil süezer sanc« - mit diesem in der mittelhochdeutschen Literatur einzigartigen Nachruf preist Walthcr von der Vogelweide den verstorbenen Kunstgenüssen R. In einer Parallelstrophe zitiert er überdies den Eingangsvers einer für dessen Kunst typischen Stro [ ... ]
Remarque, Erich Maria (d.i. Erich Paul Remark)
»Irgend etwas fehlt mir an seinem gesicht, wahrscheinlich ein monokel« (Bertolt Brecht, 1941). In Berhn hatte sich R. noch Auge geklemmt, mit Spazierstock, Melone plus ge-kauftem Adelstitel in der Pose des Dandys paradiert, um sich von den kleinbürgerlichen Verhältnissen abzusetzen, aus den [ ... ]
Reuter, Christian
»Weiln aber hierdurch meine Fortun Zeit meines Lebens gehindert würde, und ich als ein Landes Kind hier in Sachßen nicht fortkommen könte, Alß falle ich Zu Euer Königl. Majestät Füßen, allerunterthänigst bittende, diese beschehene relegation al-lergnädigst auff zu heben, und dißfalls an die löbl. Un [ ... ]
Reuter, Fritz
Sein Zeitgenosse Honore de Balzac erhob lautstarken Protest gegen die unmenschliche Praxis der »Isolation« jene »bis ins Unendliche gesteigerte Qual«; R. mußte sie am eigenen Leibe erdulden. Von dem preußischen Kriminalrichter Dambach, einem der »furchtbaren Juristen« des 19. Jahrhunderts, stammt di [ ... ]
Rilke, Rainer Maria
»Generationen deutscher Leser galt und gilt er als die Verkörperung des Dichterischen, sein klangvoll-rhythmischer Name wurde zum Inbegriff des Poetischen« (Marcel Reich-Ranicki, 1975). Als Fazit von R.s Nachruhm liest sich das wie die Sockelinschrift für die Büste eines endgültig ins Musee imagi-na [ ... ]
Ringelnatz, Joachim
Von Behörden ließ Hans Bötticher, Sohn des Musterzeichners und Schriftstellers Georg Bötticher, sich mit der Berufsbezeichnung »Artist« registrieren. Gearbeitet hat er in etwa vierzig Berufen, war Kommis in Leipzig und Tabakladenbesitzer in München, Bibliothekar beim Grafen Yorck von Wartenburg und [ ... ]
Rinser, Luise
Die Antithese zu jenem »Wandelmut«, den R. mit Recht für sich in Anspruch nimmt, sieht sie in den konsumistischen Verfestigungen des Denkens, in den Kategorien von »Ordnung und Sicherheit«, in dem »Bedürfnis des Spießers nach geistiger Beharrung«, das sich gegen neue Erfahrungen abschottet. Ihre eig [ ... ]
Rist, Johann
»Es rinnt ja so«, so deutete Philipp von Zesen anagrammatisch den Namen »Ioannes Rist«, durchaus nicht ironisch, sondern als Lob für die »Lieblichkeit« und »Zierlichkeit« seiner leicht dahinfließenden Verse gemeint. Freilich, vom Lob der Leichtigkeit des Produzierens bis zum Vorwurf der gehaltlosen [ ... ]
Roth, Joseph
»Mein stärkstes Erlebnis war der Krieg und der Untergang meines Vaterlandes, des einzigen, das ich je besessen: der österreichisch-ungarischen Monarchie.« Dieses Bekenntnis R.s aus den letzten Wochen der Weimarer Republik erklärt wichtige Ursachen jener Orientierungslosigkeit, die sein Leben und Wer [ ... ]
Rückert, Friedrich
Der Zeitgenosse Johann Wolfgang von Goethes, Napoleons und Georg Wilhelm Friedrich Hegels, der Brüder Schlegel und des Novalis, aber auch Georg Büchners, Heinrich Heines, des Fürsten Metternich und des allerorten aufkeimenden Liberalismus war bei einem breiten Publikum beliebt und gehörte zu den mei [ ... ]
Rühmkorf, Peter
Lyrik ist für R. eine akrobatische Ãœberlebensnummer. Das Gedicht Hochseil ist Sinnbild für die immer gefährdete, schwankende Basis dieser Gattung. Diese Träume von »einem Individuum / aus nichts als Worten« (»Wir turnen in höchsten Höhen herum / selbstredend und selbstreimend / von einem Individuum [ ... ]
