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Christie, Agatha - Leben und Biographie



Agatha Christie schildert in dramaturgisch ausgeklügelten Kriminalromanen die Abgründe der menschlichen Seele. Mit ihren Figuren Hercule Poirot sowie der Jane Marple schuf die Autorin die berühmtesten Detektive der Literaturszene. Ihre Bücher wurden in 104 Sprachen übersetzt und gut zwei Milliarden Mal verkauft.
      Agatha Mary Clarissa Miller sollte nach dem Willen ihrer Eltern Sängerin werden. Trotz Klavier- und Gesangsunterricht musste sie die musikalische Karriere mangels Talent aufgeben. 1914 heiratete sie Colonel Archibald Christie und arbeitete während des Ersten Weltkriegs in einem Hospital ihrer Heimatstadt als Krankenschwester. In dieser Zeit begann sie Kriminalromane zu schreiben. Nach der Scheidung 1928 lernte sie ihren späteren zweiten Ehemann, den Archäologen Max Mallowan, kennen und begleitete ihn auf Reisen in den Orient. Diese Erfahrungen bilden den Hintergrund für Krimis wie Mord im Orient-Express und Tod auf dem Nil . Christies Werk umfasst 84 Romane, über 150 Kurzgeschichten und 19 Theaterstücke, darunter Die Mausefalle .
      Das fehlende Glied in der Kette
In ihrem ersten Roman Das fehlende Glied in der Kette erschuf Agatha Christie mit der Figur des Hercule Poirot einen der skurrilsten Detektive der Weltliteratur. Die Leistung der Autorin liegt in der ausgewogenen Präsentation von Verrät-selung, Ermittlung und Auflösung, den Unterhaltungseffekten des Detektivromans. Entstellung: Während ihrer Tätigkeit als Krankenschwester im Hospital in Devon gab ein Vorfall aus dem Jahr 1916 der 26-jährigen Agatha Christie den Anstoß für den Roman. Aus dem Giftschrank der Krankenhausapotheke war eine nicht unbeträchtliche Menge Arsen verschwunden. Christie eignete sich Wissen über Gifte an, erfand Hercule Poirot, einen pensionierten Kriminalbeamten, und ersann eine Geschichte. Inhalt: Hauptmann Hastings wird von seinem Jugendfreund John Cavendish auf den Landsitz Styles eingeladen, wo dessen Familie und einige weitere Personen leben. Als die Besitzerin des Anwesens, Johns Mutter Emily lnglethorp, eines Nachts an den Folgen einer Strychnin-vergiftung stirbt, übernimmt Hercule Poirot die Aufklärung des Falls.
      Aufbau: Der Roman gliedert sich in drei Teile und folgt dem klassischen Muster eines Rätselromans . Die Welt des Krimis ist reduziert auf einen Ausschnitt, von der realen Welt isoliert - hier das Landhaus Styles. In der Exposition werden die Hauptfiguren vorgestellt, der Mord geschildert und die Rätselspannung aufgebaut, welche die Fragen nach Täter, Motiv und Tathergang aufwirft. Erschwert wird die Aufklärung durch das Locked-room-Motiv, der Tat in einem scheinbar abgeschlossenen Raum. Im Hauptteil erfolgt die deduktive Ermittlung in Form der Befragung der Verdächtigen durch den Detektiv. Hauptmann Hastings, die »Watson-Figur«, vermittelt wie bei Sherlock Holmes in der Rolle des Assistenten zwischen dem hochintelligenten Detektiv und dem Leser. Aus diesem Grund wird der Roman aus der Ich-Perspektive des Hauptmanns erzählt. Im Schlussteil wird der Mord rekonstruiert und von Poirot aufgeklärt mit der für die Gattung typischen überraschenden Lösung. Wirkung: Der Roman bildete das Fundament für den Welterfolg der Schriftstellerin. Die Wiederherstellung der heilen Welt am Schluss des Romans entsprach den Kompensationswünschen der Leser aus der Mittelschicht, die sich nach den Schrecken des Ersten Weltkriegs nach festen Wertvorstellungen sehnte.

