Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Barlach, Ernst



B. war keine jener Begabungen, die neben dem Schreiben auch malen oder zeichnen; er hat als Bildhauer und Graphiker wie als Dramatiker Werke geschaffen, die zum Bestand der gültigen Kunst und Literatur ihrer Zeit gehören. Er fing früh zu schreiben und zu gestalten an, doch erst nach einer Rußlandreise im Jahr 1906 hatte der 36jährige das Gefühl, seinen eigenen Weg gefunden zu haben. Sowohl das Russische Tagebuch wie Eine Steppenfahrt zeigen einen neuen Zugriff zur Wirklichkeit, die Sprache wie der Zeichenstift werden von nun an eigenwillig und souverän gehandhabt. Zum Drama drängten B. keine Theatererlebnisse. Er bezeichnete sich des öfteren als »bühnenfremd« und besuchte nur eine einzige Aufführung eines eigenen Stückes. Der Bildhauer stand wie unter einem Zwang, seine in der Plastik stummen Figuren auch in Dialogen zu gestalten: »Ich gestehe, daß mir wohl der dramatische Dialog bei der Arbeit zu sehr genügt hat, daß ich die Handlung vernachlässigt habe.» Er hatte das Gefühl, »nur ratend und tastend ins Blinde hinein arbeiten«. Seine Dramen sind keine Allegorien, die sich ohne Rest auflösen lassen. Dabei geht es stets um das Verhältnis des Menschen zu Gott, das als elementar empfunden wird: »Wir sind den Elementen anheimgegeben, und sie suchen unser Elementares und wissen damit umzuspringen, daß wir tanzen oder starren.« Dabei unterscheidet B. zwischen dem »Schöpfer alles Seins«, dem Absoluten, der »menschlich unfaßbar« bleibt, und dem Gott, den die Menschen nach sich selbst bilden. Der Mensch ist ein »verarmtes und ins Elend geratenes Nebenglied aus besserem Hause«, ein »armer Vetter«. B.s erstes Drama, Der tote Tag, erschien 1912 und wurde 1919 uraufgeführt. Das in urtümlich-mythischen Zeiten angesiedelte Stück handelt vom Kampf der erdschweren Mutter mit dem geistigen Vatergott. Im gleichen Jahr erlebte Der arme Vetter seine Uraufführung. 1921 folgten Die echten Sedemunds, deren innere Handlung in einem Wirbel aus Jahrmarktstrubel und Friedhofsgroteske fast untergeht. Sein erfolgreichstes Stück war Die Sündflut . Nur in äußeren Dingen hält sich B. an die biblische Erzählung. Noah ist zwar der gehorsame Diener Gottes, aber sein Gott ist der von den Menschen erdachte. Der absolute Gott wird vom heroisch untergehenden Calan erahnt, vom Atheisten also. Wieder in die Kleinstadt führt Der blaue Boll, der 1930 in Berlin in der Inszenierung von Jürgen Fehling und mit Heinrich George als Boll eine gefeierte Aufführung erlebte. Eines der führenden Motive B.s wird hier zum Leitmotiv: Der Mensch lebt, um sich zu wandeln, um zu werden. Im historischen Gewand erscheint dieses Motiv noch einmal in dem erst aus dem Nachlaß herausgegebenen Der Graf von Ratzeburg. Der Titelheld und der Knecht Offerus wollen dem höchsten Herren dienen, der Knecht erreicht als Christofferus sein Ziel, der Graf kann erst im Tod sagen: »Gott hat mich.« B. wußte: »Der Norden scheint die Gefahr zu haben, daß man statt tief einmal grundlos wird.« Er ist ihr wohl zweimal erlegen, in Stücken, die zeitkritisch angelegt waren. Der Findling versucht, in einem Mysterienspiel den Ausweg aus der Zeitnot zu zeigen. Ähnliches will auch Die gute Zeit . Beiden Stücken fehlt das, was B.s beste Dramen auszeichnet: ihre feste Verknüpfung mit der Realität, ihre landschaftliche Gebundenheit.

