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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Freytag, Gustav



»Freier Schriftsteller« war wohl kaum das Berufsziel des schle-sischen Erfolgsautors. Obwohl der »Hausdichter des deutschen Bürgertums« rückblickend die Atmosphäre eines gebildeten Elternhauses für seine »faßliche Darstellung der Menschenwelt«, die deutsch-polnische Grenzgebietslage seines Heimatortes für seine bürgerlich-nationale Gesinnung und die Aufführungen des Provinztheaters für seine dramatische Gestaltungsfähigkeit verantwortlich machte, strebte der kleinstädtische Arztsohn zunächst eine Universitätskarriere an. Mit Hilfe seines Lehrers A.H. Hoffmann von Fallersleben gelang es dem erst Dreiundzwanzigjährigen, der »vor allem Andern die Sorge für künftigen Beruf hinter haben wollte« , sich als Privatdozent für deutsche Sprache und Literatur an der Universität Breslau zu habilitieren . Sein akademisches Lehramt ermöglichte dem sozialen Problemen gegenüber aufgeschlossenen Liberalen - er war Gründungsmitglied eines karitativen Vereins für die notleidenden Weber - die Fortsetzung seiner poetischen Versuche, die ihm in der Studentenschaft Popularität eintrugen. Daß »Volkstümlichkeit« von Anfang an ein wichtiges Kriterium seiner Dichtung war, beweisen der frühe Gedichtband In Breslau und sein freundschaftliches Verhältnis zu dem Dorfgeschichten-Autor Berthold Auerbach. Durch sein vom königlichen Theater in Berlin prämiiertes Lustspiel Die Brautfahrt, oder Kunz von Rosen wurde F. zum gefragten Dramatiker. Er wurde deshalb später in die Berliner »Schiller-preiscommission« berufen und schrieb - des häufigen Redigierens ihm zugesandter Arbeiten müde —, gleichermaßen als »Lehrbuch« für Anfänger, seine an Antike und Klassik orientierte Technik des Dramas . F. stellt 1844 seine Vorlesungen aufgrund fachlicher Differenzen mit der Fakultät ein. Seine handwerkliche Dichterauffassung und Kontakte zum Dresdner Theaterkreis ermöglichten es ihm, sich eine neue Existenz als Berufsschriftsteller aufzubauen. Die heute vergessenen zeitkritischen Stücke spiegeln bereits F.s nationalliberale Ansichten gegen Kleinstaaterei und philiströs-restaurative Enge wider, die sich vor dem Hintergrund der Barrikadenkämpfe der 48er Revolution zu einer von der »Straßendemokratie« abgegrenzten politischen Haltung verfestigen. Seme »Agitation« in einem Leipziger Handwerkerverein wird durch die Zusammenarbeit mit dem Literaturhistoriker Julian Schmidt bis iS"i in der von ihnen übernommenen Wochenschrift Die Grenzboten erfolgreich rortgesetzt. Nicht nur politische Bildung im national-liberalen, preußisch-kleindeut->chen Sinne strebte das einflußreiche Blatt an, sondern auch die Verwirklichung einer neuen »volkserzieherischen« literarischen Absicht, Realismus als Lebens- und Darstel-.ungsprinzip. In dem Lustspiel Die Journalisten verarbeitete F. mit seinem mitunter übertriebenen Humor unmittelbare Wirklichkeitserfahrungen, genauso wie in dem Gelehrtenroman Die verlorene Handschrift und besonders in ;;m oberflächlich als Kaufmannsroman bezeichneten gründerzeitlichen Sozialprogramm Soll und Haben , die beide an F.s Breslauer Zeit erinnern. Der alszeithistorische Quelle immer noch lesenswerte Bildungsroman Soll und Haben galt auch formal und nicht nur inhaltlich als das »Musterbeispiel« des bürgerlich-programmatischen Realismus, weil sein dramatischer Aufbau dem von F. entwickelten Romankonzept entsprach und insofern auch für spätere Romane eine Vorbildfunktion besaß . Beweise der Akribie und des ungeheueren Fleißes, den schon Zeitgenossen rühmten, sind die kulturgeschichtlich auch heute noch interessanten Bilder aus der deutschen Vergangenheit , eine wissenschaftlich fundierte Textsammlung, die ebenso wie sein umstrittenes Spätwerk, der an Walter Scott orientierte historische Romanzyklus Die Ahnen , F.s preußisch-patriotische Absicht verdeutlicht, historisches Bewußtsein als vaterländische Geschichte zu vermitteln. Daß seine Uterarische und journalistische Tätigkeit nach 1848 letztlich im Dienste der Politik Preußens und der späteren Reichsgründung stand, beweist nicht nur der ideologische Gehalt seiner Werke, die Adel und Proletariat diffamieren und allein das Bürgertum heroisch als Stütze des Staates preisen, sondern auch sein Einsatz im liberalen Nationalverein. Sein Freund Herzog Ernst IL von Sachsen-Coburg-Gotha veranlaßte ihn, von 1867 bis 1870 als Abgeordneter der Nationalliberalen Partei im konstituierenden Reichstag des Norddeutschen Bundes in Berlin mitzuwirken. Ihm gestand er, wie wenig er sich selbst als Politiker betrachtete: »In der Politik ist zweifelhaft, was ich leiste und nütze, in meinem Fach weiß ich es.«


Herrmann. Renate: Gustav Freytag. Bürgerliches Selbstverständnis und preußisch-deutsches
Nationalbewußtsein. Diss. Würzburg 1974. Lindau, Hans: Gustav Freytag. Leipzig 1907.