      Mord im Orient-Express
Mord im Orient-Express gehört zu den erfolgreichsten Romanen von Agatha Christie. Die englische Krimi-Queen lässt ihren belgischen Meisterdetektiv Hercule Poirot in der Abgeschlossenheit des mythischen Nobelzugs einen höchst ungewöhnlichen Fall lösen. Entstehung: Agatha Christie konnte bei Mord im Orient-Express auf eigene Erfahrungen zurückgreifen: Um ihren zweiten Ehemann, den Archäologen Max Mallowan, zu besuchen, fuhr sie mehrfach mit dem Orientexpress nach Ur in den Irak; im Dezember 1931 geriet der Zug in ein Unwetter und konnte zwei Tage lang nicht weiterfahren.
      Das Motiv für den Kindsmord lieferte die Entführung des Sohnes von Atlantik-Ãoberquerer Charles Lindbergh, der 1932 gekidnappt und trotz Zahlung eines hohen Lösegelds ermordet worden war. Agatha Christie schrieb den Detektivroman 1933 während einer Ausgrabung in Teil Arpatschija und widmete ihn ihrem Mann. Inhalt: Meisterdetektiv Hercule Poirot reist im Orientexpress von Aleppo nach London. Ãoberraschenderweise füllt sich der Zug, der zunächst kaum besetzt ist, in Istanbul. Auf dem Balkan bleiben Lokomotive und Waggons im Schnee stecken; kurze Zeit später wird einer der Mitreisenden, der Amerikaner Ratchett, tot in seinem Abteil aufgefunden. Poirot, dem Ratchett schon in Istanbul unangenehm aufgefallen war , wird von seinem Freund Bouc, einem Di-rektor der Compagnie Internationale des Wa-gons-Lits, der ebenfalls zufällig mitreist, um Aufklärung des Falls gebeten.
      Bereits die ersten Ermittlungen, die Poirot zusammen mit dem griechischen Arzt Dr. Cons-tantine vornimmt, ergeben, dass Ratchett von mehreren Tätern erstochen worden sein muss. Ebenso schnell findet Poirot heraus, dass Ratchett in Wirklichkeit Cassetti heißt, in den USA in verschiedene Entführungsverbrechen verwickelt war und mit der Ermordung der dreijährigen Daisy Armstrong sowie der Erpressung ihrer reicher Eltern den Zorn der Bevölkerung auf sich gezogen hatte, vor Gericht aber einen Freispruch erwirkte.
      Im zweiten Teil des Romans werden die Schlafwagenschaffner und Mitreisenden ver-hört. Poirot ist dabei »allein auf logische Ãoberlegungen angewiesen«, weil er keine polizeilichen Methoden anwenden darf. Zu Beginn des dritten Teils fordert Poirot Dr. Constantine und seinen Freund Bouc zum Nachdenken auf, rekapituliert für sie und - dramaturgisch geschickt - den Leser die Zeugenaussagen. Die weitere Vernehmung einiger Hauptverdächtiger ergibt, dass alle zwölf Fahrgäste des Schlafwagenwaggons in einem Verhältnis zur Familie Armstrong standen. Eine Schlüsselszene ist das neunte Kapitel, in dem Poirot die Reisenden im Speisewagen versammelt und ihnen zwei Lösungen des Falls vorstellt. Die erste - die nach Ãobereinkunft der Fahrgäste der Polizei präsentiert werden soll - geht davon aus, dass ein Fremder in den Zug gestiegen ist, Ratchett ermordet und den Zug wieder verlassen hat. Tatsächlich trifft aber Poirots zweite Lösung zu: »Es waren zwölf Fahrgäste - und Ratchett wurde mit zwölf Messerstichen getötet.« Der gemeinsame Mord der Orientwagengesellschaft, ein Akt der Selbstjustiz, wird von allen -Poirot eingeschlossen - als gerechte Strafe für den Kapitalverbrecher empfunden. Aufbau: Mord im Orient-Express folgt dem klassischen »Closed-Room«-Schema, wonach in einem geschlossenen Raum ein Mord verübt wird und sich der Täter demzufolge unter den Anwesenden befinden muss. Gegliedert ist der Roman in drei Teile mit jeweils 8, 15 und 9 Kapiteln.
