Deutsche Literatur - Der literarische Treffpunkt


Autoren

Index
» Autoren
» Bienek, Horst

Bienek, Horst - Leben und Biographie



Die Gedichte, Erzählungen und Romane des Schlesiers Horst Bienek sind stark geprägt von Kriegs- und Nachkriegserlebnissen.
      Bienek übersiedelte 1946 von Gleiwitz nach Potsdam. Nach eigener Aussage »lernte« er beim I. Schriftsteller-Lehrgang der DDR, wie später auch in der Theaterklasse von Bertolt -»Brecht am Berliner Ensemble. Im November 1951 wurde er vom Staatssicherheitsdienst verhaftet, später wegen angeblicher Spionage und antisowjetischer Hetze zu 25 Jahren Zwangsarbeit in einem russischen Arbeitslager verurteilt. Nach vier Jahren kam er im Zuge einer Amnestie frei und ging in die Bundesrepublik, wo er zunächst als Kultuiredakteur und Verlagslektor tätig war, bevor er sich als freier Schriftsteller bei München niederließ.
      Bieneks Motivation zum Erzählen wird in dem 1968 entstandenen Gedicht Sagen Schwelgen Sagen deutlich." Er möchte die Geschichte, das »Geschehen« im Nachtrag zu einem Teil aktueller Wirklichkeit werden lassen. Immer wieder thematisieren die frühen Veröffentlichungen die eindrückliche Erfahrung des Gefangenseins im Arbeitslager. Konkrete biografische Angaben weichen dabei zurück hinter dem Versuch, die angemessene Form für die Verarbeitung der Lagerzeit zu finden. Das scheint gelungen mit dem Roman Die Zelle , der die Gedanken eines kranken, isolierten Gefangenen in der Form des inneren Monologs wiedergibt.
      In den folgenden Jahren rückten für Bienek das »verlorene Land«, Heimat und Kindheit mehr in den Mittelpunkt der Auseinandersetzung mit seiner Geschichte - und damit auch in den Mittelpunkt seiner vierteiligen Romanreihe {Die erste Polka, 1975; Septemberlieht, 1977; Zeit ohne Glocken, 1979; Erde und Feuer, 1982), die - ähnlich wie die »Danzi-ger Trilogie« von Günter -»Grass - die Stadt der Herkunft und Kindheit zum Ort des Geschehens macht. Dabei ist Gleiwitz »eine Metapher mehr denn als eine wirkliche Stadt: Symbol für die verlorene und wiedergefundene Kindheit«, so Bienek in seiner Dankrede anlässlich der Verleihung des Nelly-Sachs-Preises 1981. In diesem Zusammenhang stehen auch die Beschreibung einer Provinz , die Reise in die Kindheit , DernichtververloreneSohn sowie Birken und Hochöfen .
      Die Zelle
Mit seinem ersten Roman Die Zelle fand Horst Bienek die Form, mit der er seine Haft- und Lagererlebnisse künstlerisch angemessen verarbeiten konnte. Das BiogTafische ist hier nur noch Anlass für eine allgemeinere Darstellung des isolierten Gefangenen, wie es ihn zu Millionen während der Kriegsund Nachkriegszeit gegeben hat. Zwar spielt der Roman vor einem konkreten politisch-historischen Hintergrund , doch hätte es ebensogut ein anderersein können.
      Inhalt: Im Vordergrund steht in der Form des inneren Monologs die Beschreibung einer exis-tenziellen Situation, in der sich das namenlose, durch Krankheit kaum bewegungsfähige Individuum befindet und die durch die Zelle, dieses »Gehäuse der Unterdrückung«, definiert ist. Die Existenz wird mehr und mehr als unausweichliche, ja vorherbestimmte erkannt; Veränderungen, früher noch Quelle für momenthaftes Glück, werden vom leidenden Subjekt nicht mehr wirklich erwartet, ja bewusst verdrängt. Damit verliert die Zeit jedes Maß und doch behauptet sich das Individuum gegen diesen Verlust durch das Setzen eines neuen Maßes, das die Zeitspanne zwischen zwei Ta'uschun-gen beschreibt. Um zu überleben wird die Zelle zu »meiner Zelle« - das Leben vor der »Zellenzeit« wird zurückgedrängt; alles begann in jenem »Augenblick, in dem ich das Licht der Zelle erblickte«. Und auch die Zukunft ist von der Zelle eingeschlossen. Alles verflüchtigt sich ins Ungewisse, Ungefähre.
      Aber die Erinnerung an das andere, das vorherige Leben ist zu stark - Erinnerung muss am Ende doch als Grundbedingung jeder menschlichen Existenz auch von dem isolierten Ich anerkannt werden.
      Struktur: Der Roman gibt auch dem Leser keine Möglichkeit, der Zelle zu entfliehen. Die monologische Struktur sowie die Unterteilung in einzelne einsätzige Abschnitte mit offenem Anfang und Ende - Bienek selbst nannte diese Abschnitte »Erzähl-Zellen« - entlässt den Leser nicht aus der hermetischen Gedanken-Existenz des Subjekts.
      Wirkung: Erst nach diesem - 1971 vom Autor selbst unter weitgehendem Verzicht auf äußere Aktion verfilmten - Roman fand Bienek zum ausgreifenden epischen Erzählen dessen, wogegen das Ich in der Zelle noch ankämpft - die Erinnerung an das Vergangene, die Kindheit, die er in seiner »Gleiwitzer Tetralogie« ausgreifend beschrieben hat.
     


