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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Claudius, Matthias



Mit seinem Werk wollte er den Lesern »kein Ambrosia, keine raffinierte blähige Konditorware« geben, wie er 1782 in einer Selbstanzeige seiner Sämtlichen Werke anmerkte, »sondern ehrlich hausbacken Brot mit etwas Koriander, das dem armen Tagelöhner besser gedeiht und besser gegen Wind und Wetter vorhält«. Aus einem norddeutschen Pfarrhaus stammend, entdeckte C. bereits während seiner Zeit als Theologie- bzw. später Rechts- und Staatswissenschaftsstudent in Jena seine Liebe zur Literatur, und versuchte, sich als Autor zu etablieren. Seinen Tändeleyen und Erzählungen . von Friedrich Nicolai später als »platteste Nachahmung Gerstenbergs und Gellerts« getadelt, war zwar kein großer Erfolg beschieden, sie brachten ihn jedoch in Kontakt zu anderen Autoren, die ihm später nützlich werden sollten. Nach verschiedenen vergeblichen Versuchen, sich als Hauslehrer und Sekretär eine bürgerliche Existenz aufzubauen , fand C. schließlich als Hilfsredakteur der Hatnburgischeti Adreß-Comptoir-Sachrichten den Einstieg in den Journalismus, dem fortan seine ganze Leidenschaft galt. Bereits hier entwickelte er jenen originellen »Botenstil«, der zu seinem Markenzeichen wurde und dem er über Jahrzehnte treu blieb. 1770 dann übernahm C. die Redaktion des Wandsbeker Bothen, der am 1. Januar 1771 mit der ersten Nummer erschien und in wenigen Monaten in Deutschland zu einer der berühmtesten Zeitungen wurde. Das lag nicht nur an der lockeren, witzigen und unkonventionellen Machart, sondern auch daran, daß es C. gelang, Autoren wie Johann Gottfried Herder, Johann Wolfgang von Goethe, Gotthold Ephraim Lessing, Gottfried August Bürger, Ludwig Hölty. Johann Heinrich Voß, Johann Wilhelm Ludwig Gleim und viele andere als Beiträger zu gewinnen. Die Zeitung erschien viermal wöchenthch und hatte in ihrer besten Zeit über vierhundert Abonnenten. Berühmt war der sogenannte »Poetische Winkel« des Blattes. Hier fanden sich Erstveröffentlichungen von Gedichten, Aufsätze. Besprechungen, Kommentare und Rezensionen, z.B. über Goethes Werther, Friedrich Gottheb Klopstocks Oden, Lcssings Minna von Barnhelm und Emilia Galotti. C. steuerte vor allem prosaische und poetische Kleinformen bei. die häufig volkstümlich-besinnlich im Ton wie das berühmte Gedicht Der Mond ist aufgegangen gehalten waren, manchmal aber auch eine unerbittliche antiteudale Stoßrichtung hatten, wie z.B. das Schreiben einesparforcegejagten Hirschen an den Fürsten, der ihn parforcegejagt hatte . Obgleich der Wandsbeker Bothe zu den angesehensten Blättern der Zeit gehörte und Redakteur und Titel des Blattes im öffentlichen Bewußtsein zu einer Einheit verschmolzen, mußte die Zeitung 1775 ihr Erscheinen einstellen. Ein weiteres Zeitungsprojekt scheiterte ebenfalls an den schwierigen Marktbedingungen. Auch mit seinen Sämmtlichen Werken , die er zwischen 1775 und 1812 in acht Teilen herausgab, blieb C. der große Erfolg versagt. In den letzten Jahrzehnten lebte C. vor allem als anerkannter Mittelpunkt einer vielköpfigen, stetig anwachsenden Familie. Die Sorge für zwölf Töchter und Söhne, von denen zehn die Kinderjahre überlebten, zwang ihn zu immerneuen beruflichen Anstrengungen. So war er 1776/1777 Oberlandeskommissar in Darmstadt, im selben Jahr Erzieher der Söhne Friedrich Heinrich Jacobis. erhielt 1785 sein Gehalt vom dänischen Kronprinzen und arbeitet 1788 schließlich als Bankrevisor in Altona, bis er 1814 nach Hamburg umzog. Literarisch war C. schon zu seinen Lebzeiten zu einer Institution geworden. Seine mystisch-antiaufklärerische Orientierung nach 1789 isolierte ihn jedoch unter seinen Zeitgenossen. Selbst Johann Gottfried Seume, der auf seinen Reisen selten eine Berühmtheit ausüeß. verzichtete auf seiner Nordischen Reise 1805 auf einen Besuch bei C.: »In Wandsbek war ich Willens, Herrn Claudius meine Referenz zu bezeigen: ich hörte aber, daß er sich jetzt ausschließlich mit sehr hohem Mysticismus beschäftigte, so daß er und ich gestöret worden wären. Ich Heß ihn also in seiner Frömmigkeit und wandelte in der meinigen weiter.«


Rowland, Herbert: Matthias Claudius. Boston 1983.
      Roedl, Urban: Matthias Claudius. Sein Weg und seine Welt. Hamburg - 1969.

