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Hesse, Hermann



Geb. 2.7.1877 in Calw; gest. 9.8.1962 in Montagnola
»Mit dem Camenzind, seinem ersten großen Roman, hatte Hermann Hesse zu Beginn des Jahrhunderts die damalige Jugend begeistert. Detnian erregte die Generation der Heimkehrer aus dem Ersten Weltkrieg, und ein Vierteljahrhundert später faszinierten die geistige Disziplin Kastaliens, die Kräfte der Meditation und Humanität jene Menschen, die im Chaos eines zerbrochenen Staates und verlorenen Krieges nach neuen Ordnungen suchten« . Diese Faszination ging von einem Roman H.s aus, in dem einzigartig und bis heute für viele Lesergenerationen erregend der Kulturpessimismus, die Technikfeindlichkeit und der Existentialismus der 1920er Jahre ausgedrückt waren: dem Steppenwolf von 1927, mit dem H. in der Gestalt des völlig vereinsamt durch die Welt streifenden Harry Haller die »Krankheit der Zeit« diagnostizieren wollte. Es zeugtvon der visionären Kraft dieses »nur für Verrückte« gedachten Romans, daß er noch in den 1970er und 80er Jahren die Nach-Vietnam-Generation, vor allem in den Vereinigten Staaten, durch seine Kritik am Krieg, an der Technik, am Amerikanismus, dem Leistungswillen und der Rationalität in seinen Bann schlug. Die Psychedelics und Hippies der amerikanischen Protestbewegung sahen sich durch die Flucht Harry Hallers in die Sexualität, die Musik, den Drogenrausch und die fernöstliche Philosophie in ihrer radikalen Verwerfung der herrschenden gesellschaftlichen und politischen Kultur glänzend bestätigt und lasen H. als Aufforderung zu einer neuen, auf Freiheit und Gefühl gegründeten »Gegenkultur«. Nimmt man H.s Roman Siddhartha von 1922 als weiteren Riesenerfolg, der den Tod seines Autors überdauerte, mit hinzu, so vervollständigt sich das Paradox eines Lebenswerks, mit dem sich im Verlauf seiner Wirkungsgeschichte immer wieder große Gruppen von Menschen, vor allem der jungen Generation, identifiziert haben, obwohl es zunächst ganz und gar unpolitisch angelegt war und die Individuation einer ebenso sensiblen wie verstörten Einzelseele in den Mittelpunkt stellte.
      H. erlebte zwei tiefgreifende persönliche Krisen. Die eine: Flucht aus dem Klosterseminar Maulbronn und der anschließende Prozeß der Selbstfindung bis zur Veröffentlichung des Peter Camenzind . Die andere: Abwendung vom penetranten Weltkriegsnationalismus und der Schlußstrich, den er mit dem Demian , seiner »Seelenbiographie«, unter die erlittenen Erschütterungen und Zerrüttungen zog: Tod des Vaters, lebensgefährliche Erkrankung des Sohns, Ehekrise, die eigene Nervenkrankheit, Sanatoriumsaufenthalt. Vieles spricht dafür, daß H. mit diesen beiden Krisen in das Zentrum der Psychopathologie seiner Generation getroffen hat. Während dieser Krisenfand H. aber auch in der Hinwendung zum Schreiben, in seiner persönlichen Auffassung von Literatur als Form sub-jektivistischer Entwicklung und Selbstfindung, den inneren Halt, der seiner Generation verlorenzugehen drohte.