      Gabriele Büchler


Gustav freytag: soll und haben (i855)

Nicht ein überragendes zu stellen und mit seiner Literatur im Dienst der Öffentlichkeit einzugreifen. Motiviert durch dieses Vorhaben übernahm er die Redakteursstelle der Grenzholen, die sich unter der Leitung von Julian Schmidt zur wichtigsten Zeilschrift insbesondere der ersten Phase des Bürgerli .....
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Freytag, gustav

Gustav Freytag gilt neben Theodor ^Fontane und Theodor -^Storm als bedeutendster Vertreter der deutschsprachigen Erzählliteratur des bürgerlichen Realismus und zählte bis ins 20. Jahrhundert zu den meistgelesenen Autoren Deutschlands. Sein Hauptinteresse galt der kritisch-ironischen Schilderung der .....
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Freytag: soll und haben

Waren Die Epigonen Ausdruck der von Immermann tief empfundenen Zerrissenheit und Zwiespältigkeit der Zeit, so verdankt Gustav Freytags knapp zwei Jahrzehnte später erschienener Erfolgsroman Soll und Haben seinen optimistischen Grundtenor einer ganz anderen, durchaus positiven Einstellung zur zeitge .....
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Levi-strauss, claude gustave

1949 erschien das Buch, das den französischen Strukturalismus begründen sollte: Les struemres Clementaires de la parente . ein gelehrter Wälzer »von verzweifelter Langeweile«, wie Georges Bataille feststellt, und dennoch ein Buch, das nicht nur die Ethnologie auf den Kopf stellt, indem es eines ihre .....
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Jung, carl gustav

"Was für eine Therapie man wähle, hängt davon ab. was man für ein Mensch ist« - diese Abwandlung des bekannten Fichteschen Mottos drängt sich geradezu auf angesichts der beiden Gründungsväter der modernen analytischen Psychologie. Sigmund Freud und J.. die beide gleichermaßen von der Wissenschaftl .....
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Schüler, gustav

Wollest meine Seele stillen Pfeiffer, Johannes. In: Wege zur Dichtung, 1969, S. 102 - 103. .....
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Sack, gustav

Herbst Fischer, Franz. In: Blätter 10, 1966, S. 51 55. .....
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Falke, gustav

Die Schnitterin Groß, Eugenie. In: Gedichtstunde, 1964, S. 139 - 141. Zwei Viering, Jürgen. In: Gedichte und Interpretationen 5, 1983, S. 43-52. .....
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Schwab, gustav

Gustav Schwab galt zu seinen Lebzeiten als bedeutender und herausragender Literat; heute ist sein Werk größtenteils in Vergessenheit geraten. Einzige Ausnahme ist das Buch Die schönsten Sagen des klassischen Altertums, das noch immer aufgelegt wird und zu den Standardtexten zur griechischen Mytholog .....
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Meyrink, gustav

Gustav Meyrink bevorzugte in seinem vielfältigen Erzählwerk historische und fantastische Stoffe. Aus seinem CEuvre ragt der Roman Der Golem durch seine Konzeption wie auch durch den überragenden Erfolg heraus. Meyer war der uneheliche Sohn einer Münchner Hofschauspielerin und eines württembergische .....
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Le bon, gustave

Gustave Le Bon erlangte seine größte Bekanntheit als Mitbegründer der sozialen Psychologie durch seine bahnbrechende Beschäftigung mit einigen der wichtigsten gesellschaftlichen Phänomene des 20. Jahrhunderts: dem Rassismus und dem Massenverhalten. Le Bon studierte Medizin, promovierte in .....
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Flaubert, gustave

Gustave Flaubert war einer der führenden Vertreter des französischen Realismus. Er betonte vor allem die Objektivität des Schriftstellers um das »rechte Wort« und lehnte die Alltagssprache in seinen Werken ab. Objektive Darstellung erreichte Flaubert durch erlebte Rede und eine ironische Erzählweis .....
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Gustav schuller

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Gustav seivert

Gustav Seivert wurde 1820 als Sohn eines Beamten in Hermannstadt geboren. Er besuchte hier das Gymnasium und •später das Lyzeum in Klausenburg. Wegen Rechtsstudien hielt er sich in Berlin auf. Nach seiner Heimkehr war er mit verschiedenen Dienstaufträgen Angestellter der Hermannstädter Stadtverwal .....
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Gustav schwab (i792-i850)

Dem gleichfalls dem Weinsberger Freundeskreis zugesellten Gustav Schwab verdanken wir die meisterhafte Bearbeitung der 'Schönsten Sagen des klassischen Altertums" und der 'Deutschen Heldensagen". Von seinen schlichten Balladen sind nur 'Das Gewitter" und 'Der Reiter und der Bodensee" lebendig gebli .....
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Freytag,  Gustav    





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