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Trakl, Georg



Geb. 3.2.1887 in Salzburg; gest. 4.11.1914 in Krakau
»Wer mag er gewesen sein?«, fragte sich Rainer Maria Rilke, als T. - wahrscheinlich durch Selbstmord - so früh gestorben war. Wie sein Werk, entzieht sich auch die Person des Lyrikers der Mitteilbarkeit: Verschlossen, düster, einsam, verrätselt und voller Leiderfahrung, so war er als Mensch: »Gleichsam auf seine Pausen aufgebaut, ein paar Einfriedungen um das grenzenlos Wortlose: so stehen seine Zeilen da« . Der Versuch, sich zum Leben zu bringen, ohne wirklich lebensfähig zu sein, und zur Sprache zu bringen, was sich der Sprache entzieht, so ließe sich das Paradox von Leben und Werk auf eine Formel bringen. T. stammte aus gutbürgerlichem Elternhaus , scheiterte aber gänzlich an den bürgerlichen Realitäten. Die Schule wird abgebrochen, der Beruf als Pharmazeut nur sporadisch ausgeübt; die Kriegserfahrung 1914 stürzt ihn in den Wahnsinn, freilich entschiedengefördert durch die schon früh ausgeprägte Drogen- und Alkoholsucht; einer Kokainvergiftung erliegt er wenig später, nachdem er schon einige Selbstmordversuche unternommen hatte. Zur Schwester Margarethe, die namenlos immer wieder in den Gedichten auftaucht, unterhielt er ein inzestuöses Verhältnis. Freunde machte er sich nur wenige; die wenigen aber standen zu ihm. Vorab Ludwig von Ficker, den T. 1912 kennenlernte und der seine Gedichte von da an regelmäßig in seiner Zeitschrift Der Brenner publizierte. Er war es auch, der dem Umhergetriebenen, meist Mittellosen Zuflucht bot und den Lebensunterhalt besorgte.

      »Es ist ein so namenloses Unglück, wenn einem die Welt entzweibricht«, notierte T. im Jahr 1913. Das mit dieser Erfahrung verbundene Leid ist das Grundmotiv der Dichtung, die Martin Heidegger als »ein einziges Gedicht« deklariert hat . Freilich betrifft dies kaum die frühe Lyrik, die zwischen 1906 und 1910 anzusetzen ist. Sie ist z.T. banal, romantisch sentimental, vordergründig und bevorzugt strenge Formen . Erst die spätere Lyrik gewinnt die für T. typische Eigenheit: Aus wenigen, miteinander verflochtenen Bildgefügen, die in immer neuen Variationen und Konfigurationen erscheinen, häufig fremdartig dunkel wirken und überraschende Farbmotive bevorzugen, entsteht das Bild der zerbrochenen Welt und des leidenden Menschen in ihr. Charles Baudelaire, der poete maudit, war der entscheidende poetische Anreger, Friedrich Nietzsche, der Künder des Untergangs und des Wertverlusts, der philosophische. Auch in der Form »zerbricht« T. seine späte Lyrik in zunehmendem Maße und sucht so die adäquate Gestaltung ihres Inhalts. Allerdings steht der zerbrochenen Welt die Suche nach - freilich - unerfüllter transzendenter Geborgenheit gegen
über. In den Leitgestalten des Knaben, auch als Kaspar Hauser, des Kindes, der Schwester, Helians, Christus', des Engels und Gottes selbst beschwört die Lyrik die überzeitlich rettenden Mächte: »Ein Schatten bin ich ferne finsteren Dörfern. / Gottes Schweigen / Trank ich aus dem Brunnen des Hains«. Offenbarung und Untergang heißt eines seiner späten Prosagedichte, die beiden Pole der Dichtung T.s benennend.
      Es besteht Unsicherheit darüber, ob T.s Lyrik aus letztlich unentzifferbaren poetischen Chiffren besteht, T. also einer der ausgeprägtesten rein intuitiv dichtenden Künstler war, oder ob er sehr bewußt angeordnet, seine Variationen nach strengem Strukturgesetz gebaut hat. Der Entstehungsprozeß der Gedichte läßt verfolgen, daß T. fast immer von beobachtbaren Realitätsdetails, die z.T. romantisch verklärt sind, ausgeht und sie dann im weiteren Arbeitsprozeß »verfremdet«, so lange, bis sie sozusagen sprachlos geworden sind.
     

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