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Brandys, Kazimierz - Leben und Biographie



Im Mittelpunkt der Romane und Tagebücher von Kazimierz Brandys steht das Verhältnis des polnischen Intellektuellen zu Geschichte und Macht. Sein Werk bezeugt exemplarisch das Schicksal Polens im 20. Jahrhundert.
      Brandys, Spross einer jüdischen Familie aus Lodz, beendete 1939 sein Jurastudium in Warschau, wo er während des Zweiten Weltkriegs einer kommunistischen Studentengruppe angehörte. Sein literarisches Schaffen gliedert sich in zwei Phasen: Vom Debütroman Das Holz-pferd bis Mitte der 1950er Jahre waren seine Werke, darunter auch der Roman Bürger , dem sozialistischen Realismus verhaftet. Mit der Erzählung Die Verteidigung Grana-0*03, einem der Hauptwerke der »Tauwetter«-Periode in Polen, begann seine Wandlung zum Dissidenten. 1966 gab Brandys sein Parteibuch zurück, ab Anfang der 1970er Jahre war er in der Opposition aktiv. Von der Verhängung des Kriegsrechts in Polen 1981 erfuhr Brandys in den USA, ab 1983 lebte er in Paris.
      Warschauer Tagebuch. Die Monate davor
Das WarschauerTagebuch von Kazimierz Brandys ist eines der wichtigsten literarischen Zeugnisse der Oppositionsbewegung im sozialistischen Polen in den 1970er und 80er Jahren. Inhalt: In einer Mischung aus alltäglicher Beobachtung, literarischem Exkurs und politischhumanistischer Reflexion schreibt Brandys über Geschichte, Kultur, Politik und Privatleben. Die Schilderung aktueller Ereignisse dient als Folie für die Gestaltung der drei für Brandys' Werk typischen Leitmotive: Zweiter Weltkrieg, Stalinismus und die innenpolitische Krise in Polen Anfang der 1980er Jahre.
      In den ersten beiden Bänden des Warschauer Tagebuchs greift Brandys auf persönliche Erfahrungen zurück. Ab Anfang der 1970er Jahre Mitglied der demokratischen Opposition in Polen, unterstützte er seit 1976 das »Komitee zur Verteidigung der Arbeiter« , eine Keimzelle der »Solidarnosc«-Bewegung. In Zapis, der ersten unabhängigen Literaturzeitschrift in Polen nach 1945, veröffentlichte er erstmals einige Kapitel des Warschauer Tagebuchs. In den letzten beiden Bänden , entstanden in New York und Paris und bisher nicht auf Deutsch erschienen, rückt die Beschreibung der polnischen Ereignisse in den Hintergrund.
      Aufbau: Brandys verwendet eine belletristische Form der Tagebuch-Gattung und fasst die Geschehnisse längerer Zeitabschnitte in größeren Kapiteln zusammen. Der Titel des polnischen Originals, Miesigce , ist programmatisch. Doch lässt Brandys' Chronik sowie Reflexion in eine größere Traditionslinie fließen und fügt dem von Witold -> Gombrowicz und Gustaw Herling-Grudziriski begründeten polnischen Tagebuch-Genre eine Facette hinzu. Die gewählte Gattung kann außerdem als Reaktion auf die Fülle politischer Ereignisse in Polen Ende der 1970er Jahre verstanden werden, denen nur dokumentarisch-auto-biografische Formen angemessen schienen.
      Das Warschauer Tagebuch ist symmetrisch aufgebaut: Die ersten beiden Kapitel zeigen den privaten Blick des Intellektuellen auf die politische Realität in Polen. Sie werden abgeschlossen durch eine Zäsur am Ende des zweiten Bandes. Kurz nachder Ankunft in New York schreibt Brandys die später viel zitierten Sätze: »Nachricht von der Verhängung des Kriegszustandes in Polen. Alle Verbindungen unterbrochen.« In den letzten beiden Bänden wird die Situation in Polen von außen beleuchtet.
      Wirkung: Das Warschauer Tagebuch ist ein Klassiker der polnischen Literatur des 20. Jahrhunderts. Durch seinen eigenen Stil und seine Perspektive fand das Werk nichl nur in Polen sofort einen großen Leserkreis, es wurde, wie Konstanty Jeleriski im Nachwort zur deutschen Ausgabe schreibt, zur eindringlichen »Einweihung eines nicht polnischen Lesers in den Kern dessen ..., was polnisch ist«.
      Die Shakespeare-Studien von Ulrich Bräker
Shakespeare-Erlebnis: 1780 entlieh Ulrich Bräker aus der Gesellschaftsbibliothek die zwölfbändige Shakespeare-Ausgabe, die er gründlich studierte. Der Shakespeare-Kommentar, den er nach der Lektüre verfasste, ist sowohl scharfsinnig als auch unbeeinflusst von literarischen Moden.Er hält dem bäuerlich-plebejischen Ursprung des Autors insofern die Treue, als dieser die Stücke weniger als Kunsterlebnisse behandelt, sondern sie vielmehr fast wie Wirklichkeitserfahrungen interpretiert. Shakespeare-Kommentar: Obwohl Bräker weder -» Goethes noch Johann Gottfried Herders Shakespeare-Auffassung kannte, stimmt er doch bis in die
Formulierungen hinein mit Goethes Auffassung vom »Naturgenie« überein.
      Die Interpretation der einzelnen Stücke ist realistisch-bäuerlich. Im Drama Der Sturm genießt Bräker die Komposition, aber die Gestalt Prosperos ist ihm ebenso fremd wie die Liebesraserei eines Romeo. Feierliche Hohlkopfe wie den Haushofmeister Malvolio, alberne Schwätzer wie die Gerichtsdiener Holzapfel und Schlehwein kennt er dagegen zur Genüge; er hatte selbst mit Typen wie ihnen zu tun. Am meisten gefallen ihm die Tragödien Julius Cäsar, König Lear und Hamlet, wobei seine Interpretation sich der damals herrschenden Ansicht gelegentlich entgegenstellt.
      Die wichtigsten Bücher von Kazimierz Brandys
Die unbesiegte Stadt, 1946 Autobiografische Erzählung über das Leben in Warschau während des Zweiten Weltkriegs und den Aufstand im Ghetto.
      Bürger 1954 Erzählung im Stil des sozialistischen Realismus über den gesellschaftlichen Wiederaufbau in Polen in den 1950er Jahren.
      Die Verteidigung Granadas 1956 Eine sozialistische Theatergruppe will das Stück »Banja« des russischen Dramatikers Wladimir Majakowski aufführen, wird aber gezwungen, ein positives stalinistisches Drama zu spielen.
      Die Mutter der Könige, 1957 Der fälschlich denunzierte Kommunist Klemens Kröl stirbt im Gefängnis; die Verfilmung von 1982 kam erst 1987 in die Kinos.
      Briefe an Frau Z. 1960/61 Fiktive Essays in Briefform. Gespräch mit einer stilisierten Warschauer Intellektuellen über den geistigen, gesellschaftlichen und kulturellen Zustand der polnischen Intelligenz.
      Variationen in Briefen 1972 Stilisierte Briefe aufeinander folgender Generationen polnischer Intellektueller, beginnend im 18. Jahrhundert, in denen die Frage nach den Grenzen menschlicher Verantwortung gestellt wird.
      Warschauer Tagebuch, 1981-87 Autobiografische Reflexion eines Intellektuellen über die Gesellschaft vor und während der »Solidamosc«-Zeit.
     


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Brandys,  Kazimierz    


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