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Boyle, T(homas) Coraghessan - Leben und Biographie



Thomas Coraghessan Boyle gilt wegen seines schwarzen Humors und der extravaganten Themenwahl als Enfant terrible der US-Gegenwartsliteratur.
      Boyle stammt aus kleinbürgerlichem Milieu. Die Großeltern flüchteten vor Hunger und Gewalt aus Irland in die USA, sein Vater war Busfahrer, seine Mutter Sekretärin. Als Jugendlicher legte sich Boyle seinen Fantasienamen Coraghessan zu. Nach dem Musikstudium am College in Potsdam , kurzer Zeit als Lehrer und privaten Krisen mit Drogenexzessen begann er an der Iowa State University ein Literaturstudium. Seine Dissertation, eine Sammlung von Kurzgeschichten, erschien 1979 unter dem Titel DescentofMan. Seit 1978 lehrt Boyle an der University of Southern California in Los Angeles, seit 1986 als Englisch-Professor.
      Einen Sensationserfolg feierte Boyle 1987 mit seinem Roman World's End, einem schwarz-humorigen, bizarren Panorama von 300 Jahren nordamerikanischer Geschichte. Sein Roman Wassermusik verquickt das Leben des englischen Afrikaforschers Mungo Park mit dem eines kriminellen Uberlebenskünstlers. Im Roman Der Samurai von Savannah löst ein illegal in die USA gekommener Japaner in einer Künstlerkolonie rassistische Reaktionen aus. Willkom-men in Wellville ist eine derbe Satire auf den Gesundheitswahn, der Roman America widmet sich emeut dem Thema illegaler Einwanderung. Zuletzt erschienen auf Deutsch der Erzählband Fleischeslust und der Roman Ein FreundderErde{200]).

      World's End
Das bitterböse Epos über zwei verfeindete Einwandererfamilien und ihr Verhältnis zu den indianischen Ureinwohnern im Nordosten der Vereinigten Staaten umspannt drei Jahrhunderte Geschichte. Mit schwarzem Humor und überbordender Fabulierlust schildert Boyle die feudalen, antidemokratischen Ursprünge der US-Gesellschaft und deren Fortwirken bis in die jüngste Gegenwart.
      Inhalt: In wechselnden Kapitelblöcken erzählt World'sEnd die Geschichte der Grafschaft West-ehester nördlich von New York im 17. und 20. Jahrhundert. Im Zentrum stehen zwei aus den Niederlanden eingewanderte Familien, die Großgrundbesitzer van Wart und die verarmten van Brunts, die für sie arbeiten müssen, weil die van Warts für sie die Seereise bezahlt haben. In beiden Jahrhunderten verraten Angehörige der van Brunts ihre Sippschaft und müssen dafür teuer bezahlen. Ein dritter Erzählstrang verfolgt das Schicksal des Indianerstammes der Kitchawanken, der durch Blutsbande mit beiden »bleichgesichtigen« Familien verbunden ist.
      Aufbau: World'sEnd folgt musikalischen Kompositionstechniken, der Autor nennt den vielstimmigen Roman »eine historische Fuge«. Boyle nimmt ein erzählerisches Grundthema auf, verfolgt es mit Einschüben, Variationen und Abweichungen kontrapunktisch weiter und kehrt immer wieder zum Ursprung zurück. Die Lebens- und Leidensgeschichten von rund 60 Figuren überschneiden sich. Im 17. Jahrhundert stehen sich entrechtete Indianer, bodenständige Farmer und gerissene Kaufleute gegenüber. Im 20. Jahrhundert kämpfen linksgerichtete Hippies gegen religiöse Fanatiker und bornierte Patrioten. Frauen opfern sich aus Liebe oder verraten sie, Söhne verachten ihre Väter, Freunde liefern sich den Erzfeinden aus. Den historischen Wandel, so Boyle, durchzieht tragische Kontinuität: Menschen verstricken sich unabwendbar in Schuld, Geschichte wirkt in ihren Mythen bis in die Gegenwart, die Gewalt der Mächtigen bestimmt Leben und Tod der Besitzlosen. Mit surrealer Fantasie und ungehemmter
Freude am Detail liefert Boyle aus verschiedenen Perspektiven eine dunkle Lesart deT amerikanischen Geschichte, nach der die Nachfahren die Sünden der Ahnen wiederholen.
      Wirkung: World's End erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1988 den PEN Faulkner Award. Motive und Themen erinnern an große amerikanische Erzähler wie James F. -»Cooper, William -• Faulkner, Washington -»Irving und Mark -» Twain. Der Roman machte den exzentrischen Autor außerhalb der USA bekannt und wurde in mehr als ein Dutzend Sprachen übersetzt.
      Hauptfiguren in »World's End« von T. Coraghessan Boyle
â–  17.JAHRHUNDERT
Jeremias van Brunt: Der jüngste Sohn des Sippengründers begehrt als Erster gegen die Gutsbesitzerfamilie van Wart auf, wird aber brutal zurückgestoßen. Katrinchee van Brunt: Die Schwester von Jeremias hat mit dem Indianer Mohonk einen Sohn. Sie wird von Weißen und Roten zugleich geächtet. Wouter van Brunt: Um seine Haut zu retten, liefert der Sohn Jeremias' seinen halbindianischen Cousin Jeremy Mohonk dem Henker der van Wartsaus. Jeremy Mohonk : Der Mischling ist das erste Blutsband zwischen den Kitchawanken und den van Brunts.
      â–  20. JAHRHUNDERT
Truman van Brunt: Der Kommunist wechselt 1949 zu rechten Patrioten. Er ist schuldig am Tod seiner Frau und flieht nach Alaska ans »Ende der Welt« .
      Walter van Brunt: Der Hippie und Träumer istderSohnTrumans. Er verliert 1968durch zwei Motorradunfälle beide Füße und stellt seinen Vater in Alaska zur Rede. Rombout van Wart: Der elfte Erbe der Gutsbesitzer büßt 1929 beim Börsenkrach sein Vermögen ein. Er ist rücksichtslos bei indianischen Besitzansprüchen. Depeyster van Wart: Der Sohn Rombouts ist ein erfolgreicher Geschäftsmann mit einer untreuen Gattin. Sein sehnsüchtig erwarteter Erbe erweist sich als Sohn seines indianischen Erzfeindes Jeremy Mohonk. Jeremy Mohonk: Der »Letzte der Kitchawanken« zeugt einen Sohn mit der Frau seines verhassten Feindes, Depeyster van Wart.
      Tom Crane: Der Freund Walter van Brunts ist ein idealistischer Umweltschützer. Er wird von Walter verraten, der dafür mit seinem Leben bezahlt.
     


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