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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Hauff, Wilhelm



Unter dem Pseudonym H. Clauren. dessen sich der preußische Hofrat Karl Heun als erfolgreicher Unterhaltungsschriftsteller bedient, erscheint in der zweiten Augusthälfte 1825 bei dem Stuttgarter Verlag Friedrich Franckh ein Roman mit dem reißerischen Titel Der Mann im Mond oder der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme. Als Multiplikator des »Aufsehens«, das diese keineswegs allgemein als solche erkannte Parodie erregt, wirkt der von dem Plagiierten angestrengte Prozeß, in dem Franckh schließlich zu der gemessen am Verkaufsertrag »geringen« Strafe von 50 Reichstalern verurteilt wird. Für den jungen Imitator, der sich nun auch als Verfasser der kurz zuvor anonym erschienenen und von der Kritik günstig aufgenommenen Mitteilungen aus den Memoiren des Satan zu erkennen gibt, eines im darauffolgenden Jahr um eine Fortsetzung erweiterten satirischen Kaleidoskops der frühen Restaurationszeit, steht der geschickt provozierte Skandal am Beginn einer steilen Karriere. Er avanciert rasch zu einem umworbenen Mitarbeiter verschiedener belletristischer Zeitschriften und Verlage.

      Die Art und Weise, in der H. sich ins Gespräch bringt, zeigt beispielhaft, daß er die Mechanismen des expandierenden Büchermarkts souverän durchschaut und sie seiner sozialen Arrivierung zielstrebig nutzbar zu machen versteht. Durchweg verrät der in Relation zur Entstehungszeit von nicht einmal drei Jahren staunenswerte Ertrag seiner hektischen Produktivität, die nach anfänglichen lyrischen Versuchen ausschließlich der Prosa gilt, ein sicheres Gespür für aktuelle Trends. Die Bereitschaft zur partiellen Anpassung an den Publikumsgeschmack zum Zweck der ökonomischen Absicherung verbindet sich freilich mit dem Anspruch »zeitgemäßer« Innovation. Lichtenstein , seine Gestaltung einer »romantischen Sage aus der württembergischen Geschichte« nach dem Vorbild der historischen Romane Walter Scotts, verhilft dieser Gattung in Deutschland zum Durchbruch. H.s Beiträge zum »Modeartikel« der Zeit, der Novelle - Die Bettlerin vom Pont des Arts etwa, Jud Süß oder Das Bild des Kaisers -, entfalten programmatisch einen urbanen Erzählge-stus jenseits aller literarischen »Schulen«, der breite Kreise für die »allgemeine Bildung« gewinnen und zugleich »den ernster denkenden... fesseln« will. Am berühmtesten geworden sind indes zu Recht seine drei zyklischen »Märchenalmanache«: Die Karawane , Der Scheik von Allessandria und seine Sklaven sowie Das Wirtshaus im Spessart mit dem herausragenden Stück Das kalte Herz. Sie gehören nach Robert Walser »zum Schönsten und Kostbarsten«, »was in deutscher Sprache jemals gedichtet wurde.«
H. stammt aus einer Familie der alteingesessenen bürgerlichen »Ehrbarkeit« seiner Heimat. Der Vater, ein kurz vor der Geburt seines zweiten Sohnes als Republikaner denunzierter und zeitweise inhaftierter Junst im Staatsdienst, stirbt 1809. In Tübingen besucht H. bis 1817 die Lateinschule. Auf Antrag der Mutter wird er bereits ein Jahr früher als üblich aus dem Seminar Blaubeuren 1820 zum Studium der protestantischen Theologie, mit Philologie und Philosophie als Nebenfächern, nach Tübingen entlassen. 1821 schließt er sich einer Nachfolgeverbindung der aufgrund der »Karlsbader Beschlüsse« zwei Jahre zuvor verbotenen Burschenschaft »Germania« an, deren Eintreten für gesellschaftliche Freiheitsrechte er teilt.
      Da H. das Pfarramt umgehen will, nimmt er unmittelbar nach seiner Abschlußprüfung im Spätsommer 1824 zunächst für eineinhalb Jahre eine Stelle als Hauslehrer in der Familie des württembergischen Kriegsratspräsidenten an, die ihm genügend Freiraum zur literarischen Arbeit läßt. Die obligatorische große Bildungsreise führt den inzwischen zum Dr.phil. Promovierten 1826 nach Paris, in die Normandie und nach Brüssel, später hält er sich dann in einigen norddeutschen Städten auf. Die humoristischen Phantasien im Bremer Ratskeller erinnern an eine seiner Stationen.
      Mit Beginn des nächsten Jahres übernimmt H. die belletristische Redaktion des von Friedrich Johann Cotta verlegten, angesehenen Morgenblatts für gebildete Stände. Auch im Umgang mit dem neuen Dienstherrn behält er sein ausgeprägtes Selbstbewußtsein. »Ich fühle Kraft und Beruf in mir, Gutes, vielleicht, wenn ich reif genug sein werde, sogar Schönes und Erhabenes zu schaffen; daß dies jetzt noch nicht ist, weiß ich selbst«, hatte er am 7. 9. 1826 einem Freund geschrieben. Der frühe Tod, wenige Tage nach der Geburt seines Kindes, ereilt ihn mitten in neuen dichterischen Plänen und läßt die angekündigten Fortschritte nicht mehr zu, deren Plausibilität die Nekrologe übereinstimmend hervorheben. Auch mit seinem vorliegenden Werk aber ist H. einer der wenigen wirklich populären »Klassiker« der deutschen Literatur.
      Pfäfflin. Friedrich : Wilhelm Hauff. Der Verfasser des »Lichtenstein«. Chronik seines Lebens und Werkes. Stuttgart/Marbach 1981.
      Martini, Fritz: Wilhelm Hauff. In: Wiese, Benno von : Deutsche Dichter der Romantik. Ihr Leben und Werk. Berlin 1971. S. 442—472.
      Hofmann, Hans: Wilhelm Hauff. Eine nach neuen Quellen bearbeitete Darstellung seines Werdeganges. Mit einer Sammlung seiner Briefe und einer Auswahl aus dem unveröffentlichten Nachlaß des Dichters. Frankfurt a.M. 1902.
      Hans-Rüdiger Schwab