Sachs, Hans
Er steht im achten Lebensjahrzehnt, da macht er Inventur gleich einem redlichen Gewerbetreibenden, pünktlich zum Jahreswechsel 1567. Zu revidieren ist, was er auf Lager hat an selbstgefertigten Produktionen: »Da inventirt ich meine Bücher.« Jene 34 Bände nämlich, worin er sein eigenes schriftsteller [ ... ]
Sachs, Nelly
Mit Else Lasker-Schüler und Gertrud Kolmar teilt sie aufgrund ihrer jüdisch-deutschen Herkunft ein gemeinsames, leidvolles Schicksal. Johannes Bobrowski hat diese drei großen Lyrikerinnen unseres Jahrhunderts in einem lyrischen Tryptichon verewigt und der S. darin ihren dichtungs- und menschheitsges [ ... ]
Scheffel, Joseph Victor von
»Neben seiner Bibel« brauchte jeder echte Deutsche »nur noch ein Buch Scheffels« im Hause, urteilte ein Biograph im Todesjahr des Autors. Diese Begeisterung und der für die Maßstäbe des iy. Jahrhunderts unglaubliche Markterfolg seiner Werke sind es, die das Interesse noch auf die Person S.s lenken, [ ... ]
Schickele, Rene
Sjährig gründete S., Sohn eines elsässer Weinbauern und einer Französin, in dessen Elternhaus man nur französisch sprach, seine erste literarische Zeitschrift, Der Stürmer, »für künstlerische Renaissance im Elsaß«. Er hatte gerade das Gymnasium in Straßburg ohne Abitur verlassen und dennoch die Imma [ ... ]
Schiller, Friedrich von
»Ich möchte nicht gern in einem anderen Jahrhundert leben und für ein anderes gearbeitet haben. Man ist ebensogut Zeitbürger als man Staatsbürger ist; und wenn es unschicklich ist, ja unerlaubt gefunden wird, sich von den Sitten und Gewohnheiten des Zirkels, in dem man lebt, auszuschließen, warum so [ ... ]
Schlaf, Johannes
Als Abschluß ihrer gemeinsamen Arbeit sammelten Arno Holz und S. 1892 die Ergebnisse in dem Band Neue Gleise (s. Arno Holz). Im Januar des nächsten Jahres erlitt S. einen Nervenzusammenbruch, der ihn in eine Krise warf, die bis 1898 andauerte. Er selbst nannte als Gründe seine finanzielle Notlage un [ ... ]
Schlegel, August Wilhelm von
»Kosmopolit der Kunst und Poesie« nannte sich S. mit Recht. Der Weg zu »Kunst und Poesie« war — ebenso wie für den jüngeren Bruder Friedrich - bereits durch die Herkunft vorgezeichnet: Vater und Onkel, Johann Adolf und Johann Elias Schlegel, waren als Autoren kunsttheoretischer Schriften bekannt g [ ... ]
Schlegel, Friedrich von
Ob als Sympathisant der Französischen Revolution, als führender Kopf der romantischen Bewegung oder Verfasser des Skandalromans Lucinde (1799), ob als universal gebildeter Historiker und Literaturkritiker neuen Schlags, als konservativer Diplomat, Journalist oder versponnener Mystiker: S. gab und gi [ ... ]
Schlegel, Johann Elias
Der Dramatiker, Literaturtheoretiker, Ãœbersetzer und Jurist S. wurde als Sohn einer gutbürgerlichen Meißener Familie geboren: der Vater war kursächsischer Appellationsrat und Stiftssyndikus, der Großvater hatte als Oberhofprediger den Adelstitel erhalten, dessen sich aber erst S.s Neffe, der Romant [ ... ]
Schlegel-Schelling, Caroline von
Der Philosoph Friedrich Wilhelm Joseph Schelling sprach von Caroline als dem »seltenen Weib von männlicher Scelen-größe, von dem schärfsten Geist, mit der Weichheit des weiblichsten, zartesten, liebevollsten Herzen vereinigt«. Friedrich Schlegel proklamierte, angeregt durch sie den Androgynen-mythos [ ... ]
