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Hoffmann, Ernst Theodor Amadeus



Geb. 24.1.1776 in Königsberg; gest. 25.6.1822 in Berlin
Der Zeitpunkt, an dem H. als Ausdruck seiner Bewunderung für Mozart seinen dritten Vornamen Wilhelm durch Amadeus ersetzte , fällt in die Jahre, in denen er sich den beiden Seiten seines Künstlertalents widmete, die heute mit seinem Namen erst in zweiter Linie verbunden, wenn nicht gar vergessen sind; der Musik und der Malerei. 1810 hatte er am Bamberger Theater die Stelle eines Direktionsgehilfen angenommen, in der er bald als Bühnenarchitekt, bald als Theatermaler und Komponist arbeitete und sich in scharfsinnigen Rezensionen mit Ludwig van Beethovens Kompositionen auseinandersetzte. Entscheidenden Einfluß auf H.s spätere schriftstellerische Tätigkeit übt die leidenschaftliche Liebe zu seiner Gesangsschülerin Julia Marc aus , die in den zwei Frauengestalten Julia und Cäcilia in der Erzählsammlung, den Fantasiestücken in Callots Manier und hier besonders in der Erzählung Nachricht von den neuesten Schicksalen des Hundes Berganza ihren Niederschlag findet.
      Der Bamberger Zeit folgte ein weiteres Jahr, in dem sich H. vorwiegend mit der Musik beschäftigte und seine Oper Undine vollendete, »eines der geistvollsten« Werke, »das uns die neue-re Zeit geschenkt hat«, wie Carl Maria von Weber in seiner Rezension schreibt. 1813 wurde H. von Joseph Seconda als Musikdirektor nach Dresden berufen. Nach dem Zerwürfnis mit Seconda wendet er sich brieflich an seinen alten Freund Theodor Gottlieb von Hippel mit »dem sehnlichsten Wunsch..., wieder im preußischen Staate angestellt zu werden« und mit der Bitte, ihm »eine Anstellung in irgend einem Staats-Bureau zu verschaffen«, die ihn »nähren« sollte. Die wirtschaftliche Not zwingt H., seinen juristischen Brotberuf wieder aufzunehmen, den er 1806 mit dem Einzug der Franzosen in Warschau, wo erste Kontakte zu den Romantikern entstanden waren , verloren hatte. Zunächst arbeitete H. am Berliner Kammergericht ohne festes Gehalt, 1816 wurde er zum Kammergerichtsrat ernannt. Die Doppelexistenz als preußischer Kammergerichtsrat und als Künstler, die H. fortan führt, vor allem nach seiner Ernennung zum Mitglied der »Immediatkommission zur Ermittlung hochverräterischer Verbindungen und anderer gefährlicher Umtriebe« , wird satirisch im Kater Murr und der Knarrpanti-Episode im Meister Floh verarbeitet. Die juristische Tätigkeit schärfte H.s Blick für skurrile und groteske Situationen und für die Erscheinungsformen des Spießbürgerlichen, die er in komischen Verwicklungen, im Aufeinanderprallen von bürgerlicher Existenz und dem Künstlerischen und Phantastischen in vielen seiner Erzählungen verarbeitete. Die Jahre als preußischer Beamter sind die Zeit von H.s eigentlicher literarischer Produktion. Besonders Die Elixiere des Teufels und die Nachtstücke tragen dazu bei, daß er von Zeitgenossen und in der Folgezeit als »Gespenster-Hoffmann« verspottet wurde. Sein Anliegen, die Bedrohung des Menschen durch das Unheimliche und Unbegreifliche und die oft gleitenden Ãobergänge vom Wunderbaren zum Entsetzlichen, vom Genialen zum Krankhaften zu zeigen, Themen, die auch seine Tagebuchnotizen durchziehen und die Heinrich Heine dazu veranlaßten, H.s Werk als einen »entsetzlichen Angstschrei in 20 Bänden« zu nennen, wird oft durch die kurzweiligen Abenteuer- und Spukgeschichten überdeckt.
      Diese Spannung, welche die Erzählungen, vor allem Die Serapions-Brüder , durchzieht, wird auch in seinen Tagebüchern deutlich: Romantischreligiöse Eintragungen wechseln sich ab mit bissigen Bemerkungen, Humoristisches wird von überspannten Ideen und bizarren Gedanken abgelöst. Die Bedeutung des Unheimlichen, seine Ambivalenz, zugleich anziehend und abstoßend zu wirken, wird in diesen Notizen des »Meisters des Unheimlichen« stets betont.
      H.s letzte Lebensjahre werden von dem Konflikt zwischen seiner schriftstellerischen Tätigkeit und seinem juristischen Beruf überschattet. Die satirische Verarbeitung seiner Tätigkeit in der »Immediatkommission« führte zur Beschlagnahmung des Manuskripts des Meister Floh und zog ein Disziplinarverfahren gegen den schon todkranken H. nach sich . Seine Verteidigung der Knarrpanti-Episode im Meister Floh enthält gleichsam sein poetisches Vermächtnis: Ohne böse Nebenabsichten habe er die »scurrilen, ja gänzlich bizarren Abenthcuer«, frei dem Flug der Phantasie folgend, verfaßt; er habe kein politisches Pamphlet vorlegen wollen, sondern ein Produkt der Phantasie eines »humoristischen Schriftstellers, der die Gebilde des wirklichen Lebens nur in der Abstraction des Humors wie in einem Spiegel auffassend reflectirt. Dieser Gesichtspunkt läßt mein Werk in dem klarsten Lichte erscheinen, und man erkennt, was es sein soll, und was es wirklich ist.«

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Hoffmann,  Ernst  Theodor  Amadeus    


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