      B. hat viele seiner Figuren nach Menschen seiner Umgebung gezeichnet. Sein Leben verlief in zwei sehr unterschiedlichen Abschnitten. Der Arztsohn erlebte eine kleinstädtische Jugend, besuchte anschließend die Kunstgewerbeschule in Hamburg und die Akademie in Dresden, war auf der Akademie Julien in Paris, gab ein wenig erfolgreiches Gastspiel als Lehrer an der Keramikfachschule in Höhr, lebte nach der entscheidenden Rußlandreise von 1906 bis 1909 in Berlin. Nachdem ihm eine Reise nach Florenz gezeigt hatte, wie wenig ihm die Kunst der italienischen Renaissance zu sagen hatte, Heß er sich 1910 in Güstrow nieder. Es hat nicht an Versuchen gefehlt, ihn zu einer Ãœbersiedlung nach Berlin zu bewegen; auch Ehrungen blieben nicht aus: 1919 Berliner, 1925 Münchner Akademie, 1924 Kleistpreis, 1933 Ritter des Ordens Pour le merite. Aber B. blieb der Kleinstadt mit ihrem bescheidenen Leben, dem niederdeutschen Sprachraum und seiner Landschaft treu. Im Plattdeutschen, das er gelegentlich verwendete, sah er eine »naivsaftige, hartmäulige, allem Menschlichen und Ungelehrten passende Sprache«. Auch die hochdeutschen Dialoge sind oft nicht leicht zu verstehen, weil sie eine Vertrautheit mit Menschen und Umgebung voraussetzen, wie sie nur im kleinstädtischen Bereich vorkommt. Das hat B.s Regisseure immer wieder dazu verführt, ihn mystisch-raunend anstatt realistisch und saftig zu inszenieren, zum großen Kummer des Künstlers. Von B.s Prosa fällt zuerst das sehr dichte Ein selbsterzähltes Leben auf. Zwei Romane blieben Fragment und erschienen erst nach 1945. Der frühere, Seespeck, gibt ein pralles Bild eines bohemienhaften Lebens in der Provinz; Höhepunkt ist die Schilderung des Dichters Theodor Däubler , den B. während seines Rom-Aufenthalts kennengelernt hatte. Das zweite Romanfragment, Der gestohlene Mond, ist in Stil und Aufbau von Jean Paul beeinflußt, vor allem das Doppelgängermotiv erinnert an ihn.
      Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde B. als »ostisch« angefeindet. Zunächst wurden seine Denkmäler entfernt, dann wurden seine Plastiken in der Ausstellung »Entartete Kunst« gebrandmarkt, schließlich die Aufführung seiner Stücke verboten. B., der sich in den letzten Jahren seines Lebens immer mehr von der Außenwelt abgekapselt hatte, hielt dieser schleichenden Verfemung nicht stand und starb als gebrochener Mann.

     
Jansen, Elmar : Ernst Barlach. Werk und Wirkung. Berichte. Gespräche. Erinnerungen.

     
Frankfurt a.M. 2I975. Franck, Hans: Ernst Barlach. Leben und Werk. Stuttgart 1961.

      Walter Schmähung


Hall, ernst

Pseud. für: Ernst Hassler Biograhe: *20.9.1 in Komotau/ Sudetenland. E. Hall wurde mit 18 Soldat und war als Kriegsgefangener in Russland Wolgaflößer, Holzfäller, Eisenbahnarbeiter und Kolchosenarbeiter. Nach Rückkehr aus der Gefangenschaft absolvierte er ein Volontariat und wurde Journalist. Unter .....
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Sage vom ganzen - ernst meister

SAGE VOM GANZEN den Satz, den Bruch, das geteilte Geschrei, den trägen Ton, der Tage Licht. s Mühsam im gestimmten Raum die Zeit in den Körpern, leidiges Geheimnis, langsam. Tod immer. 10 Sage .....
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Topitsch, ernst

In seinem Buch Stalins Krieg. Die sowjetische Langzeitstrategie gegen den Westen als rationale Machtpolitik spannt T. einen weiten lebensgeschichtlichen Bogen. Wie er in der Einleitung mitteilt, nahm er im Sommer 1941 als Soldat der deutschen Wehrmacht am Ãœberfall auf die Sowjetunion teil. »Die Di .....
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Schleiermacher, friedrich daniel ernst