Schmidt, Arno
»»»VERFLUCHTE ZEITN!< - (d's war Mein = Titl! (Für Meine Selbstliio.))«. Der atomare Dritte Weltkrieg ist bereits abgelaufen, wenn die Richter-Figur Kolderup in der Schule der Atheisten (1972) auf zwei Worte bringt, was die literarische Laufbahn seines realen Autors S. treffender kaum überschreiben [ ... ]
Schnabel, Johann Gottfried
»Ich weiß wohl, daß lange Zeite dieser Name bloß galt, um etwas ganz Verächtliches zu bezeichnen«, schreibt 1828 Ludwig Tieck über »jene treuherzige Chronik« der Insel Felsenburg, deren schlechter Ruf in umgekehrtem Verhältnis zu ihrer Popularität stand. Das Buch war einer der meistgelesenen Romane [ ... ]
Schneider, Reinhold
»Gestern abend rief das Ordinariat an, ob ich noch da sei: eine Zeitung habe gemeldet, ich hätte bereits einen Posten in Rußland angetreten. So kämpft >man [ ... ]
Schnitzler, Arthur
In seinem für die Beziehung von Psychoanalyse und S.s Dichtung aufschlußreichen Glückwunschschreiben zum 60. Geburtstag des Dichters hat Sigmund Freud die Distanz zu seinem »Collegen« S. mit einer Art »Doppelgängerscheu« erklärt. Er schreibt dazu: »Nicht etwa, daß ich so leicht geneigt wäre, mich mi [ ... ]
Schnurre, Wolfdietrich
S. gehört - obwohl er 1983 den Georg-Büchner-Preis erhielt - zu den verkannten Autoren der Gegenwart, wohl weil er einer ihrer vielseitigsten und unbequemsten ist. Zu schnell hat die literarische Öffentlichkeit ihn auf die Kurzgeschichte festgelegt, die seinen Ruhm in den 50er Jahren begründete und [ ... ]
Schottelius, Justus Georg
Jacob Grimm bemerkte 1819 über S.' grammatisches und poetologisches Hauptwerk, die Ausführliche Arbeit von der Teutschen HaubtSprache (1663), daß dieses Buch »gegen die magerkeit der folgenden Sprachlehren...etwas anziehendes und poetisches« habe. Wissenschaft und Poesie sind in der Tat keine Gegens [ ... ]
Schröder, Rudolf Alexander
»Von den besten Absichten beseelt, etwas für die Entwicklung unserer Literatur- und Kunst Verhältnisse Ersprießliches« in die Welt zu setzen, kündigten die Herausgeber Otto Julius Bierbaum, Alfred Walter Heymel und S. im September 1899 das Erscheinen einer neuen literarischen Monatsschrift Die Insel [ ... ]
Schubart, Christian Friedrich Daniel
»Ohne Recht und Urteil schmachtete er viele Jahre im Felsenkerker; das Auge seines Fürsten weidete sich an ihm, seine späte Entlassung ward Gnade, und nie bekam er die Ursache seines Gefängnisses zu wissen, bis an den Tag seines Todes. Wahre Begebnisse dieser Art müßten von Munde zu Munde, von Tageb [ ... ]
Schwab, Gustav
»Du... wirst es... gerne hören«, schreibt S. 1838, im zweiten Jahr seiner fünfjährigen Amtszeit in Gomaringen bei Tübingen, »daß ich gewiß einer der zufriedensten und vergnügtesten Landpfarrer Württembergs bin und in dieser letzten, betrübten (Hegels-) Zeit das Evangelium Jesu Christi unverzagt trei [ ... ]
Schwitters, Kurt
Ein bieder gekleideter Mann spricht 1918 im Berliner »Cafe des Westens« den DADA-Künstler Raoul Hausmann an, stellt sich als Kurt Schwitters vor und antwortet auf die Frage, was er mache: »Ich bin Maler und ich nagle meine Bilder.« Zwar wird nichts aus der erhofften Aufnahme in den »Club DADA«, aber [ ... ]
Sealsfield, Charles (d. i. Karl Anton Postl)