      Das Elternhaus H.s im kleinstädtischen Calw war durch den Pietismus -H.s »schwäbisch-indischer« Großvater war seit 1836 in der pietistischen Indienmission tätig gewesen - und eine unvermutet weltoffene Gelehrsamkeit so christlich und idealistisch geprägt, daß der frühreife, hochbegabte, aber auch widerspenstige Knabe bereits mit dreizehn Jahren wußte, daß er »Dichter oder garnichts werden« wolle und mit fünfzehn Jahren der von den Eltern gewünschten Ausbildung zum Theologen buchstäblich davonlief. Am 7. März 1892 kommt der verzweifelte Ausreißer bis Baden und Hessen, er verbringt die Nacht bei 7 Grad ohne Mantel und Geld im Freien und kehrt erst am nächsten Mittag, von einem Landjäger begleitet, erschöpft und hungrig ins Maulbronner Seminar zurück. Es folgen Monate der physischen und psychischen Schwäche, er denkt sogar an Selbstmord. Im Mai 1892 verläßt H. Maulbronn für immer und die hilflosen Eltern machen den Fehler, den sensiblen Jungen zu einem befreundeten Exorzisten nach Bad Boll, dann, nach einem Selbstmordversuch aus Liebesschwärmerei, in eine »Anstalt für Schwachsinnige und Epileptische« nach Stetten zu geben. Erbittert reagiert der durchaus vernünftige, sich einer vorübergehenden Nervenschwäche bewußte H. mit einer Absage an Glaube und Elternliebe: »Wenn Ihr mir schreiben wollt, bitte nicht wieder Euren Christus. Er wird hier genug an die große Glocke gehängt ... Ich glaube, wenn der Geist des verstorbenen >Chri-stusSelbst< ist sein Gott«. Auch wenn H. nach Abschluß des »Einjährigen-Examens« am Gymnasium in Cannstatt noch ein halbes Jahr bei den Eltern wohnt, bevor er bis Herbst 1895 eine Lehre als Turmuhrenmechaniker in der Calwer Fabrik von Heinrich Perrot hinter sich bringt und seine »Ruhe und Heiterkeit« trotz des Spotts über den »Landexamensschlosser« wiederfindet, ist der Gedankenaustausch mit den Eltern abgerissen. Weil der Vater H.s neue Lesewut, seine Romanlektüre als Wurzel aller »Verirrungen« verurteilt, bleibt dem Jungen nur die entschiedene Trennung von den Eltern: »Ich glaube, wenn ich Pietist und nicht Mensch wäre, wenn ich jede Eigenschaft und Neigung an mir ins Gegenteil verkehrte, könnte ich mit Ihnen harmonieren«, hat er ihnen 1892 geschrieben.
      H.s anthropozentrisches Weltbild findet zunächst in Heinrich Heine und Iwan Turgenjew Bestätigung gegen das Ãobermaß kirchlicher Frömmelei. Heinrich Heine, der »der Romantik ein Ende« machte und doch »ihre letzten, reifsten Lieder« schrieb, imponiert ihm als Aufklärer und Ironiker, Iwan Turgenjew als antiautoritärer, keinem Prinzip anhängender »Nihilist«. Dann aber, schon 1895 nach der Lehre bei Perrot, erfolgt eine Hinwendung zur Weimarer Klassik, zum Schönheitsideal der Antike, später zu den Romantikern: »Die tollste Sturm-und-Drang-Zeit ist glücklich überstanden ... Hätte ich in Literatur z. B. an einer Hochschule auch nur ein Pünktchen mehr lernen können als privatim? Gewiß nicht«, stellt er 1895 fest. Das alles geht ein in die Novelle Unterm Rad , autobiographischer Reflex seines Maulbronner Desasters. Das »Eigenrecht der Literatur« drückt H. nicht leer und formalistisch aus, auch wenn die Gedichte, seit 1896 gedruckt, und die erste Sammlung von Erzählprosa, entstanden während der nächsten Tübinger Buchhändlerlehrjahre von 1895 bis 1899, mit dem Titel Eine Stunde hinter Mitternacht , noch im Zeichen einer »für Künstler durch die Ã"sthetik« ersetzten »Moral« stehen . Die folgenden Basler Jahre als Buchhändler und Antiquar von 1899 bis 1903 bringen den schriftstellerischen Durchbruch und eine allmähliche Abkehr vom blassen Kolorit melancholischer Endzeitstimmung; das im Zentrum der Hinterlassenen Schriften und Gedichte von Hermann Lauscher stehende Tagebuch 1900 rückt bereits die Basler Kindheitsjahre von 1881 bis 1886 in weitere