Wilhelm hauff (i802-i827)

Ebenfalls ein häufiger Besucher im gastlichen Kernerhaus war Wilhelm Hauff. Er war ein äußerst begabter Erzähler von reicher Phantasie, glücklicher Gestaltungskraft, anmutiger Form und feiner Sprache. Davon zeugen vor allem seine nach dem Muster von 'Tausendundeine Nacht" erzählten reizvollen Märche .....
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Hauff, wilhelm

Der früh verstorbene Wilhelm Hauff ist heute vor allem durch seine Märchen bekannt - zu Unrecht, denn sein in nur wenigen Jahren entstandenes CEuvre zählt zu den vielseitigsten innerhalb der deutschen Romantik. Hauff wurde am 29. November 1802 als zweites Kind des Regierungsbeamten August Hauff und .....
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Hauff, wilhelm

Geb. 29.11.1802 in Stuttgart; gest. 18.11.1827 in Stuttgart Unter dem Pseudonym H. Clauren, dessen sich der preußische Hotrat Karl Heun als erfolgreicher Unterhaltungsschriftsteller bedient, erscheint in der zweiten Augusthälfte 1825 bei dem Stuttgarter Verlag Friedrich Franckh ein Roman mit dem re .....
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Hegel, georg wilhelm friedrich

Das Portrait des versunkenen Professors auf dem Katheder über den Köpfen der andächtig mitschreibenden jungen Herren im Frack zeigt H. im Jahre 182S. auf dem Höhepunkt seiner Laufbahn, in Berlin. Dieser H. ist es. der in die Nachwelt einging, dessen Denken z.B. dem jungen Marx noch ganz selbstverstä .....
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Humboldt, wilhelm von

Nein, als Philosoph hat er sich nicht gesehen. Auch kam ihm wohl niemals in den Sinn, seine Studien der wahren Philosophie zuzuordnen, wie er sie verstand und zeitlebens mit der Philosophie Kants und ihrer Aufgabenstellung der Bestimmung der Grenzen reiner Vernunfterkenntnis identifizierte. Von ihr .....
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Wilhelm emrichs tohuwabohu

Der Germanist Wilhelm Emrich wurde vor einiger Zeit gebeten, eine Rundfunksendung über Büchner und seine Nachwirkungen in der modernen Literatur zu schreiben. Der Auftrag hatte Folgen, die der Auftraggeber nicht geahnt haben kann. Denn nach erneuter Beschäftigung mit Büchner und vielen Dramatikern u .....
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Leibniz, gottfried wilhelm

Wahrscheinlich war er der umfassendste Kopf, der an der Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert philosophisch dachte, in einer Zeit, die an philosophischen Köpfen nicht arm war. In Leipzig als Sproß einer Professorenianulie geboren, war er eines der Wunderkinder, mit denen seine Zeit zu renommieren versuc .....
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Ockham, wilhelm von

In der Nacht des 26. Mai 1328 floh der große franziskanische Ordensgelehrte O. zusammen mit dem Ordensgeneral Michael von Cesena und Marsiglio von Padua vor dem päpstlichen Inquisinonsgericht von Avignon, wo Papst Johannes XXII. residierte, nach Pisa zu Kaiser Ludwig dem Bayern, um dem Tod in der Un .....
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Schelling, friedrich wilhelm joseph

Die klassische deutsche Philosophie - in Verkennung der sie bestimmenden Dialektik von Idealismus und Materialismus auch als »Deutscher Idealismus« bezeichnet - ist im ausgehenden 18. und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts Zeitzeugin eines Zyklus von Revolutionen und eines Anti-Zyklus von Restaurati .....
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Weber, wilhelm ernst

Hölderlin und Heinse Hock. Erich. In: Euphorion 76, 1982, S. 174 - 179. .....
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Waiblinger, wilhelm

