Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Fried, Erich



»Ich schreibe Gedichte, wie ein Karnickel Junge kriegt«, äußerte F. einmal über die fast unheimliche Produktivität seines lyrischen Schaffens, und man stelle sich ihn vor, den kleinen, humorigen Mann mit den vielen, hebenswert skurrilen, unbürgerlichen Zügen, wie er spitzbübisch durch seine schwarz geränderte Brille blinzelt und anschließend, seinen geschnitzten Gehstock in der einen Hand haltend, mit der anderen Hand das volle, immer leicht verwilderte Haar von der Stirn seines fast riesig wirkenden Kopfes streicht. Und doch verbirgt sich hinter F.s ironischer Selbstcharakteristik der bittere Ernst einer Lebensbewältigung, die »Schreibenmüssen« heißt, schreiben gegen erlebtes und erlittenes Unrecht, gelegentlich zornig schreiben gegen die menschenfeindhchen Heucheleien der großen und kleinen Politik, und zuletzt auch schreiben, so heße sich in einem F.-nahen Duktus sagen, um der Verzweiflung der Hoffnung die Hoffnung wiederzugeben.


      Schon früh spürte F.. einziges Kind einer jüdischen Familie aus Wien, die sozialen Spannungen in der österreichischen Metropole. Aus der Nähe erlebt der Heranwachsende den »Blutigen Freitag« von 1927, den Bürgerkrieg von 1934 und einen immer stärker werdenden Antisemitismus. Als kurz nach dem Anschluß Ã–sterreichs die Eltern verhaftet werden und der Vater an den Folgen eines Gestapo-Verhörs stirbt, flieht der 17jährige Gymnasiast — mit dem testen Vorsatz, »Schriftsteller zu werden« und »gegen Faschismus, Rassismus und Austreibung unschuldiger Menschen« zu schreiben — nach England. In London schließt sich F. den vorwiegend von Kommunisten getragenen Exilorganisationen an, von deren parteigebundenem Kern er sich aber bereits Anfang 1944 wieder trennt. Zu wichtigen Freunden der Emigration werden ihm u.a. die österreichischen Schriftsteller Hans Flesch, Theodor Kramer und Hans Schmeier sowie der Breslauer Literaturwissenschaftler Werner Milch. Nur notdürftig sichern Gelegenheitsjobs die unsichere Existenz des Flüchtlings ab, 1944 erscheint sein antifaschistisches Erstlingswerk, die Deutschland-Gedichte.
      Nach dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Regimes entscheidet sich F., in London zu bleiben, wo er noch heute mit seinen sechs Kindern und der dritten Ehefrau Catherine lebt. Seine literarischen Arbeiten wenden sich zunächst »trotz aller Zeitverbundenheit den längerwährenden Grundthemen der Dichtung« zu . Durch Vermittlung Werner MUchs korrespondiert er mit Elisabeth Langgässer in Berlin, ein Briefwechsel entsteht mit dem Hamburger Verleger Eugen Ciaassen. Nach der Mitarbeit bei den in London redigierten Alliierten-Zeitschriften Neue Auslese und Blick in die Welt wird F. ab 1952 festangestellter Kommentator bei der deutschen Abteilung der BBC . Seitdem lebt er als freier Schriftsteller, mit häufigeren Aufenthalten in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
      Zu ersten Wiederbegegnung mit dem Kontinent kommt es 1953 während einer Reise nach Berlin; Wien, seine Heimatstadt, sieht er erst 1962 wieder. In der Zwischenzeit hat sich F. einen Namen als Ãœbersetzer gemacht, 1956/57 erscheint er als England-Korrespondent im Impressum der von Alfred Andersch herausgegebenen Zeitschrilt Texte und Zeichen. Hans Magnus Enzensberger und Ernst Jandl besuchen ihn in London. Zunehmende Kontakte und Reisen nach Deutschland führen schließlich zur Annäherung an die außerparlamentarische Opposition und zur Teilnahme an den Tagungen der Gruppe 47 , wo er später »als Linksaußen abgestempelt« wird .
      Heftige Kontroversen lösen F.s Vietnam-Gedichte J966) in der Mitte der 60er Jahre, aus. Ebenso wie das anschließende Engagement gegen Israels Palästinenserpolitik und gegen die >Sympathisanten


