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Cabrera Infante, Guillermo - Leben und Biographie



Guillermo Cabrera Infante zählt zu den wichtigsten spanischsprachigen Schriftstellern der Gegenwart. Sein Hauptwerk, Drei traurige Tiger, über das heruntergekommene Havanna gegen Ende der Batista-Ãoiktatur, wurde mit Ulysses von James -> Joyce und Berlin Alexan-derplatz{ 1929) von Alfred ^Döblin verglichen. Der Autor wuchs in einem politisch aktiven Elternhaus auf: Sein Vater, ein Journalist und Schriftsetzer, war Mitbegründer der Kommunistischen Partei in Gibara, in der sich auch seine Mutter engagierte. Im Aller von zwölf Jahren kam der Junge nach Havanna, wo er nach dem Schulabschluss für kurze Zeit studierte. Anschließend arbeitete er als Ãobersetzer, Korrektor und Feuilletonredakteur für verschiedene Zeitschriften. In der Wochenzeitschrift Carteles veröffentlichte er ab 1954 Filmkritiken. Während der Diktatur Fulgencio Batistas hatte der aktive Befürworter der Revolution zeitweise Schreibverbot und war mehrfach im Gefängnis. Unter dem Titel Wie im Frieden also auch im KWegveröffentlichte der Autor 1960 seinen ersten Band mit 14 Erzählungen, in denen er u.a. die politischen und sozialen Missstände während der Batis-ta-Diktatur Ihematisierte. Nach dem Sturz Batistas durch Fidel Castro wurde Cabrera Infante 1959 Direktor des nationalen Filminstituts und Chefredakteur der einflussreichen Zeitung Lunes de Revolution, die Castro 1962 verbieten ließ; Cabrera Infante wurde als Kulturattache an die kubanische Botschaft in Brüssel abgeschoben. 1965 brach der Autor mit Castro und ging ins spanische Exil, zwei Jahre später ließ er sich in London nieder; er ist seit 1979 britischer Staatsbürger.
      Internationales Ansehen als Romanautor erwarb sich Cabrera Infante mit seinem Hauptwerk Drei traurige Tiger. Eine stark autobiogra-fisch gefärbte Geschichte erotischer Lehrjahre legte er 1979 mit seinem zweiten Roman Havanna für einen verstorbenen Infanten vor. Mit
Rauchzeichen , einer literarischen Kulturgeschichte des Rauchens, veröffentlichte er erstmals ein Buch in englischer Sprache. Der vielfach geehrte Autor erhielt 1997 den Cervantes-Preis, die wichtigste Auszeichnung für spanischsprachige Literatur.

      Drei traurige Tiger
Der Roman Drei traurige Tiger von Guillermo Cabrera Infante führt den Leserin die dekadente und faszinierende Nachtwelt Havannas, in die Zeit vor der Revolution . Nepp und Korruption regieren die Stadt, die zum Amüsierbetrieb für Touristen verkommen ist. Zentrales Thema ist das Spiel mit Sprache und die Frage nach ihrer Authentizität. Entstehung: Der Roman erschien bereits 1964 unter dem vorläufigen Titel Vista del amanecer desde el Träpico und erhielt im selben Jahr den Premio Biblioteca Breve für den besten Roman in spanischer Sprache. Nachdem Cabrera Infante nach seinem Bruch mit dem Castro-Regime 1965 ins spanische Exil gegangen war, erschien die überarbeitete Fassung 1967 in Barcelona. Inhalt: Die komplexe, aus vielen Erzählsträngen bestehende Handlung lässt eine geschlossene Rekonstruktion der Geschichte nicht zu. Der Roman beginnt in einem hauptsächlich von Amerikanern und einheimischen Bohemiens besuchten Nachtclub. Vier männliche Protagonisten, der Werbefotograf Cödac, der Bongo-trommler Eribö, der Journalist Silvestre und der Fernsehschauspieler Arsenio Cue, erzählen einander von ihren beruflichen Problemen und erotischen Eskapaden. Sie durchstreifen dabei den Dschungel aus nächtlichen Straßen, Bars und Absteigen. Die Details ihrer Erzählungen geraten in den Hintergrund, wesentlicher ist der Gesamteindruck, der beim Leser entsteht: die Vorstellung von einer ungeordneten, im Umbruch befindlichen Welt, in der die Menschen die Orientierungverloren haben.
      Die Mehrdeutigkeit von Sprache verdeutlicht Cabrera Infante u.a. anhand der Figur Bustro-fedöns, der Sprach- und Zahlenspielen verfallen ist. Meisterhaft parodiert Bustrofedön die Stile von acht verschiedenen kubanischen Schriftstellern sowie Ãobersetzern und führt dabei den Wahrheitsgehalt von Sprache ad absurdum. In einem anderen Kapitel berichtet ein amerikanisches Ehepaar von seinen Abenteuern in Kuba. Zunächst erzählt Mr. Campbell seine Version der Geschichte, dann folgt Mrs. Campbells Bericht, der die Heuchelei ihres Mannes entlarvt. Beide Varianten übersetzt der Autor anschließend in »besseres« Spanisch.
      Aufbau: Cabrera Infante verwendet für seinen Roman eine für den Leser zunächst verwirrende Collage-Technik. Erst im Lauf der Lektüre treten die Zusammenhänge zwischen den einzelnen Erzählsträngen klarer hervor. Das Werk besteht aus acht Kapiteln, zu denen jeweils Prologe und Epiloge gehören. Hinzu kommen zwei weitere unabhängige Handlungsstränge, die immer wieder eingeschoben werden. Wirkung: Der in der Tradition von Lewis -> Car-roll und James -> Joyce stehende Roman nutzt nahezu alle Möglichkeiten von Sprache spielerisch aus. Von der internationalen Kritik wurde das Werk begeistert aufgenommen, in Kuba ist es bis heute verboten.
     


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