Bastian, horst

Man sagt nur so Lienig, Uta. In: Deutschunterricht 33, 1980, S. 229-231. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Bienek, horst

Berlin, Chausseestraße 125 Hinck, Walter. In: Frankfurter Anthologie 7, 1983, S. 237 - 241. Chöre zum Mitsingen Zeller, Michael. In: Gedichte haben Zeit, 1982, S. 273 - 275. Gartenfest Härtung, Rudolf. In: Frankfurter Anthologie 1, 1976, S. 239 - 242. Lern von den Wombats Bienek, .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Lange, horst

Attischer Mond Neis, Edgar. In: Mond in der Lyrik, 1971, S. 67 - 69. Eine Geliebte aus Luft Piontek, Heinz. In: Frankfurter Anthologie 5, 1980, S. 211-215. Nachts Neis, Edgar. In: Mond in der Lyrik, 1971, S. 67 -69. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Wessel, horst

Die Fahne hoch Hippe, Robert. In: Dt. politische Gedichte, 1974, 37 - 38. .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Index der Gedichttitel

Horst burger: warum warst du in der hitlerjugend? vier fragen an meinen vater (i976)

Besondere Beachtung erfuhr ebenfalls das Jugendbuch 'Warum warst du in der Hitlerjugend? Vier Fragen an meinen Vater" von Horst Burger, das 1976 post-hum erschien und das sich auf ungewöhnliche Weise mit der Epoche des Nationalsozialismus auseinander setzt. Dreißig Jahre nach dem Ende des 2. Weltkri .....
[ mehr ]
Index » Taschenbuch der Kinder- und Jugendliteratur » GUNTER LANGE

Bieber, horst

Biografie: *12.1.1 in Essen. H. Bieber studierte Geschichte, Philosophie und Germanistik und promovierte zum Dr. phil. Sein journalistisches Handwerk lernte er bei einer Essener Tageszeitung. H. Bieber lebt in Hamburg und gehört zur Redaktion der Zeit, bei der er bis 1997 Chef vom Dienst war. Neben .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachigen Krimi-Autoren

Boas, horst

Biografie: "16.12.1 in Dessau. H. Boas musste seine Kaufmannslehre abbrechen, weil er im Frühjahr 1945 zur Wehrmacht einberufen wurde. Nach Kriegsende reiste er durch Westdeutschland, Frankreich, Belgien und die Niederlande, wo er sich als Bergmann, Landarbeiter, Zeitungsverkäufer und im Schaustelle .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachigen Krimi-Autoren

