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Hartmann von Aue



Um 12

   In der Verslegende Der Arme Heinrich stellt sich der Dichter vor als »ritter« und als »dienstman ze Ouwe«. Als Ritter erscheint er auch auf den Miniaturen der Minnesanghandschriften. Sehr viel mehr als diese knappen Angaben ist über das Leben dieses Dichters nicht bekannt, das zwischen 1160 und 1210 angesetzt wird. Für den Beinamen »Ouwe« hat die Forschung vier Möglichkeiten diskutiert: Obernau bei Tübingen, Fglisau , die Reichenau und Aue bei Freiburg. Ãobersehen wurde ein Aue, das im Zusammenhang mit H.s Klagen über den Tod seines Herrn in zweien seiner Kreuzlieder Bedeutung erhalten könnte, nämlich Hagenau, die damals herausragende Kaiserpfalz, ein Zentrum des staufischen Hofes, an dem auch Dichter wie Friedrich von Hausen, Reinmar und Walther von der Vogelweide zu vermuten sind. Der »Herr« wäre dann Kaiser Friedrich 1., dessen Tod auf dem 3. Kreuzzug tatsächlich eine über einen engeren Lebenskreis hinausreichende Erschütterung ausgelöst hat . So gesehen, wäre die Kaiserpfalz H.s »Dienstort« gewesen.

      Gesichert ist dagegen H.s literarische Anerkennung im Mittelalter: Schon Gottfried von Straßburg rühmt ihn seiner klaren Sprache und Darstellung wegen. Wolfram von Eschenbach beruftsich auf ihn als Gewährsmann in »Artusfragen«: Dies evtl. eine Anspielung darauf, daß H. durch zwei komplementär angelegte Werke, Erec und Iwein, die Artusepik nach dem Vorbild des altfranzösischen Dichters Chrestien de Troyes in der mittelhochdeutschen Literatur begründete. Beide Werke kreisen um das Problem der »mäze«, um die Schwierigkeit, die richtige Mitte zwischen den ritterlichen Pflichten gegenüber der Gesellschaft und denen der Ehefrau zu finden. Während Erec sich »verligt«, seine Aufgaben als Landesherr versäumt, »verritet« sich Iwein, vergißt auf einer Turnierfahrt seine Frau und seine Herrscherpflichten. Beide müssen sich dann in doppeltem Aventiure-Cur-sus bewähren. Gegenüber den französischen Vorlagen betont H. stärker die didaktischen Implikationen der Fabeln, prangert verantwortungsfreies Aventiu-re-Rittertum an.
      Von H. stammen außerdem zwei höfische Legendenromane mit einer ins Religiöse ausgreifenden Schuldproblematik: Gregorius, die Geschichte eines doppelten Inzests , stellt die zentrale These auf, daß keine Schuld so groß sei, daß sie bei echter Reue nicht vergeben werden könne: Der »guote sündaere« Gregorius wird nach übermenschlicher Buße schließlich erhöht - zum Papst. Ironisch gebrochen erscheint die Geschichte in Thomas Manns Der Erwählte. - Der Arme Heinrich ist die Geschichte eines Ritters, der über dem Besitz aller Güter dieser Welt Gott vergißt, welcher ihn dafür mit Aussatz schlägt. Die Heilung ist nicht durch Fremdopfer , wie zunächst geplant, sondern erst nach der Ergebung in das auferlegte Schicksal möglich. - H. verfaßte überdies ein minnedidaktisches Verswerk, das sog. Büchlein; ein zweites wird gewöhnlich für unecht angesehen. - Außerdem sind von ihm 18 Lieder überliefert. Neben traditionellen Minneklagen, Frauen- und Kreuzliedem stehen als Neuerungen die Klagen über den Tod seines Herrn, die Absage an die Hohe Minne , die radikale Lösung von irdischer Minne . H.s Nachruhm beweisen im 13. Jahrhundert mehrere Autoren, die sich auf ihn als Artusdichter berufen: Heinrich von dem Türlin, Plei-er, Konrad von Stoffeln, Reinbot von Durne u. a. Meist wird er in einer Klassiker-Trias zusammen mit Gottfried von Straßburg und Wolfram von Eschenbach genannt . Als Lyriker ist er nur einmal bei Dem von Gliers als Dichter von Leichs zitiert.
     

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