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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Dorst, Tankred



Dorothea Merz, die früh verwitwete Mutter, »ändert sich überhaupt nicht«. Noch am Ende ihrer Geschichte . dem Schlußteil des diskontinuierlichen »großen epischen Teppichs aus... Lebensläufen« und »Lebensfragmenten« um die Familie eines thüringischen Maschinenfabrikanten, »in denen sich die Zeit« von der zweiten Hälfte der Weimarer Republik bis zu den frühen 70er Jahren »reflektiert«, ist sie unfähig dazu, »ihre Illusionen, die Illusionen der bürgerlichen Klasse, aufzugeben«. In den sechs je zur Hälfte aus erzählten Filmszenarien und Dramen bestehenden Deutschen Stücken erweitert D. sein großes Thema der Selbststilisierung, eines »schauspielerischen« Verhältnisses der Wirklichkeit gegenüber, das bis dahin, »in >Stoffe< verwandelt«, alle seine Texte durchzieht, zum kritischen sozialpsychologischen Panorama, indem er es am Beispiel der eigenen Herkunft konkretisiert. Die Auseinandersetzung mit dem »bürgerlichen Anspruch« und den psychischen »Zerstörungen«, die er hervorruft, dient dem Ziel, sich selbst »ein bißchen näher« zu kommen. Es geht um den Prozeß einer schrittweisen Identitätsfindung. nachdem schon der Heranwachsende seine Andersartigkeit erfährt: »Ich bin nicht wie ihr!... Ich will nicht so werden wie ihr!« Die Hauptfigur des im Wuppertal der jungen Bundesrepublik spielenden Films Mosch - »Jetzt baun sie überall auf wie verrückt... und es ist doch wieder das alte«-der im Künstlermilieu einen »Neuen Anfang« sucht, läßt mit der geerbten Seifenfabrik zugleich die Normen der »idealistisch« verbrämten, bürgerlich-protestantischen Welt von »Leistung« und »Besitz« hinter sich.

      Noch ein zweiter Grundzug von D.s Stücken erhellt aus diesem Zyklus verarbeiteter Autobiographie. Mit 16 Jahren zum Militär eingezogen , »um Härte zu lernen, Gehorsam, Gemeinschaftsgeist«, und nach der Entlassung aus amerikanischer Gefangenschaft »illegaler« Grenzgänger zwischen Thüringen und Oberfranken, erkennt sein Protagonist die Brüchigkeit der großen »Weltentwürfe«: »Die anderen haben ihre Ãœberzeugung, — die wissen wie es weitergehensoll. Ich habe längst keine mehr...«. Am Ende des Stücks Die Villa aus der unmittelbaren Nachkriegszeit nimmt er die Haltung des skeptischen Beobachters ein. D. bekennt sich wiederholt zu »einer Dramatik... des >Ich-weiß-nicht


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Dorst,  Tankred    





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