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Claudius, Matthias - Leben und Biographie



Mit seinem Gesamtwerk, das Gedichte, Lieder und vielfältige kurze Prosastücke umfasst, versuchte Matthias Claudius protestantische Religiosität und aufklärerische Gedanken zu verbinden und als »Lebenshilfe« vor allem für die ländliche Bevölkerung des 18. Jahrhunderts zu präsentieren; damit ist er ein wichtiger Vertreter der so genannten olksaufklärung. Einige seiner Gedichte, die oft in einem gemütstiefen und kindlichen Ton gehalten sind, haben darüber hinaus bis ins 20. Jahrhundert größte Bekanntheit gewonnen und werden oft als »Volkslieder« verstanden, darunter Das Abendlied von 1779 und Der Mensch []783).
      Als Sohn aus einer alten norddeutschen Pfarrerfamilie studierte Claudius Theologie, aber auch Volkswirtschaft und Rechtswissenschaften in Jena. Er verließ die Universität ohne akademischen Abschluss und schlug sich in den folgenden Jahren als Sekretär des Grafen Holstein in Kopenhagen und als Verwaltungsbeamter und Redakteur vor allem in Hamburg durch. Die von Claudius geleitete Lokalzeitschrift »Der Wandsbecker Bote« konnte zwar die prominentesten Autoren der Zeit wie -> Goethe, Johann Gottfried von Herder , Friedrich -> Klopstock und Gotthold Ephraim -» Lessing zu seinen Mitarbeitern zählen, war aber unternehmerisch ein Misserfolg. Claudius übernahm den Titel der Zeitung als eine Art von Künstlernamen, als er nach 1777 in Hamburg-Wandsbek ein Auskommen für sich und seine große Familie als freier Schriftsteller suchte. Dies gelang, in aller Bescheidenheit, durch den Rückhalt in Ehe und Familie und durch die Förderung von Freunden und Gönnern, etwa dem dänischen Kronprinzen Friedrich

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, der ihm mit einer eher repräsentativen Stellung als Bankrevisor in Altona ein festes Einkommen sicherte. Wie alle Zeitgenossen setzte Claudius sich mit der Französischen Revolution auseinander. Claudius stand u. a. dem Kreis um Friedrich Gottlieb —» Klopstock, dem »Göttinger Hain« nahe. Er hatte im Alter noch Kontakt zur jungen Generation der Romantiker und wurde von ihnen verehrt. Claudius starb 1815, erschöpft von einigen fluchtartigen Reisen, zu denen ihn die Wirren der Befreiungskriege gezwungen hatten.
      Sämtliche Werke des Wandsbecker Boten
Matthias Claudius publizierte in dieser Sammlung zahlreiche literarische Arbeiten aus seiner Redakteurszeit sowie neu verfasste Texte. Inhalt: Der Wandsbecker Bote erscheint auf den ersten Blick als zufälliges, auf den zweiten aber als wohl komponiertes Mosaik von Gedichten und Prosastücken. Thematisch sind sie der Frage nach einer christlichen Lebensführung, den Freuden und Leiden des alltäglichen Lebens, besonders in der Familie, aber auch historischen Ereignissen und nicht zuletzt dem literarischen Leben gewidmet.
      Der »Wandsbecker Bote« - nach dem ursprünglichen Titel auch »Asmus, der all seine Habe mit sich trägt« - ist dabei eine literarische Rolle, die der Autor bisweilen einnimmt und in der er mit anderen, etwa seinem fiktiven Freund Anders, dialogisiert. Nicht nur dieser kommunikative Kunstgriff, sondern auch die Verbindung aufklärerischer Gedanken, besonders des Toleranzgebots, mit evangelischer Frömmigkeit erinnert an den süddeutschen Zeitgenossen des Autors, Johann Peter -> Hebel. Wie er ordnet auch Claudius all sein Schreiben einer praktischen Ethik, der Erziehung zum rechten und gottgefälligen Leben unter, wobei sein besonderes Augenmerk den einfachen und ländlichen Bevölkerungsschichten gilt. Das hat zur Konsequenz, dass er seine profunde religiöse und literarische Bildung nur anklingen lässt und in Prosa wie in der Lyrik einen nur scheinbar naiven, einfachen und »volkstümlichen« Sprachstil pflegt, der tatsächlich jedoch sehr reflektiert ist. In den besten seiner Lieder und Gedichte, die seinen Nachruhm begründeten, gelingt, was Sturm und Drang sowie Romantik als poetisches Ideal postulierten: eine bruchlose Verschmelzung von Kunstcharakter und Volkston. Aufbau: Der Mosaikcharakter des Werks lässt erkennen, dass Claudius als Gebrauchsschriftsteller tätig war. Heutigen Lesern mag er überraschend »modern« erscheinen; das erklärt auch schon die Wertschätzung durch diejüngere Generation der Romantiker.
      Formal nutzte Claudius eine Vielfalt von prosaischen Zweck- und Kleinformen wie Abhandlung, Rezension , Beispielgeschichte, biblische Erzählung, Bibelauslegung, Brief und Aphorismus. In der Lyrik dominieren kommunikativ-liedhafte Formen, auch in Anlehnung an das Kirchenliedoder das Kinderlied. Insgesamt verschiebt sich im Verlauf von 37 Jahren das Interesse des Autors von aktuellen literarischen Ereignissen zu den Grundfragen menschlicher Existenz und schließlich zu religiösen Erörterungen. Wirkung: Die Wertschätzung der Nachwelt für das Werk des Dichters ist, bedingt durch die Zeitgebundenheit mancher Themen, außerordentlich selektiv. Einige Texte, vor allem Gedichte, gewannen jedoch eine kaum vergleichbare Popularität bis ins 20. Jahrhundert hinein und wurden gleichzeitig als Meisterwerke deutschsprachiger Lyrik anerkannt. Mit diesen wenigen liedhaften Gedichten, so vor allem dem Abendlied , dem Gedicht Der Mensch, dem Kriegslied oder auch dem Dialoggedicht Der Tod und das Mädchen, hat Claudius nicht nur die Herzen unzähliger Menschen erreicht, sondern sich auch - auf der gleichen Stufe wie Bertolt -» Brecht, Johann Wolfgang von -> Goethe und -> Luther - in den bleibenden Kanon der deutschen Poesie eingereiht.


