Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Holz, Arno



»Vater der Moderne« nannte ihn 1963 Helmut Heißenbüttel. Gemeint war damit der Vertreter des »konsequenten Naturalismus«, aber mehr noch der Verfasser einer Revolution der Lyrik und der Phantasus-Gc&ichie . Theorie und Praxis waren bei H. immer eng verbunden. Nach Versuchen mit konventioneller Lyrik — Emanuel Geibel war sein Vorbild — wurde H. in den 80er Jahren zu einem engagierten Vertreter einer »modernen«, sozialkritischen Dichtung . Junge Schriftsteller, die sich aus der Provinz nach Berlin gezogen fühlten, diskutierten über eine neue realistische Kunst. Waren die meisten Mitglieder dieser Berliner Literatenzirkel Studenten der Universität, die z. T noch bei Wilhelm Scherer die Grundzüge einer positivistischen Literaturtheorie kennengelernt hatten, so war H. ein Autodidakt. Aus einer mittelständischen Familie stammend, hatte er zwar das Gymnasium besucht, mußte es aber als bereits i8jähriger Untersekundaner verlassen. Zunächst versuchte er, sein Geld als Journalist zu verdienen, entschied sich aber bald für eine freie Schriftstellerexistenz. H. hat immer wieder über die schwierige materielle Situation geklagt, denn von seinen Werken konnte er nicht gut leben. Da gab es kleine Literaturpreise, Stipendien, teure Subskriptionsbände seiner Werke und nicht zuletzt Spenden, die Freunde für ihn öffentlich einforderten. Franz Mehring hat von einem häßlichen Spiel mit einem großen Talent gesprochen. H. blieb während seines ganzen Schriftstellerlebens in Berlin, da er sich als Großstadtdichter fühlte . Großen Widerhall fand er seit Mitte der 80er Jahre in einem Kreis junger Intellektueller, der das Theater revolutionieren wollte. Als 1889 der Theaterverein »Freie Bühne« und 1890 die gleichnamige Zeitschrift gegründet wurden, war H. dabei. Zu Beginn der 90er Jahre ist er mit fast allen bekannten Schriftstellern in Berlin befreundet. Das fehlende Universitätsstudium hat H. durch eifrige Lektüre theoretischer Schriften wettgemacht. Er beschäftigte sich mit den Werken der französischen Positivisten, der englischen Empiristen und setzte sich mit Emile Zolas Theorie auseinander. So wurde er bald der theoretische Kopf der Berliner Naturalisten. Seine Studien befruchteten die Zusammenarbeit mit Johannes Schlaf, mit dem H. eine Reihe von Prosaskizzen herausgab. So ungewöhnlich solche Gemeinschaftswerke in der Geschichte der Literatur sind, so sind sie doch ein Ausdruck des gemeinsamen Aufbruchwillens, der die jungen Naturalisten erfaßt hatte. Die Werke von H. und Schlaf wurden zum Inbegriff eines konsequenten Naturalismus, der mit Beobachtungsintensität und naturgetreuer Nachahmung der Dichtung neue Darstellungsweisen erschloß, deren Wirkung über die sozialkritische Literatur der 20er Jahre bis zur Dokumentarliteratur der Gegenwart zu verfolgen ist. Der Theoretiker H. hat mit seiner Programmschrift des Naturalismus Die Kunst. Ihr Wesen und ihre Gesetze zudem sein berühmtes und so mißverständliches »Kunstgesetz« verkündet: Kunst = Natur — x.
      H. war eine ungewöhnlich ausstrahlungsstarke und dominierende Persönlichkeit, die gern andere Menschen um sich scharte und eine Kreisbildung versuchte. Solche Bindungen - u.a. mit Gerhart Hauptmann und Paul Ernst - waren anregend und belastend zugleich. Besonders Johannes Schlaf hat diese intensive Freundschaft bald als Bürde empfunden und sich in einen häßlichen Streit um den individuellen Anteil am gemeinsamen Werk eingelassen. Auch H. gab bei dieser um 1900 öffentlich geführten Diskussion kein gutes Bild ab. Dennoch ist wohl sein literarischer Anteil am Gemein-schattswerk höher einzuschätzen, da er der kritischere und engagiertere Autor war. Für den Naturalismus insgesamt wurde allerdings Gerhart Hauptmann im Laufe der 90er Jahre zum Repräsentanten. Enttäuscht hat sich H., der in Hauptmann nur seinen »Schüler« sah, von der naturalistischen Bewegung abgewandt und in der satirischen Komödie Sozialaristokraten mit den ehemaligen Berliner Freunden abgerechnet.
      Während H. in der Folgezeit versuchte, seine Existenzsicherung durch bewußt publikumsbezogene Theaterstücke zu betreiben, entfaltete er zugleich in der Lyrik seine stärkste Kraft. Hier zeigte er sich als ein besessener Autor, der seine Werke immer wieder überarbeitete. So geriet der Phantasus im Laufe der Jahrzehnte zu einem »Riesen-Phantasus-Nonplusultra-Poem« , das durch Wortrei-hung und Klangmalerei, durch bewußte Rhythmisierung und vor allem durch eine eigenwillige graphische Gestaltung überraschte: die Verse sind an einer imaginierten Mittelachse ausgerichtet, »von der die Wortgruppen symmetrisch nach beiden Seiten ausschwingen« . Ebenso überbordend und wortverliebt zeigte sich H. als Satiriker und Parodist, wenn er z.B. in der Blechschmiede moderne und traditionelle Lyrikformen virtuos zur Verspottung der literarischen Tradition einsetzt oder in Dafnis. Lyrisches Porträt aus dem 17. Jahrhundert die erotische Lyrik des Barock imitiert.
      Auch wenn sich H. in autobiographischen Partien im Phantasus gern als »der von allen seinen Blutsbrüdern Beschimpfte, Gemiedene, Geächtete, Gehetzte, Gejagte, Geschmähte, Verlassene, Verstoßene, Vertriebene, Verlästerte, Verbannte, Verfluchte, Verwünschte, Verfemte, friedlos Umherirrende« hinstellte, so hatte er doch spätestens in den 20er Jahren eine starke öffentliche Reputation erreicht: zum 60. Geburtstag erhält er von Gustav Stresemann persönliche Zeilen und von der Universität Königsberg die Ehrendoktorwürde; 1926 wird er in die Sektion für Dichtkunst der Preußischen Akademie berufen, mehrfach wird er von VorschJagsbercchtigten zum Nobelpreiskandidaten gekürt. Mögen ihn die einen als Genie verklären, die anderen als Größenwahnsinnigen diffamieren, der nur durch die »Propaganda einer Oberlehrer-Clique« ins öffentliche Bewußtsein gedrungen sei, aus der Geschichte der modernen Literatur ist H. nicht mehr fortzudenken, denn dafür waren seine Beiträge zu wirkungsvoll.
      Schulz, Gerhard: Arno Holz. Dilemma eines bürgerlichen Dichterlebens. München 1974. Scheuer, Helmut: Arno Holz im literarischen Leben des ausgehenden 19. Jahrhunderts . Eine biographische Studie. München 1971.
      Helmut Scheuer


