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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Braun, Volker



»Ich bin an einem Sonntag geboren und verfolgt vom Glück: / Nicht zerborsten unter den Bomben, nicht ausgezehrt / Von den verschiedenen Hungern.« So beginnt das Gedicht Der Lebenswandel Volker Brauns. Sein Autor, Dresdner wie andere Poeten der »Sächsischen Dichterschule« , begreift sich als Kind der faschistischen Ära, der er mit Glück entronnen ist. Der Vater war noch in den letzten Kriegstagen gefallen, die Mutter überlebte mit ihren fünf Söhnen die Zerstörung Dresdens.

      B. bemühte sich nach dem Abitur zunächst vergeblich um einen Studienplatz, weil er, entgegen den Erwartungen der »streng sorgenden Gouvernante« DDR-Staat, kein »Muttersöhnchen des Sozialismus« sein wollte. So wurde er 1957/58 Druckereiarbeiter in Dresden, danach für zwei Jahre Tiefbauarbeiter im Braunkohlenkombinat Schwarze Pumpe und Maschinist im Tagebau Burghammer. Er ging sozusagen seinen ganz individuellen »Bitterfelder Weg«, und die Trennung von Hand- und Kopfarbeit, die vertikale Arbeitsteilung, die er in diesen Jahren als Problem auch noch des »realen Sozialismus« am eignen Leib erfuhr, wurde zu einem bis heute hartnäckig festgehaltenen Thema seiner Hterarischen Arbeit. 1959 war der Prosabericht Der Schlamm entstanden . Als B. ab i an der Karl-Marx-Universität in Leipzig Philosophie studierte, schrieb er weiter, nun vor allem Gedichte. 1962 wurden einige von ihnen auf der berühmt gewordenen Lesung Stephan Hermlins in der Berliner Akademie der Künste vorgestellt, und 1965 erschien der erste Gedichtband Provokation für mich . Binnen kurzem war B., der 1964 sein Philosophie-Diplom erworben hatte und 1965 nach Berlin umgezogen war, zu einem der populärsten jungen Poeten der sog. Lyrikwelle geworden. Er selbst hat seine frühen Gedichte später als »provokatorisches Daherreden« bezeichnet, aber es war doch schon mehr: nämlich der Versuch, Lyrik als nichtmonologisches, öffentliches Sprechen zu praktizieren — als »Gegensprache« zur herrschenden, und als »Vorgang zwischen Leuten«. Ãœberkommene Haltungen wurden in der Sprache umgearbeitet und schließlich verworfen. Poesie sollte keine »Darstellung des Gegebenen, sondern Aufbrechen des Gegebenen« sein. Damit war B. der Vorsprecher und Fürsprecher einer ganzen jungen Generation, die folgerichtig heute in der Literaturgeschichte in Ost wie West die »Volker-Braun-Generation« genannt wird.
      Auch der Dramatiker B. verfolgte, erkennbar seit 1965, als er auf Einladung Helene Weigels Mitarbeiter am Berliner Ensemble wurde, die erklärte Absicht einer eingreifenden, operativen Literatur. Theaterstücke sollten probedenkend, probehandelnd »Praxis im Versuchsstadium« vorführen. Daß dies nicht risikolos war, zeigt der Umgang der DDR-Institutionen mit B.s Dramen bis auf den heutigen Tag. Schon das erste große Stück Die Kipper mußte sieben Jahre bis zur DDR-Erstaufführung 1972 warten. Auch Hinze und Kunze konnte sich nur schwer durchsetzen. Gleiches gilt für die beiden komplementären Frauen-Stücke Tinka und Schmitten , Der große Frieden und Simplex Deutsch . Hier, wie in den bis heute in der DDR nicht aufgeführten Stücken Lenins Tod, Guevara oder der Sonnenstaat, Dmitri und Die Ãœbergangsgesellschaft aus den 70er und frühen 80er Jahren versucht B., einen dritten Weg zwischen dem »glänzenden Hacks« und dem »großartigen Müller« zu gehen. Er »verhöhnt« die »Halbheiten, Schwächen und Erbärmlichkeiten« der »Revolution von oben« in seinem Land, ohne ihm doch je die kritische Solidarität endgültig aufzukündigen. Gleiches gilt für die späteren Lyrikbände und die stärker in den Vordergrund tretende Prosa. Berühmt wurde B.s nach dem Leben geschriebene, sprachlich von Heinrich von Kleist und Georg Büchner inspirierte Erzählung Unvollendete Geschichte , deren Titel die eigne Geschichtsphilosophie manifestiert: den »realen Sozialismus« als noch durchaus »unvollendete Geschichte« zu begreifen. So war es auch nur selbstverständlich, daß B. im November 1976 zu den Erstunterzeichnern der Petition gegen die Ausbürgerung Wolf Biermanns gehörte.
      In den letzten Jahren ist B.s Geschichtsbild fraglos düsterer geworden. Das zeigt sein Hinze-Kunze-J.omm , das zeigt vor allem das noch ungespielte und ungedruckte >müllemde < Stück Siegfrieds Tod Frauenprotokolle Deutscher Furor. Geblieben ist B.s poetische Konfession, »nicht die Einsamkeit des Rasierspiegels: das Brennglas der sozialen Erfahrungen« muß zentraler Nerv der Literatur sein.
      Profitlich. Ulrich: Volker Braun. Studien zu seinem dramatischen und erzählerischen Werk.
      München 1985. Cosentmo. Christine und Ertl, Wolfgang: Zur Lyrik Volker Brauns. Meisenheim/Königstein
1984. Arnold. Heinz-Ludwig : Volker Braun. Text + Kritik. Sonderband. München 1983.

