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Chretien de Troyes - Leben und Biographie



Ãober die Persönlichkeit und das Leben von Chretien de Troyes. dem bedeutendsten französischen Epiker des Mittelalters, ist wenig überliefert. Aus seinen Werken lässt sich lediglich erschließen, dass er in jungen Jahren in Diensten der Gräfin Marie de Champagne stand, möglicherweise schon als Hofdichter, und später zum Gefolge des Grafen Philipp von Flandern gehörte. Gewiss ist nur, dass er nicht nur außergewöhnlich gebildet war, sondern auch Ãobersetzer antiker Literatur.
      Sechs seiner Romane, die auf die europäische Epik der folgenden Jahrhunderte größten Einfluss ausübten, sind überliefert; fünf davon behandeln Themen aus der weitverzweigten Sagenwelt um den bretonisch-britischen König Artus: Free und Enide, Cliges, Lancelot oder Der Karrenritter, Yvain oderDerLöwenritterund Perce-val, der erste Roman um den Heiligen Gral. Das sechste Werk, Wilhelm von England, ist ein zeittypischer Abenteuerroman. Ein Buch, das vom Schicksal von Tristan und Isolde erzählte, ging verloren.
      Mit seiner qualitativen und quantitativen Leistung als Schriftsteller überragte der Unbekannte aus Troyes alle anderen Belletristen des Mittelalters und nur einer übertraf ihn an Gedankentiefe: -^Wolfram von Eschenbach, dessen Parzi-w/ auf Chretiens Percevo/basiert.

      Erec und Enide
Mit seinem ersten Werk schuf Chretien de Troyes einen literarischen Prototyp von einzigartiger Bedeutung: Erec und Enide ist der erste Roman um den sagenumwobenen König Artus und seinen Hofstaat. Mit diesem Versepos setzte die »Mode« der so genannten höfischen Epik ein, die zur weltlichen Lieblingslektüre der Europäer des Hochmittelalters wurde. Entstehung: Aus den zahlreichen Abenteuer-und Liebesgeschichten, die zu seiner Zeit kursierten, wählte der junge Chretien einen Stoff aus, der ihm ideal erschien für die weitere Ausgestaltung mit märchenhaften, mystischen und minneseligen Handlungselementen. In 6958 Reimpaar-Versen gestaltet er ein bravouröses Epos, das als der erste Großroman seit der Antike bezeichnet worden ist.
      Inhalt: Im Mittelpunkt des breit gefächerten Geschehens sieht die problematische Ehe von Erec und Enide. Der Königssohn Erec, Jagdgast am Hof von König Artus in Cardigan, hat - um eine Dankesschuld abzutragen, aber auch aus Liebe - die schöne Tochter eines verarmten Ritters geheiratet. Als sie ihm nach einiger Zeit sein »Verliegen«, also seine Untätigkeit und Kampfesunlust vorwirft, bricht er zu ritterlichen Abenteuern auf - allerdings unter einer seltsamen Bedingung: Enide soll ihm stets vorausrei-ten und muss schweigen, was immer auch passieren mag. Erec gerät alsbald in tödliche Gefahren und Enide im Widerstreit zwischen ihrem Gelübde und den Erfordernissen fortwährender Notsituationen in unerträgliche Gewissenskonflikte. Als sie schließlich den totge-glaubten Gatten stumm betrauert und dabei von einem fremden Ritter belästigt wird, stößt sie, um das Schweigen nicht zu brechen, einen gellenden Schrei aus, der Erec wieder ins Leben zurückholt. Enides Treue und Umsicht haben gesiegt. In Liebe wieder vereint, machen sie sich auf den Rückweg zum Artushof. Doch vor dem Ziel erlegt sich Erec selbst noch eine letzte Bewährungsprobe auf: Im Zaubergarten »Zur Hofesfreude« fordert er den monströsen Ritter Mabonagrain, der 80 Edelfrauen zu Witwen gemacht hat und gefangen hält, zum Kampf heraus und bringt ihn zur Strecke. Wirkung: Chretiens Pionierwerk der altfranzösischen Literatur diente zwei Jahrzehnte später dem jungen -> Hartmann von Aue als Vorlage für sein noch wesentlich umfangreicheres, aber nicht vollständig erhaltenes frec-Epos , den ersten deutschen Beitrag zur Artus-Epik.
      Hauptwerke der Artus-Epik
Chretien de Troyes um 1170 Erec undEnideM'A dem ersten seiner fünf Artus-Romane begründet der Hauptrepräsentant der altfranzösischen Literatur die umfangreiche europäische Artus-Epik.
      Eilhart von Oberge 1170-80 Tristrantundlsalde:Der Dienstmann Braunschweiger Herzöge verbindet die bekannteste Liebestragödie seinerzeit in einem volkstümlich gehaltenen Versepos mit der Artus-Geschichte.
      Hartmann von Aue um1185bzw. 1200 frecund lwein:Auf Chretien fußende erste Beispiele höfischer Artus-Epik der mittelhochdeutschen Literatur: Spannungs-, Bildungsund Minneromane im Geist des christlichen Rittertums.
      Ulrich von Zatzikhoven 1195-1200 £onze/ef:Kunstlos gereimte Aneinanderreihung der Abenteuer des Artusritters Lancelot zur reinen Unterhaltung, verfasst nach französischen Quellen von einem Schweizer »Leutpriester«.
      Wolfram von Esehenbach 1200-10 ParzivaLDas Hauptwerk der deutschen Literatur des Mittelalters. Eindrucksvollste Darstellung des ritterlichen Lebens- und Bildungsideals. Nachwirkung bis ins 20. Jahrhundert.
      Gottfried von Straßburg um 1210 Tristan: Das unvollendete höfische Versepos ist neben Parzival die zweite Gipfelleistung der deutschen Literatur des Mittelalters und ein Höhepunkt der europäischen Liebesdichtung.
      Thomas Malory 1485 DerTodVW/rurs.'Einzige Gesamtdarstellung des Artus-Stoffes in englischer Sprache, von einem Parlamentarier und Offizier, der mit seinem Roman eine Art Nationalepos anstrebte.
     


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