Entfernung und läßt die »Schönheitsinsel« der ersten Prosa in ungeschminkter Selbstkritik und leidenschaftlicher Selbsterforschung hinter sich. Der Sprung in das eigene Thema der psychologischen Persönlichkeitsbildung, die sich zugleich mit einem zivilisations- und bildungskritischen »Zurück zur Natur« vollzieht, gelingt im Peter Camenzind . Dieser ist versetzt mit einem guten Schuß Lebensphilosophie, die von einer ausgiebigen Lektüre des »Umwerters aller Werte«, Friedrich Nietzsche, herrührt. Das frühere Lieblingsbild, Arnold Böck-lins »Toteninsel«, weicht nun einem neuen Realismus im Kreis von Basler Schülern Jacob Burckhardts, in dessen Geist H. zwei Italienreisen antritt. Samuel Fischer, der auf Hermann Lauscher aufmerksam geworden war, druckte den Peter Camenzind 1903 in der Zeitschrift Die Neue Rundschau vorab. Als das Buch 1904 bei S. Fischer erschien, war H. über Nacht berühmt. Camenzind »strebt von der Welt und Gesellschaft zur Natur zurück, er wiederholt im kleinen die halb tapfere, halb sentimentale Revolte Rousseaus, er wird auf diesem Wege zum Dichter«. Spät und treffend hat H. 1951 die literarische Thematisierung der eigenen Biographie beschrieben. Was dieses gegen die Großstadt-zivilisation geschriebene Buch vom Tenor der sozialen Schicksalhaftigkeit, mit dem Naturalisten wie Gerhart Hauptmann gerade auf den Plan getreten waren, oder von dem neuen Gemeinschaftserlebnis der bündischen Wandervogeljugend unterschied, war der kompromißlose, gesellschafts- und gemeinschaftsfeindliche Wunsch, sich nicht anzupassen, sondern »eigensinnig nur seinen eigenen Weg zu gehen und die Spannungen zwischen analytischem Denken und sinnlicher Anschauung als individuellen Weg in allen Stufen« auszuhalten: »Beinahe alle Prosadichtungen, die ich geschrieben habe, sind Seelenbiographien, in allen handelt es sich nicht um Geschichten, Verwicklungen und Spannungen, sondern sie sind im Grunde Monologe, in denen eine einzige Person - wie Peter Camenzind, Knulp, Demian, Siddartha, Harry Haller - in ihren Beziehungen zur Welt und zum eigenen Ich betrachtet wird.«
Die folgenden Jahre am Bodensee verbringt H. in einem gemieteten Bauernhaus in Gaienholen; später lebt er mit den drei Söhnen und der Ehefrau Maria Bernoulli, die er 1904 auf seiner zweiten Italienreise kennengelernt hat, bis 1912 im eigenen Bauernhaus. Diese Jahre erfüllen den ruhelosen H. mit wachsendem Unbehagen am »Philisterland«. Die Schwierigkeiten seiner Künstlerehe gehen in die Romane Gertrud und Roßhalde ein; auch die zweite Ehe mit Ruth Wenger, von 1924 bis 1927, bleibt ein Ãobergang, und erst die Altersbeziehung mit Nina Dolbin, geb. Ausländer , besteht bis zum Tod. Das Einzelgängermotiv ist bis zum Steppenwolf durchgehalten, wo es zum Titelsymbol wird: »In meinem Leben haben stets Perioden einer hochgespannten Sublimierung, einer auf Vergeistigung zielenden Askese abgewechselt mit Zeiten der Hingabe an das naiv Sinnliche, ans Kindliche, Törichte, auch ans Verrückte und Gefährliche.
      Jeder Mensch hat dies in sich«, schreibt er 1928 in Krisis.
      Die mönchische Askese und doppelgängerische Seelenlage, gespiegelt in Knulp , einem Bruder der romantischen Sternbalde, Schlemihle und Taugenichtse, führt zu wachsender Entfremdung von der Familie: »Die Gattin aus dem alten Basler Geschlecht ist viel zu tief in die Ahnenreihe versunken. Festen und froher Geselligkeit ist sie ganz abgeneigt. So bleibt der Künstler ein Eigenbrötler, wenn nicht ein Widersacher; bleibt er der Einsame und Isolierte in einer entlegenen Kammer. Erst 1911 mit einer Reise nach Indien, und eigentlich erst im Kriege, und noch später 1919 mit der Ãobersiedlung von Bern ins Tessin beginnt die menschliche Anonymität des Autors sich aufzulösen und mitzuteilen«, erinnert sich später Hugo Ball.
