Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Autoren

Index
» Autoren
» Brant, Sebastian

Brant, Sebastian - Leben und Biographie



Das Wirken des Volksaufklärers Sebastian Brant war geprägt von der Sorge um den Bestand der alten Ordnung am Vorabend der Reformation. Der fromme Katholik besaß eine konservative, reichstreue Ãoberzeugung und trat mit seiner regen publizistischen Tätigkeit für die Wiederbelebung der mittelalterlichen Reichsidee sowie einen neuen Kreuzzug gegen die Türken ein.
      Der humanistisch gebildete Sohn aus großbürgerlichem Haus besuchte ab 1475 die Baseler Universität, wo er 1477 das Baccalaureat und 1489 den Grad eines Doktors beider Rechte erwarb. Seine Lehrtätigkeit in Basel endete 1499, als er aus Protest über das Ausscheiden Basels aus dem Heiligen Römischen Reich zu Gunsten der Eidgenossenschaft nach Straßburg zog, wo er Stadtschreiber wurde. Seine publizistische Tätigkeit für Kaiser Maximilian 1. trag ihm die Ernennung zum kaiserlichen Rat und zum Beisitzer des Hofgerichts zu Speyer ein.
      In diversen Flugschriften erprobte Brant die Kombination volkssprachlicher gereimter Texte mit dem neuen Medium des Holzschnitts, die auch für sein berühmtestes Werk Das Narrenschiff charakteristisch ist. Damit trug er entscheidend zur sozialen Ausbreitung des Mediums Text bzw. Buch bei.

