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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Benjamin, Walter



»benjamin ist hier, er schreibt an einem essay über baudelaire. ...das ist nützlich zu lesen, merkwürdigerweise ermöglicht ein spieen benjamin, das zu schreiben, er geht von etwas aus, was er aura nennt.. .diese soll in der letzten zeit im zerfall sein, zusammen mit dem kultischen... alles mystik, bei einer hal-tung gegen mystik«. Obwohl aus dieser Notiz Bertolt Brechts, den B. im Sommer 1938 in dessen dänischem Exil besuchte, eine fast aggressive Ratlosigkeit gegenüber einem Zentralbegriff des B.sehen Denkens spricht, trifft die Bemerkung doch präzis die tiefe Widersprüchlichkeit im schwierigen Werk des originellen Philosophen und vermutlich bedeutendsten deutschsprachigen Literaturkritikers des 20. Jahrhunderts. Denn die Intention, jüdisch-theologische Traditionen und Mystik mit Aufklärung und einer politisch-operativen Literatur zu vermitteln, macht den entscheidenden Impuls in B.s Schriften aus. Den frühen Erfahrungen als »wohlgeborenes Bürgerkind« im Berlin der Jahrhundertwende, die, ähnlich Marcel Proust, den B. übersetzte und kommentierte, ihm zeitlebens Fluchtpunkt eines quasi paradiesischen Zustands blieben, folgten Schul-und Studienjahre unter dem Einfluß des jugendbewegt-schulreformerischen Gustav Wyneken. Die Freundschaft mit Gerhard Scholem, den er 1915 kennenlernte, verband B.s romantisch-spekulativen Idealismus aufs Tiefste mit theologischen Fragestellungen. Seine Dissertation Der Begriff der Kunstkritik in der deutschen Romantik und der große Aufsatz über Goethes Wahlverwandtschaften , der ihm die Protektion Hugo von Hofmannsthals einbrachte, entfalten eine Vorstellung von Kritik, die »in ihrer zentralen Absicht nicht Beurteilung, sondern einerseits Vollendung, Ergänzung, Systematisierung des Werks, andrerseits seine Auflösung im Absoluten« anstrebt. Während B. sich in Frankfurt a.M. auf eine Habilitation vorbereitete, lernte er 1923 Theodor W. Adorno kennen, der später zum Sachwalter von B.s spekulativ-metaphysischen Intentionen wurde und diese gegen den materialistischen Einfluß Bertolt Brechts verteidigte; die in den 50er und 60er Jahren von Theodor W. Adorno geleisteten bzw. angeregten Editionsarbeiten der Schriften B.s sollten dann dazu führen, daß B.s Denken bis heute auf die Kulturwissenschaften, aber auch auf den außerakademischen Kulturbetrieb, außerordentliche Wirkungen ausübt. Die akademische Karriere blieb B. selbst freilich verschlossen, da die Genialität der Habilitationsschrift Ursprung des deutschen Trauerspiels von ignoranten Professoren nicht erkannt wurde. B., der fast ständig mit Finanzproblemen zu kämpfen hatte, etablierte sich als freier Schriftsteller und Ãœbersetzer. Als Kritiker für wichtige Zeitschriften der Weimarer Republik war er während der 20er und frühen 30er Jahre durchaus bekannt und einflußreich. Indem er die literarische Kritik materialistisch und geschichtsphilosophisch zugleich fundierte, gab er ihr eine neue Funktion. Er sah in ihr »nicht mehr ein Element des literarischen Marktes, noch auch ein Mittel der ästhetischen Wertung, sondern den Ort, an dem er durch eine Diskussion über Rolle und Aufgabe des Literaten in der Gegenwart dessen Politisierung vorantreiben konnte«

