Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Hagedorn, Friedrich von



Ein ehrlicher Mann müsse nur 45 Jahre lang leben wollen, sagte H. mehrfach; er selbst erreichte das Alter von 46 Jahren. H.s Leben verlief nach anfänglicher Unsicherheit in gemächlichen Bahnen: geboren 1708 als Sohn eines dänischen Konferenzrates und Residenten, verlor er bereits 1722 den Vater. Die Mutter mußte mit geringen Mitteln zwei Kinder erziehen: Friedrich besuchte zunächst das Hamburger Gymnasium, bezog 1726 die Universität Jena, wo er Juristerei mit keinem sonderlichen Eifer, schöne Literatur dagegen mit Hingabe studierte und sie auch »dem zeitverderblichen Bierschwelgen« vorzog. Nach drei Jahren kehrte er, ohne Studienabschluß, nach Hamburg zurück und übernahm 1729 eine Stehe als Privatsekretär des dänischen Gesandten in London, wo er bis 1731 blieb. Vom Londoner Großstadtleben profitierte er gesellschaftlich und literarisch: er eignete sich umfassende Kenntnisse der englischen Sprache und Literatur an. Seine Hoffnungen auf einen Dauerposten im dänischen Dienst erfüllten sich jedoch nicht, und er lebte einige Zeit mehr schlecht als recht in der Heimatstadt Hamburg, zum großen Kummer der standesbewußten Mutter sogar als Hofmeister. 1733 schließlich erhielt er den mit 100 Pfund Sterling wohldotierten und mit freiem Logis gekoppelten Posten eines Sekretärs am »English Court«, einer altehrwürdigen Handelsgesellschaft in Hamburg. Dem selben Zweck der bequemen Lebensversorgung diente allem Anschein nach die Heirat mit einer Engländerin, einer Schusterstochter. Indes scheint H. sich hier vertan zu haben; die Biographen berichten übereinstimmend, das von ihr eingebrachte Vermögen habe nicht seinen Erwartungen entsprochen; leider sei sie auch »weder jung noch schön noch geistreich« gewesen. Immerhin entpuppte sie sich später als fürsorgliche Krankenpflegerin. Für den Rest seines Lebens konnte H. sich ganz seiner Lieblingsbeschäftigung widmen, der Literatur und dem geselligen Umgang. Mitglied verschiedener literarischer Zirkel, pflegte er eine ausgedehnte Korrespondenz und einen ausgewählten Freundeskreis. Das Tagwerk war beschaulich eingerichtet: tägliche Besuche im Dres-serschen Kaffeehause wechselten mit Fahrten zum Klostergut Harvestehude an der Alster. Die Lebensideale dieses hebenswürdig-souveränen Weltmanns waren mildtätige Humanität und lebensfrohe Urbanität - eine im damaligen Deutschland seltene Mischung, die sein modern anmutender Satz nachdrücklich festhält: »Man muß ein Europäer und mehr als das sein, um nicht bloß eine einheimische Vernunft und ein ingenium glebae zu haben.« Zum Habitus dieses musischen und geselligen Lebens gehörte außer der finanziellen auch die geistige Unabhängigkeit: H. schloß sich keiner der literarischen Parteien an, weder der Leipziger Schule um Johann Christoph Gottsched noch den Schweizern , denen er freilich näher stand. »Ich habe«, bekennt er, »es oft für eine nicht geringe Glückseligkeit gehalten, daß es niemals mein Beruf gewesen ist, noch seyn können, ein Gelehrter zu heißen. Dafür habe ich die beruhigende Erlaubnis, bei den Spaltungen und Fehden der Gelehrten nichts zu entscheiden. Meine müßigen Stunden genießen der Freiheit, mich in den Wissenschaften nur mit dem zu beschäftigen, was mir schön, angenehm und betrachtungswürdig ist. Meiner Dichterei ist es, wie ich mir schmeichle, nicht nachteilig, daß ich, um weniger unwissend zu sein, die besten Muster der Alten und Neuem mir täglich bekannter mache, obwohl ich dadurch weit mehr suche, gebessert, klüger, oder auch zu Zeiten aufgeräumter, als sinnreich und dichterisch zu werden.« Positive Folge seiner ausgebreiteten und unsystematischen Lektüre war die Selbständigkeit der eigenen dichterischen Produktion. Dilettant im besten Sinne, verwarf er schon früh die steifen Muster des Spätbarock und orientierte sich an englischen und französischen Vorbildern ; beim späteren H. rückte der lateinische Klassiker Horaz an den vordersten Platz. Dessen Ideal eines epikuräischen, maßvoll geübten Lebensgenusses machte er sich zur eigenen Devise. In mehreren lyrischen Gattungen hat er sich um eine elegante, metrisch und stilistisch ausgefeilte Diktion bemüht: seine Fabeln und Erzählungen , seine Oden und Lieder , aber auch seine »moralischen« Gedichte und Epigramme weisen ihn als den unbestrittenen Meister lyrischer Kleinkunst aus. Als er - an den Folgen der Gicht und der Wassersucht — am 28. 10. 1754 starb, war man sich in Deutschland über seine dichterische Bedeutung selten einig. Neben Albrecht von Haller galt er als Vollender der Opitzschen Dichtungsreform; vertrat jener die ernste Lehrdichtung, so repräsentierte H. den Typus einer heiteren, anakreontisch und horazisch beschwingten Rokoko-Poesie, die gerade in ihrer politischen Abstinenz dezidiert bürgerliches Bewußtsein ausdrückte.

