Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Bobrowski, Johannes



»Zu schreiben habe ich begonnen am Ilmensee 1941, über russische Landschaft, aber als Fremder, als Deutscher. Daraus ist ein Thema geworden, ungefähr: die Deutschen und der europäische Osten. Weil ich um die Memel herum aufgewachsen bin, wo Polen, Litauer, Russen, Deutsche miteinander lebten, unter ihnen allen die Judenheit. Eine lange Geschichte aus Unglück und Verschuldung, seit den Tagen des deutschen Ordens, die meinem Volk zu Buch steht. Wohl nicht zu tilgen und zu sühnen, aber eine Hoffnung wert und einen redlichen Versuch in deutschen Gedichten. Zu Hilfe habe ich einen Zuchtmeister: Klopstock.« Diese so bündig klingende Äußerung B.s von 1961 über sich selbst sagt viel und doch nicht alles über einen Lyriker und Prosaisten, der dem literarischen Establishment hierzulande anfangs »provinziell«, »entlegen« und »antiquarisch« vorkam. Gewiß, das Projekt von B.s Leben war der »Sarmatische Diwan« , und doch wäre es fatal, den Dichter B. nur über sein Thema begreifen zu wollen.

      Aufgewachsen war der Sohn eines Eisenbahnbeamten im memelländischen Tilsit nahe der litauischen Grenze, später in einem mcht weit entfernten Dorf bei Rastenburg. 1928 zog die FamiHe in die Kantstadt Königsberg um, wo B. das humanistische Gymnasium besuchte. Er nahm Unterricht in Harmonielehre, lernte die Orgel spielen und studierte nach dem Abitur 1937 Kunstgeschichte. Der Mihtärpflichtdienst, ebenfalls noch in Königsberg, schloß sich an. 1939 wurde B. Gefreiter eines Nachrichtenregiments. Zuerst wurde er in Frankreich, dann am Ilmensee und an anderen Stellen der Ostfront eingesetzt. Seine ersten acht Gedichte wurden, auf Empfehlung von Ina Seidel, 1943/44 in die Zeitschrift Das Innere Reich aufgenommen. Von 1945 bis 1949 war B. in sowjetischer Kriegsgefangenschaft, die er als Bergarbeiter in Nowoschachtinsk bei Rostow verbrachte. Seit 1949 lebte er in Friedrichshagen bei Berlin im Kreise einer zahlreichen Familie, zunächst als Lektor des Altberliner Verlags Lucie Groszer, ab 1959 als Lektor für Belletristik im Union-Verlag.
     
