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Cervantes Saavedra, Miguel de - Leben und Biographie



Miguel de Cervantes Saavedra, einer der größten Erzähler aller Zeilen, verfasste mit Don Quijote ein Meisterwerk der Weltliteratur. Mit Cervantes, der als Schöpfer des modernen Romans gilt, erreichte die spanische Literatur einen ihrer Höhepunkte.
      Der Sohn eines Hidalgo besuchte ein Jesuitenkolleg und hielt sich zu Studienzwecken in
Madrid auf. 1569 floh er wohl vor einem Gerichtsurteil nach Italien, wo er in den Dienst des Kardinals Acquaviva eintrat. Als Matrose in der spanischen Armada nahm er 1 571 an der Seeschlacht von Lepanto teil, wobei seine linke Hand verstümmelt wurde. 1575 geriet er in Gefangenschaft von algerischen Piraten und verbrachte fünf Jahre als Sklave in Algier. Nach mehreren gescheiterten Fluchtversuchen wurde er schließlich freigekauft. Fortan lebte er überwiegend in Madrid und sah sich bis zu seinem Tod finanziellen Schwierigkeiten ausgesetzt; seine wirtschaftliche Lage nötigte ihn u.a. als Steuereinnehmer zu arbeiten. 1597/98 saß er wegen der Veruntreuung von Staatsgeldern in Sevilla im Gefängnis.
      Das Werk von Cervantes umfasst alle literarischen Gattungen - Lyrik, Drama, Roman und Novelle. Nach wenig beachteten lyrischen Versuchen erzielte er mit dem Schäferroman LaGa-latea einen ersten Erfolg. Als Dramenautor stand er jedoch stets im Schatten des damals führenden Dramatikers Lope de Vega . Zwölfseiner insgesamt 15 Novellen vereinte Cervantes unter dem Titel Exemplarische Novellen in einem Band; sie gelten nach Don Quijote als das meistgelesene Werk des Dichters.
      Zu seiner Zeit wenig beachtet und nach seinem Tod bald vergessen, wurde Cervantes von den deutschen Romantikern wieder entdeckt.
      Biografien: A. Dieterich, Miguel de Cervantes, 1984; C. Strosetzki, Miguel de Cervantes, 1991.
      Don Quijote
Mit seinem Hauptwerk Der sinnreiche Junker Don Quijote de la Mancha, formal eine Satire auf das Genre des Ritterromans, gelang Miguel de Cervantes Saavedra ein mehrschichtiges, kunstreich verflochtenes Romanepos, das erstmals auch literarische Erörterungen in den Roman einbrachte. Aus der parodistischen Gegenüberstellung der Ritterideale mit den Realitäten der spanischen Gesellschaft am Ende des 16. Jahrhunderts gewann Cervantes seine nüchternen, oft pessimistischen Lehren. Erstmals in der neuzeitlichen Dichtung wird die persönliche Tragik eines Menschen dargestellt, der in einer Welt der Vorstellung die Wirklichkeit nicht erkennen will. Inhalt: Der tragikomische, verarmte Adlige Don Quijote verliert durch kontinuierliche Lektüre unrealistisch-märchenhafter Ritterromane den Verstand und bildet sich ein, selbst ein Ritter aus längst vergangener Zeit zu sein. Notdürftig ausgerüstet zieht er auf seinem alten, ausge-dienten Pferd Rocinante in die Welt, um nach Art der alten Ritter Jungfrauen und Waisen zu beschützen. Begleitet wird er bald von dem bäuerlich-nüchternen Sancho Pansa, den er als Knappen gewinnen kann.
      Den ersten Teil des Romans durchziehen drei Hauptthemen: parodistische Anspielungen auf den Ritterroman, das Liebes-Thema im Sinne mittelalterlicher Minne und platonischer Idealität sowie Kunstgespräche. Don Quijote bleibt hier trotz seiner Misserfolge - wie dem berühmten Kampf gegen Windmühlen, die er für Riesen hält - stets siegesgewiss. Ist er im ersten Teil ein Tatmensch, der sein Denken und Wollen in Handeln umsetzt, so erscheint er im zweiten Teil als Träumer und Melancholiker, dessen Drama sich in seinem Innern abspielt. Er wird nunmehr zum Spielball jener, die vorgeben, seine Narrheit ernst zu nehmen.
      Der Zusammenbruch Don Quijotes kommt, als er von dem als Ritter maskierten Sansön Carrasco besiegt und zur Aufgabe seines Rittertums gezwungen wird. Er kehrt nach Hause zurück, stirbt aber in heiterer Gelassenheit, nachdem er sein wahres, gütiges Wesen - das des Alonso Quijano, der er vor seinem Ritterwahn war - erkannt hat. Der Roman beinhaltet somit nicht nur die pessimistische Sicht der Lnerfüllbarkeit von Idealen, sondern setzt dieser eine optimistische entgegen: die Gewissheit, dass die menschlichen Fähigkeiten den Erfordernissen des Lebens sehr wohl gerecht werden können. Aufbau: In der unterschiedlichen Wesensart von Don Quijote und Sancho Pansa ist der Gegensatz zwischen weltfremdem Idealismus und praktischer Vernunft genial verkörpert. Neben den Helden treten mehr als 300 Figuren aus allen Schichten der damaligen Gesellschaft Spaniens auf. So wurde aus der ursprünglich geplanten Satire auf die Ritterbücher ein umfassendes Bild der spanischen Gesellschaft, ja des menschlichen Lebens überhaupt.
      Während Cervantes im ersten Teil des Romans zahlreiche Novellen einfügte, verzichtete er im zweiten Teil darauf, nicht zuletzt, um mehr Einheit und Konzentration zu erzielen. So wendet er sich von der Form des »Literaturromans« im zweiten Teil dem »Metaroman« zu .
      Wirkung: Sahen die deutschen Romantiker, darunter Ludwig ^Tieck und August Wilhelm von Schlegel , Don Quijote als tragischen Kampf des Idealisten gegen die Wirklichkeit und nahmen sie den Roman als »Hieroglyphe genuin romantischer Erzählkunst« auf, so galt er den Spaniern am Ende des 19. Jahrhunderts als Ausdruck des spanischen Wesens schlechthin. Der in über 68 Sprachen übersetzte Roman, der mittlerweile 2300 Auflagen in aller
Welt erreichte, kann als das wirkungsvollste, volkstümlichste Werk nach der -> Bibel bezeichnet werden. Neben Parodien und Plagiaten erschienen zahlreiche Bearbeitungen. Der Typus des »Ritters von der traurigen Gestalt« fand in der bildenden Kunst, in Ballett und Oper sowie im Film Aufnahme.


Fiktion und deren aufhebung bei cervantes

Deshalb ist es müßig darüber zu streiten, ob Cervantes im 'Don Quijote" die Ritterromane seiner Zeit habe persi= frieren wollen, da er doch selbst in einem späteren Roman — nämlich in 'Persiles y Segismonda" — deren hochge= stelztem Ideal gehuldigt habe. Deshalb ist es müßig, Be= trachtungen dar .....
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