      Guthke, Karl S.: Friedrich von Hagedorn und das literarische Leben seiner Zeit im Lichte unveröffentlichter Briefe an Johann Jacob Bodmer. In: Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts. Frankfurt a.M. 1966. S. 1-108.
      Epting, Karl: Der Stil in den lyrischen und didaktischen Gedichten Friedrich von Hagedorns. Stuttgart 1929.

      Gunter E. Grimm


Hagedorn, friedrich von

An die Dichtkunst Pietsch, Wolfgang J. In: Hagedorn und Horaz, 1988, S. 96 - 100. An eine Schläferinn Stenzel, Jürgen. In: Frankfurter Anthologie 5, 1980, S. 35 - 38. Der Mai Knörrich, Otto. In: Lyr. Texte, 1985, S. 76 - 77 und 81 - 85. Der Tag der Freude Bohnen, Klaus. In: Gedichte .....
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Novalis (= friedrich von hardenberg)

Alchemie Kowalski, Jörg. In: NDL 35, 1987, H. 3, S. 118 - 123. Am Tage der Reformation Seidel, Margot. In: Jb FDH, 1981, S. 306 - 324. An Tieck Speyer, Wolfgang. In: Arcadia 9, 1974, S. 39 - 47. Schulz, Gerhard. In: Gedichte und Interpretationen 3, 1984, S. 243 - 255. Das Lied der Tot .....
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Die literatur des kaiserhofs von konrad iii. bis friedrich ii.

Aus der Zeit Konrads III. , des ersten Stauferkö-nigs, ist über den literarischen Betrieb am Kaiserhof nicht viel bekannt. Das intellektuelle Klima am Hof wurde von den Geistlichen geprägt, die die leitenden Ämter innehatten: von dem Kanzler Arnold von Wied , dem Erbauer der für die Entwickl .....
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Ludwig achim von arnim - von volksliedern â–  an kapellmeister reichardt

[...] Ein schönes Lied in schlechter Melodie behält sich nicht, und ein schlechtes Lied in schöner Melodie verhält sich und verfängt sich, bis es herausgelacht; wie ein Labyrinth ist es: einmal hinein, müssen wir wohl weiter; aber aus Furcht vor dem Lindwurm, der drin eingesperrt, suchen wir gleich .....
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Der simplicissimus (i668) - roman von hans jakob christoffel von grimmeishausen

Hans Jakob Christoffcl von Grimmelshausen wird als Begründer des deutschen Prosaromans angesehen, das Werk geht auf Grim-mclshauscns Erfahrungen im Dreißigjährigen Krieg zurück. Im hessischen Gelnhausen wuchs er im einfachen, protestantischen Bürgermilieu auf und geriet mit 15 jähren unter die Söld .....
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Spee, friedrich von

