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Defoe, Daniel - Leben und Biographie



Daniel Defoe veröffentlichte über 500 Schriften, hauptsächlich Journale und Pamphlete. Seine heutige Bedeutung beruht vor allem auf seinem Spätwerk, den Romanen, mit denen er als Begründer dieser Gattung in England gilt. Der Autor verstand das Schreiben als Möglichkeit, aktuelle Zeitfragen politischer, sozialer und moralischer Natur zu erörtern.
      Defoe, Sohn eines Metzgers und Dissenters, wurde nach einer Ausbildung zum pres-byterianischen Pfarrer Kaufmann. 1692 musste er Konkurs anmelden und kam in Schuldhaft, avancierte jedoch später zum Steuereinnehmer und Aufseher über die staatliche Lotterie und erwarb eine Ziegelei. 1702 brachte ihm seine Satire Kurzer Prozess mit den Nonkonformisten eine Gefängnisstrafe ein. 1703-14 war Defoe als Agent im Dienst des gemäßigt konservativen Premierministers Robert Harley tätig und verfas-ste in der von ihm gegründeten Zeitschrift The Review regierungsfreundliche Artikel. Erst mit 59 Jahren schrieb er seinen ersten Roman: Robinson Crusoe.
      Robinson Crusoe
Das Leben und die seltsamen Abenteuer des Robinson Crusoe, eines Seemanns aus York gehört zu den großen Romanen der Weltliteratur und ist gleichermaßen ein beliebtes Jugendbuch.
      Daniel Defoe vereint unterschiedliche Formen zeitgenössischer Literatur wie Robinsonade, Abenteuerroman, Reisebericht, Utopie, Bekehrungsliteratur und Seelentagebuch zu einem neuen Ganzen. Angeblich nur der Herausgeber des Werks erhebt Defoe im Vorwort Anspruch auf Authentizität des Geschilderten und grenzt den Roman explizit zu der bis dato üblichen Form der fiktiven Romanze ab. Die Authentizitätsfiktion entwickelte sich seitdem zum entscheidenden Merkmal des Romans. Entstehung: Defoe griff z.T. auf zeitgenössische Quellen zurück, u.a. auf die Erlebnisse des Matrosen Alexander Selkirk und einen Bericht von Robert Knox. Selkirk hatlejahrelang auf der Pazifikinsel Juan Fernandez gelebt, bevor er 1709 von Kapitän Woodcs Rogers gerettet wurde, Knox hatte 19 Jahre auf Ceylon in Gefangenschaft verbracht und 1681 einen Bericht über seine Erfahrungen veröffentlicht. Inhalt: Der fiktive Erzähler Robinson Crusoe schildert seine Reiseerlebnisse aus der Retrospektive. Robinson, Sohn eines Kaufmanns aus York, der gegen den Willen der Fitem zur See fährt, besteht dort einige Abenteuer und wird nach einem Schiffbruch als einziger Ãœberlebender auf eine einsame Insel verschlagen. Detailliert schildert er, wie er sich mühsam auf der Insel einrichtet und sich nach und nach seine eigene »Zivilisation« schafft. Sein Ãœberleben sichert sich Robinson durch Ausdauer, Geschicklichkeit und Beobachtungsgabe, jedoch auch durch ein neu gewonnenes Gottvertrauen. Eines Tages rettet er einem Eingeborenen das Leben, nennt ihn Freitag, erzieht ihn zu einem Diener und bekehrt ihn zum Christentum. Nach über 28 Jahren wird Robinson von einem englischen Kapitän gerettet und nimmt Freitag nach England mit. Wirkung: Der Roman lässt in seiner Vielschichtigkeit unterschiedliche Deutungsschwerpunk-te zu, was die Rezeptionsgeschichte des Werks zeigt. Als Robinsonade grenzt sich Robinson Crusoevon seinen Vorgängern ab, weil Crusoe auf seiner Insel keine alternative Lebensform entwickelt, sondern die europäische Zivilisation nachzubauen versucht. Indem er auch den Eingeborenen Freitag dem zivilisatorisch-europäischen Ideal unterwirft, wird das für die Zeitgenossen aktuelle Thema des Kolonialismus zu einem wichtigen Aspekt des Romans.
      Das Werk kann auch als Utopie vom einfachen Leben gelesen werden. Der sich zunehmend arbeitsteilig entwickelnden Gesellschaft des frühkapitalistischen England tritt Robinson als Universaltalent entgegen, das auf seiner Insel für Geld keine Verwendung hat. Die Zielstrebigkeit, mit der sich Robinson die Insel aneignet, und sein Pragmatismus lassen ihn andererseits als Homo oeconomicus erscheinen, den Prototyp des aufstrebenden Unternehmers und Kolonisators des 18. Jahrhunderts.
      Die Ähnlichkeit mit einem puritanischen Seelentagebuch lässt auch eine religiöse Interpretation des Werks zu. Robinson führt ein Inseltagebuch, in dem er auf der Suche nach dem Sinn seines Schicksals seine Bekehrung zum Glauben schildert. Nicht zuletzt führt Robinson Crusoe als zentrales Thema vor Augen, dass der Mensch mithilfe von Gottvertrauen, Ausdauer, Tat- und Willenskraft Widerstände der Natur überwinden kann.
      Autoren wie der Pädagoge Joachim Heinrich Campe , Jules -> Verne, Robert Louis -> Stevenson und der Schweizer Johann David Wyss von Johann Gottfried -> Schnabel am bekanntesten ist. Defoe schrieb mit Die weiteren Abenteuer des Robinson Crusoe und Ernstliche und wichtige Betrachtungen des Robinson Crusoe, welche er bei den erstaunungsvollen Begebenheiten seines Lebens gemacht tat zwei Fortsetzungen des Romans. Die erste beschreibt Robinsons Rückkehr auf die Insel, in der zweiten, weitgehend unbekannten Forstsetzung setzt Defoe die Inselerfahrungen des Robinson in gleichnishaften Bezug zu seinem eigenen Leben.
      Die wichtigsten Werke von Daniel Defoe
Der waschechte Engländer, 1701 Satirisches Gedicht, indem Defoe mit den Feinden von König Wilhelm I

