Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Index
» Autoren
» Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart
» Auerbach, Berthold

Auerbach, Berthold



Zwei Monate auf dem Hohenasperg - dem württembergischen Staatsgefängnis — zwangen 1837 sein Leben in eine neue Richtung. Bis dahin hatte er, in einem schwäbischen Dorf aufgewachsen, das erst durch Napoleon an Württemberg gekommen war, immer eine öffentliche Anstellung erstrebt. Der Enkel eines Rabbiners, dessen Familie aus Prag ins vorderösterreichische Nordstetten eingewandert war. hatte die Talmudschule in Hechingen besucht und schließlich das Abitur in Stuttgart gemacht, damit alle Formalitäten erfüllt waren, um im Land etwas werden zu können, vielleicht ebenfalls Rabbiner. In Tübingen war er der einzige Student der jüdischen Theologie, wurde jedoch schon 1833 als »Burschenschafter«, d.h. Mitglied einer als hochverräterisch und staatsgefährdend geltenden studentischen Verbindung, die mit den neuen liberalen Ideen sympathisierte, von der Universität gewiesen und unter Polizeiaufsicht gestellt. Gnadenhalber durfte er bis zu seiner Verurteilung im »ausländischen« Heidelberg weiterstudieren.

      Schon 1833 hatte er sem Stipendium verloren und mußte sich seither durch Schreiben das Studium verdienen: So entstanden u.a. eine Geschichte Friedrichs des Großen und ein Spinoza-Roma.n . Nach der Verurteilung war an ein Weiterkommen in Württemberg nicht zu denken, so blieb nur das »Ausland« und der mühsame Weg eines freiberuflichen Schriftstellers. 1840 wanderte er nach Bonn, von 1841 bis 1845 war er als Kalenderredakteur in Karlsruhe tätig. Die Schwarzwälder Dorfgeschichten - zunächst von mehreren Verlegern zurückgewiesen - brachten 1843 den Durchbruch zum Erfolg; sie trugen auch dazu bei, daß die »Dorfgeschichte« eine gängige Gattung wurde. Fast über Nacht damit in Deutschland berühmt und gelesen, wurde A. auch schnell inandere Sprachen übersetzt und war bald eine europäische Berühmtheit. Seither erschienen bis zu seinem Tode unzählige, kleine und große, zur Anekdote verkürzte oder zum Roman sich dehnende »Dorfgeschichten«; eine der bekanntesten ist der liebenswürdig-sentimentale Roman Barfüßele . A. war nun längst einer der meistgelesenen Autoren, und der Verleger Johann Georg Cotta, der ihn noch 1842 abgelehnt hatte, brachte 1857 seine Gesammelten Schriften heraus, schon jetzt zwanzig Bände.
      A. ist populär und ein begehrter Gast in den bürgerlichen Salons der Städte; Breslau, Frankfurt, Wien, Dresden, Berlin sind wesentliche Lebensstationen, eine Breslauerin wird seine erste, eine Wienerin die zweite Frau. Nach seinen Erfahrungen mit dem württembergischen Staat ist A. vorsichtig; zwar kommentiert er die Ereignisse im Gefolge der 48er Revolution noch als Liberaler , jedoch unter Ausschluß der Öffentlichkeit nur brieflich. Im übrigen paßt er sich an; auch die Entstehung des Deutschen Reichs findet seine Zustimmung und erregt sein Nationalgefühl. Seine Erzählungen kommen dem Zeitgeschmack entgegen und bevorzugen einfache und überschaubare Konflikte. Diethelm von Buchenberg ist als Kriminalgeschichte mit sozialkritischem Einschlag schon eine Randerscheinung; Die Frau des Geschworenen zeigt liberal-volksbildnerische Tendenzen in der Form der Kalendergeschichte, die A. in der Tradition des von Johann Peter Hebel geprägten Volkskalenders vielfältig nachahmte und tnvialisierte; das Barfüßele aber ist Musterbeispiel für seine Darstellung einer kaum bedrohten dörflichen Idylle, welche in krassem Gegensatz zur industriellen Revolution und ihren sozialen Auswirkungen eine last exotisch anmutende heile Welt biedermeierlich erzählt.
      Die Gefahren seiner Schriftstellerei sieht A. später selbst; »Oft überfällt mich s mit Schrecken, ob ich nicht mir und der Welt Illusionen gemacht« . Und eben darin ist auch die Art seiner Wirkung und Nachwirkung begründet: überschätzt zu Lebzeiten, rasch unterschätzt nach seinem Tod. durch den Hitler-Faschismus mühelos ins Vergessen gestoßen. Aus dem heutigen Abstand kann der Realismus, der auch noch trivialen, gedanklich naiven und nostalgisch-schönen Geschichten innewohnt und auf genaue Weise ein Stück Welt von Damals vergegenwärtigt, wieder gesehen werden, sowie die eigentümliche Symbiose, aus der ihr Autor kam und diese Welt darstellte: »Ich bin Deutscher, und nichts anderes könnte ich sein; ich bin ein Schwabe, und nichts anderes möchte ich sein; ich bin ein Jud - und das hat die rechte Mischung gegeben.«
Scheuffelen. Thomas: Berthold Auerbach. Marbach 1986.

      Ludwig Dietz


Seliger, berthold

Biografie: *1960. B. Seliger ist Musikpädagoge und Konzertagent. Er lebt in Fulda. Kriminalromane: 1989 Fulda. Ein Krimi, Almaviva; 1991 Fuldas Glocken schlagen anders, Almaviva Sonstige Publ.: Mehrere Sachbücher, ein Bühnenstück, Liedersammlung Mitglied: Syndikat .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachigen Krimi-Autoren

 Tags:
Auerbach,  Berthold    





Impressum | Datenschutz

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com