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Bergson Henri - Leben und Biographie



Henri Bergson brach in seinen Schriften mit den Denkmustern des 19. Jahrhunderts - insbesondere dem Positivismus - und widmete sich vor allem den unmittelbar gegebenen Tatsachen des physischen und psychischen Lebens, wie etwa der subjektiven Zeit .
      Dem Sohn eines jüdisch-polnischen Vaters und einer irischen Mutter gelang eine beeindruckende akademische, politische und literarische Karriere. Nach dem Studium der Philosophie an der Ecole Normale Superieure und seiner Promotion unterrichtete Bergson zunächst in der Provinz, schließlich wieder an der Ecole Normale in Paris. 1900 erhielt er einen Ruf ans College de France, 1914 wurde er in dieAca-demie Francaise gewählt. Während des Ersten Weltkriegs als französischer Diplomat in Spanien und den USA tätig, engagierte sich Bergson in den 1920er Jahren fÃœT europäische Zusammenarbeit und Friedenspolitik. Inzwischen war er mit philosophischen Werken wie Materie und Gedächtnis und Schöpferische Entwicklung sowie seinem zentralen Konzept des elan vital nicht nur zum wichtigsten Philosophen Frankreichs, sondern zu einer zentralen Figur der europäischen »Lebensphilosophie« geworden. Seine Schriften haben weit über die Schulphilosophie hinaus - etwa auf Künstler und Schriftsteller wie Marcel ^Proust -gewirkt und wurden auch in Deutschland intensiv wahrgenommen. 1927 erhielt Bergson den Nobelpreis für Literatur.
      Das Lachen
Entstehung: Das Lachen als psychisches und soziales Phänomen beschäftigte Bergson schon früh. 1894 hielt er in Clermont-Ferrand bereitseine Vorlesung zu diesem Thema. Drei kurze Essays über die Gesetzmäßigkeiten des Komischen mit den Titeln Du comique en general , Force d'ex-pansion du comique und Le comique de Situation und Le comique de caractere erschienen 1899 in der Revue de Paris. Diese fasste bergson dann ohne weitere Veränderungen zu einem schmalen Buch zusammen, das 1900 erschien.
      Inhalt: Bergson sieht das Lachen bzw. die Komik, die es stimuliert, als spezifisch menschliche Erfahrung an, die quer zu den Kategorien der Wissenschaft steht: »eine spitzbübische Herausforderung« auch und besonders der Philosophie. Deshalb will Bergson das Lachen nicht in eine Definition zwingen, sondern als lebendiges, körperlich-seelisches Phänomen mit erheblicher sozialer Reichweite beschreiben. Er geht von der Beobachtung aus, dass es Komik nur im »menschlichen« Bereich gebe; dass das Lachen »mit einer gewissen Empfindungslosigkeit« verbunden sei und ein »Echo« benötigt: »Unser Lachen ist immer das Lachen einer Gruppe.« Das Komische ist einerseits »unbe-wusst«, das Lachen aber sehr wohl eine »soziale Geste«.
      Die Essenz des Komischen glaubt Bergson in einem »zentralen Bild« zu fassen: »Mechanisches als Kruste über Lebendigem« wirkt komisch und provoziert das Lachen. »Stellungen, Gebärden und Bewegungen des menschlichen Körpers sind in dem Maße komisch, als uns dieser Körper dabei an einen bloßen Mechanismus erinnert.« Solche Situationen, in denen eine Person momentan »in eine Sache« verwandelt wird, ergeben sich »von selbst« im Alltag , sie werden aber auch unbewusst oder bewusst und mit künstlerischem Anspruch produziert .
      Von derartiger Situations- oder auch Wortkomik, die durch Wiederholungen, Umkehrungen und Interferenz der Ereignisse gesteigert wird, unterscheidet Bergson im Anschluss an die französische Moralistik des 17. Jahrhunderts die Charakterkomik, ohne seinen analytischen Ansatz aufzugeben. So wie ein Körper komisch wirkt, der in einer gewissen Situation nicht flexibel reagieren kann, so wird ein Charakter komisch, der in »Versteifung gegen das soziale Leben« erstarrt. Er wfrd, anders gesagt, zum komischen Typus. Dabei kann man eine liebenswürdige und eine abstoßende Variante unterscheiden, wie Bergson an bekannten Beispielen aus verschiedenen Komödien —> Molieres erläutert - allen komischen Charakteren gemeinsam ist aber die »Zerstreutheit«. »Eine sys-tematische Zerstreutheit wie die Don Quijotes ist das Komischste, was man sich auf der Welt denken kann: Sie ist die Komik selber, unmittelbar aus der Quelle.«
Aufbau: Mit seiner essayistischen, an konkreten Alltagsbeobachtungen orientierten Darstellungsweise distanziert sich Bergson von der akademischen Philosophie und praktiziert eine phänomenologische Beschreibung, die allerdings auch ein Grundphänomen seiner Epoche, die fortschreitende Mechanisierung der Lebensverhältnisse, reflektiert .
      Im ersten Kapitel nähert Bergson sich »der Komik im allgemeinen«, das zweite Kapitel handelt von »Situationskomik« und »Wortkomik«, das dritte von der »Charakterkomik«. In einem Nachtrag setzt der Autor sich mit seinem Kritiker Yves Delaye auseinander und verdeutlicht nochmals seine Intention: »Während ich die Entstehungsarten des Lächerlichen zu bestimmen suchte, wollte ich gleichzeitig herausfinden, welche Absicht die Gesellschaft verfolgt, wenn sie lacht.«
Wirkung: Bergsons schmale Schrift ist durch die Jahrzehnte hindurch in verschiedenen Zusammenhängen aktuell geblieben und immer wieder diskutiert worden. In Frankreich hat sie auf den philosophischen Existenzialismus eingewirkt, aber auch die moderne Moliere-For-schung geprägt und wesentliche Argumente noch zur neueren Filmtheorie beigetragen.
      In Deutschland hat Bergson sowohl inhaltlich, mit der philosophischen Ausdeutung von Alltagsphänomenen, wie auch formal, durch seine essayistische Darstellung, die phänomenologische Schule wie auch die Kritische Theorie