Der Fremde war einsam gestorben, als alter Mann war er vor wenigen Jahren in den kleinen schweizer Ort Unter den Tannen gezogen, und niemand wußte etwas über ihn zu sagen. Doch als die Eidgenossen sein Testament fanden, war der Name plötzlich in aller Munde: Mr. S. hatte ein wirres Leben geführt. Je [ ... ]
Seghers, Anna (d. i. Netty Reiling)
Das Leben der S. erscheint gleichnishaft für das, »was in diesem Jahrhundert an deutscher Geschichte zu erleben, zu erleiden war« ( Christel Degemann). Die junge Jüdin Netty Reiling wird nachhaltig geprägt durch ihre Heimatstadt Mainz, die rheinhessische Landschaft und vor allem den Rhein; die Spure [ ... ]
Seidel, Ina
Als sie im Alter von 89 Jahren starb, war sie als Schriftstellerin genauso bekannt wie die von ihr von Jugend an bewunderte Ricarda Huch, zvi deren hundertstem Geburtstag 1964 S. eine Rede verfaßt hatte, in der es heißt: »Die gefährdete Flamme wahrer Menschlichkeit, Ricarda Huch trug sie für uns mit [ ... ]
Seume, Johann Gottfried
»Anbei will ich Ihnen hier mein Inventarium liefern..., was ich zur Bedeckung meiner huronischen Haut trage: 1. Meinen blauen Frack, 2. Zwei Westen, damit ich die Winter-shawls abwerfen kann und doch noch eine in saeco behalte, 3. Zwei Paar Beinkleider inclusive der Unterziehhosen, 4. [ ... ]
Spee von Langenfeld, Friedrich
»Persönlich kann ich unter Eid bezeugen, daß ich jedenfalls bis jetzt noch keine verurteilte Hexe zum Scheiterhaufen geleitet habe, von der ich unter Berücksichtigung aller Gesichtspunkte aus Ãœberzeugung hätte sagen können, sie sei wirklich schuldig gewesen«, schreibt der Jesuitenpater S. in seiner [ ... ]
Stadler, Ernst
Der Reserveoffizier S. fiel schon wenige Wochen nach Kriegsausbruch. Als Ende 1914 auch Georg Trakl im Lazarett an einer Ãœberdosis von Drogen starb, stilisierte der bedeutendste Verlag des derzeit tonangebenden Expressionismus die beiden zusammen mit Georg Heym zum fuhrenden »lyrischen Dreigestirn« [ ... ]
Sternheim, Carl
In der Nachfolge Jean-Baptiste Molieres verstand sich S. als ein »Arzt am Leibe seiner Zeit«, der »mit Sonde und Säge« umzugehen weiß und die »Schäden im Organismus der neuen bürgerlichen Gesellschaft« aufdeckt. Doch stilisiert sich der kompromißlose Kritiker der »Plüschzeit« (Autobiographie Vorkrie [ ... ]
Stieler, Kaspar
»Ich heisse sie darumb die Geharnschte Venus / weil ich mitten unter denen Rüstungen im offenen Feld-Läger / so wol meine / als anderer guter Freunde / verliebte Gedanken / kurzweilige Begebnüsse / und Erfindungen darinnen er-zehle«, schreibt S. in der Vorrede zur Gehamschten Venus oder Liebes-Liede [ ... ]
Stifter, Adalbert
Albert (seit 1818 Adalbert) S. entstammt einer Handwerkerfamilie, in der man Leinen webte und mit Flachs handelte. S.s Leben hat sich im wesentlichen in der europäischen Kernlandschaft zwischen Prag, Passau, Linz und Wien abgespielt; diese Landschaft zwischen Moldau und Donau beherrscht auch das Wer [ ... ]
Storni, Theodor
»In Storms Potsdamer Hause ging es her wie in dem öfters von ihm beschriebenen Hause seiner Husumer Großmutter... Das Lämpchen, der Teekessel, dessen Deckel klapperte, die holländische Teekanne daneben«, dies alles, so Theodor Fontane, seien Dinge gewesen, die von dem Besucher Würdigung erwarteten. [ ... ]
Stramm, August
Als Hauptmann der Reserve und Kompagnieführer fiel S. bei einem Sturmangriff in den Rokitnosümpfen, nachdem seine Einheit in vorangegangenen Schlachten schon auf ein Dutzend Leute zusammengeschmolzen war. Nach spätem Studium (mit Promotion über den Weltpostverein zum Dr. phil. 1909) neben dem Beruf [ ... ]
