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Choderlos de Laclos, Pierre Frangois - Leben und Biographie



Choderlos de Laclos ist heute vor allem wegen seines einzigen Romans Gefährliche Liebschaften bekannt, in dem er ein Bild der dekadenten höfischen Gesellschaft am Vorabend der Französischen Revolution 1789 zeichnet. Aufgrund präziser Analyse und satirischer Betrachtungsweise hat der Autor einen zeitlosen Roman über die dunkle Seite der menschlichen Ratio geschaffen. Der Autor entstammte dem niederen Adel des Ancien Regime und schlug mit 18 Jahren die Militärlaufbahn ein. Nebenher veröffentlichte er ab 1767 Gedichte , Essays über die Bildung der Frau sowie literarische Rezensionen. Seinen einzigen Roman brachte er 1782 anonym heraus. Er war verheiratet und hatte drei Kinder. 1786 ließ er sich vom Militär-dienst beurlauben und arbeitete fÃoT den Herzog von Orleans. Choderlos de Laclos war politisch engagiert im Jakobinerklub und arbeitete als Journalist. 1792 kehrte er in die Armee zurück; der Guillotine entkam er während der Terrorherrschaft der Jakobiner nur knapp. 1799 unterstützte er Napoleons Staatsstreich. 1803 StarT) er an der Ruhr.

      Gefährliche Liebschaften
Choderlos de Laclos schildert im Briefroman die Machenschaften der Libertins, skrupelloser Verführer in den aristokratischen Salons des Ancien Regime. In einer Gesellschaft, die annimmt, alles menschliche Verhalten sei logisch und gesetzmäßig, also rational erfassbar, systematisieren sie ihre Intrigen und Verführungskünste zum eigenen Nutzen. Als Wissenschaftler der Erotik führen sie psychologische Experimente durch. Der Roman gehört einer antirationalistischen Strömung des späten 18. Jahrhunderts an und entwirft ein zynisches Bild einer nur noch instrumentalisierten Vernunft. Inhalt: Die Sittsamkeit mimende Marquise von Merteuil will sich an ihrem ehemaligen Geliebten Gercourt rächen. Der Vicomte von Valmont, auch ein ehemaliger Liebhaber, soll ihr helfen, indem er Gercourts naive Braut Cecile verführt. Valmont will jedoch die keusche und tugendhafte Frau von Tourvel erobern. Merteuil wählt den jungen Chevalier Danceny für Cecile. Die beiden verlieben sich. Als Ceciles Mutter Valmont bei Tourvel verleumdet, geht Valmont auf den Plan der Marquise ein und verführt Cecile. Frau von Tourvel vernachlässigt eT nicht; nach langem Sträuben gibt sie ihm nach. Die Marquise sieht in Valmonts Verhältnis zu seiner neuen Eroberung Gefühlsduselei, es kommt zum Bruch. Valmont spielt Danceny gegen die Marquise aus; sie gibt diesem die Briefe des Vicomte. Nach dem Duell gibt der sterbende Valmont Dancey seinen Briefwechsel mit der Marquise. Sie wird geächtet und flieht von den Blattern gezeichnet nach Holland. Aufbau: Der Roman besteht aus Briefwechseln deT beiden Libertins Valmont und Merteuil sowie der an ihrem Experiment Beteiligten. Die Ereignisse und Personen werden von unterschiedlichen Seiten beleuchtet und die Methode der erotischen Manipulation enthüllt. Die Libertins beherrschen die Etikette der höfischen Gesellschaft und ahmen, je nach Empfänger ihrer Briefe, deren Sprache nach. Durch die gemischte Reihenfolge der Schreiben werden dem Leser Täuschungsmanöver und Zweideutigkei-ten offen gelegt; selbst Charaktertypen wie die Tugendhafte und die Naive erscheinen neben den Libertins nicht authentisch. Choderlos de Laclos hat seine Libertins komplex entworfen. Ihr Genuss ist rein intellektueller Art. Sie reduzieren Liebe auf eine Technik der Verführung, ihre Opfer auf Objekte und somit auch sich selbst. Ihr Erkenntnisdrang ist selbstzerstörerisch. Der Autor stellt dem Roman zwei Vorworte voran, die sich widersprüchlich mit der Authentizität der Briefe auseinander setzen. Mancher Leser mag sich die Frage stellen, ob nicht auch er vom Autor »verführt« wird. Wirkung: Wegen seiner moralischen Unklarheit löste der Roman bei der Veröffentlichung einen Skandal aus. Lange galt er vorrangig als moralisch verwerflich. 1979 wurde er in die »Biblio-theque de hi Pleade« aufgenommen. Gefährliche Liebschaften wurde mehrfach verfilmt, so von Roger Vadim , Stephen Frears und MilosForman .
      Hauptfiguren in »Gefährliche Liebschaften« von Choderlos de Laclos
Marquise von Merteuil: Die philosophierende Verführerin lernte früh die Kunst der Maskierung und Manipulation und weiß ihren ehrenwerten Ruf und Status perfekt zu bewahren. Um ihr Geschlecht, ewiges Opfer der Hofintrigen, zu rächen, ruiniert sie den wegen seiner Verführungskünste berüchtigten Libertin Prevan. Ihren Jünger Valmont fordert sie zum Kampf heraus, als sie ihre Macht über ihn verliert. Vicomte von Valmont: Der selbstgefällige Libertin erklärt der Tugendhaftigkeit und Keuschheit Frau von Tourvels den Krieg. Ihm ist jedes Mittel recht, um sie zu verführen. Dabei vergisst er aber seine eigenen Emotionen, die schließlich der Grund für den Bruch mit seiner Komplizin Merteuilsind. Er ist es seinem Ruf schuldig, Tourvel -und somit sich selbst - zu vernichten. Frau von Tourvel: Weil sie an das Gute im Menschen glaubt, ist sie Valmonts ideale Beute. Mal erscheint er ihr als Bruder, bescheidener Gönner, mal als leidenschaftlicher, mit Selbstmord drohender Werber. Sie kämpft um ihre Ehre und hat sie bereits verloren, wenn sie sich Valmont hingibt. Cecile von Volanges: Erzogen im Kloster, gerät sie blauäugig in die Machenschaften der Marquise. Sie verliebt sich in all ihrer Unschuld in den holden Jüngling Danceny. Von Valmont wird sie vergewaltigt und schließlich in eine Liebesdienerin umerzogen. Nach Aufdeckung der Intrige kehrt sie gebrochen ins Kloster zurück.
     


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