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Bellow, Saul - Leben und Biographie



In seinen Romanen und Erzählungen schildert Saul Bellow den Kampf des entfremdeten Einzelnen ums Ãoberleben in einer materialistischen Welt. Mit seinem ethischen Optimismus antwortet er auf die Tragik und Verzweiflung im Leben. Sein Werk ist bekannt für Ideenreichtum, Humor und Vitalität. Als intellektueller Autor ist Bellow von der europäischen Literatur und Philosophie stark beeinflusst, doch spielt in seinen Werken auch das Gefühlsleben eine große Rolle.
      Bellow stammt aus einer jüdischen Familie russischer Herkunft, die 1924 über Kanada nach Chicago emigrierte. Dort besuchte er verschiedene Universitäten und wurde 1962 Professor für englische Literatur. Als Krönung seiner langen Karriere als Schriftsteller erhielt er 1976 den Literatumobelpreis. Obwohl Bellow eine direkte biografische Verbindung zu seinem Werk leugnet, spiegelt sein literarisches Schaffen Lebenserfahrungen. Oft ist seine Hauptfigur ein weltlicher Jude in Chicago, in Nebencharakteren sind Bellows Freunde und Bekannte zu finden.
      Seine kraftvolle, aber spielerische Prosa und die hochgeistigen Themen überwinden die sachlich-journalistische Tendenz derUS-Litera-tur seit Ernest -»Hemingway. Bellows Werke erschienen zu einer Zeit in den USA, in der eine
Wende von der kulturellen Vorherrschaft der weißen angelsächsischen Protestanten zu einer diverseren, multikulturellen Literatur stattfand. Biografie: J.Atlas, Bellow, 2000.
      Die Abenteuer des Augie March
Das Buch Die Abenteuer des Augie March über die Selbstverwirklichung einer jungen, optimistischen und wissbegierigen Figur steht in der Tradition des amerikanischen Entwicklungsromans. Bellow modifiziert jedoch sein Vorbild für die Moderne: Trotz unzähliger Rückschläge und Schwierigkeiten verliert der Protagonist nie die Hoffnung. Im dritten Roman entdeckte Bellow seinen persönlichen Stil aus naturalistischer Beschreibung und brisanter Reflexion, Umgangssprache und Intellektualismus. Entstehung: Ab 1948 schrieb Bellow an einem ernsthaften, eher »finsteren« Manuskript. Einige Jahre später verbrannte er verzweifelt die ca. 300 Seiten des Manuskripts und konzentrierte sich auf ein ursprünglich kleineres Nebenprojekt, das ihm als Flucht vor der Resignation mit seinem früheren Werk gedient hatte. Dieser lebensbejahende Roman erzählt die spekulative und fantasievolle Biografie eines seit 25 Jahren nicht mehr gesehenen Schulfreundes. Bellow schrieb den Roman in Paris, Rom, New York und in anderen Städten, nur nicht in seiner Heimat Chicago, in der die meisten Eeignisse des Romans stattfinden. Mit dem Abstand durch das Leben in der Fremde entdeckte er das Einzigartige an seiner Jugend in den USA. Inhalt: Der amerikanische Jedermann Augie ist ein Außenseiter ohne Wurzeln, Ziel und festen Charakter. In der ersten Person erzählt der ältere Augie von früheren Lebensstationen und Personen, die er als Kind und als junger Mann kennen lernte. Er war u.a. Zeitungsbote, Chauffeur, Verkäufer, Hundeführer, Kohlenhändler, Gewerkschaftsagitator und Eidechsenjäger. Seine vielfältigen Jobs sind nicht nur Resultat seiner Neugierde, sondern auch des Bedürfnisses nach Selbstständigkeit. Jedem Beschäftigungsverhältnis steht eine Machtfigur vor, der er unterworfen ist. In seiner Kindheit erzieht ihn Oma Lausch streng. Er entkommt ihrem Einfluss, gerät aber in die zweifelhafte Welt des Geschäftsmannes Einhorn, für Augie eine Art Vaterfigur. Doch der gierige Einhorn nutzt seinen Fleiß aus. Danach arbeitet er für die reiche Familie Renling, aber er flieht, nachdem sie ihn adoptieren wollen. Beim Braunkohleunternehmen seines älteren, ehrgeizigen Bruders Simon ist er als Assistent tätig,doch als Augies Verlobung mit der reichen Kusine von Simons Frau schief geht, wird Augie von ihm rausgeworfen. Kurz danach verliebt er sich in Thea, eine hinreizende und reiche Frau. Mit ihr fährt er nach Mexiko, wo sie Eidechsen mit einem gezüchteten AdleT jagen wollen, aber der Plan und die Beziehung scheitern nach einem Unfall. Am Ende des Romans befindet sich Augie allein in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg. Durch die zahlreichen Rückschläge ist er zynisch geworden, seinen Optimismus verliert er aber nicht. Wirkung: Die Abenteuer des Augie March erhielt meist positive Rezensionen für die erzählerische Energie und die dramatische Schilderung der schelmenhaften Hauptfigur. In den 1950er Jahren schockierte und fesselte das Buch die Leser durch seinen derben Humor, karnevalistischen Geist, Rebellion und Sexualität. Bellows Prosa, obwohl kreativ und brisant, wurde teilweise aber auch als verwirrend und zu anspruchsvoll kritisiert.
      Herzog
Herzog bildet für viele den Höhepunkt in Saul Bellows Karriere. Die brillante Erzähltechnik und die Prägnanz der intellektuellen Abschweifungen sicherten dem Autor den Status als einer der wichtigsten US-Nachkriegsautoren. Inhalt: Nach der Scheidung von seiner ersten Frau heiratet Professor Moses Herzog die schöne, aber neurotische Madeleine und bezieht mit ihr ein entlegenes Landhaus in Massachusetts. Hier schreibt Herzog mit Schwierigkeiten an seinem Buch über die europäische Romantik, die er wegen ihrer Lebensfeindlichkeit immer kritischer betrachtet. Herzog und seine Frau lernen ein anderes junges Pärchen, die Gersbachs, kennen. Der egozentrischen Madeleine gefällt das ländliche Leben bald nichi mehr, sie will wieder in einer großen Stadt leben. Mit ihrem Töchterchen ziehen sie nach Chicago, wo Herzog den Gersbachs Arbeit besorgt. Kurz nach der Ankunft lässt sich Madeleine von Herzog scheiden, woraufhin er fast zusammenbricht. Nachdem Herzog nach New York gezogen ist. erfährt er, dass Madeleine seit längerem mit seinem Freund Valentine Gersbach fremdgeht und alles geplant hatte. In New York lernt Herzog Ramona kennen, eine attraktive und natürliche Frau. Durch ihre Wärme und Güte erlangt er wieder ein positives Bild vom Leben. Mit gestärktem Selbstbewusstsein fliegt er nach Chicago, wo er die Ermordung von Madeleine und ihrem Liebhaber plant, den zerstörerischen Gedanken aber wieder verwirft. Danach kümmert er sich verstärkt um seine Tochter und besucht mit ihr ein Aquarium und hat einen Autounfall. Die Polizei nimmt ihn wegen einer unregistrier-ten Pistole fest, die in seiner Tasche gefunden wird. Nach kurzer Haft, seinem Tiefpunkt, kehrt er verzweifelt und allein zu seinem Landhaus zurück, wo er den Kontakt zur Welt abbricht. In seiner Einsamkeit zieht er Bilanz und schreibt fragmentarische Briefe. Der Besuch seines Bruders und Ramona deutet an, dass er sich wieder der Gesellschaft anschließen wird. Aufbau: Ein kurzer Aufenthalt Herzogs in seinem Landhaus bildet den äußeren Rahmen des Romans. Die bruchstückhafte Struktur der inneren Geschichte in seinem Kopf spiegelt die Unruhe und Verwirrung der Titel ligur. Erinnerungen, Monologe, Briefe und philosophische
Exkurse geraten durcheinander und bilden den Kern des Werks. Die auffälligen Brieffragmente, die er ständig aus Ã"rger und Frust schreibt, aber so gut wie nie vollendet oder abschickt, sind nicht nur Symptome seiner geistigen Krankheit, sondern auch Selbsttherapie. Am Ende des Romans bricht er aus seiner Introvertiertheit heraus und hört auf zu schreiben, was als Zeichen seiner Genesung angesehen werden kann. Wirkung: Herzog erlebte gleichzeitig enormen Zuspruch und kritische Anerkennung. Der unterdrückte persönliche Frust im Werk nahm die sozialen Unruhen vorweg, die Ende der 1960er Jahre ihren Höhepunkt erreichten. Der Reichtum an philosophischen Ideen stieß auf große Resonanz, Bellows Ablehnung der Philosophie des Leidens, die der damals populäre Existen-zialismus von den Romantikern erbte, wurde positiv aufgenommen.
      Die wichtigsten Bücher von Saul Bellow
Der Mann in der Schwebe, 1944 In einem dunklen und bürokratischen Niemandsland wartet ein junger Mann darauf, von der Armee aufgenommen zu werden.
      Dos Opfer 1947 Zwei Männer mit radikal verschiedenen Perspektiven finden keine Ordnung in der modernen, chaotischen Welt.
      Die Abenteuer des Augie March, 1953 Ein junger Amerikaner aus einem armen Familienhaus lernt durch seine lebhaften Erfahrungen die Welt kennen. ->S.