Jürgen becker (geb. i932): natur-gedicht -erich fried (i92i-i988): gespräch über bäume

Vom Ende der Landschaftsmalerei Der Titel von Jürgen Beckers Gedichtsammlung aus dem Jahre 1974, Das Ende der Landschaftsmalerei, pointiert fast programmatisch ein Grundthema seiner Lyrik: das allmähliche Verschwinden der Voraussetzungen und des Gegenstandes von Naturlyrik. Selbst was man »Stadtl .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Sackgassen der Naturlyrik

Fried, erich

Die zahlreichen politisch-kritischen Stellungnahmen des äußerst produktiven LyrikeTS lösten ab Mitte der 1960er Jahre immer wieder heftige Kontroversen aus. Zum Vietnamkrieg, zur Ter-rorismusbekämpfung in Westdeutschland, zur Palästinapolitik Israels und zu Menschenrechts-verletzungen in aller Welt .....
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Was es ist - erich fried

Es ist Unsinn sagt die Vernunft Es ist was es ist sagt die Liebe Es ist Unglück 5 sagt die Berechnung Es ist nichts als Schmerz sagt die Angst Es ist aussichtslos sagt die Einsicht 10 Es ist was es ist sagt die Liebe Es ist lächerlich sagt der Stolz Es ist l .....
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Index » Gedichte aus unserer Zeit - Interpretationen

Erich honecker - aus: bericht des zentralkomitees an den viii. parteitag der sed, berlin i97i

[...] Eines der edelsten Ziele und eine der größten Errungenschaften der sozialistischen Gesellschaft ist die allseitig entwickelte Persönlichkeit. Dabei handelt es sich nicht um ein Ziel, das erst in ferner Zukunft erreicht wird. Wenn wir hier von 'Persönlichkeit" sprechen, meinen wir eine besonde .....
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Index » Textsammlung zur deutschen Literaturgeschichte

Fried, erich

17.-22. Mai 1966 Hardt, Marion. In: Lyrische Texte, 1974, S. 145 -150. Ägypten Zeller, Michael. In: Gedichte haben Zeit, 1982, S. 154- 156. Angst und Zweifel Anz, Thomas. In: Frankfurter Anthologie 11, 1988, S. 207-209. Auf den Tod des Generalbundesanwalt Siegfried Buback Zeller, Mich .....
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Friedrich rückert (i788-i866)

Aus der Jugendzeit, aus der Jugendzeit Klingt ein Lied mir immerdar. O wie liegt so weit, o wie liegt so weit Was mein einst war! Auch Rückert, gebürtig aus Schweinfurt, gestorben in Neuses bei Coburg, rief in seinen 'Geharnischten Sonetten" zum Kampf gegen Napoleon auf. In seinen sechs Bänden ly .....
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Index » DIE DEUTSCHE ROMANTIK

Friedrich dürrenmatt (geb. i92i)

stellt oft mit dem Unterton tiefster Bitterkeit mutige Zeitsatiren auf die Bühne. „Romulus der Große" läßt die ganze Weltgeschichte zur Farce werden: der letzte weströmische Kaiser interessiert sich mehr für Hühnerzucht als für die Aufgaben der Staatslenkung. Die Komödien „Die Ehe des Herrn Mississ .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Nach 1945

Siegfried lenz (geb. i926).

