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Celine, Louis-Ferdinand - Leben und Biographie



Mit seinem Erstling Reise ans Ende der Nacht gelang dem Armenarzt Louis-Ferdinand Celine 1932 als Außenseiter der fulminante Eintritt in die Pariser Literaturszene, in der er bis zu seinem Tod aufgrund seiner politischen und ästhetischen Positionen umstritten blieb.
      Als Einzelkind handeltreibender Mittelstands-eltern wuchs Celine am Rand der Pariser Belle Epoque auf. Seine Jugend war ebenso geprägt von einer Reihe anarchistischer Attentate und der die französische Gesellschaft spaltenden Dreyfus-Affäre mit ihrem latenten Antisemitismus wie von der Existenzangst seiner Eltern vor dem Aufkommen der großen Kaufhäuser und dem verbreiteten Fortschrittsglauben, der sich in der Pariser Weltausstellung 1900 manifestierte. Celine wurde zur Verbesserung seiner Sprachkenntnisse nach Deutschland und England geschickt wurde. Nach Versuchen als kaufmännischer Lehrling meldete er sich 1912 zu einem Reiterregiment, mit dem er die Schrecken des Ersten Weltkriegs an der Flandemfront erlebte, wo er schwerverletzt wurde. Nach der Rekonvaleszenz 1915/16 in London und Kamerun studierte er Medizin , bevor er für Rockefeller Foundation und Völkerbund in Nordamerika und Europa arbeitete. Ab 1927 war er als Armenarzt in Clichy tätig und ab 1929 auf dem Montmartre wohnhaft, bis er - wegen seiner antisemitisch gefärbten so genannten Pamphlete als Kollaborateur verfolgt - 1944 durch das zusammenbrechende Deutschland der Nationalsozialisten nach Kopenhagen floh. In Dänemark interniert und in Paris verurteilt, kehrte er erst 1951 nach einer Generalamnestie nach Frankreich zurück und eröffnete eine Praxis in Meudon.
      Reise ans Ende der Nacht
Mit seinem Roman Reise ans Ende der Nacht gelang Louis-Ferdinand Celine ein Meilenstein in der französischen Literatur der Moderne, mit dem er an die europäische Erzähltradition des Schelmenromans anknüpfte.
      Inhalt: Unter Verarbeitung eigener biografischer Erfahrungen erzählt Reise ans Ende der Nacht die Erlebnisse von Ferdinand Bardamu, der hin- und herbewegt wird wie das Sturmgepäck eines Soldaten im Durchgang durch die unterschiedlichsten Situationen und Milieus und schließlich zu einer schonungslosen Sicht des Menschen in der Moderne gelangt.
      Im Ersten Weltkrieg erleidet Bardamu die monströse Unmenschlichkeit und Sinnlosigkeit von Gewalt und den Sadismus der eigenen Befehlshaber im Schlamm der nordfranzösischen Schlachtfelder sowie im Kontakt mit dem Zynismus der Heimatfront. Um dem zu entgehen, engagiert er sich in Bikomimbo, einer Station im tiefen Busch von Kamerun, nur um dort die Un-barmherzigkeit und Verlogenheit desweißen Kolonialismus zu erleben. In der Folge verschlägt es ihn nach Amerika, wo seine Underdog-Perspek-tive den Glanz des kapitalistischen Amerikas an den Fließbändern der Ford-Werke und in der Ersatzwelt des neuen Mediums Kino als reine und herzlose Fassade enthüllt. Zurück in Frankreichfolgt der Leser dem mittlerweile zum Armenarzt avancierten Bardamu durch das beklemmende, in seiner ganzen Erbärmlichkeit dargestellte Leben der Pariser Vorstädte, wo Misshandlung, Gewalt, Kindersterblichkeit, Prostitution und Abtreibung an der Tagesordnung sind. Im Kontakt mit dieser Realität erweist sich für Bardamu jeder theologische, philosophische oder ideologische Gegenentwurf als nicht tragfähig - seine Reise mündet nicht in ein optimistisches »Morgenrot«, sondern in das pessimistische, todesfahle Licht des »Morgengrauens« am Kanal St-Martin, nach dem Tod Robinsons, seines Alter Ego. Aufbau: In der Reise ans Ende der Nacht gibt es keine Strukturierung in numerische oder durch Ãoberschriften eingeleitete Kapitel. Trotzdem weist der Roman eine doppelte zyklische Struktur auf: Während in einem ersten Durchgang Bardamu die Weite der Welt reisend und erkennend durchmisst, führt ihn der zweite Durchgang im Laufe seiner Tätigkeit als Arzt in die Tiefe des sozialen, psychologischen und metaphysischen Elends menschlicher Existenz im Moloch Paris. Innerhalb dieser beiden großen Zyklen ordnen sich die Kapitel nach den in ihnen besuchten Orten zu Seguenzen zusammen. Die kunstvolle Doppelung in Erzähler- und Autor-Ich erlaubt es Celine, die Geschichte durch generalisierende Aphorismen und Kommentare zu spiegeln.
      Wirkung: Von Anfang an polarisierte Celines Debütroman:Die politische Linke rühmte die Schonungslosigkeit in der Darstellung der sozialen Realitäten und der Kriegsschrecken, die Rechte fand Gefallen an der Radikalität seines Pessimismus. Durch die Einbeziehung des Argot , seine Vermischung der Stilebenen, das Durchbrechen des klassischen Satzbaus durch die berühmten drei Punkte stellt die Reise ans Ende der Nacht ein Novum in der französischen Literatur dar: Celine symbolisiert zukunftsweisend die Möglichkeiten des Romans, unmittelbar über Stil Emotion erfahrbar zu machen. Zu Recht wird er deshalb zusammen mit Marcel -> Proust, James -> Joyce und Thomas -»Mann genannt.

      Die Goll-Affäre
Vorgeschichte: Ende der 1940er Jahre lernte Paul Celan in Paris den damals schon schwerkranken DichterYvan Goll Abrechnung mitseinerJugend im Paris zwischen 1900 und 1910.
      Von einem Schloss zum anderen 1957 Celines Naehkriegs-Comeback. Erster Teil seiner »deutschen Trilo-gie«: Celines Flucht nach Sigmaringen, dem Internierungsort der geflohenen Vichy-Größen.
      Worden 1960 Im zweiten Teil seiner »deutschen Trilogie« schildert Celine das Umherirren in Deutschlands Norden.
      Rigodon 1969 Dritter Teil der »deutschen Trilogie«: die letzten Peripetien im untergehenden Dritten Reich bis zur Ankunft an der dänischen Grenze.
     


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