      Während der an das Leben im Bauernhaus anschließenden Phase von 1912 bis 1919 lebt H. in Bern. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs meldet er sich zunächst freiwillig zum Militärdienst, wird jedoch wegen hochgradiger Kurzsichtigkeit für felddienstuntauglich erklärt. Unter dem Eindruck der Kriegsereignisse selber, seiner aufopfernden Tätigkeit in der Kriegsgefangenenfürsorge und der chauvinistischen literarischen Musik, mit der die Grauen dieses Weltkriegs begleitet werden, weigert sich H. 1915 in einem Beitrag der Neuen Zürcher Zeitung mit dem Titel Wieder in Deutschland, angesichts des allerorten vom Krieg gezeichneten Vaterlands und des Elends, unter dem die Gefangenen und die Verwundeten zu leiden haben, »Kriegsnovellen und Schlachtgesänge« zu verfassen. Als er daraufhin von der deutschen Presse, u. a. vom Kölner Tagblatt, als »vaterlandsloser Geselle« und »Drückeberger« beschimpft wird, bricht er die letzte Brücke zu Deutschland ab und bewirbt sich um die schweizerische Staatsbürgerschaft, die er 1923 erhält. Von 1915 bis 1919 widmet er trotz gro

ßer persönlicher Schwierigkeiten und trotz des sich verschlimmernden Nervenleidens einen erheblichen Teil seiner Arbeitskraft der »Bücherzentrale für deutsche Kriegsgefangene Bern«, redigiert die Schriftenreihe und das Kriegsgefangenenblatt Pro Captivis. Mit der Veröffentlichung von Demian. Die Geschichte einer Jugend -~ 1919 zunächst bei S. Fischer unter dem Pseudonym Emil Sinclair erschienen -, Zarathustras Wiederkehr. Ein Wort an die Deutschen und Sinclairs Notizbuch versucht er, die Deutschen nach dem großen Krieg zur inneren Einkehr, zu Pazifismus und zu humanitärem Internationalismus zu bewegen. Unter diesem Vorzeichen werden Romain Rolland, T. S. Eliot, Thomas Mann und Hugo Ball seine Freunde, später treten Carl Gustav Jung, Andre Gide, Rudolf Alexander Schröder, Hans Carossa und Martin Buber hinzu. Nach der Indienreise von 1911 und der Begegnung mit Sigmund Freud und Jung, vermittelt durch den Jung-Schüler und Psychotherapeuten H.s, Josef Bernhard Lang, gewinnt der Weg zum Selbst als dem »innigeren Verhältnis zum eigenen Unbewußten« die Bedeutung von Lebensnorm, Gott und Sinn. Von nun an bildet die Selbstfindung des Schriftstellers durch seine Bilder und Fiktionen die Voraussetzung zur Lösung der Bewußtseinsund Zeitkrisen. Logos und Mythos verschränken sich zu einem bis zum Ende auszuhaltenden Spannungsverhältnis, ob im menschenzugewandten Taoismus oder den späten, auf Chinesisch-Pantheistisches oder auf Humor und Weisheit abzielenden Gedichten.