Holz, arno

Abziehendes Gewitter Seidler, Manfred. In: Lyrik / Deutschunterricht, 1976, S. 8 - 10. Er klagt / dass der Frühling so kortz blüht Schulz, Gerhard. In: Frankfurter Anthologie 2, 1977, S. 81 - 84. Im Thiergarten Grimm, Reinhold. In: Frankfurter Anthologie 5, 1980, S. 129 - 132. Esselbor .....
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Arno holz - die kunst. ihr wesen und ihre gesetze.

'Die Kunst hat die Tendenz, wieder die Natur zu sein. Sie wird sie nach Maßgabe ihrer Reproduktionsbedingungen und deren Handhabung." Ja! Das war es! Das hatte mir vorgeschwebt, wenn auch nur dunkel, schon an jenem ersten Winterabend! Und ich sagte mir: Ist dieser Satz wahr, d. h. ist das Gesetz, .....
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Arno holz (i863-i929): brücke zum zoo - revolution der lyrik?

Brücke zum Zoo Im Tiergarten, auf einer Bank, behaglich, ein Knie über das andere, bequem-nachlässig zurückgelehnt, sitze ich und rauche und freue mich über die schöne Vormittagssonne! Vor mir, glitzernd, der Kanal: den Himmel spiegelnd, beide Ufer leise schaukelnd. Ãœber die Brücke, lan .....
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Arno schmidt: »aus dem leben eines fauns« (i953) - der sprachartist

Deserteur im Geiste Der Titel des Kurzromans kann falsche Erwartungen begünstigen. Weder erzählt Arno Schmidt hier eine mythologische Geschichte vom altitalischen Gott Faunus oder von bocksartigen, wein- und weibgierigen Satyrn griechischer Herkunft, noch die Biographie eines faunartigen, lüstern .....
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Peter bichsel holzwolle

Ganz kurzgeschichtenhaft springt die Erzählung in eine normale, lakonisch-realistisch dargestellte Szene hinein. Sie ist so 'normal", daß man sie geradezu stereotyp nennen könnte. Der Erzähler interpretiert sie auch selbst so — mit dem ersten Tempuswechsel ins Präsens tritt er ja als wertendes Sub .....
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Theorie: arno schmidt und sigmund freud

Arno Schmidt hat in seinen Berechnungen die These aufgestellt, Dichtungen seien Gedankenspiele, und gelangt zu der Formel LG = E I + E IL Das heißt, in Worten ausgedrückt: Das Längere Gedankenspiel ist jeweils die Summe von objektiver Realität und subjektiver Realität . Schmidt wörtlich: Das Ge .....
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Schmidt, arno

Geb. 18.1.1914 in Hamburg; gest. 3.6.1979 in Celle »»VERFLUCHTE ZEITN!< - )«. Der atomare Dritte Weltkrieg ist bereits abgelaufen, wenn die Richter-Figur Kol-derup in der Schule der Atheisten auf zwei Worte bringt, was die literarische Laufbahn seines realen Autors Seh. treffender kaum überschreib .....
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Breuer, w. arnold

