Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Ifßand, August Wilhelm



»Er sondert seine Rollen so voneinander ab, daß in der folgenden kein Zug von der vorhergehenden erscheint. Dieses Absondern ist der Grund von allem übrigen, eine jede Figur erhält durch diesen scharfen Umriß ihren Charakter, und eben so wie es dadurch dem Schauspieler gelingt bey der einen Rolle die andere völlig vergessen zu machen, so gelingt es ihm auch sich von seiner eigenen Individualität, so oft er will, zu separieren.« So Johann Wolfgang von Goethe 1796 über den Schauspieler L, dessen Stücken man nur von seiner schauspielerischen Praxis her gerecht wird: Sie sind von ihrer Funktion her organisiert, virtuosen Schauspielern Entfaltungsmöglichkeiten zu bieten; deshalb kam und kommt die philologische Literaturgeschichte kaum über das Urteil der Trivialität seiner Stücke hinaus, ohne doch ihrer Spezifik gerecht zu werden. Der Weg des enthusiastisch gefeierten Schauspielers, Regisseurs und nach August von Kotzebue erfolgreichsten Theaterautors der Goethezeit wurde - stilisiert — von ihm selbst beschrieben . Der Beamtensohn verläßt, statt Prediger zu werden, heimlich die Familie, um sich der Seylerschen Schauspielergesellschaft in Gotha anzuschließen . Ihr Leiter Ekhof wird sein Vorbild und Freund. Nach der Aufhebung des Gothaer Theaters 1779 geht er an das Mannheimer Nationaltheater. Hier beginnt er, für das Theater zu schreiben. 1796 bewegen ihn die Revolutionskriege, Mannheim zu verlassen; ökonomische Erwägungen sowohl wie seine Ergebenheit gegenüber der Monarchie lassen ihn nach einigen Gastspielen die Stelle des Direktors des Berliner Nationaltheaters annehmen. 1811 wird er Generaldirektor der Königlichen Schauspiele. Zahlreiche Gastspiele von Berlin aus bis nach Prag, Graz und Wien verbreiten seinen Ruhm als Schauspieler. Seine 63 Bühnenwerke erleben Tausende von Aufführungen; allein Die Jäger dürften bis ca. 1850 an die fünfhundert Mal aufgeführt worden sein. Zusammen mit Kotzebue stellte er mindestens ein Drittel des Repertoires für das Theater der Goethezeit. Und darüber hinaus ist seine Verbreitung an Liebhabertheatern kaum zu überblicken. Die Spezifik von I.s Schauspielkunst deutet sich im angeführten Urteil Goethes an: Die Fähigkeit zum völligen, aber stets kontrollierten Aufgehen in wechselnden Rollen - als neue, unerhörte Virtuosität gefeiert zu einer Zeit, in der die Trennung von Person und Rolle des Schauspielers in Kostüm und Habitus, das Absehen von seiner eigenen Identität sowohl im Verhalten und Denken der Schauspieler selbst wie in der Mentalität des Publikums noch keineswegs selbstverständlich war. Das empathische Rollenspiel auf der Bühne ermöglichte auch einfühlendes Erleben auf der Seite der Zuschauer, ein damals historisch noch junger Modus ästhetischer Erfahrung, und so begeisterte sich das Publikum seiner Zeit an I.s Virtuosität im Rollenwechsel: Bei einem Gastspiel in Magdeburg spielte er z.B. an 22 Abenden hintereinander 25 Rollen, ein andermal an drei Abenden drei verschiedene Rollen im selben Stück. 519 Rollen spielte er insgesamt in 4132 nachgewiesenen Auftritten. Diese Schauspiel- und zugleich Wahrnehmungsweise fundierte, was später Illusionstheater hieß, und mit eben der