      Itige Stephan


Ich war wohl klug, dass ich dich fand - Ãober matthias claudius

Der junge Mann, der an diesem grauen Herbstnachmittag des Jahres 1770 die Chaussee von I Limburg heraufkam, war gerade dreißig geworden. Lr schritt schnell und beschwingt über das Kopfsteinpflaster. Seine Gedanken waren schon in das Dorf vorausgeeilt, dessen bleistiftdünner Kirchturm vor ihm die kah .....
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Matthias claudius

15.8.1740 in Rcinfcld , 21.1.1815 in Hamburg Claudius wird am 15. August 1740 in dem Dorf Rcinfcld bei Lübeck geboren. Sein Vater, der in Rcinfcld Pastor ist, entstammt einer alten Pfarrfamilie, seine Mutter einer Flensburger Kaufmannsund Senatorenfamilic. Matthias bat zunächst Privatunterricht .....
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Claudius, matthias

Mit seinem Gesamtwerk, das Gedichte, Lieder und vielfältige kurze Prosastücke umfasst, versuchte Matthias Claudius protestantische Religiosität und aufklärerische Gedanken zu verbinden und als »Lebenshilfe« vor allem für die ländliche Bevölkerung des 18. Jahrhunderts zu präsentieren; damit ist er ei .....
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Matthias claudius - abendlied

Der Mond ist aufgegangen, Die goldnen Sternlein prangen Am Himmel hell und klar; Der Wald steht schwarz und schweiget, Und aus den Wiesen steiget Der weiße Nebel wunderbar. Wie ist die Welt so stille, Und in der Dämmrung Hülle So traulich und so hold! Als eine stille Kammer, Wo ihr des Tages Ja .....
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Claudius, matthias

Abendlied Sommer, J. Carl Ernst. In: Studien / Wandsbecker Bote, 1935, S. 55 - 66. Spitzer. Leo. In: Euphorion 54, 1960, S. 70 - 82. Wilhelmsmeyer, Johannes. In: Gedichtstunde, 1964, S. 21 - 24. Knauf, Rudolf. In: Hienger / Knauf, 1969, S. 26 -29. Lehnen, Herbert. In: Struktur und Sprachmagie, 1 .....
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Matthias claudius (i740-i8i5): an - als ihm die - starb - ehrenrettung für einen dichter

An - als Ihm die - starb Der Säemann säet den Samen, Die Erd empfängt ihn, und über ein kleines Keimet die Blume herauf - Du liebtest sie. Was auch dies Leben Sonst für Gewinn hat, war klein Dir geachtet. Und sie entschlummerte Dir! Was weinest Du neben dem Grabe, Und hebst die Hände zur Wo .....
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Abendlied - matthias claudius

Mit dem Titel Abendlied stellt sich Claudius in eine bestehende Tradition. Trotz antik-mythischer und christlicher Präformationen konstituierte sich das Abendlied »als selbständige poetische Gattung, als volkssprachliches Gegenstück zum >Te lucis ante< der Kirche, als Abendgebet des Dichters« erst .....
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Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Kriegslied - matthias claudius

s ist Krieg! s ist Krieg! O Gottes Engel wehre, Und rede Du darein! s ist leider Krieg - und ich begehre Nicht schuld daran zu sein! 5 Was sollt ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen Und blutig, bleich und blaß, Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen, Und vor mir weinten, was? Wenn wackre .....
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Index » Gedichte aus sieben Jahrhunderten Interpretationen

Ptolemäus, claudius

Als P. seinen Abnagest vefaßte, konnte die griechische Astronomie bereits auf zwei grundlegende Errungenschaften zurückblicken: zum einen auf die Entwicklung eines kinematischen Modells der Sonnen- und Mondbewegung, das die Vorausberechnung der Finsternisse erlaubte; zum anderen auf die Ausarbeitun .....
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Claudius, hermann

Apfel-Kantate Schulz. Bernhard. In: Literarischer Unterricht II, 1966, S. 211 -214. .....
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Herbert, matthias

Biografie: *1 in Darmstadt. M. Herbert studierte Germanistik in Mainz und jobbte anschließend u.a. als Kraftfahrer, Bäcker und Buchclub-Werber. Erste Erfolge hatte er als Schreiber von Illustrierten-Krimis. Arbeiten für den Rundfunk und die Einladung zu einem Drehbuchseminar der Bertelsmann-Stiftung .....
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Claudius,  Matthias    





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