. B.s eigene Politisierung, seine Annäherung an marxistische Positionen, ergab sich einerseits aus seiner Erfahrung der bankrotten, positivistischen Kulturwissenschaften, sowie aus seiner äußeren Proletarisierung in z.T. unwürdigen Lebensbedingungen; andererseits sah er im Werk Bertolt Brechts, den er 1929 kennenlernte, für die bürgerliche Intelligenz die Notwendigkeit vorgezeichnet, ihre Probleme mit Mitteln des dialektischen Materialismus anzugehen. Wichtig war auch die unglückliche Liebesbeziehung mit der lettischen Revolutionärin und Regisseurin Asja Lacis: Ihr widmete er sein materialistisch und surrealistisch inspiriertes Aphorismenbuch Einbahnstraße .
      Im März 1933 ging B. ins Pariser Exil und begann seine konfliktreiche Zusammenarbeit mit Max Horkheimers und Theodor W. Adornos »Institut für Sozialforschung«. Die Aufsätze Der Autor ah Produzent und vor allem Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit entfalten B.s Theorie von der notwendigen Interessenidentität bürgerlicher Intellektueller mit den revolutionären Massen und verkünden, auf dem Hintergrund der faschistischen Gewaltherrschaft, das objektive Ende der alten, auratischen Kunst. Gleichwohl hielt B. an seinen metaphysischen Intentionen fest, so daß seine Schriften, die sich wesentlich um die Schaffung einer Theorie der Erfahrung bzw. des Erfahrungsverlustes in der modernen Industriegesellschaft zentrieren, widersprüchlich und hermetisch blieben. Sie sind jedoch auch von äußerster Präzision des Stils und hoher Schönheit der Darstellung. »Was an Benjamin so schwer zu verstehen war, ist, daß er, ohne ein Dichter zu sein, dichterisch dachte.« - Während seine wirtschaftliche Situation immer auswegloser wurde, da sich im Exil kaum noch Publikationsmöglichkeiten boten, seine Anbindung an die kommunistische Partei bloße Idee blieb und Pläne, nach Palästina auszuwandern, verworfen wurden, arbeitete er an seinem Fragment gebliebenen Großwerk über die Pariser Passagen, das, anknüpfend an das frühe Trauerspiel-Buch, eine Urgeschichte des 19. Jahrhunderts entwerfen sollte, deren Züge in die Gegenwart hineinragen und diese bestimmen. Ausformuliert wurden jedoch nur die Kapitel über Charles Baudelaire, die B. ausgliederte und vorab veröffentlichen konnte.
      Mitte Juni 1940 floh B. in letzter Minute vor den anrückenden deutschen Truppen aus Paris, wo er seine gesamten Manuskripte zurückließ. Nachdem er sich in Marseille ein amerikanisches Visum beschaffen konnte, versuchte er schließlich, über die Pyrenäen illegal nach Spanien einzureisen. Die Flüchtlingsgruppe um B. wurde an der spanischen Grenzejedoch abgewiesen. Körperlich und geistig aufs Äußerste erschöpft und enttäuscht, mit Selbstmordgedanken schon seit längerer Zeit vertraut, nahm er sich in dem spanischen Grenzort Port-Bou mit einer Ãœberdosis Morphiumtabletten das Leben. Mit Adornos Worten ist durch »diesen Tod.. .die Philosophie um das Beste gebracht worden..., was sie überhaupt hätte erhoffen können.«
Fuld, Werner: Walter Benjamin-Zwischen den Stühlen. Eine Biographie. München Wien 1979. Scholem, Gershom: Walter Benjamin — Die Geschichte einer Freundschaft. Frankfurt a.M. 1975. Adorno, Theodor W.: Ãœber Walter Benjamin. Frankfurt a.M. 1970.

      Klaus Xlodick


Benjamin, walter

Die Haltung eines Physiognomikers. der Phänomene wie Rätseifiguren ausdeutet, und die unbeirrte Bindung des Metaphysiken an seine esoterische Doktrin - dem Denken B.s haben beide Wesenszüge eine eigentümliche Faszination verliehen. Jene Charakteristika lassen sich aus der besonderen Verfassung der B .....
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Benjamin, walter

Walter Benjamin zählt zu den wichtigsten ge-schichtsphilosophischen und kunstsoziologischen Denkern des 20. Jahrhunderts. Benjamin, Sohn einer bürgerlichen deutschjüdischen Familie, studierte Philosophie und Literatur in Freiburg im Breisgau, Berlin und München, promovierte 1919 in der Schweiz über .....
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Walter benjamins dialektik im stillstand

Ein wesentliches Charakteristikum Hegelscher und hegelianischer Dialektik ist ihre historische Dynamik: Aus den Widersprüchen der Gegenwart geht ein höheres historisches Stadium hervor, in dem die Gegensätze solange in einer Synthese aufgehoben werden, bis neue Widersprüche ausbrechen. So herrscht t .....
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Mehring, walter