B. selbst hat den eigen fliehen Anfang seines Dichtens auf die frühen fünfziger Jahre datiert. Peter Huchel - die Begegnung mit ihm zählt zu den wichtigsten in B.s Leben -hatte 1955 in Sinn und Form fünf Gedichte des scheinbaren Debütanten abgedruckt, darunter die Pruzzische Elegie, doch bis zur ersten Buchveröffentlichung vergingen noch Jahre. Vor allem Christoph Meckel. dem jüngeren Poetenfreund, ist es zu danken, daß schließlich 1961 der erste Lyrikband Somatische Zeit in einem westdeutschen Verlag erschien, der den Durchbruch für B. bedeutete. Leser und Kritiker begannen zu begreifen, wie wichtig diese Gedichte waren, welche die »Blutspur« der Geschichte aufnahmen über den vermeintlichen Umweg der Natur und Landschaft, in die diese Spur eingesenkt war. Was so entstand, waren keine »reinen« Naturgedichte ä la Wilhelm Lehmann, vielmehr wurde die Natur als lebendiges, geschichtsträchtiges Gegenüber angesprochen. B. hatte noch -anders als Paul Celan, dessen Gedichte ihn zeitlebens irritierten - ein »ungebrochenes Vertrauen zur Wirksamkeit des... Verses, der wahrscheinlich wieder mehr Zauberspruch, Beschwörungsformel wird werden müssen«. Seine Sprache war und blieb -wiederum anders als die Celans - »ungeflügelt«, relativ einfach in der Art der gesprochenen Sprache, auch in den nachfolgenden Bänden Schattenland Ströme und Wetterzeichen . Freilich: B.s poetische Sprache mit ihren inversiven Brechungen der gängigen syntaktischen Abfolge war. nach dem Vorbild Friedrich Gottlieb Klopstocks, »der Leidenschaften Ausdruck, welcher dahin mit dem Rithmus strömet« - und als solche eben nicht »einfach«.
      Prosa zu schreiben hatte B. ursprünglich nicht geplant. Nach Abschluß der ersten beiden Lyrikbände merkte er jedoch, daß noch so viele Charaktere, Situationen und Ereignisse Sarmatiens im »großen Hof seines Gedächtnisses« aufbewahrt waren, welche die Gedichtform gesprengt hätten, so daß der Gebrauch der Prosa unumgänglich wurde. Zum gleichen Thema, aber in einer ganz anderen, verzögernden, nachfragenden, bedenklichen Sprache entstanden jetzt binnen kurzer Zeit die Romane Levins Mühle. 34 Satze über meinen Großvater und Litauische Claviere sowie die Erzählungsbände Boehlendorff und Mäusefest und Der Malmer . Am Tag nach dem Manuskriptabschluß der Litauischen Claviere Ende August 1965 wurde B., der in seinen letzten Jahren ein hektisches, vom Literaturbetrieb in West und Ost stark beanspruchtes Leben geführt hatte, in eine Ostberliner Klinik eingeliefert; fünf Wochen später starb er an den Folgen eines Blinddarm-Durchbruchs. Der erlebte Ruhm des Dichters B., der als der »letzte Präsident des Neuen Friedrichshagener Dichterkreises« mit den »schönen Nilpferdaugen« von vielen geliebt und von vielen ausgenutzt worden war, hatte keine fünf Jahre gedauert.
      Meckel, Christoph: Erinnerung an Johannes Bobrowski. Düsseldorf 1978.
      Wolf. Gerhard: Beschreibung eines Zimmers. 15 Kapitel über Johannes Bobrowski. Berlin 1971.
     


Johannes bobrowski (i9i7-i965)

Johannes Bobrowski wurde 1917 in Tilsit in Ostpreußen geboren und wuchs in Königsberg auf. Von den Bildungserlebnissen dieser Stadt und von den Eindrücken, die er während seiner Sommerferien in der archaischen Welt der deutsch-litauischen Memeldörfer sammelte, zehrte er zeitlebens. Dem Abitur 1937 f .....
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Immer zu benennen - johannes bobrowski

Immer zu benennen: den Baum, den Vogel im Flug, den rötlichen Fels, wo der Strom zieht, grün, und den Fisch im weißen Rauch, wenn es dunkelt 5 über die Wälder herab. Zeichen, Farben, es ist ein Spiel, ich bin bedenklich, es möchte nicht enden gerecht. .....
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Hölderlin in tübingen - johannes bobrowski

Bäume irdisch, und Licht, darin der Kahn steht, gerufen, die Ruderstange gegen das Ufer, die schöne Neigung, vor dieser Tür 5 ging der Schatten, der ist gefallen auf einen Fluß Neckar, der grün war, Neckar, hinausgegangen um Wiesen und Uferweiden. 10 Turm, daß er bewohnbar sei wie ein Tag, de .....
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Johannes bobrowski (i9i7-i965): dorfmusik - umarmung durch den reim

Beim ersten Lesen des Gedichts Dorfmusik meldeten sich in meiner Erinnerung sofort die Verse von Detlev von Liliencrons Die Musik kommt. »Klingling, bum-bum und tschingsdada, / Zieht im Triumph der Perserschah? / Und um die Ecke brausend bricht s / Wie Tubaton des Weltgerichts, / Voran der Schellent .....
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Bobrowski, johannes