Strauß, Botho
S., dessen Bühnenstücke zu den meistgespielten an deutschen Theatern gehören, ist ein Kristallisationspunkt der Literaturkritik. Sehen die einen in ihm »einen Buchhalter gegenwärtiger und vergangener Moden« (Christian Schultz-Gerstein), der nach dem Scheitern der studentischen Aufklärungsversuche da [ ... ]
Tepl, Johannes von
Es bedurfte detektivischen Spürsinns der Forscher, um Stationen der Lebensgeschichte dieses Autors, der nur ein einziges Buch schrieb, zu rekonstruieren, der sich seinen Platz in der Literaturgeschichte durch das Streitgespräch Der Ackermann aus Böhmen (1400 oder 1401) gesichert hat. Den Beleg für d [ ... ]
Tieck, Ludwig
T. ist als Klassiker kein lebendiger Bestandteil der heute gelesenen Literatur. Daß sein Name am geläufigsten blieb in Verbindung mit der maßgeblichen deutschen Shakespeare-Ãœbersetzung, zu der er streng genommen keine Zeile beitrug, die er vielmehr, nach August Wilhelm Schlegels Rückzug, als Reda [ ... ]
Toller, Ernst
»Wer keine Kraft zum Traum hat, hat keine Kraft zum Leben«, läßt T. die Titelfigur seiner Skandal- und Erfolgstragödie Hinkemann (1923) sagen, bevor sie resigniert einen Strick knüpft, um sich zu erhängen. Als literarisches Motiv ist der Freitod in seinem ganzen Werk von zentraler Bedeutung. Der Aut [ ... ]
Trakl, Georg
»Wer mag er gewesen sein?« fragte sich Rainer Maria Rilke, als T. - wahrscheinlich durch Selbstmord - so früh gestorben war. Wie sein Werk, entzieht sich auch die Person des Lyrikers der Mitteilbarkeit: verschlossen, düster, einsam, verrätselt und voller Leiderfahrung, so war er als Mensch: »gleichs [ ... ]
Trauen, Bruno
»Die Biographie eines schöpferischen Menschen ist ganz und gar unwichtig.« Die frühste Spur, die das Leben des Mannes, der dies (1926) schrieb, aktenkundig hinterlassen hat, ist nicht eine Geburtsurkunde, sondern der Neue Theater-Almanach für das Jahr 1908. Hier wird für die Saison 1907/08 ein gewis [ ... ]
Tucholsky, Kurt
Er hat die erste deutsche Republik nur um eine kurze Zeitspanne überlebt. Am 21. Dezember 1935 begeht er, nach quälender Krankheit und mehreren schweren Operationen, im schwedischen Hindäs Selbstmord. Den Bruch mit seiner deutschen Existenz, mit dem er in selbstauferlegtem Schweigen und der Weigerun [ ... ]
Uhland, Ludwig
Der Tod des »Volksdichters«, als der er in der Flut der Glück- wünsche zu seinem 75. Geburtstag knapp über ein halbes Jahr zuvor häufig angesprochen wird, demonstriert noch einmal das Ausmaß seiner Beliebtheit quer durch die sozialen Schichten. Gedenkfeiern finden i [ ... ]
Valentin, Karl (d. i. Valentin Ludwig Fey)
Bertolt Brecht: »Dieser Mensch ist ein durchaus komplizierter, blutiger Witz.« Alfred Kerr: »Woraus besteht er? Aus drei Dingen. Aus Körperspaß. Aus geistigem Spaß. Und aus gewollter Geistlosigkeit.« Kurt Tucholsky: »ein selten trauriger, unirdischer, maßlos lustiger Komiker, der links denkt.« Alfre [ ... ]
Varnhagen, Rahel
»es wird mir nie einkommen, daß ich ein Schlemihl und eine Jüdin bin; da es mir nach langen Jahren und dem vielen Denken drüber nicht bekannt wird, so werd ich's auch nie recht wissen.« Hellsichtig hat Rahel Levin in dieser Äußerung an ihren ersten Korrespondenten David Veit 1793 ihr Schicksal bena [ ... ]
Vesper, Bernward