Die Reklame bemächtigt sich des Lebens Riha, Karl. In: Deutsche Großstadtlyrik, 1983, S. 77 - 86. Ritualmärchen von den zwei Judenkindern Krechel, Ursula. In: Lesarten / Gedichte, 1982, S. 138- 141. .....
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Mossmann, walter

Ballade von der unverhofften Last Rothschild, Thomas. In: Balladen / Interpretation, 1988, S. 458 - 472. .....
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Schmolck, benjamin

Das Letzte, das Beste Binder. Alwin und Richartz, Heinrich. In: Lyrikanalyse, 1984, S. 34 - 87. .....
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Walters, hellmut

Kommunique Tausch, Heinz. In: Umgang mit Texten, 1973, S. 217-219. Lagebesprechung Tausch, Heinz. In: Umgang mit Texten, 1973, S. 219 - 220. Normallagen Tausch, Heinz. In: Umgang mit Texten, 1973, S. 216-217. .....
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Werner, walter

Die verspäteten Züge Franz, Michael. In: Besprechungen, S. 513-514. 1988, Ellenbogen Linke, Heinz. In: Landschaft als Aktionsraum, 1985, S. 43 - 49. Hölderlin auf dem Gleichberg Berbig, Roland-Günther. In: Formen des Erbens, 1981, S. 62-88. Johannes Schlaf am Rhöner Fischberg .....
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Walter flex (i887-i9i7)

übte mit seinem Büchlein „Der Wanderer zwischen beiden Welten" eine starke Wirkung vornehmlich auf die Jugend aus. .....
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Index » DAS ZWANZIGSTE JAHRHUNDERT » Zwischen den beiden Weltkriegen

Walter helmut fritz (geb. i929): also fragen wir beständig ... aber ist das eine antwort?

Heinrich Heine : Laß die heiigen Parabolen ... - Laß die heiigen Parabolen, Laß die frommen Hypothesen -Suche die verdammten Fragen Ohne Umschweif uns zu lösen. Warum schleppt sich blutend, elend, Unter Kreuzlast der Gerechte, Während glücklich als ein Sieger Trabt auf hohem Roß der Schlechte? .....
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Oscar walter cisek - das opfer

Es heben meine schwanken Hände In den Tag dies Herz, ein zitterndes Tier, Das in mir lag, äugte Durch Dickicht und schwarzen Wald. Aber nirgend leuchten Die süßen Feuer der Gnade, Und mein Opfer sehnt sich Zurück nach dem Atem Der finsteren Pflanzen, Zurück nach dem Moos, Denn jeder Lichtflug En .....
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Walter jens bericht über hattington

Lernziel der Behandlung dieses Berichts ist, Schüler ab 8. Schuljahr erkennen zu lassen, daß aufklärende Vernunft am ehesten geeignet ist, mitmenschliches Leben human zu gestalten. Irrationales und emotional gesteuertes Verhalten hingegen führt — wie in Knox — zu Angst, Mißtrauen und Formen der .....
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Walter mitty, der chronische tagträumer

Mein Interesse an Thurbers Kurzgeschichte ist aber primär kein soziologisches, sondern ein poetologisches. Es geht also darum, Thurbers Art und Weise, das Phänomen des Tagtraums zu nutzen, in ihrem Prinzip zu verdeutlichen. Dieses Prinzip sieht so aus, dass die objektive Wirklichkeit und die subje .....
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James thurbers darstellung der tagträume walter mittys

Ich komme nun zum Ziel meiner Argumentation: Thurber liefert uns mit seiner Kurzgeschichte Das geheime Leben des Walter Mitty das Muster für die poetologische Nutzung des Tagtraums. Denn: Was tut Thurber? Er lässt den Tagtraum und die objektive Realität, aus der dieser aufsteigt, explizit deutlich w .....
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Das geheime leben des walter mitty als ein poetologisches grundmuster

Was bedeutet das im Grundsätzlichen? Antwort: Was sich an den Tagträumen Walter Mittys zeigt, ist die vom Autor Thurber gestaltete Sache. Dieses Ausgedrückte ist manifest da. Thurber gestaltet die Persönlichkeit des Walter Mitty auf Grund von dessen Tagträumen. In Abgrenzung von Freud ist zu sagen: .....
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Pfaus, walter g.

