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Wolfram von Eschenbach



Um 12

   »Laien munt nie baz gesprach«, so wird W. um 1210 von Wirnt von Grafenberg, dem Verfasser eines Artusromans , gepriesen. Trotz seines unbestrittenen literarischen Ranges ist von W.s Leben wenig bekannt. Es gibt kein einziges urkundliches Zeugnis. Er bezeichnet sich selbst als »ritter«: »Schildes ambet ist min art« . Aus seinem Beinamen und geographischen Angaben in seinen Werken läßt sich schließen, daß er aus Franken stammte. Heute wird allgemein Wblframs-Eschen-bach als W.s Herkunftsort angenommen. Nach Andeutungen im Parzival war er verheiratet und hatte eine Tochter. Er nimmt in seinen Werken u.a. Bezug auf die Herren von Dürne, auf deren Burgsitz Wildenberg er das 5. Buch seines Parzival vollendet haben dürfte, auf die Grafen von Wertheim und vor allem auf Landgraf Hermann I. von Thüringen.

      Geschaffen hat W. drei epische Werke: den Parzival, einen Doppelroman in 16 nach den Hauptgestalten struktu-rierten Büchern mit zwei Helden: der Titelgestalt, welche eine Entwicklung vom außerhöfischen Dümmling über den vollendeten Artusritter zum Herrn des utopischen Gralsreiches durchläuft, und mit einer Kontrastfigur, Gawan, der sich von Anfang an als idealer Ritter behauptet, der sich nur im Bereich der Minne, in welchem Parzival rasch und traumwandlerisch zum Ziel gelangt, noch zu bewähren hat. Mit Parzivals Halbbruder Feirefiz, der gegen Ende des Romans Gawan als komplementäre Gestalt ablöst, kommt zum Okzident der Haupthandlung der damals zweite bekannte Weltkreis, der Orient, wieder ins Spiel, der schon in der Vorgeschichte für Parzivals Vater bestimmend war. So umfassend wie der geographische Horizont sind auch die ethischen Dimensionen des Werkes, das ein breites Spektrum menschlicher Schicksale, Irrungen und Bewährungen vorführt. W. kleidet die Fabel in einen metaphernreichen Sprachstil, durchsetzt mit einem eigenwilligen, oft skurrilen Humor. Er verarbeitete eine Fülle zeitgenössischen Wissens, vor dem die Frage, ob W. ein »illiteratus« gewesen sei, verfehlt erscheint, auch wenn sie sich auf einen aus dem Zusammenhang gerissenen, doch wohl ironisch gemeinten Vers stützt. W. bezieht sich außerdem z.T. kritisch, z.T. ironisch auf zeitgenössische Dichter wie Heinrich von Veldeke, Hartmann von Aue, Walther von der Vogelweide, Neidhart. Ãoberlegungen, ob er auch gegen Gottfried von Straßburg polemisierte, bleiben spekulativ. -Der Parzival gibt der Forschung zahlreiche Probleme auf, u. a. das Verhältnis zum gleich angelegten, unvollendeten Perceval Chrestiens de Troyes, von welchem sich W. ausdrücklich distanziert, wogegen er sich auf einen sonst nirgends bezeugten Gewährsmann Kyot beruft, ferner die Schuld des Haupthelden, das Gralsproblem.
     
Nach einer vom Landgrafen Hermann vermittelten Vorlage schuf W. das Epos Willchalm, unvollendet abgebrochen vielleicht nach dem Tode des Auftraggebers . Im Mittelpunkt des in der Karolingerzeit spielenden Heidenkriegsromans stehen der Markgraf Willehalm und seine Frau Gyburg, eine getaufte Heidin. Dieses Werk setzt sich von früheren Heidenkampfgeschichten v.a. durch die Vertiefung und Proble-matisierung des christlich-heidnischen Gegensatzes ab, welcher in der berühmten Toleranzmahnung gipfelt, die nicht von ungefähr der getauften Heidin Gyburg in den Mund gelegt ist - evtl. eine Kritik an abendländischer Selbstüberhebung.
      Bis ins Spätmittelalter wird W. als Hauptwerk ein dritter Roman , der Titurel, zugeschrieben, eine Geschichte des Gralsgeschlechtes, in dessen Zentrum die Kinder-Minnetragödie um Sigune und Tschionatulander steht. Hugo von Montfort preist ihn als »aller teutsch ein bluom«, Jakob Püterich von Reichertshausen nennt ihn in seinem Ehrenbrief das »haubt ab teutschen pue-chen«. Dieser bairische Landrichter und Literaturliebhaber berichtet überdies, er habe W.s Grab in Eschenbach gesehen. Im Titurel findet sich als weiterer Beiname W.s »von Blienfelden«: dies ein Ort , der wie Eschenbach zum Lehensbereich der Wertheimer Grafen gehörte. Da W. im Titurel als älterer Mann erscheint, könnte er im Alter an diesem Ort gewohnt haben. Seit Lachmann wird dieses Werk einem Albrecht zugeschrieben, der sich in den letzten 400 Strophen zu Wort meldet. W werden nur zwei gesondert überlieferte Episoden, die sog. Titurelfragmente, belassen. Ãoberliefert sind von W. auch einige Tagelieder; er gilt als Schöpfer des sog. Wächterliedes. W.s Epen übertreffen in der Zahl der Handschriften die seiner
Zeitgenossen um ein vielfaches . Sein Ruhm überdauerte das Mittelalter. Schon 1477 erschienen Parzival und Titurel als erste mittelhochdeutsche Epen im Druck. Er war und ist die beherrschende Gestalt der mittelhochdeutschen Literaturgeschichte.
     

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