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Hauptmann, Gerhart



Geb. 15.11.1862 in Ober-Salzbrunn/ Schlesien; gest. 6.6.1946 in Agnetendorf/Schlesien
»Der Sozialismus dieser Zeit ehrt in Ihnen den mitleidigen Dichter der »Weben und des >HanneleWeltkrieg-Deutsch-land-über-AllesTausendjährigen< Reiches« - solche harschen Urteile würden sich unter dem Aspekt des Nationalismus relativieren, denn dann hat dieser »letzte Klassiker« und »Nachfolger Goethes« immer nur danach gestrebt, ein deutscher Dichter in Deutschland zu sein. Biographische Zeugnisse bestätigen diesen Wunsch. Am 17. März 1933 schreibt H. an Rudolf Binding: »daß wir ... gegen die Regierung, der wir unterstehen, nicht frondieren dürfen, ist eine Selbstverständlichkeit. Ãobrigens habe ich das auch als freier Schriftsteller niemals ir-gendeiner Regierung gegenüber getan. Dazu ist mein Wesen zu positiv eingestellt. Nicht im Gegenwirken sieht es das Heil, sondern im Mitwirken.« Das sind entlarvende Sätze, die H.s Verhalten zu Beginn des Ersten Weltkriegs ebenso erklären wie im Dritten Reich, wo er eine vorsichtige Anpassung und geistige Distanzierung zugleich versuchte.
      Die gern als Schutzbehauptung verstandene Aussage im Prozeß um die Weber, er habe keine »politische Dichtung« schreiben wollen, gewinnt so aus der historischen Perspektive eine veränderte Bedeutung. Dennoch haben gerade die frühen Werke H.s eine starke politische Wirkung gezeitigt: Vor Sonnenaufgang, als Werk eines »Schnapsbudenrhapsoden« verlästert, schockierte ein bürgerliches Publikum durch die freimütige Darstellung von Sexualität und Trunksucht; Die Weber begeisterten ein Proletarierpublikum, das unter Absingen der Arbeiter-Marseillaise das Theater verließ; Der Biberpelz wurde durchaus als politische Satire auf den preußischen Obrigkeitsstaat verstanden. Aber es ist bezeichnend, daß H. - auch wenn mit Fuhrmann Henschel , Rose Bernd , Die Ratten weitere naturalistische Stücke folgten -schon früh die Annäherung an ein bürgerliches Publikum suchte, indem er mit seinem »Märchendrama« Die versunkene Glocke oder mit seinem »Glashüttenmärchen« Und Pippa tanzt! den Weg von den proletarischen, ja klassenkämpferisch anmutenden Themen zu volkstümlich-mythologischen Sujets fand. Diese Stücke haben H. eine starke Resonanz verschafft, waren sie doch eingelagert in eine breitere literarische Strömung symbolistischer und neuromantischer Dichtung um die Jahrhundertwende, die zugleich eine Entpolitisierung anzeigte. Solche Werke versöhnten die herrschende Gesellschaft, die H. nun mit Literaturpreisen, Ehrendoktorwürden und 1912 gar mit dem Nobelpreis belohnte. Am Ende des
Kaiserreichs war er ein arrivierter und keineswegs ein verfemter Schriftsteller, der durchaus schon als nationaler Dichter gesehen wurde. Dieser Rolle versuchte er durch die Wahl seiner literarischen Themen gerecht zu werden, indem er sich immer mehr von politischen, sozialen und zeitkritischen Aspekten entfernte und dafür eher nationale bzw. mythologische Stoffe wählte, wie z.B. im Hexameter-Epos Till Eulenspiegel oder in der Atriden-Tetralogie . Mit den selbstgewählten Vorbildern Aischylos, Euripides und Goethe versuchte H., sich in eine klassische Traditionslinie zu stellen und verlor gerade dadurch vieles von seiner ursprünglichen »modernen« Aussagekraft, die seine frühe Dichtung so wirkungsvoll hat werden lassen.
     

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Hauptmann,  Gerhart    




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