Absage Flores, John. In: East Germany, 1971, S. 222 -224. Thormann, Birgit. In: Linguostilistische Untersuchungen, 1986, S. 71 - 74. Leimen, Birgit und Loewen, Matthias. In: Lyrik aus der DDR, 1987, S. 198 - 210. Aleksis Kivi Hoefert, Sigfrid. In: GQ 41, 1968, S. 222 - 230. Schütze, Oliver. In .....
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Johannes r. becher (i89i-i958)

I. Debüt - Aus Bechers Briefen an den Freund Bachmair April 1914 - Aufruhr und Melancholie: O: wie ich mich manchmal nach Anständigkeit sehne! Blutig beinah. Und einem Menschen nach, der einem den Kopf hält, und die Haare ein wenig streichelt. Und 'Du" sagt, tief und voll und immer mehr aus dem Hi .....
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Johannes robert becher (i89i-i958).

Er steigert die Gewalt der Aussage durch Verstümmelung des sprachlichen Ausdrucks wie etwa in seinem Werk 'Ewig im Aufruhr": Vorbereitung Der Dichter meidet strahlende Akkorde. Er stößt durch Tuben, peitscht die Trommel schrill. Er reißt das Volk auf mit gehackten Sätzen . . . Die neue Welt .....
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Johannes r. becher (i89i-i958): spreewald -bertolt brecht (i898-i956): der rauch

Harmonie in Ãœberfülle Als Rebell betrat Johannes R. Becher die literarische Arena. »Der Dichter meidet strahlende Akkorde. / Er stößt durch Tuben, peitscht die Trommel schrill. / Er reißt das Volk auf mit gehackten Sätzen.« So beginnt das berühmt gewordene Gedicht Vorbereitung, das 1916 in Beche .....
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Johannes robert becher - neckar bei nÃœrtingen

Die Ufer sind so flach, daß auch die Wiesen Sanft mitzufließen scheinen mit dem Fluß. Ein uferloses grünes Ãœberfließen, Ein Ãœberfluß, drin alles mitziehn muß! Die Apfelbäume blühn. Ein weicher Schimmer Liegt überm Land. Es blüht aus dir heraus. Still. Nur der Fluß, das Blühn . .. Ich wünsch mir .....
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Albrecht, johannes

Pseud. für: Johann-Albrecht Keiler Biograhe: *12.8.1 in Breslau. J. Al- brecht lebte während der Kriegsjahre in Hirschberg im Riesengebirge, danach in Ilmenau in Thüringen. Das Studium der Chemie in Berlin schloss er mit Diplom und Promotion zum Dr. rer. nat. ab, Habilitation 1971. Albrecht arbeite .....
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Johannes r. becher - unser bund

Wenn unser Bund das wird, was er sein kann und wozu unserer Ansicht nach die Kräfte vorhanden sind, dann wird dieser Augenblick, wo wir hier versammelt sind, nicht nur eine Bedeutung haben für die gesamte proletarisch-revolutionäre Literatur, sondern er wird ein Ereignis sein in der Geschichte der A .....
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Johannes r. becher - das große bündnis

[•••] Wenn ich nun von unserer realistischen, von unserer revolutionären Literatur spreche, so gilt der heißeste Gruß, der Ausdruck der engsten brüderlichen Solidarität unseren Freunden in Deutschland selbst, die es unter den Bedingungen der schlimmsten Verfolgung und der täglichen Bedrohung .....
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Johannes r. becher - verteidigung der poesie

Für manchen Leser mag es eine Enttäuschung sein, daß in dem vorliegenden Buch, das den Titel trägt 'Verteidigung der Poesie -Vom Neuen in der Literatur", kaum die Rede ist von der Technik des Gedichts und den verschiedenen Arten der Dichtung. Darin kommt unser besonderer Standpunkt dem Prinzip der P .....
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Johannes r. becher - meine poetische konzeption

