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Chirbes, Rafael - Leben und Biographie



Der Schriftsteller und Publizist Rafael Chirbes zählt spätestens seit dem Erscheinen seines Romans Der lange Marsch auch im Ausland zu den meistgelesenen spanischsprachigen Autoren. In seinen Romanen zeigt er sich nicht nur als einfühlsamer und zugleich wortgewaltiger Erzähler im Stil eines Lew N. ^Tolstoi oder Honore de -> Balzac, sondern zudem als kritischer Chronist der jüngeren Geschichte seiner spanischen Heimat.
      1949 in der Nähe von Valencia geboren, studierte Chirbes in Madrid Neue und Neueste Geschichte. Mehrere Jahre arbeitete er als Literaturkritiker und schrieb Reiseberichte für das Magazin Sobremesa. 1988 erschien sein erster Roman Mimoun. Heute lebt und arbeitet Chirbes als freier Publizist in Denia am Mittelmeer und in einem Dorf in derEstremadura.
      Chirbes selbst nannte sich einmal einen »zutiefst altmodischen Erzähler«, der das Genre des klassischen Bildungsromans favorisiere. Zugleich wirkt er jedoch durch seine Themenwahl ausgesprochen modern. So sind die meisten seiner Werke geprägt von einer überaus kritischen, wenn auch literarisch verbrämten Auseinandersetzung mit dem Spanischen Bürgerkrieg, den langen Jahren des Franquismus und dem Ãobergang zur Demokratie in den 1970er Jahren.

      Der lange Marsch
Der lange Marsch ist ein vielschichtiges Porträt des spanischen Franquismus. An den Schicksalen zweier Generationen zeichnet Rafael Chirbes die Jahre zwischen dem Ende des Bürgerkriegs
1939 und der nach dem Tod des Diktators Francisco Franco Bahamonde 1975 beginnenden Demokratisierung nach. Inhalt: Der Autor entwirft in Der lange Marsch eine Reihe von Lebenssituationen an Schauplätzen in ganz Spanien. Er erzählt von einer gali-zischen Bauemfamilie, vom alkoholkranken Schuhputzer, vom Aufsteiger, vom Eisenbahner, der sich von seinem republikanischen Bruder verraten fühlt, vom Tagelöhner und seiner Frau, die das Geld in den Betten fremder Männer verdient, von der Frau, die an der Seite eines Emporkömmlings auf ein Leben in Reichtum hofft und vom verbitterten republikanischen Arzt, der sich mit illegalen Abtreibungen über Wasser hält und die Repressionen der Franquisten befürchtet. Das Spanien der unmittelbaren Nachkriegszeit ist ein Schauplatz des Elends, der /.ukunftsängs-te und des Misstrauens in einer durch den Kriegsausgang in SiegeT und Besiegte gespaltenen Gesellschaft. Bescheidener Wohlstand wird sich erst allmählich in den 1950er Jahren entwickeln, einer Zeit des großen Aufbruchs und der tief greifenden Veränderungen.
      Dennoch - und unabhängig von ihrem politischen Credo -bleibt die Eltetngeneration Zeit ihres Lebens vom Bürgerkrieg geprägt. Dieser hat es ihnen verwehrt, ihre Jugendträume, Visionen und Sehnsüchte zu leben und ihr Schicksal in die eigenen Hände zu nehmen. So ruht ihre ganze Floffnung auf den Kindern. Diese Kindergeneration steht im Mittelpunkt des zweiten Teils von Der lange Marsch. Die erwachsenen Söhne und Töchter der Familien begegnen einander in den 1960er Jahren im großen Schmelztiegel Mad-rid. Ihre Sorgen sind nicht mehr die ihrer Eltern, zwischen beiden Generationen tut sich eine Kluft aus Schweigen und Unverständnis auf. Die Kinder träumen vom politischen Umbruch und von revolutionären Idealen, sie studieren ausländische Philosophen, diskutieren nächtelang über die Zukunft, engagieren sich in der Illegalität und erleben die Härte und Gewaltbereitschaft des franquistischen Regimes am eigenen Leib. Letztlich scheitern sie an der Unmöglichkeit, die lang gehegten Illusionen und die ersehnte Freiheit zu verwirklichen.
      Aufbau: Der lange Marsch besteht aus zwei Teilen mit kurzen, absatzlosen, überaus dichten Kapiteln. Meisterhaft gelingt es Chirbes, rund 30 Protagonisten durch die 25 Jahre zu führen, die der Roman beschreibt, und die spanische Geschichte aus ebenso vielen, zuweilen einander strikt entgegengesetzten Blickwinkeln zu durchleuchten. Gerade in der gekonnten Verbindung historischer Realität und dem Entwurf zutiefst persönlicher Schicksale besteht die besondere Stärke des Romans. Wirkung: Mit Der lange Marsch wurde Chirbes, der sich in seiner spanischen Heimat schon Ende der 1980er Jahre einen Namen gemacht hatte, weltweit bekannt. Der Roman wurde von der Kritik im In- und Ausland einhellig als »Sternstunde deT Erzählkunst« gelobt, sein Autor gilt seitdem als ebenso kritischer wie leidenschaftlicher Chronist der jüngeren spanischen Geschichte.
      Die wichtigsten Werke von Rafael Chirbes
Mimoun 1988 Ein junger spanischer Lehrer sucht in Marokko ein neues, erfülltes Leben und literarische Inspiration. Der Roman zeichnet zugleich ein weitgehend unbekanntes Bild Marokkos.
      Die schöne Schrift 1991 Eine alte Frau blickt in Notizen an ihren Sohn auf ihr Leben zurück, das von den Entbehrungen des Bürgerkriegs und dem unaufhaltsamen Zerbrechen ihrer Familie geprägt war.
      DerSchuss desJägers 1994 Chirbes schildert in Rückblicken den Lebensweg eines skrupellosen Emporkömmlings, dem es nach seiner Heirat mit einer Tochter aus gutem Hause gelingt, unterm Franco-Regime Karriere zu machen.
      Der lange Marsch 1996 Der international besonders erfolgreiche Roman zeichnet ein facettenreiches Porträt zweier Generationen, ihrer Ã"ngste und Sehnsüchte während der40-jährigen Franco-Herrschaft.
      Der Fall von Madrid 2000 Am Tag unmittelbar vor FrancosTod sprechen die Protagonisten des Romans von ihren sehr unterschiedlichen Ã"ngsten und Erwartungen angesichts einer unklaren Zukunft.
      Am Mittelmeer 2000 Literarische Porträts berühmter Städte am Mittelmeer, der »Wiege Europas«, mit Einblicken in ihre Geschichte, Kultur und Gegenwart.
     


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Chirbes,  Rafael    


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