      In den Jahren zwischen den beiden Weltkriegen hat H. in der Ã-ffentlichkeit unermüdlich vor Nationalismus, Rassismus und Kriegstreiberei gewarnt. Als sich im nationalsozialistischen Deutschland diese Gefahren immer deutlicher abzeichnen, beginnt er - der zahllosen Aufrufe, Pamphlete und offenen Briefe müde geworden - eine der erstaunlichsten Korrespondenzen der deutschen Literatur: von den neuen Herren Deutschlands längst geächtet, schreibt er jährlich etwa eintausend Briefe an junge Deutsche, um auf sie persönlich einzuwirken - der Nachlaß umfaßt etwa 35000 Briefe. Er verläßt sich aber auch auf die ordnenden Seelenkräfte Kastaliens, einer utopischen Ordensprovinz des Jahres 2200 in der italienischen Schweiz, in dem sein letzter großer Roman, Das Glasperlenspiel. Versuch einer Lebensbeschreibimg des Magister Ludi Josef Knecht samt Knechts hinterlassenen Schriften. Herausgegeben von Hermann Hesse , spielt. Er schildert in diesem Roman, an dem er seit 1931 gearbeitet hat, den exemplarischen Lebenslauf Josef Knechts, der als Novize in dem heroisch-asketischen Orden der Glasperlenspieler heranwächst. Der glänzend begabte Knecht wird schließlich Meister des Spiels, das sich einer längst vergangenen Geschichtsepoche, dem krisenhaften »feuilletonistischen Zeitalter« des 19. und 20. Jahrhunderts, verdankt. In Knechts vollendetem Umgang mit allen Inhalten und Werten der Weltkultur scheint sich der Kreis zwischen Schüler und Meister, Lernen und Lehre wieder einmal geschlossen zu haben, aber er erkennt, daß Kastalien keine Existenz an sich selbst, sondern eine geschichtliche und damit vergängliche Gestalt der christlich-abendländischen Kultur ist. Er bricht aus dieser Welt aus und ertrinkt in einem See; ein unübersehbares Fragezeichen, das H. selber hinter die Vollkommenheit seiner pädagogischen Provinz, die beziehungsreich den »Morgenlandfahrern« gewidmet ist, gesetzt hat.
      Aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands, vor allem seiner zunehmenden Sehschwäche, hat H. in seinen letzten Lebensjahren keine größeren Werke mehr geschrieben. Außer Ge-dichten sind vor allem Prosaskizzen entstanden; daneben arbeitete er zusammen mit seinem Verleger und Freund Peter Suhrkamp an der Neuausgabe seiner in Deutschland vergriffenen oder von den Nationalsozialisten unterdrückten Werke. Es war die Zeit der großen Ehrungen . Ã"hnlich den Jahren nach dem Ersten Weltkrieg setzte nach 1945 eine neue, breite Begeisterung für sein Werk und seine Person als einer Chiffre des Ãoberlebens, der größeren Hoffnung ein, vor der er sich mit einem Schild »Bitte keine Besuche« am Eingang seines Hauses zu schützen suchte. Seinen Lebensabend verbrachte er fast ausschließlich in Montagnola, wo er seit 1931 lebte. 1961 wurde an ihm eine Leukämie diagnostiziert, die schließlich zu seinem Tod führte. Noch in seinen letzten Tagen hat er an einem Gedicht gearbeitet, Knarren eines geknickten Astes, die widersprüchliche Summe der menschlichen Existenz in einem trotzig-resignierenden Naturbild bergend.
      Im H.-H.-Jahr 2002, zum 125. Geburtstagsjubiläum, wurde die Brückenfunktion seines Werks zwischen christlicher und fernöstlicher Religion deutlich sowie die weltweite Wirkung mit Museengründungen und neuen Ausstellungen bis hin zu Budapest und Seoul und der Gründung einer Internationalen H.-H.-Gesellschaft in Calw. Rezensionen dieses Jahres, vor allem zum Glasperlenspiel, ironisierten aus postmoderner Mentalität die >Ãobererfül-lung< epischer Geschlossenheit. Die Einsichten H.s über den Zusammenfall der Gegensätze Yin und Yang, Individualismus und Dienen in der Rezeption östlicher Meditationstechniken und der damit verbundenen Haltung gilt als heute durch die Spiritualismusmode eingeholtes Ideal, das sich als ebenso hohl erwiesen hat, wie die Ideale des

>alten Europas Dennoch bleibt der Ausbruch aus dem selbstgenügsamen Spiritualismus am Romanende seines letzten magnum opus und das darin implizierte, immer neu einzulösende Postulat einer >Synthese von Geist und Leben< für die stetig wachsende, weltweite Lesergemeinde der Morgenlandfahrer auf der Suche nach Lebenssinn gültig.
     

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