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Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

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Arndt, Ernst Moritz



Gleich zu Beginn seiner langen schriftstellerischen Laufbahn bringt A. das seltene Kunststück zuwege, mit einem Buch verändernd in die politische Wirklichkeit einzugreifen. Zum Abschluß seiner diskontinuierlich verlaufenen Ausbildung ist er, nach dem Studium der Theologie in Greifswald und Jena als Hauslehrer auf Wittow tätig, »ganz von dem Entschlüsse« abgekommen, »ein Geistlicher zu werden« und bricht, »fast wie Bruder Sorgenlos,... ohne bestimmte Richtung und Ziel, ohne Vorbereitungen und Vorarbeiten« zu einer eineinhalbjährigen »abenteuerlichen« Reise durch mehrere europäische Länder auf, von der er 1799 mit geschärftem gesellschaftlichen Problembewußtsein in seine Heimat zurückkehrt. Vier Jahre später legt er, inzwischen Dozent für Geschichte und Philologie an der Universität Greifswald, den Versuch einer Geschichte der Leibeigenschaft in Pommern und Rügen vor. Seine Parteinahme gegen die rücksichtslose Ausbeutung der Hörigen macht ihm zwar die »Edelleute« und »junkerisch gesinnten Großpächter« zu Feinden, »welche schrien, ich sei ein Leutever-derber und Bauernaufhetzer«, trägt andererseits aber zur Beseitigung der Leibeigenschaft in den beiden seinerzeit schwedischen Gebieten bei: »Wenn dem so ist, so hat der Mann recht«, soll König Gustav

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V.

Adolf nach der Lektüre der Schrift geäußert haben, in der ihm der unter »förmlicher Anklage« stehende Verfasser die wichtigsten Stellen eigens unterstrich.