Er stammt aus Lyck, war als junger Matrose 'Augenzeuge der großen Flucht und des Untergangs vieler Schiffe" und lebt seit 1945 in Hamburg. Als Postulat seines Schaffens nennt er '. . . ein gewisses Mitleid, Gerechtigkeit und einen nötigen Protest". Einige seiner Werke verarbeiten Kriegs- und Nachkri .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Nach 1945

Jean paul friedrich richter (i763-i825)

Während Heinrich von Kleist an der Wirklichkeit zerbrach, hat sie Jean Paul gemeistert und überwunden. Aus der Enge des damaligen Bayreuth baute er sich das Weltall seiner sehnsüchtigen Träume und Ideale. Und was die Bereicherung der deutschen Sprache vom Dichterischen her angeht, muß Jean Paul nebe .....
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Index » ZWISCHEN KLASSIK UND ROMANTIK

Gottfried benn (i886-i956)

Er kommt aus einem preußisch-protestantischen Pfarrhause, studiert Medizin, wird Militärarzt, dann Privatarzt bis 1914, pflegt in dieser Zeit Freundschaft mit der Lyrikerin Else Lasker-Schüler; im Ersten Weltkriege ist er in Belgien, danach wieder Facharzt in Berlin. 1933 glaubt er einen Augenblick, .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Im Umbruch

Erich maria remarque (i898-i970)

schildert in seinem vielgelesenen und vielgeschmähten Buch 'Im Westen nichts Neues" mit bitterem Sarkasmus die Sinnlosigkeit des Krieges. Im Banne der Geschichte Das Erlebnis des gigantischen Völkerringens hatte die Fragen nach Sinn und Ziel der Geschichte neu aufgerissen. Und so wird nun in der F .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Zwischen den beiden Weltkriegen

Friedrich nietzsche (i844-i900)

Der im gleichen Jahr wie Liliencron in Röcken bei Lützen geborene F. Nietzsche wurde noch vor Erwerbung des Doktorgrades sdion 1869 als Universitätsprofessor nach Basel berufen, machte den Krieg 1870/71 als Sanitäter mit, zog sich aber den Keim zu einer Krankheit zu, die ihn später aufzehren sollte. .....
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Index » VOM NATURALISMUS ÜBER DIE JAHRHUNDERTWENDE » Der Symbolismus

Gottfried keller (i8i9-i890)

hart erkämpftes und bewußt geformtes Kunstwerk des epischen Geistes. Kellers Zeitgenosse Schopenhauer hat das Wesen der epischen Kunst darin erblickt, 'daß man mit dem möglichst geringsten Aufwand von äußerem Leben das innere in die stärkste Bewegung bringe; denn das innere ist eigentlich der Gegens .....
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Index » VON DER ROMANTIK ZUM REALISMUS

Novalis (friedrich von hardenberg, i772-i80i)

Der bedeutendste dichterische Geist der Frühromantik, ja der Inbegriff des Romantikers überhaupt, war der frühvollendete Novalis. Seine dichterische Begabung entzündete sich an dem frühen Tod seiner jugendlichen Braut, die er nur um wenige Jahre überlebte. In seinen 'Hymnen an die Nacht" rührt Noval .....
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Index » DIE DEUTSCHE ROMANTIK

Friedrich hebbel (i8i3-i863)

Als Sohn eines Maurers in Wesselburen geboren, wuchs der junge Hebbel in drückender Armut auf. 'Die Armut hatte die Stelle seiner Seele eingenommen", sagte der Dichter später von seinem Vater, der die dichterischen. Pläne seines Sohnes unterdrückte und ihn zum Maurerhandwerk zwang. Als er starb, kam .....
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Index » VON DER ROMANTIK ZUM REALISMUS

Friedrich baron de la motte-fouque (i777-i843)

Fouque war zu seiner Zeit einer der beliebtesten Modeschriftsteller, der durch seine Dichtungen aus dem Mittelalter am meisten vor Richard Wagner zum Bekanntwerden der germanisch-deutschen Götter- und Heldensagen beige^ tragen hat. Ihm verdanken wir das heute noch am meisten gelesene Märchen der Rom .....
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Index » DIE DEUTSCHE ROMANTIK

Auf sommerlichem friedhof (i944)

In memoriam Oskar Loerke Der Fliegenschnäpper steinauf, steinab. Der Rosenduft begräbt dein Grab. Es könnte nirgend stiller sein. Der darin liegt, erschein, erschein! Der Eisenhut blitzt blaues Licht. Komm, wisch den Schweiß mir vom Gesicht. Der Tag ist süß und ladet ein, Noch einmal säßen wir .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Magie der Natur

