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Buchheim, Lothar-Günther - Leben und Biographie



Mit Das Boot gelang Lothar-Günther Buchheim eine der nachhaltigsten und konsequentesten literarischen Auseinandersetzungen mit den Schrecken des Krieges. Trotz weltweiten Erfolgs bleibt das Werk jedoch umstritten und sein Autor ein streitbarer Zeitgenosse.
      Buchheim galt bereits mit 14 Jahren als »Wunderkind«. Er zeichnete, malte, schrieb und erfuhr entsprechende Förderung. Schon früh arbeitete er für Zeitungen und Zeitschriften. Literarisch machte er erstmals 1939 mit einem Reisebericht über eine Faltboot-Tour über die Donau zum Schwarzen Meer auf sich aufmerksam [Tage und Nächte steigen aus dem Strom, 1939). Buchheim studierte an den Kunstakademien in Dresden und München. Im Zweiten Weltkrieg wurde er zunächst als Kriegsmaler, dann als Kriegsberichterstatter auf Minenräumbooten, Zerstörern und vor allem U-Booten eingesetzt. Nach Kriegsende gründete er eine Kunstgalerie sowie einen Kunstverlag. Buch-heim ist bekannt als Autor zahlreicher Werke über den künstlerischen Expressionismus; daneben verfasste er Sachbücher, Fernsehfilme und Reportagen zum Thema »U-Boot-Krieg«.
      Buchheim lebt und arbeitet in Feldafing am Starnberger See, wo er sich im Jahr 2000 mit der Eröffnung seines »Museums der Phantasie«, das seine international hoch geschätzte Sammlung expressionistischer Kunst präsentiert, einen Lebenstraum erfüllte.
      Die wichtigsten Bücher von Lothar-Günther Buchheim
Das Boot 1973 Die Geschichte eines U-Boots und seiner Besatzung im Zweiten Weltkrieg bietet eine detaillierte Dokumentation des »Lebens im Schattenreich des U-Boot-Krieges«.
      Die Festung 1997 Das kriegsgeschüttelte und gleichgeschaltete Deutschland, aber auch Paris, die Invasionsfront und die Festung Brest sind Stationen der aberwitzigen Odyssee des Kriegsberichterstatters ßuehheim durch die Wirklichkeit des Jahres 1944.
      Der/losc/i/erf 2000 Der Roman eines dreifachen Abschieds: von der »Otto Hahn«, dem einzigen atombetriebenen Schiff unter deutscher Flagge, das Buchheim 1978 auf seiner letzten Fahrt begleitete, vom Kapitän, seinem einstigen U-96-Kommandanten, und von der See.

      Das Boot
Der erfolgreichste Roman von Lothar-Günther Buchheim erschien nach jahrzehntelanger Vorarbeit und verarbeitet seine persönlichen Erlebnisse als Berichterstatter im deutschen U-Boot-Krieg. Sein knapper, prägnanter Stil zeichnet ein fesselndes Bild vom Schicksal einer deutschen U-Boot-Besatzung im Zweiten Weltkrieg.
      Inhalt: Im Herbst 1941 bereitet sich die Mannschaft der U 96 im von Deutschland besetzten französischen Hafen von La Rochelle auf den nächsten Kriegseinsatz vor. Hitler hoffte, mit Hilfe seiner U-Boot-Flotte eine Handelsblockade um England legen und den Feind aushungern zu können. Doch die Gegner sind erschreckend gut gerüstet, die »Schlacht im Atlantik« entscheidet sich immer häufiger gegen die Deutschen. Trotzdem leistet die Besatzung einmal mehr ihren Dienst - 50 mehr oder weniger überzeugte Soldaten unter Führung ihres charismatischen Kommandanten, des »Alten«, zusammengepfercht in der Enge ihres U-Boots, auf Gedeih und Verderb einander ausgeliefert. Als Gast an Bord ist Werner, der junge, unerfahrene Kriegsberichterstatter und Ich-Erzähler des Romans. Angesichts beklemmender Enge, der Todesangst im »Stahlsarg«, der Wasserbomben und endlosen Schleichfahrten verflüchtigen sich Werners Fantasien vom heroischen Unterwasser-Kampf schneller als geglaubt.
      Nach zermürbenden Tagen auf See, einer Zeit des endlosen, gespannten Wartens machen sich Resignation und Aggression breit - eine Spannung, die sich schließlich auch im brutalen Versenken zweier britischer Frachter entlädt. Nicht ohne Folgen für »das Boot« - selbst stark beschädigt, muss die U 96 unter dramatischen Bedingungen eine Blockade vor der Meeresenge von Gibraltar durchbrechen. Von Wasserbomben und Tieffliegern getroffen sackt das Boot manövierunfähig in Tiefen, für die es nicht gebaut ist. Der Sauerstoff wird knapp, wie eine riesige Faust preßt der Wasserdruck den Stahlkörper zusammen. Doch der Mannschaft gelingtdas Unerwartete - nach notdürftiger Reparatur machen sie wieder Fahrt, zurück in den »rettenden« Hafen von La Rochelle, wo ein plötzlicher Luftangriff doch noch seine Opfer fordert. Wirkung: Das Boot entwickelte sich weltweit zum viel beachteten Millionenseller. Das Buch hat die Debatte um die NS-Zeit in- und vor allem außerhalb Deutschlands beeinflusst. Kritische Stimmen verweisen auf die mangelnde Distanznahme des Autors zum Nationalsozialismus. Stattdessen halte sich Buchheim, verhaftet in seiner Rolle als »ehemaliger Kriegspropagandist«, an die Ausschmückung soldatischer und mannhafter Tugenden.
      Für eine noch größere Breitenwirkung sorgte schließlich Wolfgang Petersens filmische, für sechs Oscars nominierte Adaption des Romans, von der sich Buchheim - nach Ablehnung des eigenen Drehbuchs - distanzierte. Allein mit der weniger »actionlastigen«, sechsstündigen TV-Fassung konnte sich der Autor arrangieren.
     


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Buchheim,  Lothar-Günther    


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