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Chatwin, Bruce - Leben und Biographie



Wegen seines impressionistischen Stils, der archäologische und ethnografische Kenntnisse, skurrile Geschichten und virtuose Landschafts-schilderungen verknüpft, gilt Bruce Chatwin als einer der innovativsten Reiseschriflsleller.
      1958-66 arbeitete Chatwin für das Londoner Auktionshaus Sotheby's, wo er als Botenjunge begann und bereits mit 22 Jahren die Impressionisten-Abteilung leitete. Ein 1966 aufgenommenes Archäologiestudium in Edinburgh brach er nach einem Jahr ab. Ausgedehnte Reisen führten ihn u.a. nach Afghanistan, Russland, Indien, Nord- und Südamerika, Westafrika und Australien. 1972-75 schrieb Chatwin Reisereportagen für die Sunday Times. Gleich mit seinem ersten Buch, dem Reisebericht In Patagonien , erzielte er hohe Resonanz bei Kritik und Publikum. Es folgten Romane wie Auf dem Schwarzen Berg und Utz . Ein Welterfolg wurde der Roman Traumpfade über die Kultur der australischen Ureinwohner. Chatwin starb mit 48 Jahren an den Folgen der Immunschwächekrankheit Aids. Postum erschienen u.a. journalistische Arbeiten in Was mache ich hier . 1999 wurde Chatwins Leben unter der Regie von Paul Yale verfilmt.
      Traumpfade
In seinem Hauptwerk, das die Gattungen exotischer Roman, wissenschaftlicher Essay und Reisebericht in sich vereint, taucht Bruce Chatwin ein in die Schöpfungsmythologie der australischen Ureinwohner.
      Entstehung: Wegen finanzieller Not nach der Aufgabe lukrativer Tätigkeiten als Auktionator und Journalist konnte Chatwin seinen Traum nie verwirklichen, auf Reisen in aller Welt Material für eine wissenschaftlich fundierte Theorie des Nomadentums zusammenzutragen. Seine »verrückte Mammutidee« solltebelegen, dass der Mensch während der Evolution außer aufrechtem Gang und Gebrauch von Werkzeugen einen jahreszeitlichen Hang zur Wanderschaft entwickelte. Dieser Instinkt sei im Zuge der Sesshaftwerdung ins kollektive Un-bewusste verdrängt worden, was fatale psychologische Folgen gehabt hat. Dazu gehören aggressive Verteidigung des Territoriums, Habsucht und Statusdenken. Mit seiner Nomadentheorie im Gepäck folgte Chatwin in den endlosen Weiten des australischen Busches den Traumpfaden der Ureinwohner, auf denen die Ahnen im Glauben der Aborigines den fünften Kontinent erwandert haben. Was Chatwin als Forscher nicht erreicht hatte, suchte er in einem ungewöhnlichen Roman zu verwirklichen.
      Inhalt: Arkady Wolschok, ein Australier russischer Herkunft, führt den Erzähler in die mysteriöse Welt der Aborigines ein. Der Kosmopolit mit Universitätsabschluss hat bereits Java, Indien, Afghanistan und große Teile Europas bereist. Nun versucht er im trocken-heißen Nordterritorium Australiens beim Straßen- und Eisenbahnbau oder bei Ã-lbohrungen zu verhindern, dass die heiligen Stätten der Aborigines zerstört werden.
      Aufbau: Traumpfade ist Reisebuch, Abenteuergeschichte, Ideenroman und Fortschrittssatire, geistige Autobiografie und romantische Komödie zugleich. Aufseiner Initiationsreise begegnet der Erzähler einem Panoptikum schräger Persönlichkeiten. Militante Ureinwohner verteidigen ihr Land gegen die Einflüsse der Zivilisation wie Fast Food, Alkoholismus und Umweltverschmutzung. Christliche Missionare wachen eifersüchtig über ihre »eingeborenen« Schafe, weiße Siedler breiten sich mit rücksichtsloser Arroganz aus. Bei seiner Wanderung durch das Land, das im 18. Jahrhundert von Sträflingen aus Großbritannien besiedelt wurde, trifft der Erzähler Trunkenbolde, Verrückte, Schurken und Heilige. Den Roman durchziehen Anekdoten und exotische Geschichten, grandiose Landschaftsbeschreibungen und Reflexionen über die menschliche Natur. Mitten im Erzählfluss tauchen Tagebuchnotizen und Interviewsauf, u.a. mit dem Verhaltensforscher Konrad ~> Lorenz. Sagen, Legenden und Zitate von -> Buddha bis Arthur^Rimbaud, von -»Herodot bis Soren -»Kierkegaard verdichten das künstlerische Anliegen. Wirkung: Traumpfade wurde ein internationaler Bestseller und nahezu einhellig gerühmt, als »fantastischer Irrgarten« [New York TimeS) und »kosmisches Buch« . Hans Magnus Enzensberger und Mario-»Var-gas Llosa begrüßten die Ãoberschreitung der Genres, die Sunday Times empfahl den Roman Königin Elizabeth 11. wärmstens als Sommerlektüre.
     


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Chatwin,  Bruce    


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