Bergson

Große Bedeutung erlangt für die Avantgardisten auch der französische Philosoph Henri Bergson . Dieser wendet sich ebenfalls energisch wider das materialistisch-mechanistische Weltbild der Zeit, die Ma-schinisierung, Verdinglichung, Entpersonalisierung und Entwertung des Lebens. Gegen die naturwissen .....
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Bergson, henri louis

Fotographien B.s. so protokollarisch steif und den strengen Regeln der Atelierkunst gehorchend die Fotografen den prominenten Laureatus auch in Szene gesetzt haben, besitzen eine eigentümliche Ausstrahlung. Sie zeigen ein graziles, fast altersloses Gesicht mit großen, tiefliegenden doch sanften Auge .....
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Holbach, paul-henri thiry d (d.i. paul heinrich dietrich)

Als H.s Hauptwerk, das Systeme de la naturc. 1770 unter falschem Namen und fingierter Angabe des Druckortes erschien, gingen die meisten aufklärerischen Philosophen, namentlich Voltaire, aut Distanz zu diesem streng materialistischen und kompromißlos atheistischen Buch. Bezeichnenderweise gehörte ge .....
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Lefebvre, henri

Der in den bäuerlich geprägten südwestfranzösischen Landes als Sohn eines Voltaire anhängenden Beamten und einer eifrigen Katholikin geborene, gegen jede Art von Staatsräson rebellische und gegenüber jeglicher offiziellen Ideologie häretische Philosoph ist aktiv »in die meisten der großen ideologisc .....
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Saint-simon, claude henri de

»Steht auf. Herr Graf, große Taten warten auf Euch«, mit diesen Worten ließ sich schon der 15jährige S.-S. allmorgendlich von seinem Kammerdiener wecken. Große Taten im konkreten Sinne hat der Graf allerdings nicht vollbracht, sondern statt dessen mit mächtiger Imaginationskraft große Entwürfe und U .....
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Die stillen im lande - johann heinrich jung: henrich stillings jugend

Entstehung Johann Heinrich Jung , der seine I.ebensgeschichte unter dem Pseudonym Henrich Stilling veröffentlichte, kam 1770 nach Straßburg, um dort Medizin zu studieren. Im Kreise der Tischgesellschaft bei Johann Daniel Salzmann wurde er mit Goethe bekannt, der im neunten Buch von Dichtung und Wah .....
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Henricks, paul

Pseud. für: Edward Hoop Biografie: *19.5.1 in Rendsburg-Büdelsdorf. P. Henricks studierte in Kiel Geschichte und Deutsch, promovierte in Geschichte und war seit 1952 im Schuldienst. Er arbeitete als Studiendirektor und Kommunalpolitiker und übte acht Jahre lang das Amt des Bürgervorstehers in seine .....
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