Als im Sommer 1977, wenige Wochen vor dem »deutschen Herbst« und den bis heute ungeklärten Ereignissen in Stuttgart-Stammheim, V.s Fragment gebliebener Romanessay Die Reise erschien, ahnten wohl wenige, daß diese nachgelassene Autobiographie zum Schlüsselwerk für das Verständnis einer ganzen Generat [ ... ]
Voß, Johann Heinrich
»Er ist vielleicht, nach Lessing, der größte Bürger in der deutschen Literatur« (Heinrich Heine). Sein »ländliches Gedicht in drei Idyllen« Luise, entstanden zwischen 1782 und 1^94, beschreibt die patriarchalisch geordnete Welt eines protestantischen Pfarrhauses. Es gilt als Hohelied der bürgerliche [ ... ]
Vring, Georg von der
Obwohl das geistige Umfeld seiner Wahlheimat München den Norddeutschen sicher stark geprägt hat, ist V. schreibend doch immer den Kindheitserlebnissen an der Niederweser verhaftet geblieben. »Ich möchte glauben, daß ein Schattenbild der heimatlichen Landschaft, ein Schatten meiner selbst, Schattenbi [ ... ]
Wackenroder, Wilhelm Heinrich
Wir kennen die Gestalt des Frühverstorbenen nur aus der verklärenden Sicht des überlebenden Freundes Ludwig Tieck: »Sein Gemüt war fromm und rein, und von einer echten durchaus kindlichen Religiosität geläutert... Die Kunst und die Poesie und Musik erfüllten sein ganzes Leben.« Von ahnungsvoller, pr [ ... ]
Wagner, Heinrich Leopold
Für Johann Wolfgang von Goethe (Dichtung und Wahrheit, 1811 -13) ist er »von keinen außerordentlichen Gaben«, aber »ein Strebender«. Für die Nachwelt »durfte er in dem Frankfurter genialen Kreise als dienendes Glied aus- und eingehen« (Erich Schmidt). Goethe wirft ihm vor, er habe das Sujet der Gre [ ... ]
Waiblinger, Wilhelm
Er verstand es, stets unverstanden zu sein, und seiner Dichtung blieb dieses Geschick lange bewahrt, während man seine Biographie eher begreifen kann. Als früh verstorbenes »enfant terrible« mit eben gereiftem Werk spukt W. durch die Literaturgeschichte. Hochgesteckte Pläne standen am Anfang: Er häl [ ... ]
Wallraff, Günter
»Nicht Literatur als Kunst, sondern Wirklichkeit! Die Wirklichkeit hat noch immer größere und durchschlagendere Aussagekraft und Wirkungsmöglichkeit, ist für die Mehrheit der Bevölkerung erkennbar, nachvollziehbar und führt eher zu Konsequenzen als die Phantasie des Dichters.« Mit diesem Bekenntnis [ ... ]
Walser, Martin
W. ist ein freundlicher Mensch mit einem unbestechlichen Blick, für den das Schreiben einem Mittel zum Ãœberleben gleichkommt. Wenn er nicht selbst redet, dann ist seine Hand fast immer in Bewegung, macht Striche, zeichnet Figuren, notiert Sätze, Gedanken, Beobachtungen. Dieses Sichbewegen — »wer [ ... ]
Walser, Robert
»Der Roman, woran ich weiter und weiter schreibe, bleibt immer derselbe und dürfte als ein mannigfaltig zerschnittenes Ich-Buch bezeichnet werden können.« W. wuchs in einer großen Familie als siebentes von acht Kindern auf. Kein Wun- der, daß ihm nur eine nachlässige Erziehung zuteil wurd [ ... ]
Walther von der Vogelweide
In den Reiserechnungen des Passauer Bischofs Woliger von Erla ist zum Martinstag (11. 11.) ein »Waltherus cantor de Vogelweide« als Empfänger eines Geldgeschenks für einen Pelzrock aufgeführt. Dies ist das einzige, auf einen deutschen Lyriker des Hochmittelalters als »Dichter« bezogene urkundliche Z [ ... ]
Weckherlin, Georg Rodolf