      A., der seinen Stolz nie verhehlt, »ganz tief unten an der Erde« geboren zu sein, als Sohn eines »Freigelassenen«, der sich rasch zum »unabhängigen und angesehenen stralsundischen Gutspächter« emporgearbeitet hatte, bleibt zeitlebens ein mutiger »politisch schreibender und handeln müssender Mensch«, dessen Werk ganz überwiegend zeitkritisch und appellanv ausgerichtet ist. Die gewichtigste Ausnahme stellen seine Märchen und Jugenderinnerungen dar. Das durchgehende soziale Engagement für »die Kleinen und Armen im Volke«, die »Bauern, Handwerker und Arbeiter«, wird im Verlauf der Auseinandersetzung mit der napoleonischen Expansion allerdings von der Propagandierung einer zur religiösen Pflicht erhobenen Liebe zum »heiligen Vaterland« überlagert. Hierbei verbindet sich das Eintreten für die nationale Freiheit und Einheit mit dem militanten Haß auf »die Franzosen,... die hinterlistigen und treulosen Reichsfeinde seit Jahrhunderten«, sowie mit einer Vorstellung von den »großen« Deutschen als dem »ersten, edelsten Volk Europas«, die später von den nationalsozialistischen Rassenideologen leicht als eigene Vorgeschichte beansprucht werden konnte.
      Nach der Niederlage Preußens 1806 weicht A. vor dem französischen Heer nach Schweden aus, wo er sich schon kurz zuvor zu wissenschaftlichen Studien aufgehalten hatte. Im gleichen Jahr erscheint der erste Band von Geist der Zeit, eine aufsehenerregende Diagnose des deutschen Niedergangs . 1809 kehrt er nach Deutschland zurück und findet in Berlin Kontakt zu den patriotischen Kreisen. Aus Opportunitätsgründen ausseiner Professur entlassen, reist er 1812. einem Ruf des dort als Berater der antinapoleo-nischen Allianz tätigen Freiherrn vom Stein folgend, nach St. Petersburg. Als Privatsekretär des Reformministers seit Anfang des darauffolgenden Jahres wieder in Deutschland, agitiert der weitverbreitete Publizist und Lyriker, dessen »grade« und »grobe« Sprache bewußt an Martin Luther anknüpft, zugunsten einer breiten Mobilisierung der Freiheitsbewegung. Mit Forderungen »aus dem Munde und im Namen des deutschen Volkes an seine Fürsten« greift er unmittelbar nach dem militärischen Sieg in die Diskussion um die politische Neugestaltung Deutschlands ein.
      Von der Unsinnigkeit jeder Restauration überzeugt, gerät A. nach dem Erscheinen des vierten Bandes von Geist der Zeit , in dem er unter Rekurs auf die national-, verfassungs- und volksstaatlichen Ziele der Befreiungskriege mit der wiederhergestellten »Willkür« scharf abrechnet, in das Schußfeld der einsetzenden Demagogenverfolgung. Im November 1820 wird er unter Belassung der Hälfte seiner Einkünfte, ohne ordentlichen Prozeß von seiner Geschichts-Professur an der Universität Bonn suspendiert, die er zwei Jahre zuvor zum Dank für seine - so der preußische Staatskanzler Hardenberg - »trefflichen... Gesinnungen zur Zeit der Not« erhalten hatte.
      Erst 1840, mit der Thronbesteigung Friednch Wilhelms IV, erfolgt A.s Rehabilitierung. Seine Vorlesungen hält er bis ins 84. Lebensjahr. Als ältester Abgeordneter wird er 1848 in die erste deutsche Nationalversammlung gewählt, wo er, »ein gutes altes deutsches Gewissen« und Feind aller »republikanischen oder gar kommunistischen Glückseligkeits- und Freiheitsträume« zwar »vieles« verändert, »aber nicht alles... und nicht alles plötzlich neu« wünscht sowie im Sinne des rechten Zentrums für »die auf edler, freiheitlicher Grundlage ruhende Monarchie« unter preußischer Führung eintritt. Die Feiern zu A.s 90. Geburtstag zeigen, elf Jahre vor der Reichsgründung, die breite Resonanz dieser Idee.
      Sichelschmidt, Gustav: Ernst Moritz Arndt. Berlin 1981.
      Paul, Johannes: Ernst Moritz Arndt. »Das ganze Teutschland soll es sein!« Göttingen Zürich Frankfurt a.M. 1971.

      Hans-Rudiger Schwab


Ernst moritz arndt (i769-i860)

Wer ist ein Mann? Wer beten kann Und Gott dem Herrn vertraut. Wann alles bricht, er zaget nicht: Dem Frommen nimmer graut. f,,Wer ist ein Mann") Der auf Rügen geborene und in Bonn gestorbene E. M. Arndt schuf in seinen 'Kriegs- und Wehrliedern" Gedichte von unmittelbarer Kraft und fortreißender B .....
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Arndt, ernst moritz

Deutscher Trost Härder, Franz. In: GRM 10, 1922, S. 243 - 246. Klage um den kleinen Jakob Borchers, Elisabeth. In: Frankfurter Anthologie 6, 1982, S. 55 - 59. .....
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Hall, ernst

Pseud. für: Ernst Hassler Biograhe: *20.9.1 in Komotau/ Sudetenland. E. Hall wurde mit 18 Soldat und war als Kriegsgefangener in Russland Wolgaflößer, Holzfäller, Eisenbahnarbeiter und Kolchosenarbeiter. Nach Rückkehr aus der Gefangenschaft absolvierte er ein Volontariat und wurde Journalist. Unter .....
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Topitsch, ernst

In seinem Buch Stalins Krieg. Die sowjetische Langzeitstrategie gegen den Westen als rationale Machtpolitik spannt T. einen weiten lebensgeschichtlichen Bogen. Wie er in der Einleitung mitteilt, nahm er im Sommer 1941 als Soldat der deutschen Wehrmacht am Ãœberfall auf die Sowjetunion teil. »Die Di .....
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Schlick, moritz