Der Evangelisch Guter Hirt sucht das verloh-ren Schäfflein Eicheldinger, Martina. In: poeta doctus, 1991, S. 289 - 294. Die gespons JESV sucht, vnd findet Jhn auff dem Creutzweeg Eicheldinger, Martina. In: poeta doctus, 1991, S. 254 - 264. Die gesponß Jesu seufftzet nach jhrem Bräutigam .. .....
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Faust (teil i: i808, teil 2: i832) tragödie von johann wolfgang von goethe

Zahlreiche Verfilmungen und ständig neue Theateraufführungen seheinen die dauerhafte Aktualität des >Faust< zu beweisen. Als Sage hat das Leben des Doktor Faustus schon vor Goethes Zeit immer wieder Menschen in ihren [Sann gezogen. Goethe hat die Puppenspielversion wahrscheinlich bereits in seiner K .....
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Logau, friedrich freiherr von

Ehstand dess Hertzens und der Zunge Wehrli, Max. In: Reiz der Wörter, 1978, S. 245 - 248. Heutige Weltkunst Kußler, Rainer. In: Fremde Lyrik, 1981, S. 54 - 55. .....
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Schiller, friedrich von

Friedrich von Schiller gilt neben -> Goethe als der Repräsentant des Sturm und Drang sowie der deutschen Klassik. Neben seiner Lyrik und seinen Dramen nimmt sich das erzählerische Werk Schillers eher bescheiden aus. Von hoher Bedeutung sind indes seine theoretischen Schriften. Schiller wuchs als So .....
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Weizsäcker, carl friedrich von

»Zu meinem 12. Geburtstag, im Juni 1924. wünschte ich mir eine drehbare, also aut Tag und Stunde einstellbare Sternkarte. Mit meiner Karte entwich ich von den Menschen in die warme, wunderbare Sternennacht, ganz allein. Das Erlebnis einer solchen Nacht kann man in Worten nicht wiedergeben, wohl aber .....
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Friedrich engels - die entwicklung des sozialismus von der utopie zur wissenschaft

Die großen Männer, die in Frankreich die Köpfe für die kommende Revolution klärten, traten selbst äußerst revolutionär auf. Sie erkannten keine äußere Autorität an, welcher Art sie auch sei. Religion, Naturanschauung, Gesellschaft, Staatsordnung, alles wurde der schonungslosesten Kritik unterworfen; .....
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Hellmut holthaus wahrhaftige geschichte von der spazierfahrt oder mit dem auto sieht man etwas von der welt

1. Erster Arbeitsschritt: Motivationsphase Methode: Vor Lektüre der Erzählung können die Schüler von Autospazierfahrten, z. B. an Sonntagen, berichten. 1.1. Wie sehen unsere Sonntagsausflüge aus? 1.2. Warum unternimmt man Spazierfahrten mit dem Auto? 2. Zweiter Arbeit .....
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Index » Erzählungen der Gegenwart

Novelle von heinrich von kleist

Novelle Kleist ist in keinem seiner Stücke Ideendramatiker, sondern immer Wirklichkeitsdichter. Dies trifft genauso für seine Prosawerke zu. 'Es gibt im deutschen Schrifttum keine Novellen, deren Form und Vortrag so konzentriert, so kristallisch sind wie diejenigen Kleists." . Zu einer Zeit, da man .....
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Novalis (friedrich von hardenberg, i772-i80i)

Der bedeutendste dichterische Geist der Frühromantik, ja der Inbegriff des Romantikers überhaupt, war der frühvollendete Novalis. Seine dichterische Begabung entzündete sich an dem frühen Tod seiner jugendlichen Braut, die er nur um wenige Jahre überlebte. In seinen 'Hymnen an die Nacht" rührt Noval .....
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Index » DIE DEUTSCHE ROMANTIK

Wenn nicht mehr zahlen und figuren - novalis (friedrich leopold freiherr von hardenberg, i772-i80i): das eine geheime wort