»Denen ich jung bekandt gewesen / die wissen wol / daß ich vor dreyssig / ja mehr dan vierzig Jahren / unserer Sprach Reichthumb und Zierlichkeit den Frembden durch meine Gedichte für äugen geleget«, mit diesen Worten erinnert W. die Leser seiner Gaistlichen und Weltlichen Gedichte (1641/1648) an se [ ... ]
Wedekind, Frank
Im Frühjahr 1909 fragt der Goethebund in Dresden bei W. an, ob er nicht bei einem Vortragsabend »einige Lieder zur Gitarre« singen könne. Der grimmige Entwurf des Absagebriefes verweist auf W.s Dilemma: Als »Bänkelsänger«, als »Spaßmacher und Hanswurst« (Brief vom 6. 8. 1901 an M. Zickel) wird er vo [ ... ]
Weerth, Georg Ludwig
Kein schöner Ding ist auf der Welt, als seine Feinde zu beißen — ein Gedichttitel, der — als Selbstaussage verstanden — vielfältigen Aufschluß über W.s Lebenshaltung, Schreibabsichten und literarische Technik zu geben vermag und zugleich Nähe und Differenz zu Heinrich Heine kennzeichnet: Negat [ ... ]
Weise, Christian
»Die Schule ist ein schattichter Ort / da man dem rechten Lichte gar selten nahe körnt«, heißt es bedeutsam in W.s Widmung zu seinem Zittauischen Theatrum Wie solches Anno MDCLXXXII. praesentiret worden (1683). Es hat, schreibt Gotthold Ephraim Lessing am 14. Juli 1773 über das darin enthaltene Stüc [ ... ]
Weiss, Peter
Der Vater ist Textilfabrikant, die Mutter war vor ihrer — zweiten — Ehe Schauspielerin am Max-Reinhardt-Theater in Berlin. Zusammen mit seinen Schwestern und Stiefbrüdern wächst W. in Bremer und Berliner Villen der 20er Jahre auf, doch in seiner späteren Erinnerung herrscht in dem großbür-gerlic [ ... ]
Wellershoff, Dieter
»Ich hätte vieles andere werden können: Arzt, Psychotherapeut, Tanzlehrer, Philosophieprofessor, Architekt, Verbrecher, Kriminalbeamter, Geisteskranker, und vielleicht bin ich das auf mittelbare Weise alles geworden, indem ich Schriftsteller geworden bin. Das, was man schließlich wird, begrenzt und [ ... ]
Werfel, Franz
Als W. 1945 einem Herzinfarkt erlag, ließ ihn seine Frau wunschgemäß in Smoking und Seidenhemd begraben, weltlich also, was angesichts der stark ausgeprägten religiösen Thematik seines Werkes verwundern mag. W.s Wende zum Religiösen, zum Christlichen und zum Jüdischen, war keineswegs durch seine Kin [ ... ]
Wezel, Johann Carl
Als der Schriftsteller Jonas Ludwig von Hess in den 90er | Jahren des 18. Jahrhunderts auf seinen »Durchflügen durch Deutschland« das kleine Residenzstädtchen Sondershausen am Harz besuchte, interessierte er sich dort vor allem für den skurrilen bauwütigen Kleinfürsten und daneben für einen anderen [ ... ]
Wickram, Georg
Er habe »ein groß unnd schwer leger gehapt / in welchem ich ein semlich groß hauptwe erlitten / so groß / das ich vor schmertzen mein selbs gar nit befunden«, klagt W. 1555 im Vorwort zu seinem Irr Reittend Bilger, und beim Dichten sei er »noch sehr bloed gewesen«. Nach solch matten Worten verstummt [ ... ]
Wieland, Christoph Martin
»Freuen Sie sich mit mir! Herr Wieland hat die ätherischen Sphären verlassen, und wandelt wieder unter den Menschenkindern.« Gotthold Ephraim Lessings ironische Bemerkung im 63. Literaturbrief (18. 10. 1759), den er W.s Trauerspiel Lady Johanna Gray (1757/58), dem ersten deutschen Drama in Blankvers [ ... ]
Wittenwiler, Heinrich
So mügt irs haben für ein mär / sprach Hainreich Witten- weylär« - damit beschließt der Autor die Einleitung zu sei-nem satirischen Versroman (9700 Reimverse), dem er den Titel Der Ringk gab und diesen als zweifache Allegorie deu-tet: abstrakt im Sinne von »orbis« (Weltkreis, Kompendium), konkret a [ ... ]