Robert walser: »jakob von gunten. ein tagebuch« (i909) - bericht eines künftigen dieners

Von Vorschriften umstellt Den literarischen Rang des 1878 im schweizerischen Biel geborenen Robert Walser haben Autoren wie Robert Musil, Hermann Hesse, Walter Benjamin und vor allem Franz Kafka früh erkannt. Doch läßt sich Walser, bei seinem ständigen Rollenwechsel, in seinem Werk und im Wandel .....
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Index » Roman Chronik

Oskar loerke (i884-i94i): brief-wilhelm lehmann (i882-i968): auf sommerlichem friedhof (i944)

Zwei Gränchen Staub im Wind Oskar Loerke, Träger des Kleist-Preises von 1913, war als Cheflektor des S. Fischer Verlags eine der Schaltstellen des literarischen Lebens in den zwanziger Jahren. In seinen Dichtungen bleiben Landschaftserlebnisse einer Kindheit im Osten prägend. Seine Naturlyrik str .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Magie der Natur

Erich kästner (i899-i974): sachliche romanze

Das sentimentale Vokabular hat ausgedient Spricht jemand von »Neuer Sachlichkeit«, der literarischen Richtung, die in den zwanziger Jahren dem Visionären und Utopischen des Expressionismus illusionslose Wirklichkeitsnähe entgegenstellte, so fällt unweigerlich der Name Erich Kästner. »Sachlich« gi .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Sachlich unterkühlt

Die literatur des kaiserhofs von konrad iii. bis friedrich ii.

Aus der Zeit Konrads III. , des ersten Stauferkö-nigs, ist über den literarischen Betrieb am Kaiserhof nicht viel bekannt. Das intellektuelle Klima am Hof wurde von den Geistlichen geprägt, die die leitenden Ämter innehatten: von dem Kanzler Arnold von Wied , dem Erbauer der für die Entwickl .....
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Index » Der Literaturbetrieb der höfischen Zeit

Friedrich nietzsche (i844-i900): abschied [vereinsamt] - winter-wanderschaft

Einsamkeit ist eines der Hauptthemen im Denken Nietzsches. »Mein ganzer Zarathustra«, erklärt er in Ecce homo, »ist ein Dithyrambus auf die Einsamkeit«. Dort allerdings wird Einsamkeit als Bedingung für Selbstfindung und Schöpfertum, für die Erneuerung des Menschen verstanden. Dagegen konzentriert s .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Riss im Dasein

Gottfried keller (i8i9-i890): sommernacht - ein alter brauch - erhaltenswert

Sommernacht Es wallt das Korn weit in die Runde Und wie ein Meer dehnt es sich aus; Doch liegt auf seinem stillen Grunde Nicht Seegewürm noch andrer Graus: Da träumen Blumen nur von Kränzen Und trinken der Gestirne Schein. O goldnes Meer, dein friedlich Glänzen Saugt meine Seele gierig ein! In m .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Die Wirklichkeit der Landschaften

Friedrich hebbel (i8i3-i863): sommerbild - herbstbild - wendepunkte

Friedrich Hebbel hat in der Geschichte des Dramas mehr in Bewegung gesetzt als in der Geschichte der Lyrik. Doch sind ihm Gedichte geglückt, in denen sich der Lyriker ganz aus dem Bann des Dramatikers und Tragikers löst, Gedichte wie Nachtlied, Abendgefühl oder Ich und Du. Auch Sommerbild und Herbs .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Die Wirklichkeit der Landschaften

Wenn nicht mehr zahlen und figuren - novalis (friedrich leopold freiherr von hardenberg, i772-i80i): das eine geheime wort

Wenn nicht mehr Zahlen und Figuren Sind Schlüssel aller Kreaturen Wenn die so singen, oder küssen, Mehr als die Tiefgelehrten wissen, Wenn sich die Welt ins freye Leben Und in die Welt wird zurück begeben, Wenn dann sich wieder Licht und Schatten Zu ächter Klarheit wieder gatten, Und man in Mährche .....
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