Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Freiligrath, Ferdinand



Wilde Exotik, revolutionäre Empörung, nationale Begeisterung - exemplarisch abzulesen an Gedichttiteln wie Löwenritt, Reveille, Hurrah, Germania! — sind die drei zentralen Stichworte zu F.s Lebenshaltung und zugleich charakteristisch für die drei wichtigsten Phasen seiner literarischen Produktivität. Gemeinsam ist ihnen nicht nur Leidenschaft- und Begeisterung, sondern auch eine besondere, je unterschiedlich akzentuierte Affinität zu Deutschland: Ferne und Heimat, Freiheit und Gleichheit, Krieg und Einheit.

      Bekannt und berühmt wurde der junge kaufmännische Angestellte F. durch seine »Wüsten- und Löwenpoesie« . Beeinflußt vom englischen und französischen Exotismus, besonders von Victor Hugos Orientpoesie , entstand ein neuer Ton in der deutschen Lyrik: ferne Natur und fremde Völker, wilde Abenteuer und exotische Szenen voller Theatralik und mit einem Ãœbermaß an Metaphern: alexandrinisches Versmaß und ausgefallene Fremdwortreime. Langzeile und »Dampfschiftrhythmus« verleihen den Gedichten Pathos und Eindringlichkeit, die den Bedürfnissen der begeisterten Leser entsprachen. F.s Fernweh ist sowohl im Kontext der zu jener Zeit weitverbreiteten Mode des Reisens und der Lektüre von Reiseliteratur zu sehen als auch im Kontrast zu den bedrückenden, rückständigen deutschen Verhältnissen bzw. zu dem von F. selbst in Amsterdam erlebten »modernen Getreibc« des Handelskapitalismus.
      F. sieht rückblickend nicht zu Unrecht in dieser Lyrik eine Zivilisationskritik, eine »Opposition gegen die zahme Dichtung wie gegen die zahme Sozietät« . Zugleich aber stand er in den 30er Jahren in entschiedener Opposition zur politischen Prosa-Literatur der Jungdeutschen und deren Emanzipationstendenz - er stimmte sogar Wolfgang Menzels Heine-Denunziation zu; eine literarisch-politische Haltung, die Anfang der 40er Jahre mit F.s die Reaktion verherrlichendem und zugleich Ãœberparteilichkeit beanspruchendem Gedicht Aus Spanien und Georg Herwcghs scharfer Erwiderung Die Partei ihren Höhepunkt erreichte und 1842 zu einer Pension seitens des preußischen Königs Friedrich Wilhelm

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V.

führte.
      F.s bekannte Verse »Der Dichter steht auf einer höhern Warte, / als auf den Zinnen der Partei«, verloren jedoch in den folgenden Jahren auch für ihn selbst ihre Gültigkeit. Beeinflußt von Hoffmann von Fallersieben wandte er sich zusehends gegen das soziale Elend und die sich wieder verschärfende politische Unterdrückung, mit der er seine ersten persönlichen Erfahrungen machte, als die Zensur 1843 zwei seiner Gedichte verbot. Im Frühjahr 1844 ging F. nach Belgien ins Exil und verzichtete auf den preußischen »Ehrensold«. In seiner Literaturproduktion markiert der noch sehr heterogene Gedichtband Ein Glaubensbeketmtnis diese Bruchstelle — von nun an tritt er, wie es im Vorwort heißt, »auf die Seite derer, die mit Stirn und Brust der Reaktion sich entgegenstemmen!« In der Schweiz, der nächsten Station des Exils , engagierte sich F., befreundet mit dem freiheitlich gesinnten Gottfried Keller, gleichermaßengegen Adel und Bürgertum und beschwört in dem schmalen Gedichtband Ca ira die Revolution, nun mit derselben Begeisterung und Phantasie wie einst die exotischen Abenteuer. Das Gedicht Wie man s macht! provozierte deshalb auch den Widerspruch der Freunde Karl Marx und Friedrich Engels: »Man muß gestehen, nirgends machen sich die Revolutionen mit größerer Heiterkeit und Ungezwungenheit als im Kopf unseres Freiligrath«. Immerhin ist der Maschinist im Gedicht Von unten auf. eine der ersten selbstbewußten Proletariergestalten in der deutschen Literatur.
      Aus finanziellen Gründen ging F. 1846 als Kaufmann nach England, bevor er im Mai 1848 nach Köln zurückkehrte und aktiv an der Revolution teilnahm; er wird Mitglied im Volksverein und im Bund der Kommunisten. Während der Zusammenarbeit mit Karl Marx, Friedrich Engels und Georg Weerth an der Neuen Rheinischen Zeitung war F.s Lyrik durch die Verbindung von Emotionalität und konkreten Revolutionsereignissen besonders massenwirksam. Sein Gedicht an die Märzgefallenen, Die Toten an die Lebenden, z.B. fand als Flugblatt reißenden Absatz, brachte ihm aber auch einen Prozeß wegen »Aufreizung zum Umsturz «ein. Er nennt sich jetzt selbst »Trompeter der Revolution« .
      Bis zu seiner Emigration nach England setzte F. seine pohtischen Aktivitäten im Rheinland fort. Nach der Niederlage der Revolution erlosch jedoch allmählich seine revolutionäre Begeisterung und damit die spezifische Voraussetzung seiner politischen Lyrik. Ohne die Basis theoretischer Kenntnisse - »Ich sollte mich eigentlich gar nicht an Reflexionen geben« - entfremdete er sich zusehends von seinen pohtischen Freunden. 1859 kam es zum Bruch mit Karl Marx und Friedrich Engels, 1867 zur Amnestie und Rückkehr nach Deutschland. Neben einer Vielzahl von Ãœbersetzungen und Gelegenheitsgedichten stimmte er nun mit patriotischer Lyrik in die Kriegsbegeisterung und den Einheitsjubel ein , warnte jedoch zugleich in seinen Briefen vor nationalistischen Ãœbertreibungen.
      Die poetischen Mittel seiner Lyrik jedoch - Prosa zu schreiben, hatte er nach einigen Versuchen schnell aufgegeben - sind seit den Anfängen unverändert. Auch jetzt dominieren Pathos und Rhetorik, extreme Situationen und starke Kontraste: das der Reaktion entgegengeschleuderte Trotz alledem! von 1848 setzt sich — bis in den Sprachduktus vergleichbar - in dem gegen Frankreich gerichteten So wird es geschehn! von 1870 fort: aus dem »Trompeter der Revolution« wurde das Kriegssymbol Die Trompete der Gravelotte.
      Kittel. Erich: Ferdinand Freiligrath als deutscher Achtundvierziger und westfälischer Dichter.
      Lemgo i960. Gudde. E.G.: Freiligraths Entwicklung als politischer Dichter. Berlin 1922.