II.

abrechnet.
      Kurzer Prozess mit den Nonkonformisten, 1702 Satirisches, gegen den konservativen Flügel und die religiöse Intoleranz der anglikanischen Staatskirche gerichtetes Pamphlet, das Defoe 1703 ins Gefängnis und an den Pranger brachte.
      Robinson Crusoe 1719 Für 28 Jahre auf eine einsame Insel verschlagen, schildert der Ich-Erzähler detailliert seinen Ãœberlebenskampf.
      Kapitän Single ton 1720 Der Titelheld und Ich-Erzähler entwickelt sich vom Abenteurer und Piraten zu einem soliden Ehemann und Christen.
      Moll Flanders 1722 Als reumütige Sünderin liefert die ehemalige Hure und Diebin Moll Flanders die Beichte ihres ereignisreichen Lebens ab.
      Die Pest zu London 1722 Ein fiktiver, sehr realistisch geschilderter Augenzeugenbericht über die große Pest in London .
      ColonelJack 1722 Nach einem abenteuerlichen Leben findet der Ich-Erzähler und Dieb Colonel Jack zu Reichtum und gesellschaftlichem Ansehen.
      Die glückliche Mätresse, 1724 Rückblickend schildert die Titelheldin Roxana reumütig ihr abenteuerliches Leben als Dirne und Ehefrau zweier Männer.
      Memoiren eines Kavaliers, 1724 Schilderungen eines Offiziers über seine Erlebnisse in den Heeren der Könige Gustav Adolf und Karl 1..
      Reise durch die gesamte Britische Insel, 1724-26 Mit seinen lebendig geschilderten Beobachtungen gewährt der reisende Ich-Erzähler dem Leser anschauliche Einblicke in die britische Geografie, Wirtschaft und KulturseinerZeit.