Wohmann, Gabriele
Wenn in der Erzählung Scherben (aus Paarlauf, 1978) die Vertreterin Gisela Geller, von einer Geschäftsreise zurückgekehrt, leichte Veränderungen in der Wohnung bemerkt, einen gewissen »Entfremdungseindruck« empfindet, kurz darauf kleine Glassplitter im Mund fühlt, der Mann ihre aufkommenden Ängste [ ... ]
Wolf, Christa
Sie kommt aus dem Kleinbürgertum. Der Vater besaß in Landsberg ein kleines Geschäft, ihre Kindheit blieb von den Schrecken des Nationalsozialismus und des Kriegs weitgehend verschont, ein Alltag in der »Volksgemeinschaft«. Im Frühjahr 1945 muß die Familie mit den großen Flüchtlingstrecks Richtung We [ ... ]
Wolf, Friedrich
In W.s Bauernkriegsdrama Der Arme Konrad (1924) ziehen die Bauern des »Bundschuh« während einer Aufführung des Ehrsamen Narrengerichts aus ihren Narrenpritschen die Schwerter und beginnen aus dem Spiel heraus den bewaffneten Aufstand. Es ist dies eine Schlüsselszene zum Verständnis von W.s Kunstkonz [ ... ]
Wolfram von Eschenbach
»Laien munt nie baz gesprach«, so wird W. um 1210 von Wirnt von Grafenberg, dem Verfasser eines Artusromans, gepriesen. Trotz seines unbestrittenen literarischen Ranges ist von W.s Leben wenig bekannt. Es gibt kein einziges urkundliches Zeugnis. Er bezeichnet sich selbst als »ritter«: »Schildes ambe [ ... ]
Wolfskehl, Karl
»Heute, ein volles Jahr nachdem das, von dem Ihr Euch als von einem Spuk oder Nachtmahr befreit fühlt, mit dem Köstlichsten der Heimat zusammengebrochen ist, hat die Heimat durchaus vergessen, daß es den deutschen Dichter Karl Wolfskehl noch gibt, wahrscheinlich vergessen, daß es ihn je gegeben hat. [ ... ]
Zesen, Philipp von
»Ach! Gott gebe mir, nach so langem herümschwärmen, endlich einmahl einen festen und gewissen sitz«, lesen wir in einem Brief vom 31. Juli 1674. Der Wunsch ging nicht in Erfüllung, und Z. blieb weiterhin ohne »guhte bestallung von diesem oder jenem Fürsten«. Dabei hatte alles recht hoffnungsvoll beg [ ... ]
Zigler und Kliphausen, Heinrich Anselm von
Der Verfasser der Asiatischen Banise - auf diese »herrliche Antiquität«, wie Heinrich Jung-Stilling den Roman nannte, gründet sich sein Nachruhm — stammte aus einer alten Adelsfamilie mit Besitztümern in der Oberlausitz und in Sachsen. Nachdem er das Gymnasium in Görlitz absolviert, seine Studien [ ... ]
Zuckmayer, Carl
Der Dramatiker, sonst kein Freund von Larmoyanz, war bewegt, als er die Veteranen des Ersten Weltkriegs an einem Frühlingstag, fünfzig Jahre nach dessen Ausbruch, über die Champs Elysees marschieren sah, »freundliche Gestalten, wie man sie in jedem Bistro« traf, die ihm »furchtbar alt« vorkamen, wie [ ... ]
Zweig, Arnold
Die Wirkung Z.s ist merkwürdig zweigeteilt: in der DDR wurde er mit Ehrungen überschüttet, war er Abgeordneter der Volkskammer (1949 bis 1967) und Präsident der Akademie der Künste (1950 bis 1953); in der Bundesrepublik drang er trotz einiger prominenter Fürsprecher kaum in das Bewußtsein der litera [ ... ]
Zweig, Stefan
»Jeder von uns, auch der Kleinste und Geringste, ist in seiner innersten Existenz aufgewühlt worden von den fast pausenlosen vulkanischen Erschütterungen unserer europäischen Erde; und ich weiß mir inmitten der Unzähligen keinen anderen Vorrang zuzusprechen als den einen: als Österreicher, als Jude [ ... ]



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