Wenn die Philosophie des »Wiener Kreises«, der logische Empirismus, heute als eine der Hauptströmungen der Philosophie des 20. Jahrhunderts gilt, so ist dies vor allem das Verdienst Sch.s.. ihres Begründers. Seh. beginnt seine akademische Ausbildung mit dem Studium der Physik und promoviert 1904 in .....
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Schleiermacher, friedrich daniel ernst

»Alle Menschen sind Künstler.« Mancher mag vielleicht heute diesen Satz spontan mit einem Diktum Joseph Beuys identifizieren, dessen Auffassung: »Kunst kommt nicht von Können, sondern von Künden«, von der Ãœberzeugung lebt, daß in jedem einzelnen - wenn auch zumeist verschüttet — die Fähigkeit un .....
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Mach, ernst

Das Ich ist unrettbar.« Dies ist eine der Folgerungen, die M. in seinem populär gehaltenen Buch Die Analyse der Empfindungen und das Verhältnis des Physischen zum Psychischen aus seiner dort vor allem erkenntnistheoretisch fundierten »Elementen-Lehre« zieht. Dieses Werk, das die in der natürlichen .....
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Haeckel, ernst

Aus naturwissenschaftlicher Sicht kann das 19. Jahrhundert vor allem durch die Entdeckung der Evolution gekennzeichnet werden. Dabei ist es besonders H. zu verdanken, daß die Lehre von der Abstammung der Arten in Deutschland rasch verbreitet und in ihrer Bedeutung erkannt wurde. Sein Einfall war es .....
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Weber, wilhelm ernst

Hölderlin und Heinse Hock. Erich. In: Euphorion 76, 1982, S. 174 - 179. .....
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Waldinger, ernst

Die Sprachlosigkeit Kamla, Thomas A. In: Exilerlebnis, 1982, S. 444 - 446. .....
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Toller, ernst

Den Müttern Neis, Edgar. In: Krieg im Gedicht, 1980, S. 68 -69. Gemeinsame Haft Rietzschel, Thomas. In: Frankfurter Anthologie 17, 1994, S. 157 - 160. .....
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Strachwitz, moritz graf von

Das Herz von Douglas Schmidt. Erhard. In: Pädagogische Welt 15, 1961, S. 359 - 362. Freund, Winfried. In: Ballade, 1978, S. 88 - 94. Herrn Winfreds Meerfahrt Egger, Fritz. In: Wege zur Ballade, 1976, S. 351 -358. .....
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Steffen, ernst s.

Elsa Krechel, Ursula. In: Lesarten / Gedichte, 1982, S. 191 - 193. .....
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Stadler, ernst

Abendrot Martens, Wolfgang. In: ZDP 77, 1958, S. 423 - 425. Abendschluß Hubert, Gerda. In: Abend und Nacht in Gedichten, 1963, S. 143 - 154. Der Spruch Schürer, Ernst. In: Menschheitsdämmerung, 1971, S. 1 - 17. Fahrt über die Kölner Rheinbrücke bei Nacht Viering, Jürge .....
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Fischer, ernst

Als 20jähriger ließ er eine seiner ersten Veröffentlichungen in das emphatische Bekenntnis münden, daß »wir eines vor allem hassen: Erstarrung - eines vor allem lieben: Bewegung«. Ein halbesjahrhundert später sollte er noch immer das Lob der Bewegung vor der Erstarrung, der Utopie gegen die Entfremd .....
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Cassirer, ernst

C. ist als Denker mit eigenem systematischen Anspruch in dem Land, aus dem er 1933 vertrieben wurde, kaum noch in Erinnerung. Dies ist um so erstaunlicher, als er zu jenen gehört, die - so Karl Otto Apel - die Transzendentalphilosophie •transformiert« haben. C. vertrat eine Philosophie, welche die .....
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Sage vom ganzen - ernst meister