Eckert, horst

Biografie: V.5.1 in Weiden. H. Eckert wuchs in Pressath bei Weiden auf. Er studierte Politische Wissenschaft in Erlangen und Berlin . Seit 1987 lebt er in Düsseldorf und arbeitet als Fernsehjournalist in Köln . Heute ist er noch als gelegentlicher freier Reporter für den WDR und das RTL-Nachtjournal .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachigen Krimi-Autoren

Herrmann, horst

Biografie; *1.8.1 in Schruns. H. Herrmann studierte Theologie und Rechtswissenschaften, 1968 promovierte er im Fachbereich Theologie. Seit 1970 ist er Professor für Kirchenrecht in Münster, seit 1981 hält er eine Professur für Soziologie. In einer Reihe von Kriminalerzählungen verarbeitete er Themen .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachigen Krimi-Autoren

Tornow, thorsten

Biografie: *1 in Speyer. T. Tornow studierte Philosophie, Linguistik und Japanologie in Freiburg im Breisgau und Berlin und schloss mit einer Arbeit über Wittgenstein ab. Anschließend lehrte er Deutsch an einer japanischen Universität, kehrte 1994 wieder nach Berlin zurück, wo er u.a. als Sargträger .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachigen Krimi-Autoren

Vocks horst

Biografie: Daten konnten nicht ermittelt werden TV: 1981 Tatort: Duisburg Ruhrort, , Drehbuch: H. Vocks und Thomas Wittenburg, Regie: Hajo Gies, EA 28.6.1981; 1982 Tatort: Der unsichtbare Gegner, , Drehbuch: H. Vocks und Thomas Wittenburg, Regie: Hajo Gies, EA 7.3.1983 ARD; 1983 Tatort: Miriam, , D .....
[ mehr ]
Index » Autoren » Deutschsprachigen Krimi-Autoren

Horst hartmann - das faustbuch - ein volksbuch?

Der Ahnherr der Bezeichnung 'Volksbuch" ist [...] Joseph Görres geworden, der in seiner 1807 in Heidelberg erschienenen Sammlung 'Die Teutschen Volksbücher" wenig beachtetes mittelalterlichfeudales und frühbürgerliches Literaturgut der breiten Ã-ffentlichkeit wieder zugänglich machen wollte. Daß die .....
[ mehr ]
Index » Textsammlung zur deutschen Literaturgeschichte

Horst haase - 25 jahre sed - 25 jahre demokratische und sozialistische literatur

[...] 'Wir schreiben unter neuen Bedingungen", sagte Bertolt Brecht 1956 auf dem IV. Deutschen Schriftstellerkongreß in Berlin. [1] Damit waren jene historischen Veränderungen gemeint, die durch die siegreiche Revolution auf dem Territorium der Deutschen Demokratischen Republik bewirkt wurden und d .....
[ mehr ]
Index » Textsammlung zur deutschen Literaturgeschichte

Horst redeker - die produktivität im kunstgenuß

'Was nutzt die glühende Natur An deinen Augen dir, Was nutzt dir das Gebildete Der Kunst rings um dich her, Wenn liebevolle Schöpfungskraft Nicht deine Seele füllt Und in den Fingerspitzen dir Nicht wieder bildend wird?" Goethe Die Rezeption des Kunstwerks ist dessen gesellschaftliche .....
[ mehr ]
Index » Textsammlung zur deutschen Literaturgeschichte

Brentano, brecht, horst wessel und johnson

Wenn das deutsche Volk in der Welt weniger als das Volk der Dichter und Denker, sondern eher als das »der Richter und Henker« gilt, so ist das nicht zuletzt darauf zurückzuführen, daß in diesem Land die Machthaber mit besonderer Vorliebe eben die Dichter und Denker bekämpft und ver- folgt haben .....
[ mehr ]
Index » wer schreibt provoziert

 Tags:
Bienek,  Horst    


Impressum

Tags: a b c d e f g h i j k l m n o p q r s t u v w x y z
Kontact Sitemap
Copyright © litde.com