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Mann, Thomas



Geb. 6.6.1875 in Lübeck; gest. 12.8.1955 in Zürich
»Stehkragen« und »reptil« nannte ihn Bertolt Brecht 1943 im kalifornischen Exil; und dies ist nicht nur Ausdruck der Verachtung für den Josephsroman, den Brecht als »die enzyklopädie des bil-dungsspießers« bezeichnete. Jenseits innerliterarischer Divergenzen zielte der Vorwurf auf die repräsentative Existenz M.s, auf seine Verteidigung der europäischen humanistischen Kultur in einem Moment, in dem diese endgültig zerstört schien. Brechts lebenslang verfolgtes Projekt der »berichtigung alter my-then« stieß hier auf einen Gegenent-wurf, der sich gerade der Rettung und Aktualisierung des Mythos widmete, dies allerdings nicht nur, wie Brecht im Affront gegen das Bildungsbürgertum und den realistischen Roman des 19. Jahrhunderts meinte, zur Bestätigung einer traditionsreichen geistigen Heimat. In Wirklichkeit ist in keinem der Romane M.s der subjektive Wille, sich den politischen Tagesaufgaben zu stellen, stärker als im letzten Band der Josephs-Tetralogie, Joseph der Ernährer . Er vereint New Deal und Vergesellschaftung des Eigentums, Züge Theodore Roosevelts, des Dichters M. und des biblischen Joseph miteinander. Aus den Anfängen der Menschheitsgeschichte versucht M. hier eine Zukunftsperspektive zu gestalten: »Was uns beschäftigt, ist nicht die bezifferbare Zeit. Es ist vielmehr ihre Aufhebung im Geheimnis von Ãoberlieferung und Prophezeiung, welche dem Wort >Einst< seinen Doppelsinn von Vergangenheit und Zukunft und damit seine Ladung potentieller Gegenwart verleiht«, schrieb M. im »Höllenfahrt« genannten Vorwort zum gesamten Zyklus. Durch die analytische, gelegentlich parodistische Art mythischer Rekapitulation wurde die biblische Geschichte zum Material einer »abgekürzten Geschichte der Menschheit«, die in der Gegenwart kulminierte und in der sich der »unendlich blaue Himmel Kaliforniens« mit dem des alten Ã"gypten vermischen sollte.


      Erst in dieser Perspektive erhält das vielzitierte Diktum M.s: »Wo ich bin, ist die deutsche Kultur«, seine reale - und für die Vielzahl exilierter deutscher Schriftsteller geradezu existentielle -Bedeutung: nur durch die Rettung seiner humanistischen Potenzen schien das Deutsche noch zu verteidigen, und in dem Maße, in dem das reale Deutschland zum Inbegriff der Inhumanität wurde, entwickelte sich Amerika zur neuen Heimat M. s. So war es nur konsequent, daß er am 23. 6. 1944 die amerikanische Staatsbürgerschaft an-nahm, die er bis zu seinem Tode beibehielt: »So waren wir amerikanische >citizens

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