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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Geibel, Emanuel



Nach seinem Tod, so Thomas Mann in seiner Rede Lübeck als geistige Lebensform, erzählte man sich, eine alte Frau auf der Straße habe gefragt: »Wer kriegt nu de Stell? Wer ward nu Dichter?« Im Todesjahr des Lübecker »Stadtheiligen« hatten seine ersten Gedichte die hundertste Auflage erreicht, sein Konterfei zierte Sammeltassen, sein Name die »Geibel«-Havanna. Der Pastorensohn, der in Bonn Theologie und in Berlin Philologie studiert hatte, war als bedeutendster deutscher Lyriker des Jahrhunderts anerkannt, er wurde mit dem Schillcrpreis ausgezeichnet und mit Johann Wolfgang von Goethe auf eine Stufe gestellt. Auf Empfehlung Bettina von Arnims und ihres Schwagers von Savigny hatte er 1838 die Anstellung des Hofmeisters beim russischen Gesandten in Athen erhalten und die griechische Inselwelt bereist; auf Empfehlung Carl Friedrich von Rumohrs erhielt er nach seiner Rückkehr ohne Beruf vom Preußenkönig Friedrich Wilhelm

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eine jährhche Pension von dreihundert Talern. Diesem widmete er dann auch sein erstes Drama König Roderich , denn: »Du gabst ein Leben mir vom Staube / Des medern Marktes unberührt, / Ein Leben, wie s im grünen Laube, / Der freie Vogel singend führt.« Daß »der Sänger mit dem König gehen« solle, meinte 1852 auch der Bayernkönig Maximilian IL. als er G. als Honorarprofessor für deutsche Literatur und Metrik und für ein Anfangsgehalt von achthundert Gulden nach München berief, ihn in den Maximiliansorden und dann - verbunden mit dem persönlichen Adelsschlag -in den Kronenorden aufnehmen Heß. G. wurde zum unbestrittenen Haupt des »Münchner Dichterkreises« — des in der Hofburg tagenden königlichen »Symposions« und der privat sich treffenden »Krokodile« —, dem seit 1854 auch der von ihm protegierte Freund Paul Heyse angehörte. Den Jahren in München setzte 1868 der Maximilian-Nachfolger und Wagner-Freund Ludwig IL ein Ende, als er G.s Huldigungsgedicht An Konig Wilhelm mit der Streichung der Bezüge beantwortete. König Wilhelm aber unterließ es seinerseits nicht, dem Heimkehrenden die preußische Pension auf eintausend Taler zu erhöhen, und die Lübecker empfingen ihn mit Fackelzug und Festmahl. In und um Lübeck blieb er, zunehmend unter Magenschmerzen und Schreibhemmungen leidend, bis zu seinem Tod.

      »Nun, das nenn ich doch Erfolg«, kommentierte 1856 Christian Friedrich Hebbel die vierzigste Auflage der Gedichte und setzte hinzu: »Bei solcher Trivialität unglaublich!« Seinen zeitgenössischen Ruhm begründete G. mit der virtuosen Beherrschung des traditionellen Lyrik-Repertoires. Kein klassisches Versmaß, das er nicht makellos, keine romantische Metapher, die er nicht geschmackvoll zu verwenden wußte. Warum aber diese Lyrik »epigonal« blieb. Heß er den Bildhauer des Hadrian erklären: »Wohl bänd gen wir den Stein, und küren, / Bewußt berechnend, jede Zier, / Doch, wie wir glatt den Meisel führen, / Nur vom Vergangnen zehren wir. / O trostlos kluges Auserlesen, , Dabei kein Blitz die Brust durchzückt! / Was schön wird, ist schon da gewesen, / Und nachgeahmt ist was uns glückt.« Sich dabei das Wohlwollen der preußischen Könige zu sichern, fiel dem als »Reichsherold« Gefeierten nicht schwer. 1846 bezog er lyrisch streitbar gegen Dänemark »Für Schleswig Holstein« Stellung. 1871 dann - »das Maß ist voll, zur Schlacht mit Gott« - gegen den »Erbfeind« Frankreich und für das zu schaffende deutsche Reich, dessen Kaiser Preuße sein sollte.
      G.s Der Mai ist gekommen ist berühmt gebheben, sein »Und es mag am deutschen Wesen/Einmal noch die Welt genesen« berüchtigt. Vergessen sind, wie die Mehrzahl seiner Gedichte, die klassizistisch schwerfälligen Dramen, noch heute anerkannt aber seine sensibel nachempfundenen Ãœbersetzungen: Klassische Studien , Spanisches Liederbuch , Romanzen der Spanier und Portugiesen und Fünf Bücher französischer Lyrik .
      Hinck, Waker: Epigonendichtung und Nadonahdee. Zur Lyrik Emanuel Geibels. In: ders.: Von Heine zu Brecht. Lyrik im Geschichtsprozeß. Frankfurt a.M. 1978. S. 60-82.
      Gaedertz. K.Th.: Emanuel Geibel. Sänger der Liebe, Herold des Reiches. Ein deutsches Dichterleben. Leipzig 1897.

      Ernst Kretsdimer


Heinrich heine (i797-i856): die lotosblume ängstigt / sich vor der sonne pracht ... - emanuel geibel (i8i5-i884):

Die stille Wasserrose ... Der Buhle Mond Die Lotosblume ängstigt Sich vor der Sonne Pracht, Und mit gesenktem Haupte Erwartet sie träumend die Nacht. Der Mond, der ist ihr Buhle, Er weckt sie mit seinem Licht, Und ihm entschleiert sie freundlich Ihr frommes Blumengesicht. Sie blüht und glüht .....
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Geisel, emanuel

An König Wilhelm Druvins, Ute. In: Gedichte und Interpretationen 4, 1983, S. 346-356. Aus Jägers Liebe Hock, Erich. In: Motivgleiche Gedichte, 1971, 5. 52. Deutschlands Beruf Uthmann, Jörg von. In: Frankfurter Anthologie 15. 1992, S. 91 - 95. Herbstlich sonnige Tage Hock, Erich. .....
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Geibel,  Emanuel    





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