      Wolfgang Emmerich


Volker braun (-i939)

Ich habe die sogenannte Vergeblichkeit erlebt. - Aber was sind so allgemeine Begriffe gegen die akute Erfahrung. Was ist das lähmende Bewußtsein, daß alles ins Nichts läuft, gegen die Kraft der Sinne, die Lust, das Entsetzen. Ich bin, in meinen Fasern, nicht der Macht verhaftet. Apparate, Parteien u .....
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Braun, volker

An Friedrich Hölderlin Berbig, Roland-Günther. In: Formen des Erbens, 1981, S. 8-33. Lermen, Birgit und Loewen, Matthias. In: Lyrik aus der DDR, 1987, S. 391 - 403. Vos, Jaak de. In: Amsterdamer Beiträge 34, 1991, S. 110- 118. Arbeiter, Bauern Jacquemoth, Jos. In: Politik, 1990, S. 39 4 .....
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Durchgearbeitete landschaft - volker braun

Hier sind wir durchgegangen Mit unsern verschiedenen Werkzeugen Hier stellten wir etwas Hartes an Mit der ruhig rauchenden Heide Hier lagen die Bäume verendet, mit nackten 5 Wurzeln, der Sand durchlöchert bis in die Adern Und ausgepumpt, umzingelt .....
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Volker braun (geb. i939): das eigentum - die hoffnung - eine falle

Der Text von 1990 ist wohl das eindringlichste Klage- und Selbstanklagegedicht zur politischen »Wende« von 1989/90, ein Dokument der Zerrissenheit. Volker Braun, ein Autor der DDR, der den »Arbeiter- und Bauernstaat« nie auf der Höhe seiner Möglichkeiten sah und sich auch durch Zurechtweisungen im e .....
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Anton ulrich von braunschweig-lüneburg

Ich kan nit mehr Weber, Albrecht. In: Deutsche Barockgedichte, 1967. S. 120 - 124. .....
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Törne, volker von

Amtliche Mitteilung Kranz, Gisbert. In: Siebenundzwanzig Gedichte, 1972, S. 15 - 17. Frage Girschner-Woldt, Ingrid. In: Theorie, 1971, S. 118- 119. .....
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Vogeler, volker

Biografie: *27.6.1 in Bad Polzin. V. Vogeler studierte Philosophie, Germanistik und Geschichte. Von 1956-1958 war er am Institut für Film und Fernsehen in München tätig, danach arbeitete er in verschiedenen Berufen. Er drehte zahlreiche Industriefilme und Reportagen, bis er sich als Fernsehregisseur .....
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Zahn, eva und volker a.

Biografie: Eva Zahn *1960. E. Zahn studierte Geschichte und Sozialpsychologie und arbeitete von 1985-89 als Redakteurin, Autorin und Produktionsleiterin bei einer Kölner Stadtillustrierten. Seit 1989 ist freie Autorin, sie schrieb u.a. für Zeitschriften wie den Wiener, Playboy, Petra und Marie Clair .....
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Braun,  Volker    





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