Meine Bemerkungen sind Bemühungen. In der 'Verteidigung der Poesie", in der 'Poetischen Konfession", in 'Macht der Poesie" und in dem abschließenden Band 'Das poetische Prinzip" bin ich bemüht, unsere allgemeine ästhetische Theorie von der künstlerischen Gesetzmäßigkeit dadurch zu ergänzen und zu v .....
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Tauler, johannes

In manchem Jahr wagte ich nicht zu denken, daß ich unseres Vaters, des hl. Dominikus Sohn bin und mich für einen Prediger zu halten, da ich erkannte, daß ich dessen unwürdig bin. Und obwohl mir als Priester das Almosennehmen doch erlaubt ist, schrecke ich davor zurück. Hätte ich das, was ich jetzt .....
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Kepler, johannes

»Ich kam also vorzeitig zur Welt, mit zweiunddreißig Wochen, nach 224 Tagen, zehn Stunden«, notiert der 26jährige K. im Familienhoroskop. Sein Leben beginnt unter denkbar schlechten Voraussetzungen. Der Vater Heinrich ist ein »bösartiger, unnachgiebiger, streitsüchtiger« Mann. K.s Mutter Katharina » .....
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Eriugena, johannes scotus

»Eriugena war der erste, mit dem nun eine wahrhatte Philosophie beginnt, und vornehmlich nach Ideen der Neuplatoni-ker« — so lautet die Anerkennung, die Hegel in seinen I orle-sungeu über die Geschichte der Philosophie dem Theologen und Philosophen zollt. Der Name E. stammt von Enn. dem alten Nam .....
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Johannes schlaf

Wenn zuvor darauf hingewiesen wurde, daß in dieser Zeit neben Dichtungen mit ausgesprochen novellistischem Charakter auch zahlreiche andere Werke zu finden sind, für die der Gattungsbegriff der 'Erzählung" angemessener ist, so gilt das fast ausnahmslos für die Dichtungen Schlafs, dessen Schaffen sic .....
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Becher, johannes r.

Leben und Werk von Johannes R Becher sind geprägt durch Krieg, Revolution und Exil, aber auch durch Morphiumsucht und Suizidversuche. Als Dichter und SED-Parteigenosse schwankte er zwischen Selbsterhöhung und -preisgäbe . Becher war Sohn eines Münchner Amtsrichters. Zum Einschnitt in seinem jungen .....
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Kepler, johannes

Johannes Kepler ist durch die Entdeckung der später nach ihm benannten drei Prinzipien der Planetenbewegung bekannt. Er fand heraus, dass sich die Planeten in elliptischen Bahnen um die Sonne bewegen. Seine astronomischen Erkenntnisse ermöglichten den Schritt von geometrischen Beschreibungen der Hi .....
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Simmel, johannes mario

Johannes Mario Simmel ist der erfolgreichste deutschsprachige Bestsellerautor der Gegenwart. Seine Unterhaltungsromane, die zumeist untypische Helden präsentieren, basieren auf umfangreichen Materialsarnmlungen, journalistischer Recherche und gründlichen Dokumentenstudien. Das Werk wurde in 25 Sprac .....
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Becher, johannes robert

a. s. Ziemann, Rüdiger. In: Lesarten, 1982, S. 159 - 165. Amphion Ziemann, Rüdiger. In: NDL 37, 1989, H. 5, S. 121 und 127 - 128. An mein Vaterland Klein, Alfred. In: SuF 12, 1960, Sonderheft 2, S. 242 - 248. Arion Ziemann, Rüdiger. In: NDL 37, 1989, H. 5, S. 122 und 128- 131. Auf E .....
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Beer, johannes

Beschreibung der Stadt Regenspurg Wurster, Herbert W. In: Daphnis 9, 1980, S. 163 - 190. .....
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Kuhn, johannes

Zeitung am Kaffeetisch Harig, Ludwig. In: Frankfurter Anthologie 15, 1992, S. 247-250. .....
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Linke, johannes

Holzfäller Böger, Eduard. In: Gedichtstunde, 1964, S. 194 - 196. .....
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