SAGE VOM GANZEN den Satz, den Bruch, das geteilte Geschrei, den trägen Ton, der Tage Licht. s Mühsam im gestimmten Raum die Zeit in den Körpern, leidiges Geheimnis, langsam. Tod immer. 10 Sage .....
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Lichtung - ernst jandl

manche meinen lechts und rinks kann man nicht velwechsern. werch ein illtum! Wenn Komiker einen deutsch sprechenden Chinesen nachahmen wollen, so greifen sie zu einem einfachen Trick: Immer dort, wo ein »R« hingehört, sprechen sie ein »L«. Nach diesem Muster funktioniert weitgehend auch das Gedich .....
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Index » Gedichte aus unserer Zeit - Interpretationen

Daseinsernst und komik: familienbilder in der kinder-und jugendliteratur der 80er und 90er jahre

Veränderte Familienerfahrungen heute aufwachsender Kinder - Literatur als zeitdiagnostisches Medium Aktuelle Forschungsergebnisse der Gesellschaftswissenschaften - vor allem der Jugend- und Familiensoziologie - zeigen eine Reihe von Strukturveränderungen innerhalb der für Kinder zentralen Lebensw .....
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Index » Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur » HANNELORE DAUBERT

Auf der suche nach einer neuen intensität stimmenspiele und ernst der stimme in den texten von annie zade

Die Texte der 1948 geborenen Autorin, bisher drei seit 1979 veröffentliche "Stücke", sind Gratwanderungen, Grenzgänge zwischen Prosa, Lyrik und Theater. Es sind Sondierungen von Stimmen, die unsicheres Terrain betreten, Figuren, die ineinander aufgehen oder sich spalten. Einiges erinnert an eine Wie .....
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Index » Die Generation der 80er Jahre

Ernst schnabel hundert stunden vor bangkok

Methodische Vorüberlegungen 1. Wegen der Länge der Erzählung ist ihre Behandlung im 8. bis 10. Schuljahr nur nach gründlicher häuslicher Lektüre anzuraten. 2. In der Erzählung finden sich eine Reihe von Wörtern, die der vorherigen Erklärung an Hand eines Lexikons bedürfen: Bangkok = Hauptstad .....
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Ernst schnabel im dunklen tal der bären

Analyse Der Stoff Die Erzählung 'Im dunklen Tal der Bären" ist ein charakteristisches Beispiel für Schnabels Kurzgeschichten, in denen er ungewöhnliche Vorfälle im Lebensstrom darstellen will. Acht Jungen zelten in einem Gebirgstal bei Javorina. Vom Lager aus steigen drei der Jungen, der Größere .....
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Michael albert - bauernstube

Draußen rieselt der Regen; Dem Dorf entgegen Schlägt aus dem Walde der Wind. November ist es, der Abend beginnt Zu dunkeln nach kurzer Tageszeit. Da werden die Dächer weiß â€” es schneit. Vom Lutherofen um Bank und Schrein Strahlt gaukelnd der Flamme rötlicher Schein. Die Katze, die glatt sich .....
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Ernst jandl - hÖrprobe

höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höherhören höhere hören und daumen höhere daumen und hören höhere hören und höhere daumen meine höheren daumen meine höheren hören kennen sie mich herren kennen sie mich herren kennen si .....
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Ernst jandl (i925-2000): das fanatische orchester

Entfesselung des Chaos Viele der Texte Ernst Jandls erreichen erst in der akustischen Darbietung, am besten in seiner eigenen Lesung, ihre volle Wirkung. Zu Hör-Erlebnissen wurden unter seinen Sprechgedichten vor allem die Klang- und Rasselarien, mit denen er als Solist, als »Laut-Mime«, große Au .....
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Index » Stationen der deutschen Lyrik » Der Lyriker als Laut-Mime und Sprach-Virtuose

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Arndt,  Ernst  Moritz    





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