      Moll Flanders
In Glück und Unglück der berühm ten Moll Flanders schrieb Daniel Defoe als erster Romanautor seiner Zeit aus der Perspektive einer Frau und wähl-te das kriminelle Milieu als Schauplatz seiner fiktiven Autobiografie. Damit verlieh er seinem Interesse an den Außenseitern der Gesellschaft Ausdruck. Wie schon in Robinson Crusoe gibt sich der Autor im Vorwort als Herausgeber aus, um dem Roman höhere Akzeptanz zu verschaffen. Hinzu kommt sein Anspruch auf moralische Belehrung, mit dem er die von seinen puritanischen Lesern geschätzte moralische Funktion des Romans über dessen Unterhaltungswert stellt. Inhalt: Die Erzählerin mit dem Pseudonym Moll Flanders kommt als Tochter einer Diebin im Londoner Newgate-Gefängnis zur Welt. Als Dienstmädchen lässt sie sich gegen Geld vom Sohn des Hauses verführen, der sie später zur Heirat mit seinem jüngeren Bruder überredet. Bald verwitwet, heiratet sie einen Tuchhändler, der als Bankrotteur im Gefängnis landet und sich dann aus dem Staub macht. Mit ihrem dritten Ehemann emigriert Moll nach Virginia. Als sich jedoch herausstellt, dass er ihr Bruder ist, kehrt sie nach England zurück. Von ihrem vierten Ehemann, der aus Lancashire stammt, trennt sich Moll, nachdem beide dahinter gekommen sind, dass sie sich über ihre Besitzverhältnisse getäuscht haben. Es folgt die Heirat mit einem Banker, der nach fünf Ehejahren stirbt. Von den Kindern aus ihren diversen Ehen trennt sich Moll jeweils ohne großes Bedauern. Mit 48 Jahren ist sie zu alt, um sich erneut durch Heirat aus ihrer finanziellen Not zu retten. Sie beginnt eine Diebeskarriere und arbeitet als Hure, bis sie im Newgate-Gefängnis landet. Als ihr die Todesstrafe droht, bereut sie zum ersten Mal ihre Missetaten und wird von einem Pastor zum Glauben bekehrt. Begnadigt, emigriert sie mit ihrem Lancashire-Ehemann nach Virginia, gründet eine Plantage und führt ein redliches Leben, an dessen Ende sie nach England zurückzukehrt. Struktur: Der Roman erzählt episodenhaft, wie sich Moll in immer neue kriminelle Taten verstrickt. Mit ihrer Bekehrung in Newgate kommt es zum Wendepunkt der Erzählung. Ein wichtiges Strukturelement ist das Geld, das die einzelnen Episoden miteinander verbindet und auf Molls Verhaltensweise entscheidenden Einfluss nimmt. Der Roman ist von einer Spannung zwischen erlebender und erzählender Protagonistin geprägt. Während die Erzählerin Moll sich als reumütige Sünderin ausgibt, ist die Protagonistin Moll ihrem Schicksal gegenüber blind und begibt sich meist ungerührt immer tiefer in die Londoner Verbrecherszene. Wirkung: Für den individuellen Erzählstil und die realistische Schilderung wurde Defoe vielfach gelobt. Das Spannungsverhältnis in der Konzeption und Darstellung der Hauptfigur sowie der eine ironische Deutung zulassende Ausgang des Romans - die »Belohnung« des kriminellen Verhaltens - wurden hingegen kritisiert.
      Moll istjedoch mehr als Opfer einer auf Gewinnstreben fixierten vorkapitalistischen Gesellschaft zu sehen, das keine vorschnelle moralische Verurteilung verdient hat.
      Wie Robinson Crusoe ist Moll Flanders als Seelentagebuch lesbar. Die spirituelle Wiedergeburt Molls auf dem Tiefpunkt ihrer Karriere und die daraufhin folgende Reue lassen sich als Botschaft Defoes verstehen, dass auch gesellschaftliche Außenseiter göttlicher Gnade würdig sind.
      Hauptfiguren in »Moll Flanders« von Daniel Defoe
Moll Flanders: Arme, aber hübsche und clevere Tochter einer Diebin; mit Raffinesse, Energie und Zielstrebigkeit will sie sich gesellschaftlich etablieren; sie ist bereit, dafür moralische Prinzipien zu verletzen, ohne aber gewalttätig zu sein; heiratet mehrmals des Geldes wegen, kann aber auch Zuneigung empfinden; zu mütterlichen Gefühlen nicht fähig; wenig religiös, findet sie zuletzt aber doch zu Reue und einem straffreien Leben. Der älteste Sohn des Bürgermeisters : »Lebenslustiger junger Mann«, der Moll mit Komplimenten verführt.
      Robert/Robin : »Offener und ehrlicher Mensch«, der Moll wirklich liebt; stirbt nach kurzer Ehe. Der Tuchhändler : »Durch und durch Kavalier« und ein verschwendungssüchtiger Mensch; wird wegen Bankrotts verhaftet; setzt sich später nach Frankreich ab.
      Humphrey : »Sehr gütiger Mensch«, mit dem Moll nach Virginia geht; stirbt nach der Trennung verbittert.
      Der Gentleman aus Bath : »Sehr vornehmer Mann«, der sich nach einigen Jahren von Moll trennt. James : »Außerordentlich vornehme Erscheinung, groß, von tadelloser Figur und äußerst gewandt«; ein Straßenräuber, den Moll von allen Männern am meisten liebt; sie verbringen ihren Lebensabend gemeinsam. Der Bankier : »Stiller und feinfühliger Mann, dabei tugendhaft, bescheiden und ehrlich«; lässt sich scheiden, um Moll zu heiraten; stirbt nach fünf Jahren Ehe.
      Die Pflegemutter/Hebamme: Prinzipienlos und rein materiell orientiert; nimmt Huren und ledige Mütter auf, besitzt ein Pfandhaus und macht Geschäfte mit Dieben, auch mit Moll; unmenschlich, kalt und immun gegenüber Gefühlen.
     