Formel, die dann Bertolt Brecht zur Distanzicrung vom »dramatischen Theater« benutzte, reflektierte I. selbst die Identifikation mit seiner Rolle. Nicht »Ich spielte«, sagte er, sondern »Ich war der junge Ruhberg«; und auch die faszinierten Zeitgenossen charakterisierten so sein Spiel. Die Prinzipien seiner »natürlichen Menschendarstellung« bestimmen entsprechend auch die Art seiner Stücke: »Familiengemälde« meist, Darstellungen des bürgerlichen Alltags mit jenem Personal, dem das Publikum sich gleich wußte. Friedrich Schiller spottete: »Man siehet bei uns nur Pfarrer, Kommer-zienräte, Fähnriche, Sekretärs oder Husarenmajors«. Der Beschränkung auf die Darstellung häuslicher Verhältnisse entspricht als ständiger Handlungsort ein bürgerliches Zimmer . Ohne nennenswerte Entwicklung im Schaffen I. s variieren seine Stücke immer wieder das Hausvater-Motiv: Die als formale Rechtsposition durch die familiengeschichtlichen Wandlungen am Ende des 18. Jahrhunderts fraglich gewordene Autorität des Vaters wird durch das Modellieren und Ausspielen von emotionalen Bindungen neu fundiert. Georg Wilhelm Friedrich Hegel: »Hauptsächlich aber war es der Triumph des Moralischen, der am häufigsten in diesem Felde gefeiert wurde. Gewöhnlich handelt es sich hier um Geld und Gut, Standesunterschiede, unglückliche Liebschaften, innere Schlechtigkeiten in kleineren Kreisen und Verhältnissen und dergleichen mehr, überhaupt um das, was wir auch sonst schon täglich vor Augen haben, — nur mit dem Unterschiede, daß in solchen moralischen Stücken die Tugend und Pflicht den Sieg davonträgt und das Laster beschämt und bestraft oder zur Reue bewegt wird, so daß die Versöhnung nun in diesem moralischen Ende liegen soll, das alles gutmacht. Dadurch ist das Hauptinteresse in die Subjektivität der Gesinnungen und des guten oder bösen Herzens hineingesetzt.« Quasi obligatorisch das happy end mit rührendem Schlußtableau. Schon die Zeitgenossen sahen, daß die Konflikte banal sind, bloß aus Irrtümern und Zufällen entstehen, daß die moralische Besserung nur von außen kommt, daß Natur und Kultur in falschem Gegensatz stehen . Doch das berührte ihn wenig. Um literarische Qualität an und für sich ging es ihm nicht, ein Stück von ihm sei »bloß nach seinem Effekt auf der Bühne zu beurteilen«. Die Bühne als Kanzel verstehend, war sein Ziel die Vermittlung bürgerlicher Untertanen-Moralität durch theaterspezifische Ruhr-Effekte: »Es ist... darauf angelegt, daß nicht leicht jemand mit trockenen Augen herausgehen soll.«


August wilhelm schlegel - vorlesungen über dramatische kunst und literatur

Vom Geist des romantischen Schauspiels [...]â–  Formlos zu sein darf also den Werken des Genius auf keine Weise gestattet werden, allein es hat damit auch keine Gefahr. Um dem Vorwurfe der Formlosigkeit zu begegnen, verständige man sich nur über den Begriff der Form, der von den meisten, namentl .....
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August wilhelm schlegel - vorlesungen über schöne literatur und kunst

Definition des Wesens der Kunst [...] Das Schöne ist eine symbolische Darstellung des Unendlichen [...]. Man halte das Unendliche nicht etwan für eine philosophische Fiktion, man suche es nicht jenseits der Welt; es umgibt uns überall, wir können ihm niemals entgehen; wir leben, weben und sind im U .....
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Fink und frosch - wilhelm busch

Diese Reimfabel ist ganz auf die Gegensätzlichkeit der beiden Tiere aufgebaut. Darauf deutet jeder einzelne Gestaltungszug hin: die Ãœberschrift, die mit den stilistischen Mitteln der Artikellosigkeit und der Alliteration der beiden Tiernamen fest verspannt; die Anlage der Handlungslinie ; vor allem .....
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Hegel, georg wilhelm friedrich

Das Portrait des versunkenen Professors auf dem Katheder über den Köpfen der andächtig mitschreibenden jungen Herren im Frack zeigt H. im Jahre 182S. auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, in Berlin. Dieser H. ist es. der in die Nachwelt einging, dessen Denken z.B. dem jungen Marx noch ganz selbstverstä .....
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Humboldt, wilhelm von

Nein, als Philosoph hat er sich nicht gesehen. Auch kam ihm wohl niemals in den Sinn, seine Studien der wahren Philosophie zuzuordnen, wie er sie verstand und zeitlebens mit der Philosophie Kants und ihrer Aufgabenstellung der Bestimmung der Grenzen reiner Vernunfterkenntnis identifizierte. Von ihr .....
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Leibniz, gottfried wilhelm

Wahrscheinlich war er der umfassendste Kopf, der an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert philosophisch dachte, in einer Zeit, die an philosophischen Köpfen nicht arm war. In Leipzig als Sproß einer Professorenianulie geboren, war er eines der Wunderkinder, mit denen seine Zeit zu renommieren versuc .....
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Ockham, wilhelm von

In der Nacht des 26. Mai 1328 floh der große franziskanische Ordensgelehrte O. zusammen mit dem Ordensgeneral Michael von Cesena und Marsiglio von Padua vor dem päpstlichen Inquisinonsgericht von Avignon, wo Papst Johannes XXII. residierte, nach Pisa zu Kaiser Ludwig dem Bayern, um dem Tod in der Un .....
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Bewaffneter friede - wilhelm busch

Ganz unverhofft, an einem Hügel, Sind sich begegnet Fuchs und Igel. Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht! Kennst du des Königs Ordre nicht? 5 Ist nicht der Friede längst verkündigt, Und weißt du nicht, daß jeder sündigt, Der immer noch gerüstet geht? Im Namen seiner Majestät Geh her und übergib dein .....
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Schelling, friedrich wilhelm joseph

Die klassische deutsche Philosophie - in Verkennung der sie bestimmenden Dialektik von Idealismus und Materialismus auch als »Deutscher Idealismus« bezeichnet - ist im ausgehenden 18. und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Zeitzeugin eines Zyklus von Revolutionen und eines Anti-Zyklus von Restaurati .....
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Windelband, wilhelm

