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Carpentier, AIejo - Leben und Biographie



Der lateinamerikanische Erzähler AIejo Carpentier verbindet in seinen Romanen kunstvoll ka-ribische, insbesondere afroamerikanische, sowie europäische Kulturtraditionen und entwirft ein vielfarbiges Panorama der Geschichte und Gegenwart seiner südamerikanischen Heimat.
      Die Eltern des Autors, ein französischer Architekt und eine russische Ã"rztin, wanderten 1902 nach Kuba aus. Nach der Schulausbildung in Paris und Havanna studierte Carpentier zunächst Architektur und Musik. Nachdem der Vater die Familie verlassen hatte, arbeitete er als Journalist und Herausgeber verschiedener Zeitschriften. Wegen seiner Opposition gegen den Diktator Gerardo Machado y Morales bedroht, floh er 1928 nach Paris. Im Exil lernte er die intellektuelle und künstlerische Avantgarde in Frankreich und Spanien kennen und schrieb für zahlreiche Zeitungen beider Länder. 1939 kehrte er nach Kuba zurück, schloss sich linksintellektuellen Strömungen an und erhielt eine Professur für Musikwissenschaft in Havanna. 1946 bis 1958 arbeitete er bei einer Werbeagentur in Venezuela und lehrte gleichzeitig Kulturgeschichte an der Universitäl von Caracas. Nach der Revolution Fidel Castros wurde er Leiter des kubanischen Staatsverlags, lebte 1959-66 wieder in Havanna und danach als kubanischer Kulturattache in Paris. 1977 erhielt er mit dem Premio Cervantes den wichtigsten spanischen Literaturpreis.
      Das sozialkritische Engagement und derAnti-rassismus von Carpentier klingen in all seinen Werken an, die aber vor allem geprägt sind von dem »wunderbar Wirklichen« der neuen vitalen Welt Lateinamerikas, das er im Vorwort zu seinem ersten großen Roman Das Reich von dieser Welt programmatisch entwickelte.
      Die wichtigsten Bücher von AIejo Carpentier
Das Reich von dieser Welt, 1949 Die Geschichte der Rebellion schwarzer Sklaven in Haiti zur Zeit der Französischen Revolution und Napoleons I.
      Die verlorenen Spuren, 1953 Das Reisetagebuch eines Musikwissenschaftlers, der auf der Suche nach primitiven indianischen Instrumenten die Macht und Schönheit des Urwalds entdeckt.
      Die Hetzjagd 1958 Ein junger Mann flieht vor seinen Verfolgern in einen Konzertsaal. Beethovens 3. Symphonie ist Reflexionsfolie und zeitlicher Rahmen der Erzählung.
      Explosion in der Kathedrale, 1962 Drei junge Kreolen erleben zur Zeit der Französischen Revolution die Perversion der Ideale von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit.
      Barockkonzert 1974 Ein reicher Mexikaner reist Anfang des 18. Jahrhunderts nach Europa, trifft in Venedig die großen Komponisten des Barock und landet enttäuscht in der Gegenwart.
      Die Methode derMacht, 1976 In Anlehnung an den Discours de la methodewn Rene-* Descartes missbraucht ein »aufgeklärter« Diktator seine Macht.
      LeSacredu printemps, 1978 In diesem Panorama Kubas zwischen dem spanischen Bürgerkrieg und der kubanischen Revolution erkennt eine russische fänzerin, dass das berühmte Ballett von Igor Strawinsky eigentlich afrokuba-nischen Tänzern auf den Leib geschrieben ist.
      Die Harfe und der Schatten, 1979 Eine fiktive Lebensbeichte von Christoph Kolumbus, der sich die Schiffe zur Eroberung Amerikas im Bett der Königin erkämpft.
     

Barockkonzert

Komponiert wie eine Suite spielt die Novelle von AIejo Carpentier mit Motiven, Rhythmen und ironischen Anspielungen , bewegt sich witzig-anachronistisch in der Musikgeschichte und schlägt einen kühnen Bogen vom Barock zum Jazz. Entstehung: Der Autor schrieb sich diese imaginäre musikalische Welt- und Zeitreise quasi als Geschenk zu seinem 70. Geburtstag. Angeregt wurde das kleine Meisterwerk durch die wenig bekannte Oper Montezuma von Antonio Vivaldi . Inhalt: Zu Beginn des 18. Jahrhunderts begibt sich ein reicher, gebildeter mexikanischer Kreole auf die Reise nach Europa. In Havanna findet er in dem schwarzen Filomeno einen treuen und gewitzten Diener. Spanien als Land seiner Vorfahren enttäuscht den Mexikaner. Erst der venezianische Karneval hebt die Fremdheit der beiden ungleichen Reisenden im bunten, multikulturellen Getümmel auf. Sie treffen Antonio Vivaldi, Georg Friedrich Händel und Domenico Scarlatti und entfachen im Ospedale della Pietä - einem Kloster, in dem junge Waisenmädchen zu Musikerinnen ausgebildet wurden - gemeinsam ein turbulentes, auch erotisch polyphones »Concer-to grosso«, das durch Filomenos afrikanische Mythenbeschwörungen und rhythmische Improvisationen als Jam-Session endet. Erschöpft findet sich die kleine Gesellschaft auf der Friedhofsinsel San Michele wieder, wo man am Grab von Igor Strawinsky über die neueren musikalischen Entwicklungen diskutiert. Auf dem Rückweg in die Stadt beobachteten sie, wie Richard Wagners Sarg zum Bahnhof transportiert wird. Wenig erbaut von den nur europäischen Theaterkonventionen gehorchenden historischen Verfälschungen in Vivaldis Oper, deren Proben er kritisch beobachtet hat, reist der sich inzwischen mit Montezuma identifizierende Mexikaner ab. Der Neger, der die Trompete als sein neues Ausdrucksmittel entdeckt hat, bleibt in Venedig, um ein Konzert von Louis Armstrong zu hören. Wirkung: Barockkonzert begründete den späten Ruhm des Autors in ganz Europa. Das Buch ist wegen seines sprachspielerischen Sarkasmusund der immanenten Kritik an der dekadenten europäischen Kultur, die der Zukunftsimpulse durch andere Kontinente bedarf, ein Schlüsselwerk nicht nur der kubanischen Literatur.


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Carpentier,  AIejo    


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