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Bitow, Andrej - Leben und Biographie



Andrej Bitow zählt zu den bedeutendsten russischen Vertretern der Postmodeme. Unter dem Einfluss westeuropäischer Erzähltraditionen und der Theorien des russischen Formalismuswandte er sich vom sozialistischen Realismus ab und entwickelte neue erzählerische Mittel.Naturwissenschaftlich präzise lotet Bitow die Psyche seiner Figuren aus. Im Zentrum seiner Werke stehen Reflexionen über Literatur, Literaturgeschichte und den Akt des Schreibens.
      Bitow wuchs in Leningrad auf. Während der Belagerung der Stadt im Zweiten Weltkrieg war er im Ural und Zentralasien evakuiert. 1955-62 studierte er in Leningrad Bergbau und nahm dann als Bohrleiter an geologischen Expeditionen teil. Erste literarische Versuche unternahm Bitow gegen Ende der politischen »Tauwetter«-Periode; 1965 wurde er Mitglied des sowjetischen Schriftstellerverbands.
      Obwohl der Autor wegen der Konzentration auf das Innenleben seiner Helden und Publikationen im westlichen Ausland kritisiert wurde, etablierte er sich fest im Literaturbetrieb seiner Heimat. 1992 wurde er Vorsitzender des russischen PEN-Clubs.

      Das Puschkinhaus
Andrej Bitows einziger, experimenteller Roman bricht mit Erzähltraditionen und besitzt keine herkömmliche Handlung. Hauptthema ist das über Literatur und literarische Traditionen reflektierende Schreiben.
      Entstehung: Bitow begann die Arbeit an dem Roman 1964 und vollendete ihn 1971. Fragmente veröffentlichte er in den 1970er Jahren in Zeitschriften und Sammelbänden, doch war in der UdSSR kein Verlag bereit, das gesamte Manuskript drucken zu lassen. Bitow ließ das Buch 1978 in den USA verlegen; in der Sowjetunion erschien DasPusehkin-hauserst 1989.
      Inhalt: Der junge Philologe Lew Odojewzew stammt aus einer Aristokratenfamilie. Er arbeitet im Puschkinhaus, einem Leningrader Stadtpalais, in dem das Institut für Literaturwissenschaft und ein Puschkinmuseum untergebracht sind. Der erste Teil des Buchs schildert das Heranwachsen des Helden und seine Beziehungen zu seiner Familie, der zweite seine Verhältnisse mit den drei Freundinnen Fanja, Albina und Ljubascha.
      Der dritte Teil spielt am 8. November 1961, dem Jahrestag der Oktoberrevolution, als Odo-jewzew im Puschkinhaus Wache hält und für die bevorstehende Verteidigung seiner Dissertation lernt. Es tauchen Freunde auf, die ihm Gesellschaft leisten wollen, darunter Mitischa-jew, ein Doppelgänger Lews, der ihn um seine adelige Herkunft beneidet. Von Minderwertigkeitskomplexen, Neid und Hass auf Lew zerfressen, bricht Mitischajew einen Streit vom Zaun. Bei einer wüsten Schlägerei werden die Exponate des Museums zerstört. Odojewzew wird von Mitischajew im Duell erschossen, lebt aber im Epilog des Romans plötzlich wieder auf, so dass der Schluss offen bleibt. Aufbau: Die Geschichte Odojewzews wird nicht linear erzählt. In immer neuen Anläufen spielt der Erzähler mögliche Varianten im Lebenslauf seines Helden durch. In eingeschobenen Kommentaren vermerkt er, dass er »Desorientiertheit« abbilden wolle. Das Puschkinhaus ist auch ein Buch über Literatur: Der Leser erlebt den Schreibprozess mit, der Autor schafft ein dichtes Geflecht literarischer Bezüge und erweitert »Sprachspielerei zu Literaturspielerei« . So deutet z.B. der Name des adeligen Helden Lew Nikolaje-witsch Odojewzew auf zwei Schriftsteller des 19. Jahrhunderts hin, Lew N. -^Tolstoi und Fürst Wladimir Odojewski .
      Die drei Teile des Buchs sind nach drei russischen Klassikern benannt: Väter und Söhne [wan -*Turgenjew, 1862), Ein Held unserer Zeit und in Anspielung auf Alexander -^Puschkins Poem Der Eherne Reiter , »Der Arme Reiter«. Der dämonische Mitischajew ist eine Doppelgängerfigur, wie sie in Fjodor
^Dostojewskis Frühwerk auftaucht , und die dramatische Schlusszene verweist auf den Duelltod Puschkins und Lermontows.
      Wirkung: Obwohl das Werk in der UdSSR nicht erscheinen durfte, wurde es zu einem der programmatischen Texte der sowjetischen Literatur in den 1970er Jahren. Fragmente, Abschriften des Gesamtmanuskripts und literaturkritische Kommentare kursierten im Samisdat , was seine breite Rezeption noch zu Sowjetzeiten bezeugt.
      Die wichtigsten Bücher von Andrej Bitow
Leben im windigen Wetter 1967 Der Umzug aufs Land löst Sergejs fest gefügte Vorstellung von der Ordnung der Dinge und menschlichen Beziehungen auf und wird für den jungen Schriftsteller zum Beginn einer Neuorientierung.
      Apothekerinsel 1968 Autobiografisch gefärbte Erzählung überdie Kindheitserlebnisse des Schülers Sajzew im Leningrader Stadtteil »Apothekerinsel«.
      Armenische Lektionen, 1968 Einfühlsame, mit psychologischen Reflexionen des Autors durchsetzte Skizzen geben Eindrücke einer Armenienreise wieder.
      Das Puschkinhaus 1978 Der postmoderne Roman über einen jungen Literaturwissenschaftler ist ein virtuoses Spiel mit literarischen Formen.
      Puschkins Hase 1999 In Erzählungen geht Bitow der Frage nach, wie sich eine anders verlaufene Biografie des nach einem Duell gestorbenen Alexander Puschkin auf die russische (Literaturgeschichte ausgewirkt hätte.
     


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