W. wurde als Sohn eines preußischen Beamten geboren und studierte nach dem Besuch des Gymnasiums in seiner Vaterstadt an den Universitäten Jena, Berlin und Göttingen anfänglich Medizin und Naturwissenschaft, später Geschichte und Philosophie. Philosophisch war er gleichermaßen von Kuno Fischer wie v .....
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Das grab im busento - august von platen

Nächtlich am Busento lispeln bei Cosenza dumpfe Lieder; Aus den Wassern schallt es Antwort, und in Wirbeln klingt es wieder! Und den Fluß hinauf, hinunter ziehn die Schatten tapfrer Goten, Die den Alarich beweinen, ihres Volkes besten Toten. 5 Allzufrüh und fern der Heimat mußten hier sie ihn beg .....
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Weber, wilhelm ernst

Hölderlin und Heinse Hock. Erich. In: Euphorion 76, 1982, S. 174 - 179. .....
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Waiblinger, wilhelm

Der Kirchhof Rennen, Hai H. In: ZDP 107, 1988, S. H., S. 85 - 100. .....
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Comte, auguste

Hätte C. mit seinem »voir pour prevoir» recht behalten, dann lebten wir heute in Verwirklichung seiner positiven Philosophie in einem von uns selbst herbeigeführten, nahezu vollkommenen gesellschaftlichen Glückszustand. Die Menschheit hätte ihr Geschick einer Elite von Männern anvertraut, die ihr g .....
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Platen, august von

An eine Geißblattranke Staiger, Emil. In: Spätzeit, 1973, S. 109 -116. Amalfi Hummel, Adrian. In: Gestörte Idylle, 1995, S. 41 -62. Das Grab in Busento Link, Jürgen. In: Balladen / Interpretation, 1988, S. 164- 177. Dies Land der Mühe Rüdiger, Horst. In: Frankfurter A .....
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Raabe, wilhelm

Des Menschen Hand Fritz, Walter Helmut. In: Frankfurter Anthologie 9, 1985, S. 103 - 105. Flüchtiges Glück Bienek, Horst. In: Zeit wie Ewigkeit, 1987, S. 42 - 45. Glockenklang Oppermann, Hans. In: Raabe-Jb, 1962, S. 78 - 85. Zwiesprache Schulz, Bernhard. In: Literarischer Unterrich .....
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Dilthey, wilhelm

Wie Schopenhauer. Kierkegaard. Marx und Nietzsche gehört D. zu den herausragenden Philosophen des nachidealistischen 19. Jahrhunderts. Doch anders als die genannten großen Außenseiter ist D. einer der wenigen akademisch erfolgreichen Philosophen seiner Zeit, deren Werk eine bis heute andauernde Bede .....
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Stramm, august

Abend Bozzetti, Elmar. In: Untersuchungen Stramms, 1961, S. 143 - 145. Hubert, Gerda. In: Abend und Nacht in Gedichten, 1963, S. 57 - 63. Allmacht Radrizzani, Rene. In: Stramm, 1979, S. 99 - 115. Erinnerung Adler, Jeremy. In: Gedichte und Interpretationen 5, 1983, S. 199 - 210. Kriegsg .....
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Szabo, wilhelm

Dorfangst Kranz, Gisbert. In: Siebenundzwanzig Gedichte, 1972, S. 57-59. .....
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Tiedge, christoph august

Elegie auf dem Schlachtfelde bei Kunersdorf Biesterfeld, Wolfgang. In: Aufklärung und Utopie, 1993, S. 72 - 83. .....
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Tkaczyk, wilhelm

Auf den Galapagos Heukenkamp, Ursula. In: WB 28, 1982, S. 91 - 100. .....
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Wackenroder, wilhelm heinrich

Siehe wie ich trostlos weine Vaget, Hans Rudolf. In: Frankfurter Anthologie 17, 1994, S. 63 - 67. .....
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An meinen ältesten sohn - wilhelm lehmann

Die Winterlinde, die Sommerlinde Blühen getrennt - In der Zwischenzeit, mein lieber Sohn, Geht der Gesang zu End. 5 Die Schwalbenwurz zieht den Kalk aus dem Hügel Mit weißen Zehn, Ich kann es unter der Erde Im Dunkeln sehn. Ein Regen fleckt die grauen Steine - Der letzte Ton Fehlt dem Goldammerm .....
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Wilhelm heinrich wackenroder (i773-i798)

Nur 25 Jahre alt wurde der zarte Wackenroder, in dessen 1797 erschienenen 'Herzensergießungen eines kunstliebenden Klosterbruders" alles das enthalten ist, was das Wesen der Romantik ausmacht. In seinem Werk erscheint zum ersten Male die altdeutsche Kunst, die sich ihm auf gemeinsamen Wanderungen mi .....
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Wilhelm müller (i794-i827)

Von Wanderlust und Naturliebe kündete auch der Dessauer Wilhelm Müller in seinen Liedern 'Am Brunnen vor dem Tore", 'Im Kug zum grünen Kranze", 'Das Wandern ist des Müllers Lust". In der Vertonung durch Franz Schubert sind sie zu echtem Volksgut geworden. .....
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Ifßand,  August  Wilhelm    





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