Ich war wohl klug, dass ich dich fand - Ãœber matthias claudius

Der junge Mann, der an diesem grauen Herbstnachmittag des Jahres 1770 die Chaussee von I Limburg heraufkam, war gerade dreißig geworden. Lr schritt schnell und beschwingt über das Kopfsteinpflaster. Seine Gedanken waren schon in das Dorf vorausgeeilt, dessen bleistiftdünner Kirchturm vor ihm die kah .....
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Matthias claudius

15.8.1740 in Rcinfcld , 21.1.1815 in Hamburg Claudius wird am 15. August 1740 in dem Dorf Rcinfcld bei Lübeck geboren. Sein Vater, der in Rcinfcld Pastor ist, entstammt einer alten Pfarrfamilie, seine Mutter einer Flensburger Kaufmannsund Senatorenfamilic. Matthias bat zunächst Privatunterricht .....
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Claudius, matthias

Mit seinem Werk wollte er den Lesern »kein Ambrosia, keine raffinierte blähige Konditorware« geben, wie er 1782 in einer Selbstanzeige seiner Sämtlichen Werke anmerkte, »sondern ehrlich hausbacken Brot mit etwas Koriander, das dem armen Tagelöhner besser gedeiht und besser gegen Wind und Wetter vorh .....
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Index » Autoren » Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Claudius, hermann

Apfel-Kantate Schulz. Bernhard. In: Literarischer Unterricht II, 1966, S. 211 -214. .....
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Claudius, matthias

Abendlied Sommer, J. Carl Ernst. In: Studien / Wandsbecker Bote, 1935, S. 55 - 66. Spitzer. Leo. In: Euphorion 54, 1960, S. 70 - 82. Wilhelmsmeyer, Johannes. In: Gedichtstunde, 1964, S. 21 - 24. Knauf, Rudolf. In: Hienger / Knauf, 1969, S. 26 -29. Lehnen, Herbert. In: Struktur und Sprachmagie, 1 .....
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Ptolemäus, claudius

Als P. seinen Abnagest vefaßte, konnte die griechische Astronomie bereits auf zwei grundlegende Errungenschaften zurückblicken: zum einen auf die Entwicklung eines kinematischen Modells der Sonnen- und Mondbewegung, das die Vorausberechnung der Finsternisse erlaubte; zum anderen auf die Ausarbeitun .....
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Abendlied - matthias claudius

Mit dem Titel Abendlied stellt sich Claudius in eine bestehende Tradition. Trotz antik-mythischer und christlicher Präformationen konstituierte sich das Abendlied »als selbständige poetische Gattung, als volkssprachliches Gegenstück zum >Te lucis ante< der Kirche, als Abendgebet des Dichters« erst .....
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Kriegslied - matthias claudius

's ist Krieg! 's ist Krieg! O Gottes Engel wehre, Und rede Du darein! 's ist leider Krieg - und ich begehre Nicht schuld daran zu sein! 5 Was sollt' ich machen, wenn im Schlaf mit Grämen Und blutig, bleich und blaß, Die Geister der Erschlagnen zu mir kämen, Und vor mir weinten, was? Wenn wackre .....
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Matthias claudius (i740-i8i5): an - als ihm die - starb - ehrenrettung für einen dichter

An - als Ihm die - starb Der Säemann säet den Samen, Die Erd' empfängt ihn, und über ein kleines Keimet die Blume herauf - Du liebtest sie. Was auch dies Leben Sonst für Gewinn hat, war klein Dir geachtet. Und sie entschlummerte Dir! Was weinest Du neben dem Grabe, Und hebst die Hände zur Wo .....
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Matthias claudius - abendlied

Der Mond ist aufgegangen, Die goldnen Sternlein prangen Am Himmel hell und klar; Der Wald steht schwarz und schweiget, Und aus den Wiesen steiget Der weiße Nebel wunderbar. Wie ist die Welt so stille, Und in der Dämmrung Hülle So traulich und so hold! Als eine stille Kammer, Wo ihr des Tages Ja .....
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Herbert, matthias

Biografie: *1 in Darmstadt. M. Herbert studierte Germanistik in Mainz und jobbte anschließend u.a. als Kraftfahrer, Bäcker und Buchclub-Werber. Erste Erfolge hatte er als Schreiber von Illustrierten-Krimis. Arbeiten für den Rundfunk und die Einladung zu einem Drehbuchseminar der Bertelsmann-Stiftung .....
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