Biografie: *18. 2.1943. W. G. Pfaus ist gelernter Einzelhandelskaufmann und betrieb 14 Jahre eine Buchhandlung im oberschwäbischen Schelkingen. Bereits zu dieser Zeit schrieb er nebenbei Kurzkrimis für Publikumszeitschriften. 1988 verkaufte er seine Buchhandlung und pachtete eine Gaststätte, die er .....
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Expressionistischer synkretismus - oscar walter ciseks unveröffentlichter roman vermenschung (i920/i92i)

1. Textgrundlage 'Er war nicht nur einer der bedeutendsten Mittler zwischen der deutschen und der rumänischen Kultur", notierte der Innsbrucker Germanist Johann Holzner in einer Rezension zu einem Band ausgewählter Erzählungen von Oscar Walter Cisek, der 2002 im Verlag des Südostdeutschen Kulturwer .....
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Index » Ästhetik und Minderheitenraum -Aspekte der deutschen Regionalliteraturen in Rumänien

Kolbenhoff, walter

Ballade von den Torpedos Krechel, Ursula. In: Lesarten / Gedichte, 1982, S. 142 - 147. .....
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Höllerer, walter

Der lag besonders mühelos am Rand Ibel, Rudolf. In: DU 10, 1958, H. 5, S. 55 - 57. Feldt, Michael. In: Gedichte und Interpretationen 5, 1983, S. 415 - 425. Ein Boot ist immer versteckt Hinck, Walter. In: Frankfurter Anthologie 3, 1978, S. 223 - 225. Fortgehn. Unbestimmtes Seidler, Manfred .....
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Forschungsschwerpunkt 'oscar walter cisek. auszüge aus dem ii. kapitel der dissertation über 'sprache und stil in o.w. ciseks literarischen werken

Anhand dieses knappen Berichts soll ein allgemeiner Ãœberblick über Leben und Schaffen des Dichters und Schriftstellers geboten werden. Oscar Walter Cisek gehört einer Zeit an, in der die beiden Weltkriege entscheidende Zäsuren setzten. Mit seinen literarischen Anfängen zählt er zu den für charakt .....
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Die erzählungen oscar walter ciseks. versuch einer integration in den europäischen kontext

Der Lyriker, Epiker, Kunst- und Literaturkritiker Oscar Walter Cisek gehört nicht nur zu den hervorragendsten Vertretern der rumäniendeutschen Literatur der Zwischenkriegszeit, deren vielseitige Tätigkeit ihre Fortsetzung auch nach 1945 findet, sondern zu den repräsentativsten Autoren unseres deuts .....
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Babel oder die unmögliche Ãœbersetzung: von benjamin zu derrida und de man

Walter Benjamin und Jacques Derrida stimmen in der Ansicht überein, daß, wie Benjamin es ausdrückt, die Sprache »nicht ein verabredetes System von Zeichen ist«1", und die Signifikanten folglich nicht als konventionelle Markierungen universell geltender Begriffe im Sinne von Saussure aufzufassen sind .....
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Index » Derrida: Dekonstruktion, Philosophie und Literaturtheorie

Gropius walter

Mit der Gründung des Bauhauses in Weimar zielte Walter Gropius auf die Integration von »freier« und »angewandter« Kunst, Handwerk und Industrie. Nach einem Studium der Architektur in München und Berlin wurde Gropius Assistent von Peter Behrens und arbeitete ab 1910 als freier Architekt, ab 1911 m .....
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Kempowski, walter

Der Romancier Walter Kempowski gilt als Spezialist für zeitgeschichtliches Erzählen, geradezu versessener Sammler von Dokumenten der Zeitzeugen und kluger Chronist deutscher Vergangenheit. Geboren als Sohn eines Schiffsmaklers und Reeders, wuchs Kempowski in behüteten bürgerlichen Verhältnissen auf .....
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Moers walter

Walter Moers verließ das Gymnasium ohne Abitur und hielt sich zunächst mit verschiedenen Gelegenheitsjobs über Wasser, bevor er sich auf seine künstlerischen Fähigkeiten besann und seine kreative Karriere als Zeichner von Trick-und Puppenfilmen fürs Fernsehen begann. 1985 erschien sein erstes Comic- .....
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