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Carmina Burana - Leben und Biographie



Die Carmina Burana verdanken ihren Namen dem zeitweiligen Aufenthaltsort der Handschrift, des Codex Buranus, im Kloster Benediktbeuern. Sie sind aber wohl eher in Österreich entstanden. Die Handschrift ist als Ganzes ein Unikat; für viele in ihr enthaltene Texte gibt es aber Parallelüberlieferungen. Die über 310 Einzeltexte sind meist mittellateinisch, aber auch auf Deutsch oder zweisprachig verfasst,z.T. mit Neumen und Illustrationen. Entstehungszeiten sind Antike, Spätantike und Mittelalter, zeitliche Schwerpunkte das 12. und frühe 13. Jahrhundert. Nur in wenigen Fällen ist den Texten ein Autorname beigegeben; die Forschung hat aber viele Autoren erschließen können, an deutschen Dichtern u.a. -»Walther von der Vogelweide, Heinrich von Morungen und Neidhart . Inhalt: Die Einzeltexte sind inhaltlich bunt gemischt mit weltlichen und geistlichen Themen; nur die sechs dramatischen Texte sind religiös. Es geht u.a. um Liebesfreud und -leid, Bestechlichkeit, Geiz und geistlichen Ämterkauf, Unbeständigkeit des Glücks, Konkurrenz zwischen Fleiß und Fleischeslust bei Studenten, Kreuzzug, den Trqja-Aeneas-Stoff, Tod, Schwangerschaft, Hofleben und das Schicksal umherziehender Künstler. Es finden sich Marienklagen und Hymnen auf die heilige Katharina und die Parodie auf eine Messe. Kulturgeschichtlich interessant sind zwei Dämonenbeschwörungen; vereinzelt stößt der Leser auf Texte zu historischen Ereignissen.
      Struktur: Für die Carmina Burana lässt sich im Hauptteil eine recht klare Blockbildung aufzeigen, jeweils mit Abweichungen: Auf einen Teil mit moralisierenden, z.T. satirischen Texten folgen Liebeslieder, daran schließt sich eine Abteilung mit Liedern zum Trinken und Glücksspiel an, schließlich kommen die dramatischen Texte. Innerhalb dieser vier großen Abteilungen gibt es kleinere thematische Blockbildungen, auf die in einigen Fällen durch Zwischenüberschriften verwiesen wird. Wirkung: Literarisch wirkten die Carmina Burana im Mittelalter nicht als geschlossene Sammlung, sondern über die Rezeption einzelner Texte weiter. Wissenschaftlich sind sie seit ihrer Bekanntmachung durch Johann Christoph von Aretin immer im Gespräch geblieben, da sie wegen ihrer Besonderheiten und der Tatsache, dass sie die umfangreichste Sammlung mittellateinischer Lyrik des 13. Jahrhunderts darstellen, einzigartig sind. Zum allgemeinen »Bildungsgut« haben sie dagegen nie gehört - früher waren dafür viele ihrer Texte moralisch zu anstößig, heute sind sie für ein breiteres Publikum inhaltlich zu abgelegen. In breiteren Kreisen wurde ihr Name bekannt durch Carl Orff , der für sein gleichnamiges Werk mit dem Titelzusatz Cantionesprofanae = weltliche Gesänge 24 mittellateinische Lieder höchst effektvoll vertonte . Erst von diesem »meistgespielten Werk der Musikliteratur des 20. Jahrhunderts« ausgehend ist auch eine - freilich mit der mittelalterlichen Vorlage kaum noch in Zusammenhang stehende - populäre Wirkung zu beobachten: Orffs
Vertonung von » Fortuna« hat einige Beliebtheit als Begleitmusik zum Eiskunstlaufen erfahren und war zeitweise Auftrittsmusik des Boxweltmeisters Henry Maske ; US-Popstar Michael Jackson hat dasselbe Lied in Bühnenshows eingebaut; in Griechenland ließ es der Sozialist Andreas Papandreou im Wahlkampf spielen; Werbespots wurden ebenso mit Ausschnitten unterlegt wie der US-Film Excalibur von John Boor-man. Reflexe in der zeitgenössischen Kunst sind Kaltnadelradierungen von Edda Grossmann, Fe-derzeichungen von Caspar Neher, Grafiken von Henry Radeloff und Farbholzschnitte von HAP Gtieshaber.
     


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