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Casanova, Giacomo Girolamo - Leben und Biographie



Das Nomadenleben führte Giacomo Girolamo Casanova in zahlreiche europäische Städte, wo sich der Abenteurer u.a. durch politische Missionen seinen Lebensunterhalt sicherte und stets in Liebesaffären verstrickt war. Ab 1790 arbeitete er an der Geschichte meines Lebens , die neben den Satiren zu seinen glanzvollsten Werken zählt.
      Casanovas Eltern waren Künstler. Nach dem Studium der Theologie und Jura in Padua, trat zunächst in den geistlichen Stand ein und erwarb den Doktor beider Rechte. Zeit seines Lebens war er rastlos in Europa unterwegs, immer wieder hielt er sich in Venedig auf. 1755 wurde er dort wegen seines lockeren Lebenswandels ins Gefängnis geworfen, doch konnte er sich ein Jahr später durch seine berühmt gewordene Flucht der Haft entziehen. 1774 kehrte er ein letztes Mal in seine Heimatstadt zurück, wurde dort Theaterimpresario, musste aber die Stadt endgültig wegen einer seiner scharfen Satiren verlassen. Von 1785 bis zu seinem Tode lebte er als Bibliothekar auf Schloss Dux und widmete sich dem Schreiben.
      Neben dramatischen Werken, historischen und mathematischen Abhandlungen verfasste Casa-nova den »utopischen« Roman Eduard und Elisabeth beiden Megamikren , der bis zu einem gewissen Grad aufklärerische Gedanken enthält. Zu politischen und sozialen Fragen nahm er kaum Stellung, kritisierte aber als Kind des Anden Regime die Französische Revolution.

      Geschichte meines Lebens
Die von Giacomo Girolamo Casanova mit historischer Zuverlässigkeit erzählten, zwischen 1790 und 1798 in Französisch, der Kultursprache des 18. Jahrhunderts, niedergeschriebenen Memoiren umfassen die Jahre 1733-74. Sie berichten von den Aufenthalten des Kosmopoliten und Libertins in zahlreichen europäischen Städten, porträtieren Menschen aller Stände und schildern u.a. die Begegnungen mit -> Voltaire, Jean-Jacques -> Rousseau, dem preußischen König Friedrich 11., der Casanova zum Erzieher in einer Kadettenanstalt machen wollte, und mit der Zarin Katharina 11. von Russland. In die Lebensgeschichte ist der Bericht von der spektakulären Flucht Casanovas 1756 aus dem venezianischen Staatsgefängnis eingearbeitet, die bereits 1788 als Geschichte meiner Flucht erschienen war.
      Inhalt: Den Schwerpunkt der Memoiren bilden die zahllosen Liebesaffären, die stets mit dem Einverständnis der Frauen stattfanden: Liebe bedeutete für Casanova Sinnengenuss und Harmonie. Im Zentrum des Werks steht die Person des Autors mit den ihn umgebenden Zeitgenossen. Er schildert sich als den typischen Abenteurer an der Wende zum 19. Jahrhundert, den die in Auflösung begriffene aristokratische Gesellschaft hervorbrachte und zu der sich auch ein Nichtadliger durch geschliffene Konversation leicht Zugang verschaffen konnte.
      Dadurch, dass Casanova Alltäglichkeiten einen breiteren Raum gewährt, wie der Selbstergrün-dung, historischen Ereignissen oder Reisebeschreibungen, werden seine Memoiren zu einem umfassenden Dokument jener Epoche, die Aufklärung und Rokoko umspannt. Literarisch ist das Werk geprägt durch »die große französische Schule der Menschenkenntnis; oft vermögen nur wenige Sätze, einer Persönlichkeit scharfe Konturen zu geben« . Wirkung: Das 19. Jahrhundert hatte nationalistische und moralische Vorbehalte gegen den »Europäer« und Libertin Casanova, so dass sich erst das 20. Jahrhundert kritisch mit seinen Memoiren auseinandersetzte.


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Casanova,  Giacomo  Girolamo    




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