      Wirkung: Der große Erfolg dieses Kriminalromans ist auf das ungewöhnliche Motiv des von der Autorin moralisch gerechtfertigten Gruppenmords zurückzuführen. Eine nahezu exemplarisch aus verschiedenen Gesellschaftsschichten zusammengesetzte Täterschar »korrigiert« das Fehlurteil der Justiz und verhilft der Gerechtigkeit durch einen schwer wiegenden Gesetzesbruch nachträglich zum Sieg. Agatha Christie gab den Stoff erst 40 Jahre nach Erscheinen der Romanvorlage zur Verfilmung frei. Die Regie führte Sidney Lumet, der die Rollen bis in die Nebenrollen mit Weltstars besetzte: Sean Connery, Vanessa Redgrave und Ingrid Bergman. Hercule Poirot wurde von Albert Finney gespielt. In Deutschland erschien Agatha Christies Meisterwerk 1951 zunächst unter dem Titel Der rote Kimono im Goldmann Verlag. 1991 nahm der Scherz Verlag den Roman unter dem Originaltitel Mord im Orient-Express ins Programm. Die Neuübersetzung von Otto Bayer schnitt den Klassiker 1999 sprachlich auf eine neue Lesergeneration zu. 2001 wurde das Buch ein weiteres Mal unter der Regie von Carl Schenkel verfilmt. Er hielt sich zwar eng an die Vorgaben der Handlung, versetzte sie aber in die Gegenwart, in der Poirot sogar ein Laptop besitzt.
      Die wichtigsten Bücher von Agatha Christie
Das fehlende Glied in der Kette, 1920 In seinem ersten Fall klärt der belgische Meisterdetektiv Hercule Poirot den Mord an der Besitzerin eines Landguts auf.
      Alibi 1926 Der Mord an dem Fabrikanten Roger Ackroyd in King's Abbot stört die dörfliche Idylle. Detektiv Poirot, der sich dort zur Ruhe gesetzt hatte, um Kürbisse zu züchten, untersucht den Fall.
      Mord im Pfarrhaus 1930 Sogar der Pfarrer von St. Mary Mead bemerkt, dass derjenige, der Oberst Protheroe umbringt, der Welt einen Dienst erweist. Als der Oberst wirklich ermordet wird, forscht Miss Marple nach.
      Mord im Orient-Express 1934 Auf der Reise im Zug von Paris nach Istanbul wird Hercule Poirot von einem Mitreisenden um Beistand gebeten. Kurz darauf wird er ermordet, Poiret löst den Fall noch während der Fahrt.
      Die Morde des Herrn ABC 1936 Ein Mörder, der nach dem Alphabet tötet und an den Tatorten einen ABC-Fahrplan hinterlässt, bildet den Ausgangspunkt für die detektivischen Ermittlungen von Hercule Poirot.
      Tod auf dem Nil 1937 Auf einer Kreuzfahrt wird eine jung vermählte Braut erschossen im Bett aufgefunden. Poirot und Colonel Race klären den Fall.
      Zehn kleine Negerlein 1939 Der unbekannte U.N. lädt zehn Menschen auf seinen Landsitz ein. Nacheinander werden fast alle Gäste umgebracht.
      16 Uhr 50 ab Paddington, 1957 Mrs. McGillicuddy sieht einen Mord in einem vorbeifahrenden Zug, eine Leiche wird aber nicht gefunden. Miss Marple ermittelt.
     


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