   Das Geschäft des Lebens, 1956 Getrennt von seiner Frau, entfremdet von seinem Vater sucht ein Einsamer Hilfe bei einem Therapeuten, der ihn betrügt.
      Der Regenkönig, 1959 In Afrika begegnet ein reicher Amerikaner einer bizarren Welt.
      Herzog, 1964 Ein Professor therapiert seine Krise mit Briefeschreiben.
      Mr. Sammlers Planet 1970 In den sozialen Unruhen der späten 1960er Jahre und in der eigenen Familie sieht ein alter Intellektueller nur Absurditäten.
      Humboldts Vermächtnis, 1975 In seinen Erinnerungen an einen toten Freund reflektiert ein Dramatiker über materielle Werte wie Ruhm und Reichtum.
      Der Dezember des Dekans, 1982 Während eine Amerikanerin mit einer kommunistischen Bürokratie kämpft, streitet ihr Mann mit einer kapitalistischen.
      Mehr noch sterben am gebrochenen Herzen, 1987 Eine ironische Thematisierung der Körper-Geist-Dilemma: Ein Professor erlebt Abenteuer als er versucht, sich in der materialistischen Welt zurecht zu finden.
      Ravelstein, 2000 Romanhafte Erinnerungen an einen brillanten Philosophen.
     


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