      Florian Vaßen


Ferdinand freiligrath (i8i0-i876),

der nach dem Erscheinen seiner politischen Gedichte 'Ein Glaubensbekenntnis" zuerst nach Brüssel, dann in die Schweiz fliehen mußte, wo er die radikalen Kampflieder der Sammlung 'Ca ira" schrieb. Das Revolutionsjahr 1848 brachte den Dichter zunächst nach Deutschland zurück; hier wurde er wegen Hoc .....
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Freiligrath, ferdinand

Aus dem Schlesischen Gebirge Groß, Eugenie. In: Gedichtstunde, 1964, S. 102 - 105. Kosler, Alois M. In: Wege zur Ballade, 1976, S. 359 - 366. Aus Spanien Kaiser, Gerhard. In: Heine bis Gegenwart, 1991, S. 60 - 63. Das Lied vom Hemde Neis, Edgar. In: Welt der Arbeit, 1975, S. 32 - 36. .....
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Meyer, conrad ferdinand

Geb. 11.10.1825 in Zürich; gest. 28.11.1898 in Kilchberg »Wie erbärmlich war ich nicht in Zürich daran! Was mich niederwarf und aufrieb, war die Mißachtung, das Für-krankgelten, in der ich lebte, sowie mich am tiefsten jene Hinweisung auf meine in den letzten Jahren unverschuldete Berufslosigk .....
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Luther - conrad ferdinand meyer (i825-i898)

WlE GEMEISSELT Luther Je schwerer sich ein Erdensohn befreit, Je mächtger rührt er unsre Menschlichkeit. Der selber ich der Zelle früh entsprang, Mir graut, wie lang der Luther drinnen rang! Er trug in seiner Brust den Kampf verhüllt, Der jetzt der Erde halben Kreis erfüllt. Er brach in Todes .....
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Conrad ferdinand meyer (i825-i898).

Wie für Keller wurden auch für ihn Herkunft und Jugendeindrücke bestimmend. Als Sohn eines Historikers in Zürich geboren, studierte er in Lausanne, wo er unter den Einfluß der französischen Literatur geriet. Nach Reisen in Frankreich und Italien und reicher Ãœbersetzertätigkeit wurde er durch das E .....
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Der römische brunnen - conrad ferdinand meyer

Der Brunnen In einem römischen Garten Verborgen ist ein Bronne, Behütet von dem harten Geleucht der Mittagssonne, Er steigt in schlankem Strahle In dunkle Laubesnacht Und sinkt in eine Schale Und übergießt sie sacht. Die Wasser steigen nieder In zweiter Schale Mitte, Und voll ist diese wieder, .....
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Saussure, ferdinand de