»Alle Menschen sind Künstler.« Mancher mag vielleicht heute diesen Satz spontan mit einem Diktum Joseph Beuys identifizieren, dessen Auffassung: »Kunst kommt nicht von Können, sondern von Künden«, von der Ãœberzeugung lebt, daß in jedem einzelnen - wenn auch zumeist verschüttet — die Fähigkeit un .....
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Mach, ernst

Das Ich ist unrettbar.« Dies ist eine der Folgerungen, die M. in seinem populär gehaltenen Buch Die Analyse der Empfindungen und das Verhältnis des Physischen zum Psychischen aus seiner dort vor allem erkenntnistheoretisch fundierten »Elementen-Lehre« zieht. Dieses Werk, das die in der natürlichen .....
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Haeckel, ernst

Aus naturwissenschaftlicher Sicht kann das 19. Jahrhundert vor allem durch die Entdeckung der Evolution gekennzeichnet werden. Dabei ist es besonders H. zu verdanken, daß die Lehre von der Abstammung der Arten in Deutschland rasch verbreitet und in ihrer Bedeutung erkannt wurde. Sein Einfall war es .....
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Weber, wilhelm ernst

Hölderlin und Heinse Hock. Erich. In: Euphorion 76, 1982, S. 174 - 179. .....
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Waldinger, ernst

Die Sprachlosigkeit Kamla, Thomas A. In: Exilerlebnis, 1982, S. 444 - 446. .....
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Toller, ernst

Den Müttern Neis, Edgar. In: Krieg im Gedicht, 1980, S. 68 -69. Gemeinsame Haft Rietzschel, Thomas. In: Frankfurter Anthologie 17, 1994, S. 157 - 160. .....
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Steffen, ernst s.

Elsa Krechel, Ursula. In: Lesarten / Gedichte, 1982, S. 191 - 193. .....
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Stadler, ernst

Abendrot Martens, Wolfgang. In: ZDP 77, 1958, S. 423 - 425. Abendschluß Hubert, Gerda. In: Abend und Nacht in Gedichten, 1963, S. 143 - 154. Der Spruch Schürer, Ernst. In: Menschheitsdämmerung, 1971, S. 1 - 17. Fahrt über die Kölner Rheinbrücke bei Nacht Viering, Jürge .....
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Fischer, ernst

Als 20jähriger ließ er eine seiner ersten Veröffentlichungen in das emphatische Bekenntnis münden, daß »wir eines vor allem hassen: Erstarrung - eines vor allem lieben: Bewegung«. Ein halbesjahrhundert später sollte er noch immer das Lob der Bewegung vor der Erstarrung, der Utopie gegen die Entfremd .....
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Cassirer, ernst

C. ist als Denker mit eigenem systematischen Anspruch in dem Land, aus dem er 1933 vertrieben wurde, kaum noch in Erinnerung. Dies ist um so erstaunlicher, als er zu jenen gehört, die - so Karl Otto Apel - die Transzendentalphilosophie •transformiert« haben. C. vertrat eine Philosophie, welche die .....
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Meister, ernst

Apres Apreslude Egyptien, Jürgen. In: Ernst Meister, 1987, S. 21 - 30. Bis der Marmorbruch blutet Soboth, Christian. In: Todes-Beschwörung, 1989, S. 3- 11. Der Grund kann nicht reden Soboth, Christian. In: Todes-Beschwörung, 1989, S. 114- 117. Der Knabe Soboth, Christ .....
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Lichtung - ernst jandl

manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern. werch ein illtum! Wenn Komiker einen deutsch sprechenden Chinesen nachahmen wollen, so greifen sie zu einem einfachen Trick: Immer dort, wo ein »R« hingehört, sprechen sie ein »L«. Nach diesem Muster funktioniert weitgehend auch das Gedich .....
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Ernst theodor amadeus hoffmann (i776-i822)