      Das Narrenschiff
Das Narrenschiffwar am Ausgang des 15. Jahrhunderts ein in mehrfacher Hinsicht epochemachendes Werk. Die Idee, eine Tugendlehre erstmals unter einen einheitlichen Gesichtspunkt - den des Narren - zu stellen, bedeutete eine wichtige Fortentwicklung dieses Genres. Die Poesie des in Reimpaaren verfassten Werks gilt zugleich als Zeugnis des Wiederauflebens der deutschen Dichtkunst nach Jahrhunderten des Verfalls im Spätmittelalter. Schließlich begründete die besonders schöne Ausstattung des Buchs mit mehr als 100 Holzschnitten von teilweise herausragender Qualität seinen Ruf als Volksbuch. Die Mehrzahl der Illustrationen wird heute Albrecht Dürer zugerechnet. Das Narrenschiff erlebte bis 1507 bereits fünf Auflagen der Originalausgabe und mehre-re unautorisierte Nachdrucke. 1497 wurde es ins Lateinische und von dort bald ins Französische, Englische und Niederländische übersetzt. Es war das erfolgreichste deutschsprachige Buch vor -> Goethes Die Leiden des jungen Wer-f/?ers.
      Inhalt: Die ganze Menschheit besteht aus einer Vielzahl unterschiedlicher Narren - das ist die zentrale Botschaft des Narrenschiffs. Im Narren-Begriff treffen das christliche Konzept der Sünde und das humanistische der Unvernunft zusammen; entsprechend ambivalent ist der dem Narrentum didaktisch entgegengehaltene Begriff der Weisheit. Die Narren als solche haben hier jedoch ihre sowohl in der Volkskultur als auch im höfischen Leben deutliche Ambivalenz, nach der sie auch Monopolisten deT Weisheit sein konnten, nahezu vollständig eingebüßt. Das Buch will ein Narrenspiegel sein, verkennt aber, dass ein solches Instrument der Weisheit doch ein Werkzeug der Narren ist.
      Brants Morahorstellungen sind einerseits rückwärtsgewandt, andererseits vertritt er eine Ethik stadtbürgerlichen Gemeinsinns. Jeder soll sich mit dem Ort bescheiden, an den das Schicksal ihn gestellt hat - doch zugleich wird die Wechselhaftigkeit des Schicksals im Bild des Fortunarads betont. Kaiser Maximilian 1. wird ausdrücklich unterstützt , doch im gleichen Kapitel am Beispiel des antiken Rom eine antimonarchische Lehre entwickelt . Dies und andere Widersprüche sind Zeichen einer epochenbedingten Doppeldeutigkeit, die sich auch darin äußert, dass im Belegmaterial für jeden Narren-Typus unbefangen Beispiele aus dem Alten Testament und aus klassischen lateinischen Werken durcheinander gewürfelt sind.
      Aufbau: In 112 Kapiteln werden, additiv aneinandergereiht, immer neue Formen der Narrheit vorgestellt und gegeißelt. Jedem Kapitel geht ein Holzschnitt voraus, der sich auf den Text bezieht. Jedem Holzschnitt ist ein meist dreizeiliger Mottovers beigegeben, der die Moral des Kapitels benennt. Wirkung: Das Narrenschiff zog im 16. und 17. Jahrhundert eine üppige Narrenliteratur nach sich und beeinflusste noch den Simplicius Simplicissimus des Christoffel von -» Grimmeishausen. Die von Brant erfundene Figur des Grobian entwickelte sich zu einem eigenen Genre, der grobianischen Dichtung. Der Einfluss des Narrenschiffs auf die deutschsprachige Dichtung kann kaum überschätzt werden. Heute liegt seine kulturgeschichtliche Bedeutung vor allem darin, das Verständnis der Welt um 1500 in Text und Bild zu fördern.
Holzschnitt
Geschichte: Die Holzschnitt-Technik ist das älteste grafische Druckverfahren und das erste bildbezogene Mas-senmedium. Erstmals im 6. Jahrhundert in China nachgewiesen, gelangte die Technik im 14. Jahrhundert nach Mitteleuropa und wurde zunächst zur Herstellung von Spielkarten verwandt. Von Holzschnittblöcken gedruckte Bücher, bei denen Bilder und Text auf derselben Platte geschnitten wurden, sind seit Mitte des 15. Jahrhunderts belegt. Eines der ersten ist die lateinische »Armenbibel« mit bis zu 50 Abbildungen. Nach der Erfindung beweglicher Lettern durch Johannes Gutenberg ging man zur Kombination der Bildblöcke mit dem Letternsatz über. In der Renaissance erhoben Künstler wie Albrecht Dürer und Hans Holbein d.J. den Holzschnitt zu einer eigenständigen Kunstform. Ab der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde der Holzschnitt als Mittel der Buchillustration zunehmend von der Technik des Kupferstichs abgelöst. In der Romantik erlebte er eine kurze Renaissance, erlangte schließlich zur Zeit des Expressionismus große Be-deutung durch Künstler der »Brücke« und wurde Ausdrucksmittel politisch und sozial engagierter Künstler wie Käthe Kollwitz und Ernst Barlach. Noch bis ins frühe 20. Jahrhundert hatten Holzschnitte eine wichtige Funktion als Illustrationsmedium im Zeitungswesen.
      Wirkung: Mit der Holzschnitt-Technik ging eine radikale »Demokratisierung« der Verfügung über Bilder einher. Auch in den Bürger- und Bauernstuben hielten nun Heiligenbilder und profane Abbildungen Einzug. Mit dem Bild und Text kombinierenden Einblattdruck entstand auch das Massenkommunikationsmittel der Flugschrift, das zur Reformationszeit eine beachtliche politische Bedeutung gewann. Indem das Bildelement auch Analphabeten ansprach, verschaffte es ihnen unmittelbaren Kontakt zur Schriftkultur und förderte auf diese Weise die Literalität. Von Hartmann -> Schedels Weltchronik mit ihren 1809 Holzschnitten bis zum Zeitungswesen des 19. und 20. Jahrhunderts trugen Holzschnitte zur Popularisierung vieler Wissensbereiche bei, die weit über den Alltag der Rezipienten hinauswiesen.
     


Brant, sebastian

Er beargwöhnte das Buch als solches, bezweifelte den Nutzen seiner Verbreitung durch den Druck, verspottete die Art des Umgangs mit Büchern und erlebte, wie sein Hauptwerk, Das Sarrenschiff , durch den Druck zum Erfolgsbuch in seiner Zeit wurde, zum ersten »Bestseller« deutscher Sprache. Sein Zeitge .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachige Dichter und Schriftsteller vom Mittelalter bis zur Gegenwart

Franck, sebastian

F. sei ein »böser, giftiger Bube«, der nur lästern und schmähen könne, als sei er »des Teufels eigen und liebstes Maul«, so das Urteil des Reformators Martin Luther über seinen Zeitgenossen. In diesem drastischen Verdikt spiegelt sich das Schicksal einer Gruppe von Theologen und Denkern wider, die, .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Philosophen biographisch

Heinz küpper sebastian oder verführung durch vernunft

Vordergründig betrachtet, handelt es sich um eine betulich und humorig erzählte Geschichte aus dem Genre der Unterhaltungsliteratur, etwa für das Feuilleton der Lokalzeitung bestimmt: Es wird eine harmlose Beunruhigung des Lesers erzeugt, indem er einige weit weg vom eigenen Alltag spielende Ereigni .....
[ mehr ]
Index » Erzählungen der Gegenwart

 Tags:
Brant,  Sebastian    


Impressum

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com