S. war der Begründer der strukturalen Linguistik und damit des Strukturalismus überhaupt. Seine sprachwissenschaftlichen Studien absolvierte er in Leipzig bei dem Junggrammatiker Brugmann, wo er sie 1880 mit einer Dissertation De l emploi du genitif absolu en sanscrit abschloß. Unter dem Einfluß d .....
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Saar, ferdinand von

Bismarcks Tod Hippe, Robert. In: Dt. politische Gedichte, 1974, S. 17- 18. Herbst Nürnberger, Helmuth. In: Frankfurter Anthologie 12, 1989, S. 127 - 130. .....
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Raimund, ferdinand

Das Hobellied Matt, Peter von. In: Frankfurter Anthologie 8, 1984, S. 79 - 81. .....
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Meyer, conrad ferdinand

Abendrot im Walde Hemstedt, Heinz Günther. In: WW 16, 1966, S. 124- 131. Alles war ein Spiel Weinhold, Ulrike. In: Neophilologus 64, 1980, S. 268 - 275. Auf dem Canal grande Hippe, Robert. In: Interpretationen, 1982, S. 75 - 80. Koopmann, Helmut. In: Frankfurter Anthologie 9, 1985, S .....
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Hardekopf, ferdinand

Besessenheit Strack, Friedrich. In: Annäherungsversuche, 1993, S. 289-292. Zwiegespräch Rühmkorf, Peter. In: Expressionistische Gedichte, 1983, S. 79 - 82. Demski, Eva. In: Frankfurter Anthologie 13, 1990, S. 169 - 172. .....
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Meyer, conrad ferdinand

Die historischen Novellen von Conrad Ferdinand Meyer erfreuten sich im national-liberalen Bildungsbürgertum des Deutschen Reichs großer Beliebtheit, da sie im Gewand mittelalterlicher Sittengemälde zeitgenössische Kulturkampf-Reflexe und -Rhetorik aufzunehmen schienen. Die vielschichtig aufgebauten .....
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Celine, louis-ferdinand

Mit seinem Erstling Reise ans Ende der Nacht gelang dem Armenarzt Louis-Ferdinand Celine 1932 als Außenseiter der fulminante Eintritt in die Pariser Literaturszene, in der er bis zu seinem Tod aufgrund seiner politischen und ästhetischen Positionen umstritten blieb. Als Einzelkind handeltreibender .....
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Theodor fontane prinz louis ferdinand.

Sechs Fuss hoch aufgeschossen, Ein Kriegsgott anzuschaun, Der Liebling der Genossen, Der Abgott schöner Fraun, Blauäugig, blond, verwegen Und in der jungen Hand Den alten Preussendegen: Prinz Louis Ferdinand. Den Generalitäten lebt er zu undiät, Sie räuspern sich und treten Vor seine Majestät, .....
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Exkurs: 'prinz louis ferdinand 5

Nicht immer war Fontane für den Leser vor allem der Romancier. Zu seinen Lebzeiten wurden seine Balladen besonders geschätzt; auch er selbst glaubte vor allem an die Wirkung seiner Lyrik, von der vor allem die späteren Texte heute wenig bekannt sind. In den Zusammenhang unserer Betrachtungen über ' .....
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Ferdinand von saar (i833-i906)

Die Zuordnung Ferdinand von Saars zum Bürgerlichen Realismus ist nicht unproblematisch. Denn zwar steht im Zentrum seiner Novellen zumeist der 'einzelne, häufig isoliert[el und sich selbst überlassen[ej Mensch". Gesellschaftliche Realität ist dabei ausschließlich im subjektiven Erleben und Erlei .....
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Index » Bürgerlicher Realismus » Die Novellenliteratur des Bürgerlichen Realismus

Conrad ferdinand meyer (i825-i898)

Die größten literarischen Leistungen des zweiten im Umfeld des Bürgerlichen Realismus zu behandelnden Schweizer Autors liegen auf dem Gebiet der Novellendichtung. Meyers Novellen Das Amulett , Der Schuß von der Kanzel , Der Heilige , Die Hochzeit des Mönchs und Die Versuchung des Pescara dürften s .....
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Ferdinand lassalle, karl marx, friedrich engels - die 'sickingendebatte

Lassalles Aufsatz über die tragische Idee Beilage zum Brief Lassalles an Marx vom 6. März 1859 Ãœber die formelle tragische Idee, die ich dem Drama und seiner Katastrophe zugrunde legte - den tiefen dialektischen Widerspruch, welcher der Natur alles Handelns, zumal des revolutionä-. ren, innewohnt .....
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Freiligrath,  Ferdinand    





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