Biografie: *17.8.1 in Heidenheim/ Brenz. W. Arnold Breuer war von 1974 bis 1980 Regierungsinspektoranwärter bzw. Regierungsinspektor z.A. bei der Oberfinanzdirektion Stuttgart. Er schied auf eigenen Wunsch aus der Beamtenlaufbahn aus, arbeitete als Filmstatist in Berlin und war und ist nebenberuflic .....
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Meyer zu küingdorf, arno

Biografie: *1 in Bad Oeynhausen. A. Meyer zu Küingdorf studierte Philosophie und Kunstgeschichte in Hamburg und lebt seit einigen Jahren in Berlin. Kriminalromane: 1996 Der Kreis des Schweigens, Ullstein; 1999 Die Generalprobe, Ullstein; 1999 Der Selbstmörder-Klub, Re-clam; 2000 Stürmische Tage, Ul .....
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Osso, eis —» eis, egon und eis, otto ott, arnold e.

Pseud. für: Wilfried Otterstedt Biografie:*. A. E. Ott arbeitete nahezu ausschließlich als Hörfunkautor und veröffentlichte seit Beginn der 60er-Jahre eine Vielzahl von Kriminalhörspielen, überwiegend in der Produktion Radio Bremen. Seine Stücke sind konventionelle Spannungs- und Detektivgeschichten .....
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Toynbee, arnold joseph

T. ist mit seinem Hauptwerk A Study of History , entstanden in zwölf Bänden von 1934 bis 1961. als der Universalhistoriker par excellence des 20. Jahrhunderts ins Bewußtsein der Öffentlichkeit eingegangen. Die herausragende Leistung T.s besteht darin, daß er die Historiographie zur Kulturtheorie un .....
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Rüge, arnold

Ãœber sein Verhältnis zur Hegeischen Philosophie äußert sich R. an einer Stelle seiner autobiographischen Aufzeichnungen Aus früherer Zeit: »Wir hatten ihn nie so verstanden, wie die Anwälte der religiösen und staatlichen Knechtschaft, die genug in ihm fanden, was für sie, aber auch gegen sein eigen .....
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Harnoncourt, nikolaus

Die Gründung des Ensembles »Concentus Mu-sicus« im Jahr 195 i machte Nikolaus Harnoncourt zum Wegbereiter authentischer Interpretation vor allem alter Musik. In seinen Büchern Musik als Klangrede und Der musikalische Dialog hat er die in der Musizierpraxis gewonnenen Erfahrungen theoretisch fundier .....
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Schmidt, arno

Erst in jüngster Zeit wird der Einfluss des umstrittenen Schriftstellers Arno Schmidt auf die deutsche Literatur nach dem Krieg deutlich. Der Sohn eines Polizisten war schon im Elternhaus ein ungeliebter Außenseiter. Durch passionierte Lektüre bildete er sich neben dem Tagesberuf als Lagerbuchhalte .....
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Zweig, arnold

Arnold Zweig war einer der bedeutenden linksliberalen Autoren der späten Weimarer Republik. Der Pazifist wurde berühmt mit dem Anti-kriegs- und Justizroman Der Streit um den Sergeanten Grischa; in ihm zeichnet er das Gesamtbild einer unbarmherzigen Kriegsmaschinerie, in der Macht eindeutig vor Recht .....
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Arnold, gottfried

Ein Christ, ein Wunder Kranz, Gisbert. In: Siebenundzwanzig Gedichte, 1972, S. 70-73. .....
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Holzapfel, carl maria

S. A.-Weihnacht Hippe, Robert. In: Dt. politische Gedichte, 1974, S. 21-23. .....
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Reinfrank, arno

Bäume in Westberlin Dullien, Thomas K. D. In: Reinfrank, 1984, S. 78 - 82. Die Parabol-Antenne Karst, Theodor. In: Und immer ist es die Sprache, 1993, S. 133- 140. Neuer Mainzer Psalter Dullien, Thomas K. D. In: Reinfrank, 1984, S. 83 - 85. Photosynthetischer Versuch Dullien, Thoma .....
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Scholl, albert arnold

Retrospektiv Ried, Georg. In: Interpretationen moderner Lyrik, 1981, S. 103- 111. .....
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Gehlen, arnold

Der Philosoph. Anthropologe und Soziologe G. war einer der umstrittensten deutschen Intellektuellen des 20. Jahrhunderts, der auch diejenigen faszinierte, die seinem Werk eher ablehnend gegenüberstanden. Philosophisch war er der Mann der Institutionen, des »objektiven Geistes«, und doch in jeder Zei .....
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Arnold gehlens kraut und rüben

Im Mitteilungsblatt des Rheinisch-Westfälischen Verleger- und Buchhändler-Verbandes wurde unlängst ein Festvortrag veröffentlicht, den der Soziologe Arnold Gehlen, Professor an der Technischen Hochschule in Aachen, vor den Mitgliedern dieses Verbandes gehalten hat. Thema: »Soziologische Beiträge .....
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