Czepko von reigersfeld, daniel

An den Menschen Haas, Alois M. In: Schweizer Monatshefte 45, 1965, S. 572 - 577. Das treuhertzige Creutze Garbe, Burckhard und Garbe, Gisela. In: Eupho- rion 69, 1975, S. 100 - 106. Poema Germanicum Roloff, Hans-Gert. In: Textkritik und Interpretation, 1991, S. 102 - 108 und 133 - 141. .....
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Jenisch, daniel

Borussias Biesterfeld, Wolfgang. In: Aufklärung und Utopie, 1993, S. 27 - 38. .....
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Lohenstein, daniel caspar von

Auff das absterben Seiner Durchl. Georg Wilhelms Ketelsen, Uwe-K. In: Gedichte und Interpretationen 1, 1982, S. 366-378. Aufschrift eines Labyrinths Krüger, Michael. In: Frankfurter Anthologie 6, 1982, S. 27-31. Umbschrifft eines Sarches Naumann, Walter. In: Traum und Tradition, 1966, .....
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Schubart, christian friedrich daniel

Der Kupferstecher nach der Mode Härtling, Peter. In: Frankfurter Anthologie 9, 1985, S. 33-36. Die Aussicht Eigenwald, Rolf. In: Projekt Deutschunterricht 8, 1974, S. 133 - 135. Sowinski, Bernhard und Schuster, Dagmar. In: Sturm und Drang, 1992, S. 112 - 116. Die Forelle Jäger, Hans-Wolf .....
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Schleiermacher, friedrich daniel ernst

»Alle Menschen sind Künstler.« Mancher mag vielleicht heute diesen Satz spontan mit einem Diktum Joseph Beuys' identifizieren, dessen Auffassung: »Kunst kommt nicht von Können, sondern von Künden«, von der Ãœberzeugung lebt, daß in jedem einzelnen - wenn auch zumeist verschüttet — die Fähigkeit un .....
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