Der Ostpreuße E. T. A. Hoffmann war eine typisch romantische Doppelnatur: von Haus aus war er Jurist und verteidigte als Kammergerichtsrat in Berlin die Unabhängigkeit des Richterstandes gegen reaktionäre Ãœbergriffe, wobei er sich vor allem der freiheitlichen Studenten und des Turnvaters Jahn annah .....
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Index » DIE DEUTSCHE ROMANTIK

Daseinsernst und komik: familienbilder in der kinder-und jugendliteratur der 80er und 90er jahre

Veränderte Familienerfahrungen heute aufwachsender Kinder - Literatur als zeitdiagnostisches Medium Aktuelle Forschungsergebnisse der Gesellschaftswissenschaften - vor allem der Jugend- und Familiensoziologie - zeigen eine Reihe von Strukturveränderungen innerhalb der für Kinder zentralen Lebensw .....
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Index » Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur » HANNELORE DAUBERT

Auf der suche nach einer neuen intensität stimmenspiele und ernst der stimme in den texten von annie zade

Die Texte der 1948 geborenen Autorin, bisher drei seit 1979 veröffentliche "Stücke", sind Gratwanderungen, Grenzgänge zwischen Prosa, Lyrik und Theater. Es sind Sondierungen von Stimmen, die unsicheres Terrain betreten, Figuren, die ineinander aufgehen oder sich spalten. Einiges erinnert an eine Wie .....
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Ernst schnabel hundert stunden vor bangkok

Methodische Vorüberlegungen 1. Wegen der Länge der Erzählung ist ihre Behandlung im 8. bis 10. Schuljahr nur nach gründlicher häuslicher Lektüre anzuraten. 2. In der Erzählung finden sich eine Reihe von Wörtern, die der vorherigen Erklärung an Hand eines Lexikons bedürfen: Bangkok = Hauptstad .....
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Ernst schnabel im dunklen tal der bären

Analyse Der Stoff Die Erzählung 'Im dunklen Tal der Bären" ist ein charakteristisches Beispiel für Schnabels Kurzgeschichten, in denen er ungewöhnliche Vorfälle im Lebensstrom darstellen will. Acht Jungen zelten in einem Gebirgstal bei Javorina. Vom Lager aus steigen drei der Jungen, der Größere .....
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Michael albert - bauernstube

Draußen rieselt der Regen; Dem Dorf entgegen Schlägt aus dem Walde der Wind. November ist es, der Abend beginnt Zu dunkeln nach kurzer Tageszeit. Da werden die Dächer weiß â€” es schneit. Vom Lutherofen um Bank und Schrein Strahlt gaukelnd der Flamme rötlicher Schein. Die Katze, die glatt sich .....
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Ernst jandl - hÖrprobe

höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höhere hören und daumen höhere daumen und hören höhere hören und höhere daumen meine höheren daumen meine höheren hören kennen sie mich herren kennen sie mich herren kennen si .....
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Ernst jandl (i925-2000): das fanatische orchester

Entfesselung des Chaos Viele der Texte Ernst Jandls erreichen erst in der akustischen Darbietung, am besten in seiner eigenen Lesung, ihre volle Wirkung. Zu Hör-Erlebnissen wurden unter seinen Sprechgedichten vor allem die Klang- und Rasselarien, mit denen er als Solist, als »Laut-Mime«, große Au .....
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Ernst stadler (i883-i9i4): form ist wollust - formvollendeter abschied von der form

»Nun ist der Mensch wieder großer, unmittelbarer Gefühle mächtig.« »Sein Herz atmet, seine Lunge braust, er gibt sich hin der Schöpfung«, stellt triumphierend Kasimir Edschmid in seinem zusammenfassenden Bericht Ãœber den dichterischen Expressionismus von 1917 fest . Von solcher elementaren Regung u .....
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Ernst jünger: »eumeswil« (i977) - utopischer roman als denkspiel

Der Anarch »Wir finden und vergessen uns im anderen; wir sind nicht mehr allein.« Mit diesem Satz schließt Ernst Jüngers Roman »Die Zwille« von 1973. Wem bis dahin die kristallinen Welten Jüngers fremd geblieben waren, der mochte in dem Roman - einer Jugendgeschichte - zum erstenmal etwas wie zwi .....
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Barlach,  Ernst    





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