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Beowulf - Leben und Biographie



Unter den Nationalepen der Völker stellt ßeo-wulf einen kuriosen Sonderfall dar: Es ist das einzige, das kein Thema aus der nationalen Geschichte oder Sagenwelt behandelt. Die Verbindung zu England besteht allein darin, dass das einzige erhaltene Manuskript um das Jahr 1000 von einem Geistlichen in einem altenglischen Idiom niedergeschrieben wurde und im Britischen Museum in London aufbewahrt wird.
      Ob es sich bei dem kostbaren Literaturdenkmal um einen Originaltext, eine Abschrift oder eine Ãobersetzung handelt und wer ca. 300 Jahre zuvor der eigentliche Urheber des Werks war, ist unbekannt. Zweifellos aber gilt dieses 3182 Langverse umfassende Epos als die älteste vollständig überlieferte germanische Heldendichtung.
      Entstehung: Außergewöhnlich ist die Tatsache, dass der Verfasser Märchen- und Sagenmotive sowie sprachliche Ausdrucksformen aus allen Himmelsrichtungen verarbeitet hat, z.B. aus Irland und Skandinavien, aus Mittel- und Südeuropa. Besonders deutlich ist der Einfluss von -> Vergil und seiner Aeneis[30~ 19 v. Chr.).
      Mut und Toleranz beweist das Bestreben des ßeokvw/f-Dichters, nordisch-heidnische Bräuche und Ideale mit antiken und christlichen zu verbinden. Seine Vorliebe für die schon bei den alten Griechen beliebte Alliteration bezeugt die konsequente Verwendung des Stabreims. Dass der Autor kein Spannungselement erfahrener Barden, kein Gruselrequisit der Volksfantasie zu nutzen versäumt und andererseits keine Gelegenheit zu frommer Moralpredigt ausgelassen hat, spricht für den Ehrgeiz des Erzählers, seinem Werk die größtmögliche Breitenwirkung zu sichern.
      Inhalt: Im ersten Teil geht es um ein seit dem Altertum beliebtes Horror-Szenario: eine Drachenplage. Ort des Schreckens ist die Festhalle der Residenz des Dänenkönigs Hrothgar, in die immeT wieder ein Ungeheuer, genannt Grendel, eindringt, um die nach ihren Trinkgelagen in tiefen Schlaf gefallenen Edelleute und Wächter zu töten oder ins Moor zu verschleppen, wo die Bestie ihr Versteck hat. Daraufhin meiden die Leute zwölf Jahre lang die Halle, bis ein fremder Ritter, der Fürstensohn Beowulf aus dem südschwedischen Gautenreich, mit 14 auserwählten Kriegern eintrifft und »das leibhaftige Grauen aus Kains Geschlecht« unschädlich zu machen verspricht. Beowulf stellt Grendel eine Falle, vermag ihm im Zweikampf einen Arm auszureißen, aber die Flucht des Verwundetennicht zu verhindern. Man feiert den Sieg über das Monstrum, jubelt abeT zu früh. Denn nun erscheint seine Mutter, um die Verstümmelung des Sohns zu rächen, und richtet ebenfalls ein Blutbad an. Beowulf verfolgt sie bis in ihre Behausung unterm Grendelsee und tötet die beiden Unholde mit einem Riesenschwert, das er an Ort und Stelle findet.
      Der zweite Teil des Epos berichtet von der weiteren Karriere Beowulfs. Er ist reich belohnt für seine Heldentaten in seine Heimat zurückgekehrt und nach dem Tod des Königs der Gau-ten zu dessen Nachfolger gewählt worden. Nach 50 Jahren friedlicher Regierungszeit sieht sich der inzwischen hochbetagte Held jedoch noch einmal zu einem Drachenkampf herausgefordert: Er überwältigt zwar die »Ausgeburt der Hölle«, die Teile seines Landes verwüstet hat, stirbt jedoch selbst an einem Biss in den Hals und durch den giftigen Atem. Die Untertanen bestatten ihren König in einem weithin sichtbaren Grabhügel am Meer und mit ihm auch den fluchbeladenen goldenen Drachenhort.
      Wirkung: Die Forschung hat bis heute keine schlüssige Erklärung dafür gefunden, warum ein Heldenepos von derart hohem sprachlichem Niveau und mit einer so publikumswirksamen Handlung das Mittelalter in nur einem Exemplar überdauert und in deT späteren Dichtung keine Spuren hinterlassen hat. Immerhin hat der Mythen forsch eT J.R.R. -» Tolkien 1936 auf die magische Wirkungskraft der archetypischen Fantasiegestalten im SeoLViz/fTiingewiesen und sich dann von ihnen bei der Arbeit an seinem Hauptwerk, Der Herr der Ringe , dem berühmtesten Mythen-Epos des 20. Jahrhunderts, inspirieren lassen.
      Heute gelten die Figur des Beowulf und das Ungeheuer Grendel als UTtypen und Markenzeichen der Fantasy-Literatur.
     


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