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Eichendorff, Joseph von



Geb. 10.3.1788 aufschloß Lubowitz bei Ratibor/Oberschlesien; gest. 26.11.1857 in Neiße
»Es ist ein wunderbares Lied in dem Waldesrauschen unserer heimatlichen Berge; wo du auch seist, es findet dich doch einmal wieder, und wärs durchs offene Fenster im Traume, keinen Dichter noch ließ seine Heimat los.« E. selbst sah in seiner Heimatverbundenheit den Schlüssel zu seinem Werk. Die Erfahrung heimatlicher Natur, die er in Worte fassen und besingen will, wird zum auslösenden Moment dichterischen Schaffens. Nicht nur seine Wanderlieder und Naturgedichte gelten schlesischen Bergen und Wäldern, auch in der zur Zeit der Französischen Revolution angesiedelten Erzählung Das Schloß Dürande orientiert er sich bei der Be-schreibung der Provence, in der unterhaltungsbetonten Liebesgeschichte Die Entführung bei der Gestaltung der Loire-Gegend am Vorbild schlesi-scher Landschaften. In abwechslungsreicher Mittelgebirgslandschaft, auf einem Schloß über der Oder wächst E. als Sohn eines preußischen Offiziers und reichen Landedelmanns geborgen und sorgenfrei heran, ohne von der 1789 mit dem Sturm auf die Bastille begonnenen Zeit politischen Umbruchs und bürgerlich-revolutionärer Bewegungen etwas zu spüren. Das fromme, katholische Elternhaus legt in ihm die Grundlagen für einen unerschütterlichen christlichen Glauben, aus dem er Zeit seines Lebens Kraft schöpfen wird. Nach dem Studium der Rechtswissenschaft absolviert F.. mit Auszeichnung das Examen in Wien; nachdem er sich als Patriot an den Befreiungskriegen gegen Napoleon beteiligt hat, geht er in den Verwaltungsdienst, wird Schulrat in Danzig und 1831 schließlich Regierungsrat im Berliner Kulturministerium. E. kommt seinen Beamtenpflichten korrekt nach, fühlt sich aber mehr zum Dichter berufen, sucht der Gleichförmigkeit des Dienstes durch eine Flucht in die Poesie zu entkommen. Durch das Elternhaus und seine Hofmeister ist E. früh an die Literatur herangeführt worden; als Zehnjähriger schreibt er ein erstes, in der Römerzeit angesiedeltes Trauerspiel, als Student und als Beamter sucht er den engen Kontakt zu den romantischen Schriftstellerkolle-gen. Der Wunsch nach Ausbruch aus dem Alltag, die Sehnsucht nach der Ferne, der Rückzug in eine harmonische Natur artikulieren sich bereits in den frühen Gedichten, mit denen E. das Lebensgefühl des zeitgenössischen Publikums trifft: »Ach wer da mitreisen könnte - In der prächtigen Sommernacht.« Viele seiner Wanderlieder werden wie echte Volkslieder aufgenom-men . Formale Neuerungen zeichnen die Lyrik, die neben Johann Wolfgang Goethe erkennbar Matthias Claudius zum Vorbild hat, nicht aus, statt dessen geht es E. um Empfindungsreichtum: »Die Poesie liegt in einer fortwährend begeisterten Anschauung der Welt und der menschlichen Dinge.« Mit seinen die Heimat verklärenden Bildern, Landschaften, Figuren, Stimmungen wird E. zum typischen Vertreter der deutschen Romantik: Ritter und Einsiedler, Waldmädchen und Wanderburschen, Liebe vor besonnten Bergen und Burgen, Waldeinsamkeit im Abendrot. Da E. zudem über einen »ausgeprägten Sinn für Melodik und Rhythmus« verfügt, gehören Texte von ihm bis heute zu den am häufigsten vertonten deutschen Liedern .

      Stärker als durch seine lyrischen versucht der junge E. durch seine Prosadichtungen aus der Gegenwart mit »ihren tausend verdrießlichen und eigentlich für alle Welt unersprießlichen Geschäften« /u fliehen. So sind die frühen Novellen noch stark durch märchenhafte und phantastische Elemente geprägt. In seiner wichtigsten Novelle, Aus dem Leben eines Taugenichts , wird die reale Welt idyllisch überzeichnet. In diesem meistgelesenen, prototypischen romantischen Text steht der seinen Stimmungen folgende Mensch im Mittelpunkt, der ziellos Wandernde, der nach »Gottes Wundern« und seinem Glück Suchende, der auf Schönheit und nicht auf Nutzen bedacht ist. Durch idyllische Bilder einer harmonischen Einheit von Mensch und Natur kritisiert E. als Humanist eine philisterhafte, von zweckorientiertem Handeln bestimmte Welt. Die späten Dichtungen offenbaren jedoch zunehmend eine konservative Weltsicht. In der Lyrik verliert sich die Fröhlichkeit des Sänger- und Wanderlebens, balladenhafte Romanzen, religiö-se, manchmal melancholische Gedichte folgen; in den Zeitliedern erweist sich E. als eher grollender Beobachter seiner Zeit, der in Satiren mit revolutionären Ereignissen und Bestrebungen scharf zu Gericht geht . Als E. 1844 auf eigenen Wunsch aus dem Staatsdienst ausscheidet, ist der Höhepunkt seines literarischen Schaffens längst überschritten, doch mit Dichtungen, die ihm selbst und seinen Lesern »einen Spaziergang in amtsfreien Stunden ins Freie hinaus« bieten, bleibt er einer der volkstümlichsten Autoren seiner Epoche, der, bei aller Betonung des Subjektiven, doch Angst behielt vor dem Aufgehen im Irrationalen: »Du sollst mich nicht fangen, duftschwere Zaubernacht.«

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Eichendorff,  Joseph    





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