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren Sind Schlüssel aller Kreaturen Wenn die so singen, oder küssen, Mehr als die Tiefgelehrten wissen, Wenn sich die Welt ins freye Leben Und in die Welt wird zurück begeben, Wenn dann sich wieder Licht und Schatten Zu ächter Klarheit wieder gatten, Und man in Mährche .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Das Wort

Autobiographie im zeitalter des mißtrauens: le miroir qui revient von alain robbe-grillet und livret defamille von patrick modiano

1. Die autobiographischen Texte des Nouveau Roman als Abkehr vom experimentellen Roman? Als traditionelle Gattung wurde die Autobiographie lange von denjenigen Autoren gemieden, die sich zur literarischen Avantgarde zählten. Als 1984 ein "nouveau romancier" wie Alain Robbe-Grillet nahezu gleichz .....
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Index » Autobiographie

Im abstände folgt mörike von den lyrikern dieser zeit der unglückliche - deutsch-ungar- nikolaus lenau (niembsch von strehlenau), i802-i850.

Auch Lenau fand den Ausgleich zwischen romantischem Wesen und der wirklichen Welt nur in seiner Dichtung. Er hat den Sprung aus der romantischen Befangenheit seines Wesens in die Realität der Welt um 1840 wohl gewagt und ist nach Amerika gegangen, um Farmer zu werden; aber vor der Wirklichkeit .....
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Index » VON DER ROMANTIK ZUM REALISMUS

Weizsäcker, carl friedrich von

Der Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker warnte nach 1945 intensiv vor den Gefahren der Kernwaffen und setzte sich vehement für die Entwicklung einer »Weltinnen- politik« ein, die den Weltfrieden herstellen und sichern soll. Der Sohn eines Marineoffiziers und Diplomaten interessier .....
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Husen, friedrich von

Ich denke under wilcn Brinkmann, Hennig. In: Gedicht und Gedanke, 1942, S. 35 - 42. .....
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Bodenstedt, friedrich von

Mein Lehrer ist Hafis Schmitz, Walter. In: Gedichte und Interpretationen 4, 1983, S. 311 -322. .....
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Goeckingk, leopold friedrich günter von

Als der erste Schnee fiel Pfeiffer, Johannes. In: Wege zur Dichtung, 1969, S. 113- 115. Kronauer, Brigitte. In: Frankfurter Anthologie 15, 1992, S. 17-20. .....
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Novalis (d.i. georg philipp friedrich von hardenberg)

Geb. 2.5.1772 auf Gut Oberwiederstedt bei Mansfeld; gest. 25.3.1801 in Weißenfels Der schwäbische Spätromantiker Justi-nus Kerner übersendet am 25. Januar 1810 Ludwig Uhland einen Auszug aus dem biographischen Porträt des N., das August Coelestin Just, ehemaliger Vorgesetzter und väterlicher Freund .....
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Heimito von doderer: »die strudlhofstiege oder melzer und die tiefe der jahre« (i95i) - eine wien-legende

Bühne des Lebens Anderen Rang und andere Färbung als in der Literatur Deutschlands und der Schweiz haben Vergangenheit und Geschichte in der österreichischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Ãœbernimmt in der Schweiz das Jahrhundert eine gefestigte demokratische Staatsform und reicht sie an das nä .....
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Index » Roman Chronik

Robert walser: »jakob von gunten. ein tagebuch« (i909) - bericht eines künftigen dieners

Von Vorschriften umstellt Den literarischen Rang des 1878 im schweizerischen Biel geborenen Robert Walser haben Autoren wie Robert Musil, Hermann Hesse, Walter Benjamin und vor allem Franz Kafka früh erkannt. Doch läßt sich Walser, bei seinem ständigen Rollenwechsel, in seinem Werk und im Wandel .....
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Friedrich dürrenmatt (geb. i92i)

stellt oft mit dem Unterton tiefster Bitterkeit mutige Zeitsatiren auf die Bühne. „Romulus der Große" läßt die ganze Weltgeschichte zur Farce werden: der letzte weströmische Kaiser interessiert sich mehr für Hühnerzucht als für die Aufgaben der Staatslenkung. Die Komödien „Die Ehe des Herrn Mississ .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Nach 1945

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Hagedorn,  Friedrich    





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