Der Kirchhof Rennen, Hai H. In: ZDP 107, 1988, S. H., S. 85 - 100. .....
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Wackenroder, wilhelm heinrich

Siehe wie ich trostlos weine Vaget, Hans Rudolf. In: Frankfurter Anthologie 17, 1994, S. 63 - 67. .....
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Tkaczyk, wilhelm

Auf den Galapagos Heukenkamp, Ursula. In: WB 28, 1982, S. 91 - 100. .....
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Szabo, wilhelm

Dorfangst Kranz, Gisbert. In: Siebenundzwanzig Gedichte, 1972, S. 57-59. .....
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Dilthey, wilhelm

Wie Schopenhauer. Kierkegaard. Marx und Nietzsche gehört D. zu den herausragenden Philosophen des nachidealistischen 19. Jahrhunderts. Doch anders als die genannten großen Außenseiter ist D. einer der wenigen akademisch erfolgreichen Philosophen seiner Zeit, deren Werk eine bis heute andauernde Bede .....
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Raabe, wilhelm

Des Menschen Hand Fritz, Walter Helmut. In: Frankfurter Anthologie 9, 1985, S. 103 - 105. Flüchtiges Glück Bienek, Horst. In: Zeit wie Ewigkeit, 1987, S. 42 - 45. Glockenklang Oppermann, Hans. In: Raabe-Jb, 1962, S. 78 - 85. Zwiesprache Schulz, Bernhard. In: Literarischer Unterrich .....
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Müller, wilhelm

Auf dem Fluße Youens, Susan. In: Winterreise, 1991, S. 176 - 186. Das Mühlenleben Haefeli-Rasi, Madeleine. In: Wilhelm Müller, 1970, S. 34 - 44. Das Wirtshaus Youens, Susan. In: Winterreise, 1991, S. 278 - 284. Der greise Kopf Youens, Susan. In: Winterreise, 1991, S. 234 - 239. D .....
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Lotz, ernst wilhelm

Aufbruch der Jugend Berghahn, Klaus L. In: Menschheitsdämmerung, 1971, S. 106- 124. Meurer, Reinhard. In: Expressionismus, 1992, S. 24 - 29. .....
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Windelband, wilhelm

W. wurde als Sohn eines preußischen Beamten geboren und studierte nach dem Besuch des Gymnasiums in seiner Vaterstadt an den Universitäten Jena, Berlin und Göttingen anfänglich Medizin und Naturwissenschaft, später Geschichte und Philosophie. Philosophisch war er gleichermaßen von Kuno Fischer wie v .....
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Fink und frosch - wilhelm busch

Diese Reimfabel ist ganz auf die Gegensätzlichkeit der beiden Tiere aufgebaut. Darauf deutet jeder einzelne Gestaltungszug hin: die Ãœberschrift, die mit den stilistischen Mitteln der Artikellosigkeit und der Alliteration der beiden Tiernamen fest verspannt; die Anlage der Handlungslinie ; vor allem .....
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Bewaffneter friede - wilhelm busch

Ganz unverhofft, an einem Hügel, Sind sich begegnet Fuchs und Igel. Halt, rief der Fuchs, du Bösewicht! Kennst du des Königs Ordre nicht? 5 Ist nicht der Friede längst verkündigt, Und weißt du nicht, daß jeder sündigt, Der immer noch gerüstet geht? Im Namen seiner Majestät Geh her und übergib dein .....
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Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Wilhelm lehmann: »die signatur«

Wilhelm Lehmanns Gedicht »Die Signatur« erschien 1942 im Gedieh tband Der grüne Gott. Die Neue Rundschau hatte es im Februar 1940 unter dem Titel »Vögel am Wintermittag« veröffentlicht. Damastner Glanz des Schnees, Daraufliest sich die Spur Des Hasen, Finken, Rehs, Der Wesen Signatur. 5 In ihre A .....
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Wilhelm dilthey (i833-i9ii)

Der Mensch lebt nach Dilthey immer schon in einer irgendwie verstandenen Welt, und dies, weil er sich seines eigenen Lebens als eines sinnvollen Bedeutungszusammenhangs verstehend innezuwerden vermag. Dieser sinnvolle Bedeutungszusammenhang ist nicht wie der Kausalzusammenhang, den Scherer vorausset .....
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Wilhelm scherer (i84i-i886)

Als wichtigstes Merkmal des Positivismus gilt die naturwissenschaftlich-empirische Ausrichtung der geisteswissenschaftlichen Verfahren. Sie war die Konsequenz einer Krise, in die die Geisteswissenschaften in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gerieten: 1. Die germanistische Fachwissenschaft en .....
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Georg wilhelm friedrich hegel - vorlesungen über die Ästhetik

Der Künstler Die Phantasie Was erstens das allgemeine Vermögen zur künstlerischen Produktion angeht, so ist, wenn einmal von Vermögen soll geredet werden, die Phantasie als diese hervorstechend künstlerische Fähigkeit zu bezeichnen. Dann muß man sich jedoch sogleich hüten, die Phantasie mit der bl .....
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