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Gottfried von Straßburg



Um 12

   Tristan und Isolde ist das einzige epische Werk G.s. Sein Name wird dort allerdings nicht genannt. Vielleicht soll der Buchstabe G am Beginn des strophischen Prologs auf den Verfasser hindeuten, vielleicht ist G aber auch als Abkürzung für die Standesbezeichnung »Graf« vor dem im Akrostichon gebildeten Namen Dietrich zu verstehen, einem mutmaßlichen Gönner. Der Name des Autors ist nur durch spätere mittelhochdeutsche Dichter überliefert, z.B. durch den späthöfischen Epiker Rudolf von Ems, der ihn neben Hartmann von Aue und Wolfram von Eschenbach als sein Vorbild preist, so wie später auch Konrad von Stoffeln in seinem Artusroman . Konrad von Würzburg apostrophiert ihn als Autorität in Minnefragen. Außerdem nennen ihn die Fortsetzer seines unvollendet gebliebenen Werkes, Ulrich von Türheim und Heinrich von Freiberg .

      Von den Lebensdaten dieses Dichters ist nichts bekannt; offen ist auch die Bedeutung des Beinamens »von Straßburg«: Herkunfts- oder Wirkungsort? Die Große Heidelberger Liederhandschrift überliefert unter G.s Namen nicht nur 81 lyrische Strophen, sondern auch eine u. U. kennzeichnende Miniatur: Sie zeigt das typisierte Bild vermutlich des Dichters in einem Kreis von Zuhörern, die er zu unterrichten scheint, eine Doppeltafel in Händen. In der Bildüberschrift wird er demgemäß als »meister« tituliert. Auf Vertrautheit mit den Artes weist die rhetorische Gelehrsamkeit hin, welche G. in seinem Roman ausbreitet; von Gelehrtheit zeugt auch die kunstvoll ausgesponnene Allegorie der Minnegrotte . Literarische
Bildung beweist G. zudem in der literaturkritischen Ãobersicht über die Dichter seiner Zeit, die erste ihrer Art in mittelalterlicher volkssprachlicher Dichtung. Daß G. diesen Exkurs anstelle einer ausführlichen Schilderung der Schwertleite des Helden einschiebt, verrät überdies einiges über seine kritische Stellung zur damaligen Rit-tergesellschaft. - Im Prolog umreißt G. sein ästhetisch-ideologisches Programm: Die mit Nachdruck herausgestellte Minneauffassung als Erfahrung von »liep unde leit« verbindet ihn mit der Ideologie der »Hohen Minne« eines Reinmar. Für sein Werk erwartet er eine esoterische Gemeinde der »edelen herzen«, welche die Geschichte der Verbindung Tristans mit der von ihm für seinen Oheim Marke geworbenen Frau in seiner Sicht akzeptiert. Denn G. stellt die überkommene Fabel in neue Sinndimensionen, indem er die Magie des Minnetrankes rationalisiert oder allego-risiert: Der Minnetrank bleibt dabei auch für neuzeitliche Interpreten in einem verwirrenden Schwebezustand zwischen Zaubermittel und Symbol für eine naturgegebene Verbindung der beiden Protagonisten, die durch ihre Singularität füreinander bestimmt sind.
      G. schreibt einen klassischer Klarheit verpflichteten, in Vers und Sprachduktus eleganten Stil. Ausdrücklich rühmt er den stilverwandten Hartmann von Aue, polemisiert dagegen gegen den dunklen metaphorischen Stil, wie ihn sein großer Antipode Wolfram pflegt, allerdings ohne diesen zu nennen, so wie auch Wolfram in seinen Werken, in denen er auf andere zeitgenössische Dichter allenthalben Bezug nimmt, G. nirgends erwähnt. Auch in der Personengestaltung, bes. im Ritterbild, setzt sich G. markant von dem Wolframs ab: Tristan wird als hochgebildeter, in allen Sparten höfischer Kultur versierter Hofmann vorgeführt, der eher beiläufig auch in Waffenkämpfen brilliert und selbst die List als Mittel der Ausein-andersetzung nicht verschmäht, in eklatantem Gegensatz zur ethisch fundierten Kämpfernatur Parzivals. - Die Resonanz für G.s Werk blieb schon im Mittelalter, soweit die handschriftliche Ãoberlieferung als Zeugnis gelten kann, weit hinter Wolframs Werken zurück . Auch in der neuzeitlichen Forschung hat G.s Epos nicht dasselbe Interesse gefunden, nachdem schon der Begründer der germanistischen Textkritik, Karl Lachmann, an der »weichlichen, unsittlichen Erzählung« Anstoß genommen hatte. - Die Gedichte, welche in den drei grundlegenden Minnesanghandschriften unter G. tradiert sind, wurden ihm von der germanistischen Textkritik alle »abgesprochen«; dafür wird ihm meist ein unter dem Namen Ulrichs von Lichtenstein überliefertes Gedicht 'om gläsernen Glück zugelegt, da Rudolf von Ems einen Spruch dieses Titels als Werk G.s rühmt. Trotz aller Einwände in der früheren Forschung behauptet G. heute seinen Platz unter den Klassikern der mittelhochdeutschen Blütezeit.

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